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Veröffentlicht am 11.08.2019

Mir hat sich ein neues Universum aufgetan...grandios!!!

Der Dunkle Turm – Schwarz
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Meine Meinung:
"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm."
Schwarz, Der Dunkle Turm (S. 1)

Dieser Satz hat mein Leben verändert. Nichts ist mehr, wie zuvor, denn ich ...

Meine Meinung:
"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm."
Schwarz, Der Dunkle Turm (S. 1)

Dieser Satz hat mein Leben verändert. Nichts ist mehr, wie zuvor, denn ich habe den letzten Revolvermann kennengelernt und werde mit ihm den dunklen Turm finden, der die Fäden des Seins zusammenhält und der nach und nach zerfällt und so Chaos in die Welten bringt. Ich habe ein Buch entdeckt, das mir den Auftakt zu einem ganz eigenen Buchiversum geöffnet hat, das mich konfrontiert hat mit den Abgründen der Menschheit, der Endlichkeit des Lebens, dem Unvorstellbaren, dem ewig Dunklen, den Dämonen in und um uns.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, habe mich immer wieder in seiner Welt verloren, nachgedacht, zurückgeblättert, weitergelesen und war wie im Fieber. Besonders gut gefallen hat mir bei dieser von Stephen King überarbeiteten Ausgabe das Vorwort des Autors, in dem er schreibt, wie er dieses Epos im Alter von neunzehn Jahren begonnen hat und wie er nach seinem schweren Unfall immer wieder angefleht wurde, die Geschichte des Revolermanns zu beenden, oder zumindest das Ende zu verraten. Er schreibt auch, wie er schliesslich - nach dreissig Jahren - zu diesem Ende gefunden hat und dann irgendwann noch einmal ziemlich vorne beginnen musste, damit dieser erste Band auch wieder zum Schluss passen und so der rote Faden durchgehend erkennbar sein kann.

Wie "Der Dunkle Turm" zu mir gefunden hat:
Wie "Schwarz" und alle weiteren Teile der Reihe zu mir gefunden haben, ist eine ganz spezielle Geschichte und bereits seit Februar 2017 besitze ich die ganze Reihe um den Turm (mit Ausnahme von "Wind", das nicht zur eigentlichen Reihe gehört, respektive sich zwischen dem vierten und fünften Band der Reihe einordnen lässt, wenn überhaupt).
"Der Turm", der siebte Band dieser Reihe, habe ich vor etwa zehn Jahren, vielleicht sind es auch schon mehr, von meinem Bruder zu Weihnachten bekommen. Er hat beim Kauf des Buches wohl nicht bemerkt, dass es sich um einen Reihenabschluss handelt. Nach und nach habe ich mir die weiteren Teile als Mängelexemplare zusammengekauft ("Tot" im September 2012, "Wolfsmond" im Oktober 2013, ausgerechnet von "Schwarz" weiss ich es leider nicht mehr, es liegt also schon länger hier), weil ich gar nicht sicher war, ob ich die Bücher überhaupt lesen würde, aber die Aufmachung einfach so toll fand. Irgendwann las ich diesen Post bei Ines und konnte nicht mehr an mich halten. Die drei Bücher, die mir noch fehlten, habe ich sofort gebraucht bestellt. Zwei davon waren bereits nur noch als Hardcover zu bekommen.
Was also mit einem kleinen Irrtum begann, hat mich nun endlich für sich begeistern können und ich bereue es fast ein wenig, nicht schon früher zum ersten Band der Reihe gegriffen zu haben...

Schreibstil und Handlung:
Es ist heiss, die Luft flimmert, das menschliche Leben auf der Erde scheint fast ganz ausgelöscht zu sein. Dämonen, Mutanten und andere Wesen, die man kaum benennen mag, haben sich nach der Endzeit, die Zugleich ein Nachfolger unserer aktuellen Zeit, als auch eine ganz eigene Welt ist, in den dunkelsten Winkeln und Höhlen dieser Welt breit gemacht. Und mitten im Geschehen ist Roland, der letzte Revolvermann. Er ist zäh, er hat Ausdauer, einen starken Willen und schreitet stoisch voran. Er verfolgt den schwarzen Mann, er sucht den dunklen Turm. Er ist einsam, bis er Jake trifft, einen Jungen, der ihm ein treuer Gefährte und Zuhörer wird und dem er darum seine Lebensgeschichte, die von seiner Ausbildung zum Revolvermann, von Freundschaft, Verrat und einer ganz grossen Liebe handelt, erzählt.
Stephen King hat eine Sprache geschaffen, die ihresgleichen sucht. Eine Sprache, die schockiert in ihrer detaillierten Brutalität, die derb ist, wie bei Bukowski, die aber Weisheiten aufzeigt, die eines kleinen Prinzen würdig wären und von der Fantasie Tolkiens beflügelt sind. Eine Sprache, die allen grossen Dichtern ein Denkmal setzt und doch so einzigartig und fesselnd ist, wie die Geschichten, die sie erzählt, die Fäden des Netzes, das sie spinnt zwischen den Welten, den Menschen, den Wesen.

Meine Empfehlung:
Ich empfehle euch, dieses anspruchsvolle, fesselnde, berührende und überwältigende Buch zu lesen. Die Welten und Geschichten, die es birgt, sind zu schön, grausam und lebensecht, als dass sie noch länger zwischen den Buchdeckeln in euren Regalen verborgen sein sollten.

Veröffentlicht am 08.08.2019

Packend, überraschend und sehr, sehr überzeugend

tot.
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Achtung Spoiler: dies ist der dritte Teil einer Reihe

Inhalt:
Wir befinden uns mit Susannah, Eddie und Roland in einem Wald. Eine starke Kraft, die von alten Maschinen und mechanischen Figuren und Wächtern ...

Achtung Spoiler: dies ist der dritte Teil einer Reihe

Inhalt:
Wir befinden uns mit Susannah, Eddie und Roland in einem Wald. Eine starke Kraft, die von alten Maschinen und mechanischen Figuren und Wächtern ausgeht, bedroht uns und die Suche nach dem Turm scheint langsam aber sicher eine Richtung zu bekommen. Eddies Erinnerungen an Henry sind in Eddies Träumen präsenter denn je und ein Junge, den er noch nicht klar erkennen kann, spricht zu ihm und weist ihm den Weg. Auch der letzte Revolvermann Roland träumt intensiv von Zeichen, Schlüsseln und Balken und fährt bei Tageslicht fort, seine Begleiter in der Kunst der Revolvermänner zu unterrichten. Gleichzeitig scheint aber Roland den Verstand zu verlieren und die drei wissen, dass ihnen wenig Zeit bleibt, um sich einen neuen Gefährten zu suchen, der ihre kleine Gruppe (zumindest vorerst) vervollständigt.

Meine Meinung:
Wie grandios ist bitte diese Reihe... Wie kann es sein, dass Stephen King vor allem für seine Horrorliteratur bekannt ist, wenn eigentlich diese Reihe sein persönlicher Jupiter ist (wie er stets betont) und wenn er vor allem alles an literarischem Können in diese Reihe gepackt hat? Die Reihe um den den letzten Revolvermann Roland, der sich auf die Suche nach dem dunklen Turm macht, ist ein Genremix zwischen Fantasy, Distopie, Horror, Krimi, Western, Romanze und Familiendrama. Sie thematisiert das Ende der Welt, Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Vergebung, die Zeit und die Suche eines jeden Menschen nach dem persönlichen "Turm" in seinem Leben. Ausserdem zeugen nur schon die ersten drei Bände der Reihe davon, dass King sich enorm viele Gedanken gemacht hat und dass der ganzen Reihe ein noch nicht überblickbares, intelligentes und alles umfassendes Gesamtkonzept innewohnt, das sich für uns Leser nur nach und nach entwirrt. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb diese durchaus anspruchsvolle Reihe nicht ganz so viele Leser erreicht, wie sie sollte?

Schreibstil:
Stephen King schafft es, gewohnt direkt zu schildern und findet für alle seine Figuren eine ganz eigene Sprache. Der eher stille Roland, der aus einer ganz anderen Zeit kommt, als die anderen Figuren, versteht nicht alles und spricht dennoch stets überlegt, benennt die ihm unbekannten Dinge bei einem ganz eigenen Namen und wird nur selten aus der Ruhe gebracht. Eddies Sprache ist oft ein wenig derber, er lässt sich aber auch sehr stark von seinen Emotionen leiten während Susannah in der Regel die Ruhe selbst bleibt und immer wieder für entscheidende Inputs sorgt. Insgesamt wirkt die Erzählsprache ausserdem sehr flüssig und was mir besonders imponiert hat, waren die genauen und sehr aussagekräftigen Beschreibungen der Handlungsorte.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine Empfehlung für die ganze Reihe, weil sie ein enormes, fesselndes Gesamtkonzept ist und ich wünsche mir noch viel, viel mehr Leserinnen und Leser für Rolands Geschichte.

Veröffentlicht am 20.07.2019

Ein wahres Herzensbuch

Alle sterben, auch die Löffelstöre
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Mitten in der Erzählung, mitten im Leben scheint diese Geschichte zu beginnen und genau das ist sie auch; nie der Reihe nach, nie wie erwartet und nie langweilig oder einseitig. Genau so, wie das Leben ...

Mitten in der Erzählung, mitten im Leben scheint diese Geschichte zu beginnen und genau das ist sie auch; nie der Reihe nach, nie wie erwartet und nie langweilig oder einseitig. Genau so, wie das Leben und die Liebe oder auch eben genau diese eine Freundschaft zwischen Skarlet und Paul.
Im Kindergarten verbünden sich die beiden Kinder und bleiben von da an immer zusammen. Paul, der keinen Vater hat und sich so gerne einen wünscht und Skarlet, die nicht versteht, was an einem Vater so toll sein kann und am liebsten keinen hätte. Zwei ganz unterschiedliche Kinder aus unterschiedlichen Familien mit einer wunderbaren Gemeinsamkeit; der Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen. Und genau diese Leidenschaft ist es, die sie beide bis zum Schluss von Pauls Leben - und darüber hinaus - immer wieder zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringt. Wenn Skarlet Paul besucht, bringt sie nicht Mitleid und leere Worte ans Krankenbett, sondern ihre Geschichten von früher, als sie die Welt bereisten und Abenteuer erlebten, vom Mauerfall und dem Studium, von Pauls Vater, der sich sicher nur davongestohlen hatte, um im Zirkus aufzutreten und Skarlets missglückter Ehe zu Christian. Diese Geschichten begleiten sie auch nach Pauls Tod und helfen ihr schlussendlich, die wohl schwerste Aufgabe ihres bisherigen Lebens zu meistern: Pauls Grabrede zu halten.

Die Euphorie alter Zeiten und der süsse Geschmack der Erinnerungen daran durchziehen dieses Buch und fesseln an die Geschichte, als wäre man selber überall dabei gewesen, als würde man auch zu den Geschichtenerzählern gehören. Getragen von einem ständigen Gedankenfluss, der nur durch die teilweise rauhe, traurige, harte aber auch lebhafte und fröhliche Realität durchbrochen wird, begibt sich der Leser ganz nahe an die Figuren heran und erlebt ein ganzes Leben wie in Trance. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und war lange noch erschüttert, fasziniert, berührt und belebt von dieser wunderbaren Geschichte einer Freundschaft, so lange und so spannend wie das Leben selbst.

Veröffentlicht am 19.07.2019

Ein zarte, gefühlvolle und berührende Geschichte

Sommer bei Gesomina
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Inhalt:

Es liegt etwas in der Luft und das ist nicht nur der Regen, der seit Tagen fast ununterbrochen fällt. Seit der kleine Jona ferienhalber bei Gesomina wohnt, ziehen in der kleinen, heruntergekommenen ...

Inhalt:

Es liegt etwas in der Luft und das ist nicht nur der Regen, der seit Tagen fast ununterbrochen fällt. Seit der kleine Jona ferienhalber bei Gesomina wohnt, ziehen in der kleinen, heruntergekommenen Strasse mitten in Berlin nämlich köstliche Düfte auf. Eine ganz besondere Köstlichkeit - Gesominas Quatschlappen - bringt einiges ins Rollen, weil bei deren Verzehr Erinnerungen geweckt werden und bei den Bewohnern der kunterbunten Strasse lange verschollene Wünsche und Sehnsüchte aufkommen. Stück für Stück erzählt Gesomina Jona ihre Lebensgeschichte und als Jona erfährt, dass Gesominas vor Jahren von ihrem Sohn getrennt worden ist, beginnt eine spannende Suche, welche die Bewohner der Strasse in Aufruhr bringt.


Lesegefühl:

Dieses zauberhafte Buch macht nicht nur hungrig, es weckt vor allem auch Sehnsüchte. Einfühlsam und berührend erzählt Gesomina Jona an regnerischen Tagen Geschichten aus ihrem Leben und diese wundervoll erzählten Geschichten haben mich gefesselt und bewegt. Besonders gut gefallen haben mir die liebevoll beschriebenen und auch ein wenig schrulligen Menschen, die in Gesominas Strasse leben und alle einen sehr eigenen Charakter und eine herzerwärmende Geschichte haben.


Schreibstil und Handlungsverlauf:

Es regnet fast durchgehend. Es ist guter, warmer Sommerregen, der zwar auch für eine kleine Überschwemmung sorgt, aber vor allem viele Gelegenheiten für lange Abende mit Tee und Quatschlappen und Gesominas Geschichten bietet. Diese melancholische aber trotzdem positive Grundstimmung hat Florian Beckerhoff mit wenigen Worten skizziert und so die perfekte Grundlage für spannende Veränderungen, Sehnsüchte, Träume und gemeinsame Ausflüge der Figuren geschaffen. So kommt bald Bewegung in die Strasse, eine Aufbruchstimmung zieht ein, neue Hoffnungen werden geschürt und diese zart und poetisch erzählte Geschichte beginnt, ihre Fäden zu spinnen.


Meine Empfehlung:

Ich lege euch dieses humorvolle und bewegende Buch mit dieser wundervollen, melancholischen Grundstimmung sehr ausrücklich ans Herz. Es ist ein liebevoll erzähltes Buch, das man am besten mit einer süssen Köstlichkeit und einer Tasse Tee bei Regen geniessen sollte.

Veröffentlicht am 16.07.2019

Bewegend, fesselnd und sehr intensiv

Jedermann
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Inhalt:

Jedermann altert. Sein scheinbar jugendlicher Körper wird plötzlich zur Last, ist krank, benötigt Operationen, Medikamente und stetige Pflege. Nicht nur er selber, auch sein Umfeld scheint vor ...

Inhalt:

Jedermann altert. Sein scheinbar jugendlicher Körper wird plötzlich zur Last, ist krank, benötigt Operationen, Medikamente und stetige Pflege. Nicht nur er selber, auch sein Umfeld scheint vor seinen Augen zu zerfallen und so erinnert er sich zurück an seine drei Ehefrauen, seine Kinder, seine Seitensprünge, seine Eltern, seine Karriere als Juwelier und weitere Momente und Menschen, die sein Leben geprägt haben.


Meine Meinung:

"Jedermann" ist so viel Geschichte auf nur wenigen Seiten, dass diese bewegende Lektüre noch lange nachklingt. Die Flüchtigkeit des Lebens wird mit Sprüngen durch die Zeit, diverse Lebenssituationen und vor allem auch durch eine Achterbahn der Gefühle dargestellt. Immer wieder hat sich die bedrückende Stimmung auf mich übertragen, ich habe mir Gedanken um mich und meine eigene Vergänglichkeit und die scheinbare Sinnlosigkeit des Lebens gemacht und bin einigen nicht ganz leichten Gedanken zum Trotz versöhnt aus der Umarmung dieses kleines Büchleins entlassen worden.


Schreibstil:

Was genau Philip Roths Schrsibstil ausmacht, ist schwer in Worte zu fassen. Schon nach wenigen Sätzen hat mich ein beklemmender Sog erfasst, der mich schmerzlich berührend durch diese Erzählung gezwungen und mich stets voller Spannung eine Seite nach der anderen hat umblättern lassen. Schnörkellos und trotzdem ausschweifend beschreibt Roth die Gefühle und Gebrechen seines Protagonisten und stellt dessen zerfallenden Körper ins Zentrum einer Erzählung, die innerhalb nur weniger Seiten ein komplettes Leben beschreibt.



Meine Empfehlung:

Diese intensive, berührende aber manchmal auch überraschend ironische Lektüre empfehle ich euch von Herzen weiter. Lasst euch fordern, bewegen und fesseln von diesem kleinen Buch mit grossem Inhalt.