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Veröffentlicht am 26.02.2019

Doch gar nicht so anders

Die tausend Teile meines Herzens
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Normalerweise werden Colleen Hoovers Bücher bei mir innerhalb des Erscheinungsmonats gelesen, weil sie für mich die Queen von YA und NA in den letzten Jahren geworden ist. Doch viele Leserstimmen, die ...

Normalerweise werden Colleen Hoovers Bücher bei mir innerhalb des Erscheinungsmonats gelesen, weil sie für mich die Queen von YA und NA in den letzten Jahren geworden ist. Doch viele Leserstimmen, die zu „Die Tausend Teile meines Herzens“ reinkamen, sprachen immer davon, wie anders dieser Roman sei. Offenbar hat mich das doch etwas beeinflusst, da nun einige Monate vergangen sind und ich erst jetzt zu ihrem neusten Werk auf dem deutschen Markt gegriffen habe. Das ist die Angst, wenn man Sorge hat, von seiner Lieblingsautorin enttäuscht zu werden. Aber Hoover kann gar nicht enttäuschen und daher war meine Sorge auch vollkommen unbegründet!

Auch nach Beendigung des Buches frage ich mich immer noch ein wenig, warum so viele Leser es als „anders“ empfunden habe. Als anders empfinde ich Bücher bei Autoren immer dann, wenn diese immer dasselbe schreiben und dann mal neue Wege gehen. Aber Hoover ist in meinen Augen keine Autorin, die man in eine Schublade stecken kann. Sie ist vielleicht nicht so wandelbar wie Jennifer L. Armentrout, aber dennoch kann sie überzeugend YA und NA schreiben, immer wieder neue verrückte Ideen entwickeln und lässt dabei nie die Gefühle auf der Strecke. Sicherlich hat sie gewisse Zutaten, die man bei ihr immer findet, aber ansonsten konnte mich jedes Buch von Hoover überraschen und dadurch begeistern.

Ist es nun also anders, weil es sich viel mit Familie beschäftigt und die Liebesgeschichte dadurch nur eine Geschichte von vielen ist? Ich weiß es nicht, ich kann jedenfalls nur sagen, dass ich die Geschichte auf Anhieb als ein Hoover-Werk erkannt habe, alleine schon die Pokalgeschichte ganz am Anfang und dann der verbotene Kuss zwischen Merit und Sagan, da er sie für ihre Zwillingsschwester gehalten hat. Insgesamt hat mich der ganze Ton der Geschichte sehr an „Weil ich Layken liebe“ erinnert. Auch hier geht es um verbotene Gefühle, es geht um Familiendynamiken und man hat jeweils eine Protagonistin, die durchaus an den Nerven zehren kann. Dennoch fand ich Merit komplexer, da es an ihr so viele Seiten zu entdecken gab. Ging sie mir auf den Keks, habe ich im nächsten Moment eine Seite an ihr erlebt, die mir wieder gefallen hat. Ihre Liebesgeschichte mit Sagan ist wirklich süß, echt und anrührend, aber wirklich begeistern konnte mich diesmal der Familienaspekt.

Bei Hoover spielen die Familien meist eine eher untergeordnete Rolle, da die Liebesgeschichte eben so einnehmend ist, aber hier bekommt Merits Familie ganz viel Raum und das finde ich unheimlich spannend, da dieses alternative Familienleben so viele Geschichten bereithält. Zudem lassen sich mit den Charakteren auch viele diverse Themen ansprechen, am meisten überrascht hat mich sicherlich Sagans Geschichte und die interessante Information, dass der Syrienkrieg in den USA ein sehr untergeordnetes Thema ist, während wir uns in Deutschland alleine durch die Flüchtlingskrise schon nicht entziehen konnten. Mir hat es gut gefallen, dass es ständig in der Geschichte gebrodelt hat. So gab es auch viele zwischenzeitliche Höhepunkte, bei denen neue Aspekte aufgedeckt wurden. So wird Lesen zum Erlebnis!

Dennoch ist die volle Wertung bei mir nicht drin, da eben doch nicht alles stimmig war. Einige Begebenheiten innerhalb der Familie waren so extrem gezeichnet, dass sie an manchen Stellen dann zu unglaubwürdig wurden. Zum anderen passte das Tempo der Erzählung nicht immer für mich. Da gab es Enthüllungen, die ich faszinierend fand, die ich weiterverfolgen wollte, aber stattdessen hat Merit, auf deren Perspektive wir angewiesen waren, sich mit anderen Dingen beschäftig, damit ihr dann 50 Seiten später wieder einfällt: „Da war doch was…!“ Das war nicht immer klug gelöst, ist aber im überzeugenden Gesamtkonzept gut zu verschmerzen.

Fazit: „Die Tausend Teile meines Herzens“ ist genauso Colleen Hoover, wie auch alle anderen Bücher die ihren sind, weil ihre unverwechselbare Erzählstimme immer durchdringt. Diesmal haben wir es mit einer YA-Geschichte zu tun, die viele aktuelle Themen anhand einer dysfunktionalen Familie behandelt. Das klappt bis auf einige kleinere Aspekte wirklich sehr gut und ich habe mich in der Geschichte fallenlassen könne, wie ich es auch sonst immer tue!

Veröffentlicht am 14.02.2019

Überraschende Entwicklungen

Someone New
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In meinen Augen war „Someone New“ mit seiner Ankündigung das meist erwartete NA-Buch der deutschen Geschichte, oder? Dieses wunderschöne Cover wurde uns präsentiert und alle hatten direkt ganz viel Liebe ...

In meinen Augen war „Someone New“ mit seiner Ankündigung das meist erwartete NA-Buch der deutschen Geschichte, oder? Dieses wunderschöne Cover wurde uns präsentiert und alle hatten direkt ganz viel Liebe für Micah und Julian übrig, obwohl sie noch keiner kannte. Die Wartezeit war ewig lang, als aber die ersten Vorableser erste Eindrücke abgaben, wurde es noch schlimmer, da sie immer davon sprachen, wie wichtig dieses Buch doch ist. Das weckte bei mir natürlich die Frage: um was geht es? Nun gibt es endlich Antworten und ich muss sagen, damit hätte ich nicht gerechnet, Hut ab!

Laura Kneidl ist eine tolle Erzählerin, wovon ich mich schon in ihrer ersten Dilogie und auch in ihren Fantasywerken überzeugen durfte. Daher war ich ehrlich gesagt etwas erstaunt, wie schwer mir der Einstieg in die Geschichte fiel. Das war natürlich besonders fies, weil ich mich so unheimlich auf diese Lektüre gefreut hatte. Während ich die erste Begegnung von Micah und Julian in einer vorab gelesenen Leseprobe noch richtig gefeiert hatte, weil da direkt so ein Funkensprühen zu spüren war, wollte es im Weiteren mit mir und den beiden nicht richtig klappen. Das liegt vor allem an den jeweiligen Figuren, was dann natürlich auch ihre Interaktion beeinflusst hat.

Ich fand es gut, dass Micah eine sehr selbstbewusste junge Frau ist, die auch mit ihrer Sexualität im Reinen ist, da so ein guter Kontrast zu Sage geschaffen worden ist. Dennoch hat ihre Unverblümtheit einiges von der körperlichen Spannung zwischen den beiden weggenommen, weil es eben alles schon so selbstverständlich war. Ich habe das Gefühl, dass ich diesen Eindruck schwer erklären kann, aber das habe ich bei Micah doch deutlich gespürt. Bei Julian wiederum war das Problem ganz klar, dass über ihn ja ewig lange nicht viel preisgegeben wurde. Das war natürlich narratorisch begründet, um so das Geheimnis um ihn so lange wie möglich verdeckt zu halten, aber dadurch war Julian tatsächlich nicht zu packen und oftmals hat sich mir der Gedanke aufgedrängt, ja, was findet Micah denn jetzt an ihm, dass sie ihm sein mangelndes Vertrauen wieder und wieder verzeiht. Am Ende löst sich natürlich alles auf und alles ist sonnenklar, aber im Leseprozess hat sich das leider etwas zäh gestaltet.

Zäh ist auch das Stichwort für ein weiteres Thema, das mir in diesem Roman überdeutlich ins Auge gesprungen ist. Kneidl hat sich unheimlich viel Zeit für den Aufbau der Geschichte gelassen. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber an dieser Stelle muss ich es kritisieren, weil das Unterbringen von 1000 Netflix-Serien und –Filmen und das Erwähnen von 5000 Superhelden und zig anderen Popkulturthemen irgendwann nur noch nervte. Ja, Kneidl ist up-to-date, ich habe ich es verstanden. Das klingt jetzt etwas verbittert, aber sorry, hier war es einfach zu viel. Bei „Berühre mich. Nicht“ hat das Verhältnis genau auf den Punkt gestimmt, hier wurde leider übertrieben und weil sich die Autorin so in diese Nebensächlichkeiten verstrickte, war das 1/3 auch an sich zäh.

ABER: Kneidl ist eine tolle Erzählerin, das bleibt. Denn irgendwann war der Sog da, der vordergründig eben auch von den zahlreichen Nebenfiguren getragen wurde. Ob nun eher Antagonisten oder Fanlieblinge für Folgebände, alle haben ein Profil erhalten und es war spannend die unterschiedlichen Figuren zu entdecken. Auch in der Handlung war irgendwann richtig Druck drin, weil man an verschiedenen Brandherden merkte, dass es nun richtig spannend wird und das hat dem Buch ab der Hälfte richtig, richtig gut getan! Ab da konnte ich mit dem Lesen kaum noch aufhören.

Thematisch will ich nicht zu viel verraten, da die überraschende Wendung doch einen wesentlichen Teil des Leseprozesses ausmacht, aber ich kann mich nur anschließen: ja, diese Thematik war wichtig! Zudem fand ich es wichtig, dass die Themen auch nicht mehr der Moralkeule angegangen wurden, denn Kneidl präsentiert alle Positionen. Natürlich zeigt sich, dass Kneidl die Meinung ihrer Protagonistin vertritt, aber dennoch präsentiert sie alle Sichtweisen und erzwingt auch keine Happy Ends, wo keine möglich sind. Deswegen ist die Geschichte für mich vor allem extrem realistisch und das ist ein Adjektiv, was mir nun wahrlich nicht immer bei NA in den Kopf kommt. Hier passt es aber wie die Faust aufs Auge!

Fazit: Wäre dieses erste Drittel, in dem doch ein paar Sachen narratorisch nicht funktionierten, nicht gewesen, dann hätten wir von Kneidl wieder die perfekte Lektüre gehabt. Aber auch trotz der kleinen Makel kann ich nur eine inständige Empfehlung für alle NA-Fans aussprechen, dieser Roman ist ein Must-Read!!!

Veröffentlicht am 06.02.2019

So geht Dilogie!

Iron Flowers 2 – Die Kriegerinnen
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„Iron Flowers“ war ohne Frage im letzten Jahr ein absolutes Lesehighlight für mich, da ich absolut begeistert war, eine Geschichte mit direkt zwei starken Frauen zu erleben. Zudem ging es nicht nur einfach ...

„Iron Flowers“ war ohne Frage im letzten Jahr ein absolutes Lesehighlight für mich, da ich absolut begeistert war, eine Geschichte mit direkt zwei starken Frauen zu erleben. Zudem ging es nicht nur einfach um Feminismus, sondern es war auch eine höchst spannende Geschichte mit einigen unerwarteten Entwicklungen, die auch vor Brutalität nicht zurückgeschreckt hat. Da stimmte einfach die Mischung! Ich war zudem positiv überrascht, dass von Anfang an nur eine Dilogie angekündigt war, denn fleißige Leser von Trilogien wissen, dass der Mittelband gerne der schwächste ist. Nun gab es aber keinen Mittelband und daher war meine Vorfreude groß, dass die „Iron Flowers“ sich zu viel Tamtam sparen und gleich zur Sache und schließlich zum Ende kommen.

Die Lektüre des ersten Bandes war für mich noch nicht lange her, so dass ich schnell wieder in der Geschichte drin war und trotzdem warne ich gerne vorab, dass die Autorin sich aber auch nicht lange mit vorangegangenen Geschehnissen aufhält, so dass ich Lesern, die Band 1 vor längerem gelesen habe, rate, dort noch einmal reinzuschauen, ansonsten könnte man den Faden verlieren. Meine kleine Enttäuschung von diesem Band möchte ich gleich zuerst nennen, da es wirklich reine Geschmackssache ist und da ich ansonsten wieder sehr zufrieden war, möchte ich die Rezension auch mit einem zufriedenen Eindruck beenden.

Mir hat es gut gefallen, dass wir Serina und Nomi im ersten Band separat erleben haben, da die beiden so unterschiedlich waren und es wichtig war, dass sie unabhängig voneinander wachsen. Zudem konnten so gleich zwei wichtige Handlungsbögen verarbeitet werden. Im zweiten Band habe ich nun etwas enttäuscht festgestellt, dass ich mir doch zur Abwechslung etwas mehr Szenen von den beiden gewünscht hätte. Es fing an als eine Geschwistergeschichte und da ich selbst Schwester bin, weiß ich um die Besonderheit dieser Beziehung, daher fand ich es irgendwann zu wenig, um die Beziehung der beiden Schwestern noch immer als so intensiv wahrzunehmen. Zudem wäre es in meinen Augen nicht nötig gewesen, dass sie in diesem Band wieder getrennt voneinander agieren, da die Geschichten inzwischen zusammengehörten. Da aber die erneut parallel laufenden Geschichten dennoch zu überzeugen wussten, kann ich an dieser Stelle nicht ausschließlich meckern, aber ihre Zusammenarbeit hätte die Lektüre perfekt gemacht.

Zu Beginn der Geschichte hatte ich etwas das Gefühl, dass der Handlung der Pfeffer fehlte, aber ich denke, dass die Autorin den Lesern zuerst wieder einen Einstieg ermöglichen wollte, um dann hinterher wieder ein Feuerwerk nach dem anderen abzufackeln. Erneut gab es genug unerwartete Wendungen, brutale und actiongeladene Momente. Zudem hat es mir bis auf wenige Momente sehr gefallen, dass man fast nie ahnen konnte, was als nächstes kommt. Denn wenn man eine Autorin hat, die nicht unbedingt zimperlich ist, dann ist alles möglich und das hat diese Lektüre auch so stark gemacht.

Dabei wachsen weiterhin die Figuren mit und es ist faszinierend, was aus den beiden jungen Frauen geworden ist. Gerade im zweiten Band muss ich aber sagen, dass Serinas Entwicklung noch einmal die bessere ist, denn wie es mehrfach so schön heißt, ist sie eine Kriegerin geworden, die aber dennoch zu keinem Zeitpunkt ihre Menschlichkeit verloren hat. Sie bewundere ich wirklich sehr und sie würde ich auch jederzeit bei weiteren Geschichten begleiten. Nomi ist mir auch weiterhin sehr wichtig, aber ihre Reise war eine andere und die ist meiner Meinung nach auch auserzählt. Das Ende ist dann auch wirklich rund. Natürlich kann man jetzt nur spekulieren, ob der Umsturz der Weltordnung funktioniert, aber für die Geschichte ist es genau richtig, zumal man jetzt nicht mit der Keule auf die Männer einhaut, denn am Ende steht das entscheidende Wort: Gleichberechtigung!

Fazit: Tracy Banghart beweist mit dem zweiten und abschließenden Band der „Iron Flowers“, dass Dilogien manchmal eindeutig die bessere Wahl sind, da man sich so den unspektakulären zweiten Band sparen kann. Mit dieser Variante kann sich die Autorin überhaupt keine Zeit nehmen und das sorgt für ein weiteres Feuerwerk an Handlungen, die zu überzeugen wissen. Dass ich nicht erneut die 5 Sterne gebe, liegt nur daran, dass ich mir für meinen Geschmack etwas mehr Interaktion von Serina und Nomi gewünscht hätte, aber das ist eben so subjektiv, dass ich ansonsten behaupten würde, dass wir ganz nah an der perfekten Dilogie sind.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Anders als „Die Chroniken der Verbliebenen“, aber ähnlich stimmungsvoll

Der Klang der Täuschung
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„Die Chroniken der Verbliebenen“ von Mary E. Pearson waren mein persönliches Lesehighlight aus dem Jahr 2018, da ich sie kurz hintereinander durchgesuchtet und jede Sekunde dabei genossen habe. Dieser ...

„Die Chroniken der Verbliebenen“ von Mary E. Pearson waren mein persönliches Lesehighlight aus dem Jahr 2018, da ich sie kurz hintereinander durchgesuchtet und jede Sekunde dabei genossen habe. Dieser Zusammenklang aus ruhigen, beschreibenden Passagen und dann wieder den actiongeladenen, bei denen einem nur der Mund offenstehen konnte, das war schon einsame Spitze! Daher habe ich mich sehr gefreut, dass „Der Klang der Täuschung“ uns in die Welt zurücklässt, damit wir sie noch mehr erkunden können.

„Der Klang der Täuschung“ spielt einige Jahre nach dem Ende von „Die Chroniken der Verbliebenen“ und dreht sich um Kazi, die als Rahtan für die uns wohlbekannte Lia tätig ist. Man wird sogleich in die Handlung ruckartig hineingenommen und man stellt schnell fest, dass ein eigener kleiner Kosmos aufgebaut wird, der doch unabhängig von der uns bekannten Welt funktioniert. Daher gibt es auch nicht viele Erklärungen zu den Geschehnissen und Figuren der „Chroniken der Verbliebenen“, obwohl natürlich Bezüge da sind. Daher würde ich grundsätzlich schon empfehlen, dass man die erschiene Tetralogie vorher gelesen habe sollte, denn gerade zum Ende hin ist es doch hilfreich, wenn man die Basics parat hat, da sie das Verständnis erheblich erleichtern.

Aber wie gesagt, es ist eigentlich ein neuer Kosmos, den wir kennenlernen, da wir uns von den uns bekannten Königreichen lösen und das Reich der Ballengers kennenlernen. Diese Familiensippe ist in den „Chroniken der Verbliebenen“ nicht aufgetaucht, so dass man wirklich ein zentrales Element hat, das man gänzlich neu entdecken müssen. Auch ansonsten spielen von den bekannten Figuren eher Nebenfiguren eine wichtigere Rolle, wie Eben z. B. Es geht also weniger um Lia, Rafe und Kaden, was ich manchmal schade fand, andererseits aber auch genial, denn ansonsten hätte sehr schnell der Eindruck entstehen können, dass Pearson nur Fan Service leistet, aber das ist nicht der Fall. Sie erschafft neue Geschichten, neue Figuren und die fernen Bezüge zum Bekannten sind nett und müssen auch ausreichen.

Bei den Figuren muss ich sagen, dass zu Kazi sofort eine Verbindung da war, da wir sofort in ihre Vergangenheit auftauchen und auch erfahren, dass Lia große Stücke auf sie hält. Daher erkennt man durchaus, dass zwischen den beiden Parallelen sind, da sie beide sehr mutig und wissbegierig sind, aber alleine von ihrer Herkunft sind sie so unterschiedlich, dass man auch ganz unterschiedliche moralische Vorstellungen feststellt. Die Einführung der Ballengers verläuft etwas holpriger, aber das wird sehr schnell wettgemacht, da vor allem Jase eine echte Perle ist. Da man auch seine Perspektive erfährt, ist man natürlich auch schnell in seinem Denken drin. Auch wenn er und Kazi sich eigentlich in so vielen Dingen gegenüberstehen und man eigentlich glaubt, sich für eine Seite entscheiden zu müssen, sind beide Perspektiven so transparent, dass man für beide mitfiebert.

Zudem ist die Chemie zwischen Kazi und Jase grandios. Es ist wahrlich keine stürmische Liebesgeschichte, die ich ansonsten aus dem NA-Genre kenne, dafür aber eine höchst innige Entwicklung, die von Pearson durch eine wunderbare Wortwahl transportiert wird. Ich bin wirklich hin und weg von den beiden und wie sich die Beziehung zwischen ihnen entwickeln darf. Auch die gesamte Ballenger-Sippe wächst einem ans Herz, obwohl dort so viele unterschiedliche Charakterköpfe vereint sind. Aber bei allen steht die Familie über allem und dieses Gefühl kann ich so gut nachvollziehen, dass ich mich einfach mit ihnen identifizieren musste. Durch diese engen Verbandlungen, die entstehen, ist es auch gemein, dass man beim Fortgang der Handlung merkt, wie viel zwischen den verschiedenen Seiten steht, aber im Grunde haben beide recht, weil sie nachvollziehbare Motive haben. Diese Widersprüchlichkeit und das Wissen, es wird eine große Katastrophe geben, hat mich besonders an diesem Buch fasziniert.

Insgesamt ist „Der Klang der Täuschung“ aber deutlich weniger actiongeladen als „Die Chroniken der Verbliebenen“. Es gibt wenig Szenen, bei denen man vor Spannung an den Fingernägeln knabbert, aber das hat mich doch eher wenig gestört. Denn es wurde nun einmal viel Zeit gebraucht, um die Welt der Ballengers erst zu verstehen. Es geht eher um Zwischenmenschliches als eine Handlung, die stetig vorangetrieben werden muss. Aber da es ja noch einen zweiten Teil gibt, könnte ich mir vorstellen, dass Pearson dort wieder eine andere Taktik wählt. Beim Ende bin ich noch etwas hin- und hergerissen angesichts einer Entwicklung, da sie einerseits zu schnell ging, aber andererseits natürlich auch Vielversprechendes für den Fortgang anbietet. Ich hätte mir aber doch schon einen größeren Boom-Effekt gewünscht!

Fazit: Ich liebe die Rückkehr in die Welt von „Die Chroniken der Verbliebenen“. Wir lernen zwar ganz neue Gegenden und Figuren kennen, aber atmosphärisch ist es das Gleiche und da habe ich mich sofort wieder eingefunden. Die neuen Welten und Charaktere sind alle vielversprechend und die Autorin nimmt sich viel Zeit für diese, so dass man sich nach dem Altbekannten auch gar nicht zu sehr sehnt. Insgesamt gibt es vielleicht etwas zu wenig Action und auch das Ende ist nicht gänzlich mit Wow-Effekt, aber das Gaze kratzt doch wieder gefährlich an den fünf Sternen. Da ich mir auf jeden Fall aber Puffer für den Abschluss der Dilogie lassen will, gebe ich nur sehr, sehr gute vier Sterne!

  • Einzelne Kategorien
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  • Geschichte
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  • Spannung
Veröffentlicht am 08.01.2019

Swan Song

Der letzte erste Song
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Das ist er nun also: der Abschied, der Swan-Song der „Firsts“-Reihe, die ich wirklich gerne gelesen habe, weil alle einzelnen Geschichten so unterschiedlich waren und doch so ähnlich, weil sie eins gemeinsam ...

Das ist er nun also: der Abschied, der Swan-Song der „Firsts“-Reihe, die ich wirklich gerne gelesen habe, weil alle einzelnen Geschichten so unterschiedlich waren und doch so ähnlich, weil sie eins gemeinsam hatte, die grandiose Freundesclique, die mir so unheimlich viel Spaß bereitet hat. Die Vorfreude auf „Der letzte erste Song“ war natürlich groß, da die Liebesgeschichte von Mason und Grace ja im letzten Band durch den Kuss bei Wahrheit oder Pflicht angeteasert wurde und man, war das ein Kuss! Da musste ich die beiden natürlich erst recht ergründen, zumal bei Mason bis dato hängengeblieben war, dass er stets hinter Jennys Rockzipfel herhängt und weil man von Grace sehr, sehr wenig bisher wusste.

Bereits im Schreibprozess von „Der letzte erste Song“ konnte man bereits mitverfolgen, wie viel Spaß Bianca Iosivioni mit diesem letzten Band hatte und wie sehr sie Gefallen an Mason fand. Das hat mich wirklich sehr gereizt, denn wie oben bereits erwähnt, war bei ihm meist das Problem, dass man sich fragte, warum er sich das Hin und Hergeschubse durch Jenny antut. Daher war es grandios, nun endlich in seinen Kopf gucken zu können und es hat wirklich sehr geholfen, ihn endlich zu verstehen. Nach Abschluss dieses Buches kann ich nun auch absolut verstehen, warum Mason Biancas Herz noch erobern konnte, bei mir hat er es jedenfalls auch geschafft, denn er hat wirklich das Herz auf dem rechten Fleck und ist auf eine perfekte Art romantisch. Mit Grace war der Prozess an sich etwas schwieriger, weil diese Selbstzweifel, die sie hat, natürlich an den Nerven zehren. Aber gleichzeitig kennen wir sie alle, diese Selbstzweifel, in Zeiten von sozialen Medien mehr denn je und daher kann ich nur sagen, so ist es wirklich. Diese Selbstkasteiung, die Grace vorgenommen hat, war sehr authentisch dargestellt und das sehe ich positiver, als die Tatsache, dass man Grace manchmal gerne geschüttelt hätte.

Bei den beiden ist mir auch extrem aufgefallen, dass sie innerhalb der gesamten Reihe vermutlich die süßeste Liebesgeschichte haben. Während bei den restlichen Paaren die Funken regelmäßig regelrecht explodiert sind, ist die Liebesgeschichte von Mason und Grace vor allem ruhig erzählt und dadurch auch auf einem ganz anderen innigen Niveau. Das hat sicherlich auch daran gelegen, dass beide Figuren zu Beginn des Buches vergeben sind, denn ich hatte erst Sorgen, dass wir tiefer in das Thema Betrug einsteigen, was zum Glück aber nicht passierte. Die Beziehungen wurden sauber aufgelöst, auch logisch und stimmig, aber dadurch waren eben auch nicht mehr so viele Seiten für Explosivität da. Das Buch hat auch die wenigsten Sexszenen, aber auch hiermit kann ich gut leben, da sich im Gesamtpaket einfach gezeigt hat, dass es insgesamt noch einmal eine ganz andere Geschichte ist.

Weiterhin fällt auf, das natürlich vor allem im Gegensatz zu „Die erste letzte Nacht“, in der die Dramatik eher schon zu viel war, recht wenig auf dramatische Effekte gesetzt wird. Ansonsten müssen die Figuren immer eine dramatische Vergangenheit haben, die man dann im Laufe der Handlung entdecken muss. Aber Mason z. B. bekommt so ein Drama gar nicht an die Seite, bei ihm hätte man z. B. mit seiner Zeit bei der Armee arbeiten können, aber ich finde es gut, dass das nicht getan wurde. Auch Graces Geschichte ist nicht überdramatisiert und kleinere Rätsel aus ihrer Vergangenheit werden auch recht früh aufgedeckt. Dadurch war insgesamt viel mehr Raum für persönliche Entwicklungen. Das passte als Kontrast zu den anderen Bänden sehr gut.

Was mir aber definitiv gefehlt hat, ist ein viel eindeutigerer Bezug zum Titel. Die Liebe zur Musik und die Darstellung der Proben und Auftritte, das ist alles sehr gut rübergekommen, aber wenn selbst der Klappentext anteasert, dass es vor allem darum geht, dass Mason und Grace Songs miteinander schreiben, dann kommt da eigentlich nichts von rüber. Klar, sie schreiben tatsächlich einen Song zusammen, aber es wird nicht einmal tatsächlich über die Lyrics dabei geredet. Dabei zeigt sich ja am Ende, dass diese eine große Bedeutung haben, weil sie auch für Grace und Masons‘ Beziehung stehen. Dadurch, dass man sie aber nicht wirklich erfährt, bleibt das alles spekulativ. Das Fehlen dieser Lyrics ist wirklich ein Dämpfer in dem ansonsten zufriedenstellenden Abschluss der Reihe.

Fazit: „Der letzte erste Song“ ist ein schöner Abschluss der „Firsts“-Reihe und ist dabei noch einmal überraschend anders als die Vorgänger. Auf großes Drama wird weitgehend verzichtet und die Liebesgeschichte ist eher ruhig und innig erzählt. Als enttäuschend muss ich aber nennen, dass der letzte erste Song nie zitiert wird, das Fehlen springt regelrecht ins Auge.