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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2016

Spannend und beklemmend zugleich

Kalte Brandung
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„Kalte Brandung“ ist der 2. Fall für das sympathische Ermittlerduo Kyra Slagter und Maud Mertens. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse ...


„Kalte Brandung“ ist der 2. Fall für das sympathische Ermittlerduo Kyra Slagter und Maud Mertens. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Schauplatz ist Amsterdam und Umgebung. Worum geht es?
Der kleine Jesse ist verschwunden. Genau wie Tommy und all die anderen Kinder. Während Kommissarin Maud ermittelt, folgt Kyra, die inzwischen Kriminalistik studiert, einer neuen Spur bezüglich ihrer Schwester Sarina, die vor vier Jahren spurlos verschwand.
„Kalte Brandung“ ist nach „Dunkle Flut“ der zweite Band der Reihe „Die Nordsee-Morde“. Krimi-Meisterin Isa Maron hat erneut ein heißes Eisen angepackt. Es geht um Gewalt gegen Kinder, Kinderhandel und moderne Sklaverei. Auch mit Gesellschaftskritik spart die Autorin nicht.
In einem weiteren Handlungsstrang, der in London verortet ist, geht es um das Schicksal eines Mädchens, das Jane genannt wird. Es kann sich nicht erinnern und will auch nicht sprechen. Wo ist die Verbindung?
Schnell ist klar, dass die Täter vor Mord nicht zurückschrecken. Aber Maud kämpft mit den Dämonen ihrer Vergangenheit. Denn schon einmal hatte sie den Tod eines Kindes mit verschuldet. Wird es ihr diesmal gelingen, die entführten Kinder lebend zu finden?
Immer mal wieder finden sich Bezüge zum Vorgängerroman. So baut man schnell eine Bindung auf, ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Kyra und Maud, ein ungleiches Paar, das sich perfekt ergänzt. Jugend und Neugier gepaart mit Fachkenntnis und Lebenserfahrung - eine gute und erfolgreiche Kombination.
Selbst, wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Eine Geschichte mit vielen falschen Fährten, dramatischen Wendungen und einem ganz intensiven Spannungsbogen bis zum fulminanten Finale. Und so freue ich mich schon heute auf den dritten Band: „Schwarzes Wasser“.

Fazit: Gelungene Fortsetzung der Reihe. Faszinierend düster!!

Veröffentlicht am 01.10.2016

Späte Sühne

Frankfurter Kaddisch
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„Frankfurter Kaddisch“ ist ein Kriminalroman mit zeitgeschichtlichem Hintergrund, der in Frankfurt am Main verortet ist. Das Kaddisch ist eines der wichtigsten Gebete im Judentum. Somit passt der Titel ...


„Frankfurter Kaddisch“ ist ein Kriminalroman mit zeitgeschichtlichem Hintergrund, der in Frankfurt am Main verortet ist. Das Kaddisch ist eines der wichtigsten Gebete im Judentum. Somit passt der Titel ausgezeichnet zum Inhalt. Denn es geht um drei mutmaßliche Selbstmorde in der jüdischen Gemeinde Frankfurts. Alle Toten waren über 70 Jahre alt. Alles sehr mysteriös. Hauptkommissar Gregor Mandelbaum ermittelt.
Gregor ist Jude und hat das Asperger-Syndrom. Er ist jung und klug. Fluch und Segen zugleich. Seine Sozialkompetenz mag eingeschränkt sein, dafür kennt er sich gut mit Körpersprache aus. Gregors Familie ist reich, ihr gehört ein Bankhaus, aber er selbst lebt von seinem Gehalt. Gregors Eltern sind tot, aber er hat noch eine Schwester, Sarah, und einen Onkel namens Jakob. Sarah ist ein Partygirl, ihr Lover heißt Roman und ist Russe.
Zu Gregors Team gehören Küken Jenny, Bedenkenträger Dieter, „Mutti“ Jutta und „Schmuddel“ Klaus, ein Nerd. Jugend und Neugier gepaart mit Fachkenntnis und Lebenserfahrung - eine gute Kombination. Unterstützt wird Gregor von der Gerichtsmedizinerin Dr. Sonja Savoyen. Bald ist klar, dass Salomon Kleinstein, Ella Löwenstin und Samuel Itzigman ermordet wurden. Gibt es eine Verbindung? Und wo liegt das Motiv?
Rückblenden in die Vergangenheit, beginnend mit dem Jahr 1931 bis in die Nachkriegszeit, verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen. Gregor gerät immer mehr in ein Netz aus Lügen und Intrigen, in das auch sein Onkel verstrickt zu sein scheint. Ein altes Familiengeheimnis. Es geht um Rache und Vergeltung, Schuld und Sühne. Zudem hat Dieter Aurass eine Thematik gewählt, die nicht schon x-fach kriminalliterarisch abgearbeitet wurde. Selbst wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten.
„Frankfurter Kaddisch“ ist das Krimidebüt von Dieter Aurass. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die auf Tatsachen beruht. Die geschichtlichen Rückblicke kommen authentisch und lebendig rüber. Der Autor hat nicht nur bestens recherchiert, sondern auch eine komplexe und spannende Geschichte geschrieben, die sich zudem flott lesen lässt. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Dass Dieter Aurass im Finale nochmal richtig Gas gibt, steigert das Lesevergnügen. Denn einige Überraschungen gegen Ende des Krimis hält der Autor für seine Leser noch bereit.
Gregor und Sonja, Jenny, Dieter, Mutti und Schmuddel, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Spannendes und atmosphärisches Debüt. Starker Stoff. So muss Krimi!

Veröffentlicht am 27.09.2016

Das Böse in ihm

Wintertod
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Ein dunkler Sommer“ von Thomas Nommensen hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Wintertod“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen spannenden ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Ein dunkler Sommer“ von Thomas Nommensen hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Wintertod“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen spannenden Krimi hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Winter in Berlin. Nach einem traumatischen Erlebnis in der Schleswig-Holsteinischen Provinz hat sich Hauptkommissar Arne Larsen in die Hauptstadt versetzen lassen. Als auf einem alten Friedhof eine Leiche gefunden wird, übernimmt Larsen die Ermittlungen zusammen mit seiner neuen Kollegin und Chefin Mayla Aslan.
Mord oder Selbstmord? „Wintertod“ ist der 2. Fall für den jungen, eigensinnigen Arne Larsen. Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
- Die Polizei, die im Fall der toten Frau auf dem verlassenen Friedhof ermittelt,
- Lea Zeisberg, eine Lehrerin, die an ihrer Schule eine Beobachtung macht und nachforscht sowie
- Rückblenden in die 70er Jahre der DDR, die vom Schicksal des kleinen Martin erzählen.
Wo ist die Verbindung? Die Polizei tappt im Dunkeln. Sie treffen auf Zeugen, die nichts gesehen und noch weniger gehört haben. Erst eine weitere Leiche führt die beiden Ermittler auf die richtige Spur…
Thomas Nommensen öffnet ein dunkles Kapitel der Deutsch-Deutschen Geschichte. Nach dem Mauerfall wird gemauschelt und vertuscht. Die Wahrheit kommt erst ganz am Ende ans Licht.
Es geht um Gewalt gegen Kinder. Die Geschichte wiederholt sich. Aus Opfern werden Täter. Eine Konfliktsituation, die den Leser emotional einbindet und verführt, seinen Fuß auf die falsche Seite zu stellen. Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht.
Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Über das Wiedersehen mit Arne habe ich mich sehr gefreut. Auch die geheimnisvolle Mayla ist mir sofort ans Herz gewachsen. Sie hat türkische Wurzeln und das Verhältnis zu ihrer Familie scheint kompliziert zu sein.
Selbst, wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Eine Geschichte mit vielen falschen Fährten, dramatischen Wendungen und einem intensiven Spannungsbogen bis zum überraschenden Ende.
Arne, Mayla und Harald Fricke, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Ein Kriminalroman mit Tiefgang. Abgründig und packend zugleich!

Veröffentlicht am 16.09.2016

Ein sicherer Ort?

Die Schande der Lebenden
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Die Lügen der Anderen“ von Mark Billingham hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Die Schande der Lebenden“. Die Inhaltsangabe ließ erneut ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Die Lügen der Anderen“ von Mark Billingham hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Die Schande der Lebenden“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen packenden Psychothriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Fünf Menschen treffen sich jeden Montagabend im Haus eines Londoner Therapeuten. Sie alle haben eine Suchtkarriere hinter sich und versuchen nun, mit Unterstützung der Gruppensitzungen nicht rückfällig zu werden. Spannungen und Streit sind vorprogrammiert. Tony De Silva leitet diese Gruppe. Früher war er selbst ein Junkie.
Eines Tages wird ein Gruppenmitglied tot aufgefunden, ermordet in der eigenen Wohnung. Nicola Tanner und ihr Kollege ermitteln. Doch eine eiserne Regel verhindert die schnelle Auflösung. Zitat: »Dieser Kreis ist ein sicherer Ort. Seine Regeln gelten uneingeschränkt. Was auch immer in diesem Kreis besprochen wird, dringt niemals nach außen…«
„Die Schande der Lebenden“ ist eine Geschichte über Sucht und Lügen, Scham und Mord und besticht durch perfekte psychologische Hochspannung. Opfer und Täter bleiben lange im Dunkeln. Auch wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Denn erst ganz am Schluss weiß man wirklich, was passiert ist.
Wechselnde Zeitebenen, die mit „Damals“ oder „Jetzt“ überschrieben sind sowie wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Schnell ist klar, dass der Mörder nur ein Teilnehmer der Suchtgruppe sein kann. Nichts ist wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint.
Zitat: »Heather ist der Prügelknabe«, sagt Chris. »Robin ist ein langweiliger Besserwisser mit haarigen Ohren, Caroline, eine fette Kuh und Diana eine verzogene Zicke mit zu viel Zeit. Kann ich jetzt wieder auf meinen Platz? « Chris selbst ist schwul und spielt gern den Clown. Und welche Rolle spielt Tony?

Fazit: Beste psychologische Spannung. Ein echter Billingham eben. Sehr zu empfehlen!


Veröffentlicht am 15.09.2016

Wenn der Jäger zum Gejagten wird

Sieben minus eins
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All diese verschwundenen Mädchen. Sie verfolgen den Stockholmer Kriminalkommissar Sam Berger bis tief in seine Träume. Berger und sein Team finden Blutspuren: Da muss jemand 15-jährige Schulmädchen hassen. ...


All diese verschwundenen Mädchen. Sie verfolgen den Stockholmer Kriminalkommissar Sam Berger bis tief in seine Träume. Berger und sein Team finden Blutspuren: Da muss jemand 15-jährige Schulmädchen hassen. Aber warum?
Sam Berger muss sich erinnern. Denn seine eigene Vergangenheit ist eng verbunden mit den aktuellen Entführungsfällen. Dann stößt er auf eine geheimnisvolle Frau. Doch da hat er sein Schicksal schon längst nicht mehr selbst in der Hand.
Wird es der Polizei gelingen, die Mädchen noch lebend zu finden - und ihren grausamen Entführer? Ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt…
„Sieben minus eins“ punktet mit vielen grausigen Einfällen, Twists & Turns, mit denen Arne Dahl die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Eine Geschichte, die sich zudem flott und flüssig lesen lässt. Nichts ist wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint.
Die Vergangenheit wirft lange Schatten, die der Autor gründlich ausleuchtet. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Erst ganz am Ende schließt sich dann der Kreis.
Sam Berger ist mir sofort ans Herz gewachsen. Er schleppt einiges an Ballast mit, verfängt sich in seiner Vergangenheit. Das Thema Zeit dominiert seine Gedanken. Und so überrascht es nicht wirklich, dass er alte Uhren sammelt. Überhaupt ist Berger sehr analog.
Molly Blom hat sich wegen chronischer Migräne einer Botox-Behandlung unterzogen. Ihr scheint jedes Mitgefühl zu fehlen. Eine starke Frau, die Berger zeigt, wo der Hammer hängt. Sie arbeitet für eine interne Einheit der Säpo, dem schwedischen Geheimdienst.
„Sieben minus eins“ ist der Beginn einer neuen Krimiserie um das Ermittlerduo Sam Berger und Molly Blom - psychologisch raffiniert, voller abgründiger Wendungen und unglaublich spannend bis zum überraschenden Ende, das geradezu nach einer Fortsetzung schreit.

Fazit: Berger und Blom, ein neues starkes Team. Schwedisch. Schnell. Spånnend.