Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2019

Mit Kräutern durch das Jahr

Mein Kräuterbuch für das ganze Jahr
0

Die Weinviertler Seminarbäuerin und Kräuterpädagogin Elisabeth Lust-Sauberer
hat wieder ein Kräuter-Buch geschrieben, in dem sie uns die Vorzüge vieler Gartenpflanzen buchstäblich schmackhaft macht. Kräuter ...

Die Weinviertler Seminarbäuerin und Kräuterpädagogin Elisabeth Lust-Sauberer
hat wieder ein Kräuter-Buch geschrieben, in dem sie uns die Vorzüge vieler Gartenpflanzen buchstäblich schmackhaft macht. Kräuter erleben mit allen Sinnen: um eine Pflanze verwerten zu können, muss sie angesehen, angegriffen und beschnüffelt werden. Man kann die Insekten, die sich vom Nektar ernähren hören. Der Geschmackssinn kommt erst ganz zum Schluss.

Aus vielen Kräutern lassen sich wertvolle Lebens- und Heilmittel herstellen. Eine genaue Anleitung hilft auch Anfängern, alle Teile einer Pflanze zu verarbeiten. Ob als Obst oder Gemüse, als Marmelade oder Salbe, Tonikum oder Wundauflage - in (fast) allen Pflanzen stecken verborgene Kräfte. Man muss sie nur zu nutzen wissen.

Genaue Anleitungen, Rezepte und wunderschöne Fotos machen dieses Buch zu einem Geschenk, das nicht nur von Gartenliebhabern gerne willkommen geheißen wird.

Veröffentlicht am 17.03.2019

SChatten der Vergangenheit

Rückwärtswalzer
0

„Rückwärtswalzer“ ist nach "Blasmusikpop" und "Makarionissi" der dritte Roman von Vea Kaiser.

Mittelpunkt dieser montenegrinisch-österreichischen Familiengeschichte ist einer seits der erfolglose Schauspieler ...

„Rückwärtswalzer“ ist nach "Blasmusikpop" und "Makarionissi" der dritte Roman von Vea Kaiser.

Mittelpunkt dieser montenegrinisch-österreichischen Familiengeschichte ist einer seits der erfolglose Schauspieler Lorenz und andererseits sein plötzlich verstorbener Onkel Willi. Gemäß Willis letzten Willen soll er in Montenegro, seiner alten Heimat, begraben werden. Doch was tun, wenn das Geld für eine ordnungsgemäße Überführung und eine würdevolle Bestattung nicht reicht?

"Würde kostet fast achttausend Euro, Lorenz. Wenn du irgendwann gelernt hättest, wie viel ein Euro wert ist, dann würdest du nicht so groß reden."

Nun sind Kreativität und starke Nerven gefragt. Ersteres ist bei Lorenz und seinen Tanten vorhanden, zweitere flattern mehrfach, als man Willis Leiche tiefgekühlt und illegal mit einem Fiat Panda gegen Südosten bringt.

"Im Grunde argumentierten seine Tanten und Herr Ferdinand wie Antigone: Was ist schon das Gesetz, wenn es darum geht, einem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen."

Meine Meinung:

Der Roman spielt in mehreren Zeitebenen. Zum einen ist die Familie Prischinger in der Gegenwart vereint. Auf der anderen Seite enthüllen sich auf der über 1.000 km langen Fahrt nach Montenegro die Schicksale, Wünsche und (Alb)Träume der einzelnen Familienmitglieder in der entsprechenden Epoche.
So erfahren wir, dass Willi eigentlich gar nicht so heißt. Oder, warum die drei Schwestern Mirl, Wetti und Hedi die Leben führen, die sie eben führen.
Einige Passagen und Charaktere sind liebevoll überzeichnet. Mit Lorenz selbst konnte ich nicht so richtig warm werden. Im Gegensatz zu seinen Tanten hätte er alle Möglichkeiten eines geordneten Lebenswandels, die er leichtfertig verspielt. Die drei Tanten sind patent und in gewisser Weise schlitzohrig. Dennoch hat jede ein Schicksalspäckchen zu tragen, die eben auf der Autofahrt aufgedeckt wird.

Der Schreibstil ist locker, witzig und geistreich. Es gibt immer wieder Austriazismen und Hinweise, die für Nicht-Wiener ungewöhnlich sind. Das Hin- und Herspringen durch Zeit und Raum ist aber mittels Kapitelüberschriften inklusiver Jahreszahlen leicht möglich. Immer wieder blitzt die humanistische Bildung der Autorin durch, wenn lateinische oder altgriechische Dichter erwähnt werden.
Die Verwandtschaftsverhältnisse der Familie Prischinger sind komplex. Da wäre ein Stammbaum manchmal hilfreich.

Fazit:

Ein gut erzählte Geschichte um den Zusammenhalt in einer Familie. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2019

Spannendes Psychogramm

Grado im Sturm
0

September: Drückende Schwüle liegt über Grado. Die Luftmassen sind ebenso labil wie die Beziehungen mehrerer Paare. Auch Commissaria Maddalena Degrassi ist sich noch nicht wirklich sicher, ob sie schon ...

September: Drückende Schwüle liegt über Grado. Die Luftmassen sind ebenso labil wie die Beziehungen mehrerer Paare. Auch Commissaria Maddalena Degrassi ist sich noch nicht wirklich sicher, ob sie schon fit genug ist, nach ihrem schweren Un-fall wieder voll in den Polizeialltag einzusteigen, oder ob sie mit Franjo im Karst leben will.

Da kommt ihr der Fall des jungen Emmanuele, der im Supermarkt Ohrenzeuge eines geplanten Mordanschlags wurde, gerade richtig. Doch noch bevor sie sich mit dem Jugendlichen näher befassen kann, verschwindet Emmanuele spurlos. Ist hier tat-sächlich ein Mordkomplott im Gange? Und wer hat Interesse, den Jungen verschwin-den zu lassen?

Und was hat es mit der Geschichte der Krankenschwester auf sich, die nach vielen Jahren eine verbotene Abtreibungsklinik anzeigen will? Auch diese Ermittlung fällt anfangs dem Tornado zum Opfer, der mehr freilegt, als den Hausbesitzern lieb sein kann.

Neben Tornado, ungeklärten Anzeigen, mehreren Sturmtoten und solchen die schon vor getötet wurden, muss sich Maddalena Degrassi mit dem zweiten (oder ist es der dritte?) Frühling ihrer Mutter herumschlagen, die ausgerechnet ihren sprung-haften Vorgesetzten heiraten will.

Meine Meinung:


In ihrem 4. Grado-Krimi lässt Andrea Nagele geraten die Ermittlungen ein wenig ins Hintertreffen. Diesmal sind ihr die Beziehungen zwischen den unterschiedli-chen Paaren wichtiger. Nicht, dass die Geschichten, die in den Tornado von 2008 eingebettet sind, nicht extra spannend wären, aber ein klassischer Krimi ist dieses Buch meiner Ansicht nach nicht. Es ist eher ein Psychogramm der verschie-denen Protagonisten.
Gekonnt führt uns Andrea Nagele an der Nase herum, macht es spannend, deutet ein Geheimnis hier, eines dort an, lüpft die Decke des Verborgenen ein wenig und lässt die Leser in die Abgründe der menschlichen Seele blicken. Und über allem braut sich der Wirbelsturm zusammen. Die Entladung des Sturms geht auch mit der Lösung den vorab unklaren Beziehungsgeflechten einher.

Ich habe das Buch ob seiner Spannung gleich in einem gelesen. Dass der Ermitt-leralltag diesmal ein wenig links liegengelassen worden ist, ist kein Beinbruch. Vor allem, weil die Autorin wieder einen fiesen Cliffhanger eingebaut hat.

Andrea Nagele hat den Tornado vom September 2008, der über Grado (und die Obere Adria) selbst miterlebt. Die Schilderungen der Stimmung, der Beklemmung, der Angst lassen sich gut nachvollziehen und sorgen auch beim Lesen im gemütlichen heim für Gänsehautfeeling.

Fazit:

Mehr Psychogramm denn Krimi, aber Fortsetzung folgt (hoffentlich). Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.03.2019

POM Detlefson ermittelt in der Großstadt

Mörder mögen keine Matjes
0

Tadje Detlefson und ihr Freund Lasse entdecken am Strand von Fredenbüll einen Container, der mit Elektronikschrott vollgestopft ist. Mitten unter den Kabeln und Bildschirm finden sich eine Leiche und ein ...

Tadje Detlefson und ihr Freund Lasse entdecken am Strand von Fredenbüll einen Container, der mit Elektronikschrott vollgestopft ist. Mitten unter den Kabeln und Bildschirm finden sich eine Leiche und ein Äffchen, das sich springlebendig an Tadje klammert. Wie es sich für eine Polizistentochter gehört, verständigt sie sofort ihren Vater. Das Äffchen wird, der zum Missfallen von Mutter Heike, nach Hause mitgenommen.

Recht bald ist klar, dass alle Spuren nach Hamburg führen und so macht sich Thies in die Hansestadt auf, um gemeinsam mit Nicole Stappenbeck zu ermitteln. Hamburg ist nicht Fredenbüll. Deshalb wird es Thies weder von den Kollegen noch die Hanseaten selbst leicht gemacht, zu ermitteln. Außerdem fehlt ihm die tatkräftige Unterstützung der Belegschaft Fredenbüller Hidde Kist, die zwar die Hansestadt unsicher machen, weil sie Piet Paulsen im Krankenhaus besuchen, aber ihre eigenen Pläne haben.
Als Ausgleich erhält Thies Unterstützung von Phil, dem Privatdetektiv, dessen Partner Ray die Leiche aus dem Container ist und der unbedingt wissen will, welchem Schlamassel Ray zum Opfer gefallen ist.

Meine Meinung:

Auch der siebente Krimi mit Thies Detlefson hat meine Lachmuskeln strapaziert. Selbst in der für ihn unüberschaubaren Umgebung der Großstadt Hamburg kann sich der POM behaupten. Auch, wenn es ihm lieber gewesen wäre, die heimatlichen Gefilde nicht zu verlassen: zu groß, zu hektisch, zu unpersönlich ist die Hansestadt. Darüber kann auch die enge Zusammenarbeit mit der Stappenbeck, die (wieder einmal) einen Missgriff bei ihrer Partnerwahl getan hat, nicht hinwegtäuschen.

Der Showdown auf dem Hamburger Dom ist richtig nervenaufreibend. Alle sind froh, dieses Abenteuer beinahe unbeschadet überstanden zu haben.

Ich mag Krischan Kochs Schreibstil - super locker und flockig. Die ernsten Themen bleiben im Hintergrund, sind aber der Aufhänger und Auslöser für die Ermittlungen. Seine Figuren sind liebevoll überzeichnet. Thies‘ Frau Heike entwickelt sich ein bisschen zur Nervensäge, obwohl ich sie ein klein wenig verstehen kann. Einen Affen als Kostgänger zu haben, der die beschauliche Ruhe durcheinanderwirbelt, ist sicherlich anstrengend. Aber muss sie gleich so zickig sein?
Herrlich der Satz von S. 113 „Telje hat den Oberarzt schon gut drauf.“, der beschreibt, wie ernst die Praktikantin ihre Arbeit im Hamburger Krankenhaus nimmt.
Lachen musste ich auch über die Szene in der Hidde Kist, als das Äffchen solange auf die Tasten des „Einarmigen Banditen“ drückt, bis der seine Münzen ausspuckt. Und Bounty steht mit offenem Mund, ziemlich baff, daneben.

Ich freue mich schon auf den nächsten Fall für Thies & Co. Auf jeden Fall werde ich in der Hidde Kist vorbeischauen, weil Antje sicher ihre Speisekarte um Matjes- und Krabbenbrötchen erweitert haben wird. Ich liebe dieses Seefutter!

Fazit:

Wieder ein herrlich komischer Krimi mit Thies & Co, der beweist, dass es zu Hause am Schönsten ist. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.03.2019

Ein wunderbares Kinderbuch

Das Nacht-Tier
0

Jens Rassmus ist für seine entzückenden Kinderbücher bekannt. Dieses hier handelt von einem kleinen Jungen, der nicht einschlafen kann. Erst die Bekanntschaft mit dem „Nacht-Tier“ verhilft ihm zu einem ...

Jens Rassmus ist für seine entzückenden Kinderbücher bekannt. Dieses hier handelt von einem kleinen Jungen, der nicht einschlafen kann. Erst die Bekanntschaft mit dem „Nacht-Tier“ verhilft ihm zu einem Schlaf.

Wer oder was ist das „Nacht-Tier“? Anfangs sieht es wie ein bedrohlicher Schatten aus. Es ist groß und dunkel. Doch dann entpuppt es sich als wahrer Tausendsassa: Es kann laufen, klettern, fliegen, schwimmen und ist dennoch vorsichtig. So bleibt es bei einer belebten Straße artig stehen.

Nach einer längeren Fantasiereise kehren der kleine Junge und das „Nacht-Tier“ zurück – und siehe da, das „Nacht-Tier“ schrumpft und liegt als Kuscheltier im Bett.

Meine Meinung:

Ein wirklich entzückendes Kinderbuch, das auch grafisch sorgfältig gearbeitet ist. Sanfte Reime helfen dem Kind beim Einschlafen. Das gezeichnete „Nacht-Tier“ lässt viel Spielraum, ob es nun eine Katze oder Hund oder ein Hase sein könnte.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.