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Veröffentlicht am 04.12.2016

Der Henker und der Medicus

Die Henkerstochter (Die Henkerstochter-Saga 1)
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Schongau, 1659: Als tote Kinder mit seltsamen Zeichen auf dem Rücken gefunden werden und noch weitere eigenartige Dinge geschehen, gelangen die Bewohner mehr und mehr zu der Überzeugung, dass hier Zauberei ...

Schongau, 1659: Als tote Kinder mit seltsamen Zeichen auf dem Rücken gefunden werden und noch weitere eigenartige Dinge geschehen, gelangen die Bewohner mehr und mehr zu der Überzeugung, dass hier Zauberei im Spiel sein muss. Schnell gerät die Hebamme Martha Stechlin in Verdacht, eine Hexe zu sein. Der Henker Jakob Kuisl soll mittels Folter ein Geständnis von ihr erzwingen. Doch er glaubt nicht an die Schuld der alten Frau und macht sich gemeinsam mit dem Medicus Simon Fronwieser daran, die wahren Hintergründe aufzudecken.

Zwar ist diese Ausgangssituation vielversprechend, ich hatte allerdings zu Beginn gewisse Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzukommen, was vor allem an dem (zu) häufigen Wechsel der Erzählperspektive lag.
Auch wird durch den „Kriminalfall“ nicht wirklich viel Spannung aufgebaut, man kann schon früh erkennen, wer hinter der ganzen Sache steckt, wenngleich erst am Ende sämtliche Zusammenhänge aufgedeckt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass die Titelheldin, die Henkerstochter Magdalena Kuisl, in Wahrheit nur eine Nebenrolle spielt. Da drängt sich der Verdacht auf, dass dieser „weibliche“ Titel vom Verlag vor allem aus Marketinggründen gewählt wurde.

Nichtsdestotrotz ist der Roman aus historischer Perspektive sehr gelungen. Wie aus dem Nachwort hervorgeht, ist der Autor sogar ein echter Nachfahre der Kuisls, bei denen es sich tatsächlich um eine berühmte Henker-Dynastie gehandelt hat.
In diesem Buch, für das er auch auf das Privatarchiv von an Ahnenforschung interessierten Familienmitgliedern zurückgreifen konnte, kann man vieles über das Leben in einer Stadt der frühern Neuzeit, den damaligen Stand der Medizin und vor allem auch über die Lebensumstände und den Tätigkeitsbereich des Henkers erfahren. Schließlich handelt es sicher hierbei um einen Berufsstand, der in historischen Romanen in der Regel keine besonders große und erst recht keine besonders sympathische Rolle spielt.

Zwar wirkt Kuisl schon fast ein bisschen zu gut und schlau und überlegen und der Autor hat sich sicherlich die eine oder andere dichterische Freiheit erlaubt, die Lektüre gestaltet sich aber jedenfalls unterhaltsam und interessant.

Veröffentlicht am 04.12.2016

Schicksale im hohen Norden

Töchter des Nordlichts
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Dieser Roman erzählt von zwei Frauen auf der Suche nach ihrer Identität.
Finnmark, 1915: Die glückliche Kindheit der neunjährigen Samin Ailu findet ein jähes Ende, als sie zwangsweise in ein Internat eingewiesen ...

Dieser Roman erzählt von zwei Frauen auf der Suche nach ihrer Identität.
Finnmark, 1915: Die glückliche Kindheit der neunjährigen Samin Ailu findet ein jähes Ende, als sie zwangsweise in ein Internat eingewiesen wird, wo samische Kinder zu „richtigen“ Norwegern erzogen werden sollen. Noch Jahre später nagt das Gefühl, nirgendwo richtig dazuzugehören, an ihr.
Oslo, 2011: Nora hat erst vor kurzem erfahren, dass ihre Mutter ihr die Wahrheit über ihren Vater lange verschwiegen hat. Im hohen Norden lernt sie schließlich ihre samischen Verwandten kennen. Von vielen wird sie freundlich aufgenommen, muss aber auch mit heftiger Ablehnung zurecht kommen.

Diese beiden Geschichten werden jeweils abwechselnd erzählt, wodurch durchaus eine gewisse Spannung entsteht.
Die Handlung ist allerdings oftmals vorhersehbar und es sind einige unrealistische oder zumindest unwahrscheinliche Wendungen eingebaut. Es wird viel Platz auf die Schilderung des Innenlebens der Protagonistinnen verwendet, was es zwar leicht macht, sich in sie hineinzuversetzen, teilweise werden ihre Gedankengänge aber ein bisschen zu ausführlich dargestellt. Vor allem Noras ständige Grübeleien und Selbstvorwürfe werden mit der Zeit etwas langweilig.

Dafür kann dieses Buch aber mit interessanten Informationen zur Lebensweise der Sami und den Problemen der samischen Minderheit in Norwegen, sowie mit anschaulichen Landschaftsbeschreibungen punkten.

Veröffentlicht am 04.12.2016

Aufdeckung eines Familiengeheimnisses

Das Bienenmädchen
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Inspiriert von ihrem Vater, der sich vor seinem Tod sehr für einen ihr bisher unbekannten Onkel namens Rafe Ashton interessiert hatte, beschließt Lucy spontan, ein paar Tage in dem kleinen Ort St Florian ...

Inspiriert von ihrem Vater, der sich vor seinem Tod sehr für einen ihr bisher unbekannten Onkel namens Rafe Ashton interessiert hatte, beschließt Lucy spontan, ein paar Tage in dem kleinen Ort St Florian zu verbringen, wo ihre Großmutter einen Teil ihrer Jugend verbracht hatte, und dort Nachforschungen über ihre Familiengeschichte anzustellen. Sie lernt Beatrice, eine Jugendfreundin ihrer Großmutter Angelina, kennen. Diese erzählt von ihrem Leben, und diese kurz vor und vor allem während des Zweiten Weltkriegs angesiedelte Geschichte hat viel Drama und – trotzdem einige Entwicklungen und Zusammenhänge früh erahnbar sind – einige Spannung zu bieten.

Der Roman handelt abwechselnd von Lucys Erlebnissen in St Florian und Beatrices Lebensgeschichte, wobei letztere zunehmend den größeren Raum einnimmt. Sie ist – trotz mancher Längen – auch der interessantere Teil.
Man kann Beatrices Entwicklung vom schüchternen, unsicheren Mädchen zu einer starken jungen Frau, die in ihrer Einsatzbereitschaft für ihr Land großen Mut beweist, gut verfolgen, und bei all den Tragödien, die sie erlebt, mit ihr mitfühlen. Auch Angelina und ihre Familie sind nachvollziehbar gezeichnet. Sie wirken zwar nicht immer sonderlich sympathisch, man kann aber doch auch verstehen, wie ihre Persönlichkeiten geformt wurden und wodurch sie zu einem bestimmten Verhalten veranlasst werden.
Zwar bleibt hier einiges offen und manche Fragen unbeantwortet, die Geschichte wird aber jedenfalls letztlich zu einem positiven, „versöhnlichen“ Ende geführt.

Der in der Gegenwart angesiedelte Handlungsstrang um Lucy wirkt dagegen teilweise etwas lieblos gestaltet und tritt mit der Zeit auch immer mehr in den Hintergrund. Zwar würde es hier durchaus ausbaufähige Ansätze geben, es wird ihnen aber einfach nicht genug Platz eingeräumt, um sich entfalten zu können.

Veröffentlicht am 27.11.2016

An der Front der wissenschaftlichen Forschung

Die Neandertaler und wir
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Svante Pääbo war der erste, dem er mit seiner Arbeitsgruppe gelang, die DNA der Neandertaler, also einer ausgestorbenen Menschenart, zu sequenzieren, und daraus bedeutende Erkenntnisse über die Entwicklungsgeschichte ...

Svante Pääbo war der erste, dem er mit seiner Arbeitsgruppe gelang, die DNA der Neandertaler, also einer ausgestorbenen Menschenart, zu sequenzieren, und daraus bedeutende Erkenntnisse über die Entwicklungsgeschichte der Menschheit sowie die Verwandtschaft zwischen modernen Menschen und Neandertalern abzuleiten.

In diesem Buch erzählt er sowohl von seinem persönlichen Werdegang als auch von der Geschichte seines Fachgebiets. Er berichtet unter anderem von ersten mühsamen Versuchen, alte DNA zu entschlüsseln, von der Schwierigkeit, überhaupt an passende Fossilien heranzukommen, vom immer wieder auftauchenden Problem der Verunreinigung mit moderner DNA und von den Momenten der Frustration, wenn ein mit viel Aufwand und Engagement betriebenes Experiment letztlich kaum brauchbare Ergebnisse liefert.

So hat man das Gefühl, an der Front der Paläogenetik hautnah dabei zu sein und kann auch die Freude nachempfinden, wenn es endlich zu einem Durchbruch kommt, sodass es beispielsweise gelingt, Neandertaler und Jetzt-Menschen einander gegenüberstellen oder sogar Hinweise auf eine noch unbekannte alte Menschenart zu entdecken.
Auch die Interpretation der erhaltenen Daten wird erläutert, wobei deutlich wird, dass diese oft mit vielen Unsicherheiten behaftet ist und immer ein gewisses Spannungsverhältnis besteht, zwischen dem Wunsch nach der möglichst baldigen Publikation von möglichst interessanten Ergebnissen und der Gefahr, sich auf zu gewagte Spekulationen einzulassen.

Die Ausführungen sind dabei sachlich gehalten, sodass sich die Lektüre eher trocken gestaltet. Der Großteil der Erklärungen ist aber gut verständlich, man kann den wesentlichen Gedankengängen auch ohne besondere Vorkenntnisse folgen.

Der Autor neigt allerdings zu einer gewissen Überheblichkeit, möchte zu sehr den Eindruck erwecken, dass letztlich er persönlich für alle wichtigen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Erforschung alter DNA verantwortlich ist. Seine eigenen Ideen und die seiner Mitarbeiter stellt er in gutem Licht dar, während er anderen Wissenschaftlern regelmäßig vorwirft, dass sie die falschen Methoden anwenden oder zu wenig sorgfältig arbeiten würden. Selbst wenn er damit im Ergebnis teilweise recht haben sollte, würde ihm doch etwas mehr Bescheidenheit nicht schaden.

Nichtsdestotrotz kann ich dieses Werk weiterempfehlen, bietet es doch einen interessanten Blick hinter die Kulissen, und zeigt, wie jene sensationellen Ergebnisse gewonnen wurden, die – mit markigen Schlagzeilen versehen – auch den Weg in die Massenmedien fanden.

Veröffentlicht am 27.11.2016

Amüsanter Schulalltag

Nenne drei Hochkulturen: Römer, Ägypter, Imker
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In diesem Büchlein sind eine Reihe witziger Schülerantworten, geordnet nach Fachgebiet, sowie einige Anekdoten aus dem Alltag der Lehrer versammelt, die von Unterrichtenden aus verschiedenen Teilen Deutschlands, ...

In diesem Büchlein sind eine Reihe witziger Schülerantworten, geordnet nach Fachgebiet, sowie einige Anekdoten aus dem Alltag der Lehrer versammelt, die von Unterrichtenden aus verschiedenen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz an Spiegel Online gesendet wurden.
Sie illustrieren, dass die Arbeit an den Schulen auch ihre amüsanten Seiten hat. Schließlich gehen viele Schüler bei der Beantwortung von Fragen gerne nach dem Motto „Gut geraten ist halb gewusst“ vor, das Ergebnis ist aber meistens leider bestenfalls genial daneben.
So finden sich hier Stilblüten wie „I dignity myself glad“ oder „Der Dolch ist das Lösungsmittel Emilias“ sowie erstaunliche Ansichten, etwa, dass Mahatma Gandhi ein Land in Ostafrika sei, Deutschland im Mittelpunkt der Erde liege oder Karneval ein kirchlicher Feiertag sei.
Derartige Aussagen werden nicht nur aneinander gereiht, sondern von den Autorinnen mit kurzen Kommentaren und gelegentlich auch Hintergrundinformationen darüber, wie es richtig gewesen wäre, versehen.
Bisweilen ist es dabei schon beinahe erschreckend, was Schüler (selbst solche in höheren Jahrgängen) alles nicht wissen oder falsch verstanden haben.
Dennoch kann die Lektüre zum Schmunzeln animieren und gibt ein paar vielsagende Einblicke in die Denkweise von Schülern wie Lehrern.
Ich würde allerdings empfehlen, das Buch nicht in einem Rutsch, sondern eher in kleineren Etappen durchzulesen, da die Aneinanderreihung eines Fehlers an den nächsten mit der Zeit doch etwas langweilig wird.