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Veröffentlicht am 21.09.2016

Zwanzig Jahre DDR-Geschichte satirisch verpackt

Helden wie wir
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Format: E-Book
Dateigröße: 1095 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 336 Seiten (FISCHER Taschenbuch; Auflage: 16 (1. April 1998), ISBN-13: 978-3596133314, Preis: 8,95 €)
Verlag: FISCHER E-Books; Auflage: ...

Format: E-Book
Dateigröße: 1095 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 336 Seiten (FISCHER Taschenbuch; Auflage: 16 (1. April 1998), ISBN-13: 978-3596133314, Preis: 8,95 €)
Verlag: FISCHER E-Books; Auflage: 1 (6. September 2015)
Sprache: Deutsch
Preis: 8,99 €

Zwanzig Jahre DDR-Geschichte satirisch verpackt

Inhalt:

Nach dem Fall der Mauer beansprucht Klaus Uhltzscht dies als sein Verdienst. Einem Journalisten von der New York Times spricht er aufs Band, wie es dazu kam. Angefangen bei seinen Eltern, einem Stasi-Mitarbeiter und einer Hygienefanatikerin, und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des kleinen Klaus, begleiten wir den jungen Mann und seine Triebe über etwa zwei Jahrzehnte durch Ostberlin.

Meine Meinung:
Sehr passend ist hier das Cover gewählt, der Ausschnitt einer Statue, in dessen Mittelpunkt das männliche Geschlechtsorgan steht. Denn genau das ist es, was Klaus Uhltzscht – wie wohl die meisten jungen Männer – vordergründig bewegt. In seinem Elternhaus ist Sex ein Tabuthema wie vieles andere auch. Dadurch ist Klaus immer derjenige, der alles als Letzter erfährt, anfangs meist im Sommerlager. Dabei hat es Klaus nicht leicht mit seiner überfürsorglichen Mutter, die überall nur Keime und sonstige Gefahren sieht. Für seinen Vater ist er einfach ein Versager. Und so lernt Klaus schnell die selbsterfüllende Prophezeiung kennen. Er ist ein Sachenverlierer, ein Flachschwimmer, ein Nichtskönner. Als Leser hat man Mitleid mit ihm, muss aber auch immer wieder schmunzeln ob der Hindernisse, die ihm das Leben schwer machen. Er ist ein liebenswerter Antiheld, der naiv und unbedacht durchs Leben stolpert.

Wir bewegen uns beim Lesen zwischen satirischer Betrachtung der Gesellschaft und Politik in der DDR und dem außergewöhnlichen Sexualleben von Klaus Uhltzscht. Dieses hat aber in keiner Weise etwas mit Erotik zu tun. Es ist wunderbar in die übrige Handlung eingebettet und sehr humorvoll beschrieben. Normalerweise kann ich mich für Romane, in denen Sex welcher Art auch immer, eine so große Rolle spielt, nicht besonders begeistern. Thomas Brussig hat aber eine ganz besondere Art, mit diesem Thema umzugehen.

Zuweilen hätte ich mir eine etwas straffere Erzählung gewünscht, aber im Großen und Ganzen gibt es an diesem unterhaltsamen Roman nicht viel auszusetzen.

Fazit:
Eine herrliche Satire über das Ende der DDR mit einem wahrhaft bemitleidenswerten, aber sympathischen Helden. Der Roman wurde zum 10. Jahrestag des Mauerfalls 1999 auch verfilmt.

★★★★☆

Veröffentlicht am 20.09.2016

Eine gelungene Kombination von Fakten und Fiktion

Alles, was ich bin
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Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (26. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596193288
Originaltitel: All that I am
Preis: 9,99 €

Eine gelungene Kombination von Fakten ...

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (26. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596193288
Originaltitel: All that I am
Preis: 9,99 €

Eine gelungene Kombination von Fakten und Fiktion

Dieser Roman beruht auf langen Gesprächen der Autorin mit Ruth Blatt (im Roman Ruth Becker bzw. Ruth Wesemann), der Cousine und engen Freundin Dora Fabians. Dora Fabian wiederum war die Sekretärin und zeitweise Geliebte des berühmten Schriftstellers und Revolutionärs Ernst Toller und wie er und auch Ruth im Widerstand gegen die Nazis aktiv. Im vorliegenden Buch geht es vor allem um diese drei Persönlichkeiten. Dabei hat die Autorin Anna Funder historische und biografische Tatsachen geschickt mit Fiktion verbunden, sodass ein authentischer und gut lesbarer Roman entstanden ist.

Dabei ist Dora Fabian die tragende Figur. Zwar wird abwechselnd aus den Perspektiven von Ernst Toller und Ruth Becker erzählt, doch im Mittelpunkt von deren Erzählungen steht fast immer Dora. Sie ist diejenige, die die anderen zusammenhält, die den Überblick hat, die grandiosen Mut beweist.

Sprachlich ist der Roman hervorragend. Die Atmosphäre der 1930er Jahre lebt dadurch in einer einzigartigen Weise auf, wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich muss zugeben, ich bin geschichtlich nicht besonders interessiert, aber Anna Funder konnte mich fesseln und mir diese schlimme Zeit der deutschen Geschichte nahebringen, indem sie mich dicht an der Seite der Protagonisten durch die Handlung führte.

Mit den Perspektivwechseln hatte ich zuweilen leider meine Probleme – es waren mir einfach zu viele und teilweise zu abrupte Wechsel. Funder springt von Toller zu Ruth, von der Gegenwart in die Vergangenheit, und in der Vergangenheit auch wieder in verschiedene Zeiten. Oft brauchte ich nach einem Wechsel einige Zeit, um mich beim Lesen wieder zurechtzufinden. Manche Teile der Erzählung hätte man vielleicht auch ein wenig straffen können.

Fazit:
Ein wichtiger und lesenswerter Roman, der dem Leser den deutschen Widerstand und die brutale Vorgehensweise der Nazis vermittelt, dabei aber die Einzelpersonen und -schicksale hervorhebt.

★★★★☆

Veröffentlicht am 20.09.2016

Eine Gruselgeschichte – Kampf auf Leben und Tod

Der Mitternachtspalast
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Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (23. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596520626
Originaltitel: El palacio de la medianoche
Preis: 12,00 €

Eine Gruselgeschichte ...

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (23. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596520626
Originaltitel: El palacio de la medianoche
Preis: 12,00 €

Eine Gruselgeschichte – Kampf auf Leben und Tod

Inhalt:

Kalkutta, 1932. Ben ist in einem Waisenhaus aufgewachsen. Nun ist er sechzehn Jahre alt und damit erwachsen. Er wird das Waisenhaus verlassen. Doch in den letzten Tagen begegnet er der ebenfalls sechzehnjährigen Sheere und fühlt sich sonderbar zu ihr hingezogen. Die beiden verbindet ein Geheimnis, das über ihr weiteres Leben oder ihren Tod bestimmen wird.

Meine Meinung:
„Der Mitternachtspalast“ ist der mittlere Band der Nebel-Trilogie, deren einzelne Bände aber inhaltlich nicht zusammenhängen, also jeweils als Einzelband gelesen werden können. Anders als der 1. Band „Der Fürst des Nebels“ wirkt es aber viel erwachsener. Als Zielgruppe würde ich ältere Jugendliche, so ab 15 oder 16 Jahren etwa, nennen. Für Jüngere ist die Geschichte einfach zu gruselig und grausam. Es werden Menschen gefoltert und brutal ermordet, zwar in einem nicht realen Umfeld, aber die Beschreibungen sind doch ziemlich horrormäßig. So entsteht natürlich auch eine gewaltige Spannung.

Gut gefallen hat mir neben dem gewohnt tollen Schreibstil und der feinen Sprache Zafóns, dass schon recht früh der Buchtitel erklärt wird. Ben und seine Freunde aus dem Waisenhaus haben einen Geheimclub gegründet, die Chowbar Society, die einander auf Leben und Tod verschworen sind. Ihr Hauptquartier ist eine alte Baracke beim Waisenhaus, wo sie sich immer um Mitternacht treffen. Deshalb nennen sie es liebevoll den Mitternachtspalast. Und da die Freundschaft der Waisen und die Chowbar Society im weiteren Verlauf eine große Rolle spielen im Kampf gegen das Böse, passt der Titel recht gut.

Neben der gruseligen Geschichte gelingt es dem Autor auch sehr gut, die Atmosphäre der indischen Großstadt Kalkutta zu beschreiben. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich werden sichtbar, die bunten Basare mit ihren exotischen Düften werden vor den Augen des Lesers lebendig.

Insgesamt hat mir „Der Mitternachtspalast“ gut gefallen. Das gewisse Etwas in der Gruselgeschichte, das den 5. Stern ausmacht, fehlte mir zwar. Trotzdem spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus. Man wird auf jeden Fall gut unterhalten.

Die Reihe:
1. Der Fürst des Nebels
2. Der Mitternachtspalast
3. Der dunkle Wächter

★★★★☆

Veröffentlicht am 17.09.2016

Verzaubernde Geschichte

Der Fürst des Nebels
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Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (21. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596812721
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre
Originaltitel: El principe de la niebla
Preis: ...

Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (21. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596812721
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre
Originaltitel: El principe de la niebla
Preis: 9,99 €

Verzaubernde Geschichte

Inhalt:

Es ist Sommer 1943. Der dreizehnjährige Max zieht mit seiner Familie von der Stadt in ein kleines Dorf an der Küste, um dem Krieg zu entkommen. Er hat das Gefühl, sich in einem Spielzeugdorf zu befinden. Als er dies zu seiner Mutter sagt, meint sie nur lächelnd: „Vielleicht ist es so.“

Es geschehen seltsame Dinge: Die Bahnhofsuhr geht rückwärts, eine ganz besondere Katze schließt sich der Familie an (sie hat einen seltsamen Blick und frisst Spinnen). Max entdeckt einen Skulpturengarten, wobei er die Entfernung nicht richtig abschätzen kann, sie scheint sich ständig zu verändern. Ganz gruselig wird es, als sich eine der Skulpturen bewegt…

Meine Meinung:
Das Buch hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Die Sprache Zafóns ist wunderbar, gehoben, aber doch so einfach zu lesen. Sie ist der Zeit des Zweiten Weltkriegs angepasst, wirkt aber nicht angestaubt. Es ist alles sehr eindrücklich beschrieben, man kann es sich im Kopf wirklich gut vorstellen und fühlt sich wie mitten im Geschehen. Das Buch beginnt ganz ruhig, doch schon nach ein paar Seiten wird es richtig spannend. Zu gerne möchte man wissen, was es mit dem Clown und den anderen Skulpturen auf sich hat.

Von Seite zu Seite wird mehr Spannung aufgebaut. Max freundet sich mit dem Enkel des Leuchtturmwärters an, der den Jungen fantasievolle Geschichten erzählt. Doch müssen sie bald feststellen, dass diese Geschichten nicht einfach frei erfunden sind. Es steckt eine übermächtige Gefahr dahinter.

Zuweilen sind die beschriebenen Szenen schon wirklich schaurig. Hier habe sogar ich als Erwachsene mich gegruselt. Insofern sollte man das Lesealter nicht zu niedrig ansetzen und dabei auf das jeweilige Kind Rücksicht nehmen.

„Der Fürst des Nebels“ ist Carlos Ruiz Zafóns Debütroman. Er wurde dafür 1993 mit dem spanischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Der Roman ist der Auftakt zur Nebel-Trilogie, einer anspruchsvollen Fantasy-Reihe für junge Leser, deren einzelne Bände aber voneinander unabhängig gelesen werden können.

Die Reihe:
1. Der Fürst des Nebels
2. Der Mitternachtspalast
3. Der dunkle Wächter

★★★★☆

Veröffentlicht am 16.09.2016

Dünnes, aber eindrucksvolles Buch

Und auch so bitterkalt
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Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (27. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596812141
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 7,99€
Auch als gebundene Ausgabe ...

Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (27. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596812141
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 7,99€
Auch als gebundene Ausgabe und als E-Book erhältlich



Dünnes, aber eindrucksvolles Buch

Zum Inhalt möchte ich bei diesem Buch gar nicht viel schreiben, denn es wird erst nach und nach klar, worum es hier geht. Dies herauszufinden, möchte ich niemandem nehmen, denn es macht den Großteil der Geschichte aus.

Die Person, um die es geht, ist Lucinda, 15 Jahre alt und nicht gerade einfach im Umgang, zumindest mit ihren Eltern. Von ihrer jüngeren Schwester Malina wird sie allerdings angehimmelt. Malina würde alles für Lucinda tun. Dass Lucinda eine so starke Verbündete hat, ist allerdings nicht immer gut für sie. Sie entzieht sich so immer mehr dem elterlichen Einfluss und gerät in eine fürchterliche Abwärtsspirale. Auch die Beziehung zu einem Nachbarjungen kann dies nicht verhindern – im Gegenteil. Fast hat man den Eindruck, die beiden ziehen sich gegenseitig nur immer weiter runter.

Wir erleben Lucindas Geschichte aus der Sicht der jüngeren Malina, die oft erstaunlich gut beobachtet und interpretiert. Die zerrissen ist zwischen der Loyalität zu ihrer Schwester und der zu ihren Eltern. Die es allen recht machen will, aber nicht kann. Dabei ist das Familiengeflecht sehr interessant. Man weiß als Leser gar nicht, ob man mehr mit den Eltern oder mit einem der Kinder mit leiden soll.

Die Erzählung ist recht düster. Sie erweckt wenig Hoffnung, dass das Ruder irgendwann noch einmal herumgerissen wird. Und eigentlich gibt es auch wenig Überraschendes. Es läuft einfach von Anfang an auf das Ende zu. Trotzdem oder gerade deshalb hat mich das Buch gefesselt. Ich musste einfach immer weiter lesen im Angesicht dieser düsteren Entwicklung. Manchmal sieht man ja das Unheil kommen und kann einfach nicht wegschauen.

★★★★☆