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Veröffentlicht am 29.12.2019

Ein historischer Lesegenuss, fundiert recherchiert und wunderbar erzählt.

Das weiße Gold der Hanse
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Der historische Roman "Das weiße Gold der Hanse" von Ruben Laurin erscheint im Bastei Lübbe Verlag. Bei dem Pseudonym Ruben Laurin handelt es sich um den Autor Thomas Ziebula.

Lübeck 1232: Der Waisenjunge ...

Der historische Roman "Das weiße Gold der Hanse" von Ruben Laurin erscheint im Bastei Lübbe Verlag. Bei dem Pseudonym Ruben Laurin handelt es sich um den Autor Thomas Ziebula.

Lübeck 1232: Der Waisenjunge Bertram ist hilflos den Übergriffen und Befehlen grober Seeleute ausgesetzt. Er weckt das Mitleid einer reichen Kaufmannstochter, doch diese Zuneigung ist gesellschaftlich unmöglich. Um sein Glück zu machen, heuert Bertram bei einem Hanseschiff an. Er wird in mehrere gefährliche Überfälle und Abenteuer verwickelt. Er gelobt, wenn er überleben sollte, baut er einen Ort der Barmherzigkeit für die Alten und Schwachen.

Dieser Roman gründet sich auf die wahre Geschichte des Bertram Morneweg, dem Stifter des Lübecker Heiligen-Geist-Hospitals.



Der achtjährige Bertram gerät auf der Kogge seines Vaters nach einem Piratenüberfall in die Hände des Kapitäns Jacobi, der ihn als Sklave in Wismar für sich arbeiten lässt. Die Jüdin Rebecca kümmert sich um Bertram und nennt ihn Moses. Nach Jacobis Tod fliehen sie beide nach Lübeck. Dort ermöglicht ihm der Kaufmann Martinus Bardewik eine Ausbildung zu machen, später geht Moses auf Handelfahrten nach Riga und Nowgorod. Bertram erzählt dem jungen Maler Johannes von Köln zur Aufmunterung von seinem eigenen Leben und den Schwierigkeiten, die er überwunden hat, um schliesslich Ratsherr und einflussreicher Kaufmann zu werden.



Mit diesem Roman konnte ich wunderbar in das Zeitalter der Hanse in Lübeck eintauchen. Obwohl ich bei diesem Titel mehr über den Salzhandel vermutet hatte, lehnt Ruben Laurin den Roman an diese einflussreiche Zeitepoche an und erzählt seine Version über das Leben von Bertram Morneweg, dem Begründer des Lübecker Heiligen-Geist-Hospitals.

Er verbindet geschickt die Schilderung der Kindheit von Moses und seinem Leben als Ratsherr Bertram. Der Erzählton ist sehr bildreich, spannend und stellt die verschiedenen Schicksale und Lebensumstände der damaligen Zeit authentisch dar.


Die Handlung lässt sich sehr gut verfolgen, sie wirkt authentisch recherchiert und wird mit fiktiven Vorgängen und vielschichtigen Personen zu einem perfekten Historienschmöker ausgeschmückt.

Beim Lesen sieht man die Kaufmannshäuser, Piratenschiffe, Koggen und Handelsplätze vor dem inneren Auge vorbeiziehen und erlebt die unterschiedlichen Menschen mit ihren jeweiligen Charakterzügen lebhaft mit. Rebecca und Moses sind hier die Hauptfiguren, deren Weg man gespannt mitverfolgt und mit ihnen bangt und leidet.


Ruben Laurin vermag es auf besondere Weise, seinen Figuren soviel realistisches Leben einzuhauchen, sie so akurat zu beschreiben, das man nur gespannt weiterlesen kann. Seine Charaktere sind wiedererkennbar, sie zeigen Gefühle und brennen für ihre Sache. Es läuft beim Lesen förmlich ein richtiger Film ab. So habe ich die mittelalterlichen Handelsplätze von Wismar, die Galeere der Piraten, die Kämpfe Mann gegen Mann und die Fassaden der Gebäude des alten Lübecks wie eine Kulisse vor Augen gehabt.


Die Gründung eines Hospitals war zu dieser Zeit nicht selbstverständlich und die Beweggründewerden hier glaubwürdig geschildert.



Dieser Roman ist eine Mischung aus Geschichte, Abenteuer und natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen. Es ist ein wunderbar erzählter historischer Roman, der ein echtes Lesevergnügen für Freunde dieses Genres bietet.

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Veröffentlicht am 21.12.2019

Ein entschleunigender Ratgeber und ein ganz tolles Buch: Fernweh ist out, es lebe das Nahweh

Im Freien – Abenteuer vor der Tür
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"Im Freien – Abenteuer vor der Tür" von Björn Kern erscheint im Fischer Verlag.

Viele buchen eine Fernreise, um dem Alltag zu entfliehen, doch das ist nicht gerade umweltschutzfreundlich und auch für ...

"Im Freien – Abenteuer vor der Tür" von Björn Kern erscheint im Fischer Verlag.

Viele buchen eine Fernreise, um dem Alltag zu entfliehen, doch das ist nicht gerade umweltschutzfreundlich und auch für die Entschleunigung gar nicht nötig. Björn Kern hat sein Abenteuer direkt vor seiner Haustür im Oderbruch gestartet. Hier erlebt er die Jahreszeiten im Wechsel und entdeckt eine Wunderwelt, die im heimischen Wald für große Gefühle und Erlebnisse und gleichzeitig für Entspannung sorgt.


"Ein Windstop fegt gekräuselte Wellen über das Wasser. Ich sehe zum Himmel auf. Keine Wolkenwand, keine Trübung des Lichts. " Zitat S. 86 Entschleunigung und besinnen auf das Leben in der Natur.

Das Leben in der Natur ist dem Stadtmenschen heute nicht mehr bewusst, dabei kann man gerade da gut abschalten und erlebt Jahreszeiten, Tiere und Pflanzen hautnah. Björn Kern löste sich von seinem Schreibtisch und Laptop und machte die Erfahrung mit dem "Nahweh". In seinem Buch beschreibt er, wie er sich im Wald vor unbekannten Geräuschen erschreckt, wie er wilden Tieren z. B. einem Waldkauz begegnet, im Wasser eines vereisten Sees mit einem Ungeheuer in Form einer Plastiktüte kämpft und was ihm so im Freien alles durch den Kopf geht.



Die ersten Erlebnisse im Freien machen ihn mutiger und neugierig auf weitere Abenteuer, so zieht er los, quer durch den Oderbruch und findet in einem Schützengraben Knochen, vermutet dahinter die Überreste eines heldenhaften Soldaten. Wer findet so etwas schon beim Baden in der Südsee? Diese Erlebnisse bringen ihn seiner Heimat näher und sie erden ihn in seiner Kultur. Wie schön ist es, durch die Wälder zu streifen, vor keiner Touristen-Sensation Schlange stehen zu müssen, keine Verkaufsgespräche mit Straßenhändlern führen zu müssen und nicht die Zeit in Bussen oder Flugzeugen absitzen zu verplämpern.

So versucht der Autor bei seinen Streifzügen im Freien abzuschalten und seine innere Ruhe wiederzufinden, was ihm nicht immer gelingt. Seine Gedanken wenden sich gegen das Alltägliche, hin zu dem Erlebten in der Natur und er tauscht sich mit seinem märkischen Nachbarn darüber aus.

Diese Figur ist mein Highlight in diesem Buch, sein Dialekt gibt dem Buch noch etwas mehr Pepp und die Dialoge lesen sich herrlich komisch.

Bewegung im Freien, diese alte, hier neu entdeckte Freizeitidee ist zum Abschalten genau richtig, fördert die Gesundheit und ist aus ökologischen Gründen jeder Urlaubsreise vorzuziehen.


Eine anregende Lektüre, die entschleunigend wirkt, mich hat dieses Buch vollkommen überzeugt, häufig lachen lassen und auch die Idee dahinter ist so einfach wie grandios. Raus aus den vier Wänden, ab in den Wald und die Natur spüren. Im Freien lässt man die Natur wirken und entdeckt, was wirklich wichtig im Leben ist.

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Veröffentlicht am 18.12.2019

Großartige Inspiration über berühmte Personen, die die Menschheit maßgeblich beeinflusst haben.

Helden-Atlas
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Der "Helden-Atlas" von Miralda Colombo und Ilaria Faccioli ist ein Sach-Kinderbuch und erscheint bei Midas Collection.

Berühmte Persönlichkeiten aus aller Welt werden hier vorgestellt, es sind Frauen ...

Der "Helden-Atlas" von Miralda Colombo und Ilaria Faccioli ist ein Sach-Kinderbuch und erscheint bei Midas Collection.

Berühmte Persönlichkeiten aus aller Welt werden hier vorgestellt, es sind Frauen und Männer, die durch ihr Können, ihre Visionen, ihren Mut und ihren Ideenreichtum unsere Welt nachhaltig geprägt haben. Welche Besonderheiten sie so außergewöhnlich machten und warum sie Vorbildfunktion einnehmen, kann man hier erfahren.

Alle Persönlichkeiten werden in sechs bestimmte Kategorien eingeteilt: Künstler, Erfinder, Schriftsteller, Wissenschaftler, Abenteurer und Visionäre.


In diesem großformatigen Sachbuch werden 100 interessante Personen in Einzeldarstellung mit Lebensdaten und ihren besonderen Fähigkeiten, Entdeckungen und Heldentaten Kindern näher gebracht. Zu jeder Berühmtheit gibt es ein anschauliches Bildnis und dazu die nötigen Eckdaten und Informationen über die persönlichen Lebensstationen und Besonderheiten in kurzem Abriß. Dabei stellen sich die Personen in persönlicher Weise vor, die Texte beginnen mit: "Hallo, ich bin..."

So angesprochen können Kinder einfach, schnell und auf visualisierte Weise Personen kennenlernen und die verschiedenen Kategorien entdecken. Die Menschen sind allesamt Vorbilder auf ihre bestimmte Weise und wie unterschiedlich ihre Fähigkeiten und Werte die Menschheit voranbringen, wird dadurch deutlich gemacht.

Übersichtsseiten der einzelnen Kategorien zeigen die Personen und ihre Herkunft auf einer Weltkarte.

Künstler:

Pablo Picasso, Michelangelo Buonarroti, Frida Kahlo, Beatles, Verdi, Mozart, Maria Callas u. a.

Erfinder, Genies:

Galileo Galilei, Marie Curie, Christian Barnard, Maria Sibylla Merian, Johannes Gutenberg, Srinivasa Ramanujan, Ada Lovelace...

Schriftsteller:

William Shakespeare, Joanne K. Rowling, Cervantes, Astrid Lindgren, Dante Alighieri, Jules Verne...

Vordenker:

Konfuzius, Dalai Lama, Mohandas Gandhi, Sokrates, Nelson Mandela, Voltaire, Maria Montessori, Simone de Beauvoir...

Mutige und Abenteurer:

Marco Polo, Jeanne D´Arc, Albert Schweitzer, Juri Gagarin, Gertrude Bell, Roald Amndsen, Claudette Colvin, Malala...

Visionäre:

Virginia Woolf, Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Steve Jobs, Charles Darwin, Nellie Bly, Florence Nightingale...


Kinder ab 6 Jahren werden sich mit diesem Buch gern beschäftigen, weil sie persönlich angesprochen werden. Sie erkennen anhand der Biografien die entscheidenden wichtigen Werte und ziehen aus diesem Buch auch Wissen über entscheidende Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Die Illustrationen sind eindimensional gehalten und recht bunt, die Erkennbarkeit der Personen finde ich sehr treffend gelungen. Der Schaffensdrang und die Überzeugungen dieser Menschen schwappt mit großer Kraft auf die Leser über und macht Mut für die eigene Entwicklung.


Der Maßstab des Buches ist riesig, es hat Übergröße und wirkt genau wie ein Atlas.

Was mich am meisten erfreut hat, ist die Tatsache, das für die 101. Person noch eine Doppelseite frei gehalten wurde. Das Kind kann hier sich und seine eigenen Gedanken und Visionen eintragen. Denn in jedem Menschen schlummert ein neuer Held oder eine neue Heldin, das macht dieses Buch bewusst.


Nicht nur reine Wissensvermittlung, sondern eine faszinierende und inspirierende Reise durch die Menschheit erlaubt die Lektüre dieses Buches. Es begeistert übrigens auch Erwachsene und man kann sich gegenseitig die Personen vorstellen und als Ratespiel abfragen.


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Veröffentlicht am 17.12.2019

Ein hervorragend aufbereitetes Buch über einen großen Forscher

Darwins große Reise
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Jake Williams Sachbuch für Kinder trägt den Titel "Darwins große Reise" und erzählt aus dem Leben des berühmten Forschers. Das bebilderte Kinderbuch richtet sich an Kinder von 6 - 12 Jahren und erscheint ...

Jake Williams Sachbuch für Kinder trägt den Titel "Darwins große Reise" und erzählt aus dem Leben des berühmten Forschers. Das bebilderte Kinderbuch richtet sich an Kinder von 6 - 12 Jahren und erscheint im Midas Collection Verlag.

Der britische Naturforscher Charles Darwin hatte schon als Kind sehr großes Interesse an Naturwissenschaften. Im Dezember 1831 begab er sich auf eine fast fünf Jahre abdauernde Forschungsreise mit dem Schiff namens »Beagle«. Darwin beobachtete und untersuchte Tiere und Pflanzen, die ihm auf der Weltreise begegneten und wertete später die Untersuchungen in seinem Buch "Die Entdeckung der Arten" aus. Dieses Werk ist heute noch die Basis für unser Wissen über die Natur.

Dieses Buch zeigt das Leben von Charles Darwin, seine Interessen und seine Schlussfolgerungen aus den Beobachtungen der Natur, die zu seiner großen Evolutionstheorie geführt haben.

Nachdem Darwin ein Medizinstudium abgebrochen hatte, bekam er das Angebot, auf der Beagle eine Weltumsegelung als Naturforscher zu begleiten.

Die Reise startete in England, es ging über die Kapverden nach Brasilien und Galapagos, bis Tahiti und Australien. Dieses Buch gibt einen umfassenden Überblick über die Entdeckungen und Abenteuer Darwins. Seine Ausrüstung umfasste neben einem Teleskop, Messer und Mikroskop auch einen Säuretestkasten, ein Goniometer und sogar eine Pistole. Die Gegenstände werden kindgerecht erklärt und die Reisestationen werden interessant beschrieben und mit einigen Anekdoten aufbereitet. Das Augenmerk liegt natürlich auf den besonderen Tieren, die Darwin auf seiner Reise entdeckte. Riesenschildkröten, Faultiere, Schnabeltiere und viele Insekten, Vögel und Pflanzen wurden von ihm untersucht und dieser Streifzug in die Wildnis ist für Kinder ein echtes Erlebnis, denn die bildreiche Darstellung zeigt ihnen einen Eindruck vielfältiger Lebewesen unserer Erde.

Aber noch viel interessanter ist für Kinder die Erkenntnis darüber, was ein Forscher eigentlich ausmacht und welche Entdeckungen Darwin auf dieser Reise machte. Denn schliesslich sind die Beobachtungen und Untersuchungen nur die Grundlage seiner Gedanken, aus denen er die entscheidenden Schlussfolgerungen seiner Evolutionstheorie zog.

Nur die Tiere und Pflanzen, die sich ihrer Umgebung am besten anpassen, überleben.
Man nennt das auch "Survival of the fittest".

Darwins Theorie umfasst auch die Abstammung des Menschen und aus seinen Gedanken zum Überleben konnte man später anhand von DNA-Untersuchungen seine Theorie auch beweisen.

Neben den in bunten Bildern dargestellten Tierentdeckungen erleben Kinder hier eine außergewöhnliche Reisebeschreibung des wohl größten Naturforschers und den abenteuerlichen Entdeckungsdrang dieses außergewöhnlichen Mannes. Sie sehen, wie eine Reiseplanung nicht unbedingt so abläuft wie erhofft, sie sehen, wieviel Untersuchungen und Beobachtungen nötig sind, um daraus auf Theorien der Anpassung von Tieren und Pflanzen schliessen zu können.

Die Texte erklären selbst schwierige Sachverhalte sehr verständlich und die digital erstellten Bilder Jake Williams sind bunt und ausdrucksstark. Zusätzlich gibt es einiges Kartenmaterial zu Reiserouten und Kontinenten, woran Kinder spielerisch lernen können.


Wenn man Kinder früh genug an Naturwissenschaften heranführt, schürt man dadurch auch ihr Interesse für diese Themen. Das ist mit diesem Buch absolut interessant gelungen und es lässt noch weiteren Spielraum für eigene Nachforschungen. Charles Darwin hat mit seiner Evolutionstheorie eine der grundlegendsten Forschungstheorien aufgestellt, die noch heute bei Wissenschaftlern anerkannt ist.


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Veröffentlicht am 15.12.2019

Unglaublich berührender und dramatischer Roman

Libellenschwestern
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Lisa Wingates Roman "Libellenschwestern" erscheint als Taschenbuch 2019 im Blanvalet Verlag.

Memphis, Tennessee:
1939 lebt die 7-köpfige Familie Foss auf dem Mississippi als Flußzigeuner auf einem Hausboot. ...

Lisa Wingates Roman "Libellenschwestern" erscheint als Taschenbuch 2019 im Blanvalet Verlag.

Memphis, Tennessee:
1939 lebt die 7-köpfige Familie Foss auf dem Mississippi als Flußzigeuner auf einem Hausboot. Queenie, die Mutter von vier Mädchen Rill, Camellia, Lark, Fern und einem Sohn, Gabion, liegt in den Wehen, die Geburt ist kompliziert, denn sie erwartet Zwillinge. Ohne ärztliche Hilfe wird sie die Geburt nicht schaffen, also bringt sie ihr Mann Briny in ein Krankenhaus. Die fünf Kinder bleiben im Boot allein zurück und werden von Mitarbeitern in ein Waisenhaus der Tennessee Childrens´s Home Society in Memphis gebracht. Den Kindern wird erzählt, dass die Eltern sie bald wieder abholen werden und sie fügen sich in ihr Schicksal. Rill hat mit ihren 12 Jahren das Versprechen abgegeben, auf ihre Geschwister aufzupassen. Doch sie hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die sie nicht erahnen kann.

Dieser Schicksalsroman basiert auf wahren Gegebenheiten und zeigt das Ausmaß an tragischen Ereignissen verschiedener Personen, in diesem Fall am Beispiel einer fiktiven Familie und ihren 5 Kindern, die ein einfaches Leben auf einem Hausboot auf dem Mississippi führen.

Die Tennessee Childrens´s Home Society unter der Führung von Georgia Tann war ein grausames Kapitel in der Waisenhaus- und Adoptionsgeschichte von Memphis in den 20er bis 50er Jahren. Unter dem Deckmantel der Fürsorge für arme, unerwünschte und vernachlässigte Kinder, wurden Babies und Kleinkinder durch Späher ausgesucht, ihren Eltern abgeluchst oder sogar verschleppt, um dann gegen Geldzahlungen an adoptionswillige Eltern verkauft zu werden. Die Heime wurden nicht kindgerecht geführt und niemand ging den wahren Machenschaften der geldgierigen Kriminellen nach, der Skandal wurde selbst von höheren Regierungskreisen unterstützt. Offiziell wurden armen Kindern ein neues Heim und bessere Lebensbedingungen geboten. Aber eigentlich war das nur Kinderhandel in übelster Art und Weise und es betraf Tausende von Kindern, die nie wieder in ihre Familien zurück kehrten.

In ihrem Roman arbeitet Lisa Wingate die schrecklichen Schicksale dieser den Familien entrissenen Kinder auf.

Dazu stellt sie in einem Handlungsstrang das Leben auf dem Hausboot und die Entführung und den weiteren Verlauf der Kinder der Familie Foss dar. Es sind schöne, bildhafte Darstellungen von der Natur, vom Leben auf dem Fluss, von Armut und Familienleben und dem engen Zusammenhalt der Geschwister, aber auch sehr betroffen machende Schilderungen durch die Verschleppung ins Waisenhaus und den schlimmen Machenschaften vor Ort.

Circa 70 Jahre später macht Avery Stafford, eine junge Juristin, in einem Altenheim eine ungewöhnliche Entdeckung. Ihr Libellenarmband, ein Familienerbstück, wird von der über 90jährigen Bewohnerin May als ihres erkannt. Diese Erkenntnis bringt Avery dazu, sich auf die Suche nach dem dahinter liegenden Familiengeheimnis zu machen, denn ihre Großmutter ist an Demenz erkrankt und von ihr sind keine Informationen zu erfahren. Avery kommt zu erschütternden Erkenntnissen, die auch ihr eigenes Leben verändern werden.

Mich hat diese Geschichte sehr berührt und ich habe insbesondere mit Rill und den anderen Kindern mitleiden müssen. Es ist schwer zu glauben, wie herzlos und ohne jegliche Schuldgefühle Giorgia Tann und ihre Mitarbeiter mit den Kindern umgingen und sie wie eine Handelsware auf dem "Markt" zu Geld machten. Der Autorin lag sehr an einer Publikmachung dieses Skandals und das ist ihr mit ihrer Aufarbeitung in Romanform ausgesprochen gut gelungen.

Wie hier die kindliche Protagonistin Rill/May ihre inneren Kämpfe ausfechtet, um ihre Geschwister zu schützen, ist überaus beeindruckend und überzeugend dargestellt. Sie allein vermag es nicht, sich gegen die Mitarbeiter zu wehren, auch wenn sie es noch so gern möchte. Die ständige Angst um die Geschwister und die Strafen im Heim hat man als Leser dauernd vor Augen und man möchte sie am liebsten beschützen.
Dieses Bild von Kinderheimen setzt sich dauerhaft fort, es wird nicht nur im amerikanischen Heimen solche Machenschaften gegeben haben, das ist nach dieser Lektüre das schlimme Resümee. Man kann nur hoffen, dass heutige Jugendämter mehr Kontrolle ausüben.

Die Nachforschung Averys sorgt für den neueren zeitlichen Bezug, man möchte mit ihr hinter das Geheimnis ihrer Großmutter kommen. Es gibt noch eine eher nebensächlich verlaufene Liebesgeschichte, die sich nicht so sehr in den Vordergrund drängt.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr detaillreich, bildhaft und lebendig gestaltet, man findet sich in Rills kindlicher Sichtweise wieder und erkennt ihre Liebe zu den Geschwistern sehr genau. Ebenso deutlich wird auch der Zwiespalt von Avery in ihrer Verantwortung für den guten Ruf ihrer Familie. Doch im Ganzen folgt man viel gespannter Rill und ihren Erlebnissen.

Das Ende klärt einige Ungereimheiten auf, es führt Menschen zusammen und kann doch die Lücken der Familien nicht endgültig schliessen.

Ein Schicksalsroman, der den Leser teilhaben lässt an kindlichen Schicksalen und der besonders die tiefe Verbundenheit zwischen Geschwistern sehr gut zeigt. Von mir eine volle Leseempfehlung, denn so etwas darf sich nicht wiederholen.

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