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Veröffentlicht am 15.09.2016

Untypischer, aber äußerst spannender Krimi

Mörderkind
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Die Tochter (Fiona) eines 19 Jahre zuvor wegen Mordes an seiner Geliebten Verurteilten versucht nach dem Tod des Vaters die damaligen Geschehnisse aufzuklären. Denn ihr Vater hat die Tat stets abgestritten, ...

Die Tochter (Fiona) eines 19 Jahre zuvor wegen Mordes an seiner Geliebten Verurteilten versucht nach dem Tod des Vaters die damaligen Geschehnisse aufzuklären. Denn ihr Vater hat die Tat stets abgestritten, zuletzt gegenüber dem Rettungssanitäter, der ihm nach der ebenfalls mysteriösen Inbrandsetzung seiner Wohnung Hilfe leistete. Dieser ist es auch, der die durch ihren Ruf als „Mörderkind“ traumatisierte Fiona unterstützt. Es tun sich ungeheuerliche Intrigen und Wahrheiten auf …

Die Autorin ist bekannt für ihre Krimi-Reihe um Kommissar Dühnfort, zu der das vorliegende Buch allerdings nicht gehört. Es ist ein Einzelband, sogar (fast) ohne polizeilichen Ermittler. Die Geschichte ist äußerst spannend erzählt. Der Leser verfügt über mehr Wissen als Fiona, weil abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt wird – der Gegenwart und der Vergangenheit vor 19 Jahren. Beide Handlungsstränge laufen ganz allmählich aufeinander zu und bringen immer mehr Wahrheiten ans Tageslicht. Die letzten Puzzlestücke fügen sich erst spät zusammen. Was das Besondere an diesem Buch ausmacht, ist die gelungene Darstellung, welche schlimmen psychischen Folgen die Verurteilung eines Mannes wegen Mordes für seine Tochter hat. Fiona war seinerzeit ein siebenjähriges Kind, für das sich das Leben völlig änderte, weil sie fortan als „Mörderkind“ verschrien war. Vor allem verlor sie die Fähigkeit, anderen Menschen zu vertrauen und Beziehungen einzugehen, und steigerte sich in eine unbändige Wut. Diese traumatischen Folgen zu überwinden und an sich zu arbeiten, hilft ihr der Rettungssanitäter, so dass auch eine kleine Portion Liebesgeschichte in dem Buch enthalten ist.

Nicht nur für Krimifans zu empfehlen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ungewöhnliche Abrechnung mit dem Ehemann

Anatomie einer Absicht
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Schon die Eingangssätze „Ich beschloss meinen Mann umzubringen. Ja. Zu liquidieren. Von der Erdoberfläche zu entfernen.“ deuten auf einen ungewöhnlichen Roman hin. Diesen nüchternen, sachlichen, emotionslosen ...

Schon die Eingangssätze „Ich beschloss meinen Mann umzubringen. Ja. Zu liquidieren. Von der Erdoberfläche zu entfernen.“ deuten auf einen ungewöhnlichen Roman hin. Diesen nüchternen, sachlichen, emotionslosen Stil beibehaltend, legt die vierzigjährige, aus armen Verhältnissen stammende Protagonistin Lidia im Folgenden in einer Art inneren Monologs akribisch dar, weshalb der von ihr absichtlich herbeigeführte Tod ihres zwanzig Jahre älteren erfolgreichen Ehemannes anstelle einer Scheidung die einzige Möglichkeit der Beendigung ihrer einst als große Liebe begonnenen langjährigen Ehe ist. Ihre Ausführungen erinnern an eine Obduktion, genau übrigens wie die Zeichnung des Herzmuskels auf dem farblich auffälligen Cover. Lidia zerlegt und analysiert ihre gesamte Ehe; heraus kommen durch den Ehemann erlittene Demütigungen und Beleidigungen. Diesem Kapitel folgen noch vier weitere unterschiedlicher Länge, in denen zumeist andere Personen aus Lidias Umfeld zu Wort kommen. Auch in ihnen wird sich des Themas Gewalt angenommen. Geht es im Falle von Lidia eher um seelische Grausamkeiten in der Ehe, folgen jetzt Schilderungen körperlicher Gewalt (zum Nachteil von Lidias Putzfrau durch deren Ehemann, Helmuts gewaltsamer Tod bei einem Autounfall). Das Ende ist überraschend und auf eigene Weise furchtbar.
Das Buch erhält von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Auf den Spuren der Vergangenheit

Das Haus der verlorenen Kinder
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Dieser Roman schlägt ein düsteres, den meisten wie mir bis dato sicherlich unbekanntes Kapitel deutscher Geschichte auf und führt uns nach Norwegen in die Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. ...

Dieser Roman schlägt ein düsteres, den meisten wie mir bis dato sicherlich unbekanntes Kapitel deutscher Geschichte auf und führt uns nach Norwegen in die Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Dort gab es von der SS gegründete sog. Lebensbornvereine, die aus rassen- und bevölkerungspolitischen Gründen norwegische Frauen unterstützten, welche von deutschen Soldaten geschwängert wurden. Entweder wurden finanzielle Hilfen geleistet oder die Kinder in Heimen bzw. Adoptionsfamilien in Deutschland untergebracht. Die Norwegerinnen waren bei ihren Landsleuten als Deutschenmädchen gebrandmarkt, selbst noch geraume Zeit nach Kriegsende. Zwei von ihnen sind die Freundinnen Lisbeth und Oda, aus deren Liebesbeziehungen zu deutschen Soldaten ihre beiden Töchter hervorgehen. Während Odas Siri nach dem tragischen Tod ihrer Mutter, in den Lisbeth involviert ist, in ein Kinderheim verbracht wird, nimmt man Lisbeth ihre Lieselotte als Strafe für deren Bemühen um Siris Schutz weg und gibt sie in ein Kinderheim in Deutschland, wo nach späterer Umwidmung zum Altersheim Lisbeth im Alter wohnt, ohne jemals ihre Tochter wiedergesehen zu haben. In der Gegenwart im Jahr 2005 suchen die Enkel von Lisbeth und Oda nach ihren Wurzeln und treffen aufeinander.

Wie schon angedeutet, zeichnet sich der Roman durch fundierte historische Kenntnisvermittlung aus. Die Autorin hat sehr gut recherchiert. Auch wird ersichtlich, dass sie sich zu diesem Zweck nach Norwegen begeben hat. Über Land und Leute sind viele interessante Informationen zu erhalten. Die Darstellung der historischen Zusammenhänge erfolgt dabei keineswegs trocken, sondern eingebettet in eine fesselnde, unterhaltende und berührende Liebesgeschichte, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg als verpönt galt. Dass die Geschichte abwechselnd in zwei Zeitsträngen spielt, die am Ende zusammengeführt werden, hält die Spannung gut aufrecht.

Ein Buch, das ich unbedingt empfehlen kann.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Es gibt immer ein Gestern

Als die Liebe endlich war
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Wer an dem Schicksal der Juden während des Nationalsozialismus interessiert ist, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.
Der Halbjude Carl flüchtet im Alter von 12 Jahren im Frühjahr 1938 mit Mutter ...


Wer an dem Schicksal der Juden während des Nationalsozialismus interessiert ist, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.
Der Halbjude Carl flüchtet im Alter von 12 Jahren im Frühjahr 1938 mit Mutter und Schwester aus seiner Heimat Regensburg nach Shanghai. Nach Kriegsende wandert er nach New York aus und heiratet die ebenfalls aus Deutschland stammende Emmi. Über 60 Jahre hindurch spielt ihre Vergangenheit für beide keine Rolle. Erst als eine Nachbarin Carl bittet, Unterlagen aus dem Nachlass ihres jüdischen Mannes zu übersetzen, stößt er auf eine Verbindung zwischen Emmi und dem KZ Dachau, die ihn vor die Frage stellt, wer Emmi eigentlich ist.

Formal ist dieser Roman in drei Abschnitte unterteilt. Der erste widmet sich Carls Flucht und Ankunft in Shanghai, der zweite schildert eine scheinbar ohne Zusammenhang hierzu stehende Geschichte über die junge Erna, die unmittelbar vor und während des Krieges bei ihrer Tante in München wohnt und arbeitet, der dritte handelt von den ersten Jahren Carls in Shanghai. Jedem Abschnitt ist dann ein im Jahr 2010 in einem New Yorker Vorort spielender Teil angehängt, in dem es um den nunmehr 84jährigen Carl und seine Ehefrau Emmi geht. Welche Verbindungen es zwischen dem mittleren Teil und dem Rest gibt, erschließt sich erst spät, was das Lesen umso spannender macht. Wenn auch das Schicksal von Carl und seiner Familie im Nationalsozialismus dem vieler anderer Juden ähnelt und schon Thema vieler anderer Romane war, so ist es dennoch sehr individuell und berührt sehr. Ich fand vor allem die Schilderung des Exil-Lebens in Shanghai sehr informativ, da mir nicht bewusst war, dass auch in China viele Juden Zuflucht gesucht haben. Neben all dem vermittelten historischen Wissen kommt auch die Unterhaltung nicht zu kurz. Vor allem der im Alter zum Grantler gewordene Carl verleitet so manches Mal zum Schmunzeln.

Dieses Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Veröffentlicht am 10.03.2026

Familiengeschichte mit deutsch-polnischem Hintergrund

Wir Töchter
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Das Buch hat von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es geht um die Lebensgeschichten von drei polnischen Frauen – Großmutter Marianna, Mutter Rosa und Tochter Waleria, die jeweils von ihrer Zeit und ihren ...

Das Buch hat von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es geht um die Lebensgeschichten von drei polnischen Frauen – Großmutter Marianna, Mutter Rosa und Tochter Waleria, die jeweils von ihrer Zeit und ihren Lebensumständen geprägt werden. Die Großmutter verbringt ihr gesamtes Leben als Bäuerin in einem Dorf in Polen, von wo Rosa unbedingt fort will. Zum Sprungbrett wird für sie ein Mann, dem sie zunächst nach Danzig und später nach Deutschland folgt, wo sie nicht willkommen ist. Waleria wiederum ist zerrissen, was ihre Identität und Herkunft anbelangt. Die Geschichte hat viele bereichernde Einblicke in den polnischen Alltag gegeben. Was mich allerdings sehr beim Lesen gestört hat, sind die vielen polnischen Vokabeln und Ausdrücke, die nur zu einem kleinen Teil im Glossar übersetzt bzw. erläutert sind. Sie machen die Geschichte zwar authentischer, beeinträchtigen den Lesefluss aber sehr. Abschreckend wirkt auf mich schließlich auch das Buchcover, das auf einen historischen Roman hindeutet.

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