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Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein sanftes, leises Buch, das bewegt und nicht mehr loslässt

Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen
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Trotz seiner 83 Jahre arbeitet Eddie noch immer auf dem Jahrmarkt. Er ist für die Kinder „Eddie Wartung“ und bastelt ihnen Pfeifenreinger-Tierchen. Ausgerechnet an seinem Geburtstag geschieht ein Unglück ...

Trotz seiner 83 Jahre arbeitet Eddie noch immer auf dem Jahrmarkt. Er ist für die Kinder „Eddie Wartung“ und bastelt ihnen Pfeifenreinger-Tierchen. Ausgerechnet an seinem Geburtstag geschieht ein Unglück im Park und sein Versuch, ein kleines Mädchen zu retten, endet für ihn tödlich. Er findet sich im Himmel wieder und trifft nach und nach auf fünf Menschen, die auf ihn gewartet haben. Nicht alle kennt er, aber alle erzählen ihm Dinge, die eine ganz besondere Bedeutung haben …

Zuvor hatte ich das Hörbuch „Wer im Himmel auf dich wartet“ genossen und ich war neugierig, was der eigentliche Vorgänger des Buches in sich birgt. Fest steht, dass es keine Rolle spielt, in welcher Reihenfolge man diese Geschichten liest oder hört. Von der Logik her ist dies Band ein, aber die Geschichten sind eigenständig. Sie bauen nicht aufeinander auf, sie betreffen quasi nur zufällig zwei identische Figuren.

Die Geschichte ist ruhig und dennoch bewegend. Sie tröstet auch – zumindest hat sie diese Wirkung auf mich. Die Vorstellung eines „vernetzten“ Himmels ist wunderschön und den Wert des eigenen Lebens zu erkennen und sich mit dem Schicksal zu versöhnen, das finde ich einfach herrlich, wunderbar, großartig. Mitch Albom schafft es, in beiden Geschichten ruhig und sachlich zu schildern, was er sagen möchte. Es gibt keine echte Spannung, dennoch fesselt das Buch. Das ist fast schon magisch! Dabei lässt er Eddie nicht als unerkannten Helden durchs Leben schreiten, sondern zeigt auch auf, wo er sich geirrt hat, wo er falsch gehandelt hat und welche einschneidenden Folgen dieses Handeln hatte. Aber eines ist nicht möglich, wenn das andere nicht zuvor geschehen ist und so hängt eben alles zusammen und nichts davon ist unwichtig.

Ja, alles im Leben hat seinen Sinn, auch wenn wir es oft erst sehr spät verstehen. Ich mag dieses sanfte, leise Buch sehr und werde die Wirkung, die es auf mich hat, nicht so schnell vergessen. Es lässt mich daran glauben, dass die, die schon gegangen sind, nach fünf besonderen Begegnungen darauf warten, selbst einer von fünf zu sein, bevor sie endgültig ihre Reise beenden. In Frieden, in Zufriedenheit, ausgeglichen und glücklich.

Sicher kein Buch für jeden. Aber eins perfekt für mich. Und sicher nicht ohne Grund nach vierzehn Jahren neu aufgelegt! Ich gebe fünf Sterne.

Veröffentlicht am 25.10.2019

24 kleine Abenteuer ergeben eine runde Geschichte

Martins Adventkalender
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Ein Adventskalender zum (vor-)lesen – das ist eine schöne Idee, die Freude macht und keine Kalorien hat, gesund ist und viele Jahre wieder hervorgeholt werden kann. Die Geschichte ist schön gemacht und ...

Ein Adventskalender zum (vor-)lesen – das ist eine schöne Idee, die Freude macht und keine Kalorien hat, gesund ist und viele Jahre wieder hervorgeholt werden kann. Die Geschichte ist schön gemacht und vor allem wunderschön illustriert. Die Bilder sind relativ schlicht, fast kindlich, dennoch klar und aussagekräftig. Wie bei jedem Adventskalender, gibt es auch hier „Türchen“. Sie sind eine ganze Buchseite mit Zahl darauf. Chronologisch, Tag für Tag, findet sich ein solches Türchen, das ebenfalls wunderbar illustriert ist. Beim Umblättern ist dann auf der linken Seite die erste Hälfte der Geschichte des Tages, auf der rechten eine passende Illustration. Hier versteckt sich immer eine weiße Ratte, die das Kind noch zusätzlich suchen kann. Somit bildet dieser Adventskalender den Übergang vom Wimmelbuch zum Lesebuch.

Der Geschichte selbst merkt man an, dass sie aus Österreich ist. Einige der Ausdrücke sind hier in Deutschland so nicht üblich, aber das bietet die Möglichkeit, dass die Eltern mit den Kindern darüber sprechen, sie nachschlagen oder ergoogeln. Vieles ergibt sich aber auch aus dem Kontext heraus. Martin erlebt in den vierundzwanzig Dezembertagen kleine Abenteuer. Sie sind passend für diese Zeit, stehen aber auch für das ständige Lernen durch das Leben, das – nicht nur – Kinder erleben. Martin spürt, wie es ist, wenn man gehänselt wird, er erlebt die Freude, die es macht, wenn man etwas verschenkt, er lernt das Teilen und vieles mehr. So wird dem Leser auf spielerische Weise ebenfalls Tag für Tag ein bisschen etwas über das Leben und das eigene Verhalten nahegelegt.

Sehr schön finde ich auch, dass im hinteren Teil noch Platz ist, um selbst eine Geschichte zu schreiben und Bilder dazu zu malen. Für mich ist das Buch rundum gelungen. Deshalb gebe ich diesem Adventskalender der anderen Art die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 22.10.2019

Überraschend und gelungen!

An Nachteule von Sternhai
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Betts Dad ist homosexuell. Damit kann Bett prima leben. Ihr zweiter Dad ist vor Jahren gestorben und seither sind die beiden ein eingeschworenes Team. Als sie dann in ein Sommercamp soll, um da den Sommer ...

Betts Dad ist homosexuell. Damit kann Bett prima leben. Ihr zweiter Dad ist vor Jahren gestorben und seither sind die beiden ein eingeschworenes Team. Als sie dann in ein Sommercamp soll, um da den Sommer mit Avery zu verbringen, weil ihr Dad mit deren Dad eine Beziehung hat, plant sie den Aufstand. Gemeinsam mit Avery will sie alles daran setzen, ihr Leben so zu lassen, wie es ist. Darüber werden die Mädchen ungewollt zu Freundinnen. So unterschiedlich die beiden Mädchen sind, so gut verstehen sie sich mit der Zeit. Und dann wird alles wild und bunt und dann ganz dunkel …

Dieses Buch kommt komplett ohne die übliche Erzählart aus. Alles findet über Mails, Briefe und SMS statt. So bekommt der Leser nur den Kern der Sache mit, kein Drumrum – nur das, was die Schreiber der Texte direkt oder zwischen den Zeilen sagen, aber nicht, was sonst noch so in ihnen vorgeht. Das ist intensiver, als ich es je für möglich gehalten hätte und auch wenn es ein Jugendbuch ist, ist es auch für Erwachsene geeignet. Die Sorgen und Nöte der Mädchen werden wunderbar geschildert und ob die Erwachsenen nun homosexuell sind oder nicht, Alleinerziehende vergessen manchmal, wie sich die Kids bei all dem fühlen, wenn sich die Eltern verlieben.

Aber auch und gerade wie das Thema Homosexualität angegangen wird, so lockerflockig nebenbei und nicht als Hauptthema und schon gar nicht irgendwie wertend, ist sehr gelungen. Betts Großmutter erlebt ungeahnte Erfolge, an die sie nie geglaubt hatte. Die Mädchen lernen über sich und das Leben. Es wird gezeigt, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene die Dinge sehen – und erinnern! Wodurch Ängste entstehen können, wie man sie besiegen kann, was unser Leben beeinflussen kann, was Liebe zerstören kann und wie man sie wiederfindet … so viele wichtige Punkte werden auf zauberhafte Weise angesprochen. Es ist ein Buch, das man geradezu inhalieren kann und das enorm bewegt. Ich habe viel gelacht, aber auch ein paar Tränchen vergossen. Ja, ich finde dieses Buch einfach wunderbar!

Zunächst glaubt man, man hat es einfach mit zwei total unterschiedlichen Mädchen zu tun, von der jede von der anderen ein bisschen etwas lernen könnte und die tausende von Kilometer voneinander entfernt aufwachsen. Die eine, um ein bisschen lockerer zu werden, die andere, um ein bisschen disziplinierter zu werden. Dann sieht man ihre Freundschaft wachsen, sieht sie sich eine neue Sichtweise bilden und als hier der Spannungsbogen abzufallen droht, wendet sich das Blatt radikal. Fast hätte man es so erahnen können! Aber den beiden Autorinnen ist das längst nicht genug und sie bauen eine Überraschung ein …

Ja, ich liebe dieses Buch und ich bin begeistert, was Holly Goldberg Sloan und Meg Wolitzer (deren „Was uns bleibt ist jetzt“ ich ebenfalls sehr mochte) für eine zauberhafte Story gelungen ist. Der Stil ist erfrischend, unterhaltsam und äußerst gelungen. Man mag die beiden Mädchen sofort und ist mit ihnen gegen den Campleiter. Auch Gaga und Kristina muss man einfach mögen. Witz und Tiefgründigkeit gehen hier Hand in Hand. Das Buch bereichert ungemein – ich belohne das mit fünf Sternen!

Veröffentlicht am 19.10.2019

Der vertonte Adventskalender

Skandinavischer Advent - Der Audiobuch-Adventskalender
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Pünktlich mit dem 1. September kommen die Weihnachtsleckereien in die Geschäfte und Läden. Und bei mir zieht dann auch das erste weihnachtliche Produkt ein: der Audiobuch-Adventskalender! Als Kind war ...

Pünktlich mit dem 1. September kommen die Weihnachtsleckereien in die Geschäfte und Läden. Und bei mir zieht dann auch das erste weihnachtliche Produkt ein: der Audiobuch-Adventskalender! Als Kind war ich brav und habe immer nur ein Türchen nach dem anderen geöffnet, schön passend zum Datum im Dezember. Das schaffe ich als Erwachsene bei diesem „akustischen Adventkalender“ leider nicht …!

Frank Stieren und Beate Rysopp lesen ganz zauberhaft die 24 „Türchen“ ein. Man freut sich auf und über jeden Text. Das Prinzip, dass man jeden Tag im Dezember ein Türchen vom Cover aufmachen kann und dazu einen Text hören, ist inzwischen schon eine liebgewonnene Tradition bei mir geworden. Das gehört zur Weihnachtszeit dazu, wie die Weihnachtsbäckerei und die Dekoration.

Das Schöne ist, dass man zur Not auch jeden Tag alle Texte hören kann, wenn man mag. Und vielleicht auch, wie ich, jedes Jahr auch die „alten“ Audiobuch-Adventskalender noch einmal hören. Sie sind so wunderbar zeitlos. Diesmal bringen skandinavische Autoren den Weihnachtszauber ins Haus. Mal ist es eine kleine Geschichte, mal ein Gedicht, mal ein Liedtext. Dieses Jahr gehen bis auf drei Ausnahmen die Texte immer über mehrere Tage. Hier muss man also ein bisschen aufpassen oder dann entsprechend ein paar Tage aussetzen.

Die Texte sind allesamt zauberhaft, aber ganz besonders schön ist „Weihnachtseinkäufe“ von Henrik Ibsen. Es ist ein Auszug aus „Nora oder Ein Puppenheim“. Frank Stieren und Beate Rysopp sind dabei ein wunderbares Sprecherpaar – besser könnte ich mir das gar nicht wünschen! Einfach entzückend!

Ich freue mich jedes Jahr auf den neuen Audiobuch-Adventskalender und hoffe, die Reihe wird noch viele, viele Jahre fortgesetzt. Auch wenn er „wiederverwendbar“ ist, kann ich nicht genug von neuen Ausgaben bekommen. Man merkt, dass jeder einzelne Jahres-Adventskalender mit großer Sorgfalt zusammengestellt worden ist. Ich gebe ihm fünf blitzblank polierte, blinkende (Weihnachts-)Sterne!

Veröffentlicht am 19.10.2019

Atemberaubend, fesselnd, schockierend!

Die kalten Sekunden
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Für Damian und Ewa ist das Leben ohne große Überraschungen, aber wunderschön, weil sie miteinander glücklich sind. Seit ihrer Kindheit sind sie unzertrennlich. Ausgerechnet an dem Abend, als Damian Ewa ...

Für Damian und Ewa ist das Leben ohne große Überraschungen, aber wunderschön, weil sie miteinander glücklich sind. Seit ihrer Kindheit sind sie unzertrennlich. Ausgerechnet an dem Abend, als Damian Ewa einen Heiratsantrag macht, den diese annimmt, werden sie überfallen. Damian kann Ewa nicht helfen und als er zu sich kommt, ist sie verschwunden, ebenso die Täter. Alle Bemühungen Damians, Ewa zu finden, verlaufen ergebnislos. Zehn Jahre später findet er endlich eine Spur. Als kurz darauf sein bester Freund ermordet wird, gerät Damian in den Fokus der Ermittlungen. Zwischen Flucht und Suche fragt sich Damian, wie gut er Ewa wirklich kennt – oder kannte.

Vielleicht habe ich schon zu viele Thriller gelesen und gehört. Mich überraschen sie kaum noch. Irgendwie war alles schon mal so ähnlich da. „Die kalten Sekunden“ hat mich absolut überrascht, gefesselt und begeistert. Die Idee ist frisch und unverbraucht, die Umsetzung grandios. Der Titel ist bescheuert – ich hätte mich beinahe davon abschrecken lassen. Mroz hat so gekonnt und gut durchdacht ein erschreckendes, aber realistisches und denkbares Szenario gemalt, dass ich einfach dranbleiben musste. Ich war wie sein Protagonist Damian wie versessen darauf zu erfahren, was mit Ewa ist, wieso sie nach so langer Zeit auftaucht und warum sie sich nicht eher gemeldet hat. Ich wollte sie ebenso sehr finden, wie er.

Die Wendungen sind nicht nur überraschend, sondern einfach atemberaubend. Am Ende hat man das Gefühl, sich mehrfach um sich selbst gedreht zu haben und schwindlig im Kopf zu sein. Der brutale Einstieg in die Story war mir fast zu heftig. Gar so deutlich brauche ich Gewaltszenen nicht beschrieben und geschildert bekommen. Ich verstehe auch „Kurzfassungen“. Doch zum Glück setzt sich das nicht komplett durch die ganze Geschichte fort, auch wenn manche Details immer wieder zu klar geschildert werden. Cass ist mir beispielsweise viel zu duldsam gewesen und ich habe mich gefragt, warum sie sich nicht endlich wehrt. Nun, die Antwort habe ich irgendwann auf ganz besondere Weise bekommen und noch immer bin ich fassungslos, überwältigt, beeindruckt und auch schockiert. Mroz hat das Thema „Häusliche Gewalt“ extrem gut geschildert und angeprangert. Man muss ein wenig um die Ecke denken, um seine Aussage komplett zu verstehen. Dann aber muss selbst der größte Zweifler erkennen, wie genial dieser Thriller ist.

Die Story wird abwechselnd von Damian und Cass aus der Ich-Perspektive erzählt. Dadurch erfährt man mehr, als Damian selbst, dennoch kommt man der Lösung auch nicht schneller auf die Spur. Immer wieder gibt es Momente, an denen man stutzig wird. Das erhöht die Spannung noch mehr. Keine Frage bleibt am Ende offen, dennoch steht man hilflos und verloren da. Mich begeistert dieses Können total nach all den Thrillern nach gleichem Strickmuster.

Matthias Koeberlin und Vera Teltz (die der Figur der Teresa Lisbon aus „The Mentalist“ die Stimme leiht und die ich sehr gerne höre) haben eine großartige Lesung geliefert. Sowohl direkte als auch indirekte Rede und das Darstellen anderer Personen in der Erzählung gelingt ihnen problemlos. Man hat nicht das Gefühl, es klingt schräg, wenn einer der beiden das andere Geschlecht sprechen lässt.

In seiner Heimat ist Mroz ein Shootingstar und Bestsellerautor. „Die kalten Sekunden“ ist das erste Werk, das auf Deutsch übersetzt wurde. Mich hat es restlos begeistert und ich hoffe, seine anderen Bücher sind auch bald bei uns in deutscher Übersetzung erhältlich. Ich würde sehr gern mehr von ihm hören und lesen! Für dieses Buch gebe ich die vollen fünf Sterne.