Profilbild von lese_hummel

lese_hummel

Lesejury Profi
offline

lese_hummel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lese_hummel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2020

Ein wunderbares Buch über die Höhen und Tiefen des Lebens - und alles dazwischen

Pandatage
0

Inhalt: Der alleinerziehende Vater Danny lebt seit einem Jahr wie in einem Albtraum gefangen. Denn seine Frau und große Liebe seines Lebens ist bei einem Autounfall gestorben. Ihr gemeinsamer Sohn Will ...

Inhalt: Der alleinerziehende Vater Danny lebt seit einem Jahr wie in einem Albtraum gefangen. Denn seine Frau und große Liebe seines Lebens ist bei einem Autounfall gestorben. Ihr gemeinsamer Sohn Will saß dabei mit im Auto und spricht, obwohl er nun wieder "gesund" ist, kein Wort mehr. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, muss er sich mit einem skrupellosen und kriminellen Vermieter herumschlagen und verliert auch noch seinen Job. Um sich und seinen Sohn vor diesem brutalen Vermieter zu schützen macht er etwas, was er sich bis dahin nie hätte erträumen lassen können: er tanzt in einem Park für Geld. Und das auch noch in einem gammeligen Pandakostüm.

"Pandatage" von James Gould-Bourn ist ein wundervolles Buch, das die Fragilität des Lebens beleuchtet. Es tut das auf eine zarte, emotionale und tiefe Art, aber auch auf eine lustige, absurde und urkomische Weise. Man lacht und man weint, beziehungsweise man schmunzelt und schluckt den Kloß im Hals schnell wieder runter - je nachdem, wie emotional man gerade ist. Zwar hätte das Buch auch gerne noch mehr Tiefgang haben können, da es aber wie gesagt auch sehr witzig ist, hätte ein Abtauchen in traurigere Seiten auch eventuell nicht so gut gepasst.

Das Buch ist wirklich gut geschrieben, die Sätze sind mit einer wunderbaren Raffinesse konstruiert und die Kapitel habe wunderbare Abschlüsse. Die Charktere sind auch schön dargestellt, mache (vor allem die gemeinen) sind zwar vielleicht etwas überzogen, aber trotzdem noch glaubhaft. Auch die Nebencharaktere geben dem Buch noch viel mehr Leben, vor allem Ivan und Krystal entsprechen der Redewendung "harte Schale - weicher Kern". Neben einer schönen Vater-Sohn Beziehung erkundet das Buch außerdem noch, wie man auch in schlimmen Zeiten weitermachen kann, wie man mit seinem Willen Dinge schaffen kann, die sonst unmöglich sind und wie wichtig auch kleine Nettigkeiten im Alltag sind. Nach den ersten hundert Seiten gewinnt das Buch nochmal ordentlich an Schwung und zum Schluss hin kann man es gar nicht mehr aus der Hand legen. Fans von gefühlvollen (aber witzigen) Geschichten über Zwischenmenschliches werden hier voll auf ihre Kosten kommen :)

Kleiner Tipp: der Text auf dem Umschlag verrät meiner Meinung nach einen Ticken zu viel; wer das Geschehen noch etwas spannender machen möchte, sollte den eingeschlagenen Text also weglassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2020

Hervorragende Einführung in die Welt der ungesunden Geschlechterrollen

Prinzessinnenjungs
0

In diesem Buch werden die verschiedensten Aspekte zum Thema Geschlechterrollen beleuchtet. Hauptaugenmerk liegt darauf, wie prägend unsere jungen Jahre sind und wie viele Männer durch die verschiedensten ...

In diesem Buch werden die verschiedensten Aspekte zum Thema Geschlechterrollen beleuchtet. Hauptaugenmerk liegt darauf, wie prägend unsere jungen Jahre sind und wie viele Männer durch die verschiedensten Strukturen und Verhaltenscodes in ein bestimmtes Ideal von Männlichkeit gedrückt werden. Ein meiner Meinung nach absolut relevantes und wichtiges Thema, wenn wir wollen, dass nicht nur Mädchen, sondern auch Jungs alles werden können und so sein können, wie es ihnen beliebt. Es wird wunderbar erklärt, wie schon vor der Geburt und in den allerfühsten jahren eines männlichen Babys gewisse Erwartungen bestehen und somit der Charakter maßgeblich geprägt wird.

Besonders gut finde ich, wie Nils Pickert mit der Thematik umgeht. Für viele Menschen ist das Thema "Gender" irgendwie fremd und anscheinend bedrohlich. Oft wird sich sogar über diejenigen lustig gemacht, die sich damit beschäftigen und somit für eine gleichberechtigte und faire Welt sorgen wollen. Daher finde ich es gut, wie der Autor an die Themenfelder rangeht und die Leser heranführt: mit Beispielen und ausführlicher Beleuchtung und Erklärung. Somit ist das Buch für alle lesbar, die sich informieren wollen, ihren Kindern eine freies Leben bieten wollen und vielleicht auch ihre eigenen Ängste oder Sorgen abbauen wollen. Für diejenigen, die die Materie schon sehr intensiv kennengelernt und diskutiert haben, eignet sich diese Buch vielleicht als Geschenk an Freunde, denen man ein bisschen weniger Engstirnigkeit wünscht!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Absolute Leseempfehlung für Fantasyfans!

Welt in Gefahr
0

Zu Beginn wird man in die vier Welten und ihre Bewohner lebendig eingeführt. Zum einen wäre da die Welt der Schattenkinder, bluttrinkende Wesen der Nacht, deren Sicherheit stetig durch die sinkende Macht ...

Zu Beginn wird man in die vier Welten und ihre Bewohner lebendig eingeführt. Zum einen wäre da die Welt der Schattenkinder, bluttrinkende Wesen der Nacht, deren Sicherheit stetig durch die sinkende Macht ihres Opales in Gafahr ist, der sie vor der Außenwelt (andere Sippen und primitive Menschen) beschützt. Ciara, die Schwester des Oberhauptes, wird mit weiteren Schattenkindern ausgesandt, um nach einer neuen Energiequelle zu suchen.

Danach lernt man die Welt der Dryaden kennen, zarte Waldgeister, die in der Natur leben und sich an Musik und Tanz erfreuen. Ihre Göttin wird überraschend krank und auch die benachbarten Naturgötter sind machtlos. Bell wird mit einigen ihrer Gleichgesinnten in eine fremde Dimension geschickt, um eine heilende Energie zu finden.

Nun lernt man die Magier von Starcity kennen, welche stets freundlich gesinnt sind und friedlich mit Nicht-Magiern zusammen in einer hell erleuchteten Stadt wohnen. Doch ihre Licht- und Magiequelle, ein großer Kristall, beginnt zu flackern, sodass in einer anderen Dimension nach Ersatz gesucht werden muss. Dazu werden neun junge Magierinnen rund um die schüchterne Snow beauftragt.

Die letzte Welt, die man kennen lernt, ist die Welt der Kriegsgottpriester. Der Krigsgott Oran hat seine benachbarte, göttliche Schwester so schwer verärgert, dass diese ihm den Krieg erklärt hat. Um seine Priester und Pristerinnen für den Kampf zu wappnen und ihnen mehr Macht zu verleihen, schickt er seine Hohepristerin Zara in eine fremde Dimension. Zusammen mit anderen erfahrenen Mitstreitenden soll sie eine mächtige Quelle aufspüren.

Der erst Teil von "Die Legende der 4" verspricht aufregende Abenteuer der ausgesandten Weltenwesen und einen unerbittlichen Kampf um die Energiequelle, die in einer fünften Dimension zu sein scheint. Ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen!

Meinung:

Kristin Wöllmer-Bergmann hat es geschafft, faszinierend unterschiedliche Welten mit ihren Worte zu erschaffen, die einen in ihren Bann ziehen und eine fabelhafte Buchreihe versprechen. Jede Welt hat ihren eigenen Charm, ihre eigenen Bewohner und ihre eigenen Gepflogenheiten. Durch einen jeweils angepassten Unterton der Erzählung hat man das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.

Trotz der vielen Charaktere, die in jeder Welt auf einen warten, kann man dem Geschehen folgen, denn am Anfang jeder Welteneinführung steh ein Namensregister mit Beschreibungen. Dafür wäre die Printausgabe durchaus sinnvoller, um zwischendurch in der Lage zu sein, nocheinmal nach den Registern zu blättern. Die Völker sind ausführlich charakterisiert, was durchaus nicht jedem Autor gelingt. Die Schattenkinder sind sexuell, leidenschaftlich und hungrig. Die Dryaden sind sanftmütig, zaghaft und lebensfroh. Die Magier
innen sind besonnen, intelligent und voler Tatendrang. Die Priester*innen sind gefährlich, intensiv und kämpferisch.

Zwischen den Völkern und Erzählsträngen erkennt man Parallelen, sowohl größere (Love Triangles, die Zahl 9) als auch kleinere (Vorkommnis von Narben, männliche Beschützer). Die Protagonistinnen haben alle unterschiedliche Eigenschaften; So ist Ciara sehr ehrgeizig, Bell fürsorglich, Snow introvertiert und Zara sehr energisch.

Besonders gut gefällt mir auch, dass die weiblichen Charaktere im Fokus stehen. Oftmals, vor allem bei Fantasywerken, sind willensstarke, körperlich starke und emotional starke Frauen "Mangelware". In "Die Legende der 4" wird kein Geschlecht als schwach dargestellt und männliche und weibliche Charaktere haben alle ihre Stärken und Schwächen. Des Weiteren gefallen mir die grundsätzlich unterschiedlichen Eindrücke, die die Reisegruppen von der fremden Dimension sammeln werden.

Fazit: Großartiges Worldbuilding, vielversprechende Story und sehr interessante Charaktere. Kristin Wöllmer-Bergmann hat eine wunderbare Geschichte für alle erschaffen, die Fantasy lieben, gerne Abenteuern folgen und neue Welten kennen lernen wollen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2020

Düster und intensiv. Voller Leidenschaft und Misstrauen.

Vardo – Nach dem Sturm
0

Inhalt: Auf der Insel Vardo gibt es nach einem verheerenden Sturm keine Männer mehr. Maren, deren Bruder, Verlobter und Vater gestorben sind, gehört zu der Gruppe Frauen, die Initiative ergreifen und ums ...

Inhalt: Auf der Insel Vardo gibt es nach einem verheerenden Sturm keine Männer mehr. Maren, deren Bruder, Verlobter und Vater gestorben sind, gehört zu der Gruppe Frauen, die Initiative ergreifen und ums eigenständige Überleben kämpfen. Die Mehrheit der Frauen gehört jedoch zu der Gruppe, die regelmäßig in die kirke, die Kirche, gehen. Schon bald bilden sich zwei Lager, die durch die Ankunft eines Kommissares weiter entzweit werden. Der Kommissar vermutet Hexenwerk in Vardo und will Blut sehen. Maren trifft auf seine Frau Ursa, und schon bald entwickeln sich Dinge, die Maren nie für möglich gehalten hat.

Meinung: Nachdem ich in den sprachlichen Stil von Kiran Millwood Hargrave erst einmal reinfinden musste, bin ich immer weiter in die Geschichte gesogen worden und konnte das Buch nicht mehr weglegen. Das Buch ist düster und athmosphärisch und lässte einen mit Maren und Ursa mitfiebern. In Vardo spielen Symbolik, der Kampf ums Überleben, starke Frauen, fanatische Frauen und machtsüchtige Männer eine Rolle. Es geht um Glaube vs. Aberglaube, Vertrauen vs. Misstrauen, Handeln vs. Beten und Zusammenhalt vs. Verrat. Die Gesellschaft von 1617 zeigt ihr hässliches Gesicht, mit allen Facetten von Hass, Gewalt und Besessenheit. Aber auch die Liebe findet ihren Weg in Vardo. Ich konnte mit den Charakteren mitfühlen, die Handlung war spannend und stimmig und ich würde gerne weiterlesen, doch jedes Buch hat leider irgendwann ein Ende.

Fazit: Besonders gefallen hat mir die Darstellung der damaligen Verhältnisse, die intensive Bindung, die man zu den beiden Frauen Maren und Ursa aufbauen kann und die Lebendigkeit der Nebencharaktere. Empfehlenswert für jeden, der oder die gerne packende Geschichten über persönliche Schicksale liest, die historisch wunderbar eingebettet sind. Jedoch sollte man für Vardo nicht allzu zart besaitet sein, da es alles in allem sehr düster ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2026

Atmosphärischer Thriller mit spannenden Perspektiven und rasantem Showdown

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
0

Cecilia ist Housesitterin und darf auf ein luxuriöses Strandhaus auf einer abgelegenen Insel aufpassen. Als sie abends Geräusche hört, lädt sie ihre Freunde ein und freut sich auf ein entspanntes Wochenende. ...

Cecilia ist Housesitterin und darf auf ein luxuriöses Strandhaus auf einer abgelegenen Insel aufpassen. Als sie abends Geräusche hört, lädt sie ihre Freunde ein und freut sich auf ein entspanntes Wochenende. Doch es kommt anders, denn es gibt Pläne für dieses Wochenende, mit denen keiner gerechnet hat...

"Die Housesitterin" ist mein erstes Buch von Emily Rudolf. Der Schreibstil gefällt mir gut, er ist flüssig und die Dialoge sind nahbar. Am Anfang lernen wir Cecilia kennen, die es momentan etwas schwieriger hat und versucht, sich mit dem Aufpassen auf Häuser über Wasser zu halten. Mir war sie nicht sympathisch, aber ihre Sicht auf die Dinge war interessant und ihre Perspektive führt einen durch den ersten Teil des Buches. Dann lernen wir die Perspektiven von Johannes (ihrem festen Freund) und Nick (ihrem besten Freund) kennen, die ebenfalls nicht sympathisch aber genauso interessant sind. Die Perspektiven wechseln sich im Laufe des Buches ab und tragen definitiv zur Spannung bei. Als Leser*in kann man gespannt den verschiedenen Absichten folgen, kann immer mehr Puzzleteile zusammen setzen und sich weiterhin fragen, wer eigentlich was im Schilde führt.

Das Setting ist perfekt, denn das luxuriöse große Haus auf einer Insel mit nahendem Sturm bietet sich definitiv an für herumschleichende Gestalten, komische Geräusche und ausharrendes Abwarten. Die Story findet auf der Insel statt, jedoch gibt es aus den verschiedenen Perspektiven auch Einblicke in die Zeit vor dem Showdown, sodass man immer schneller lesen möchte, um endlich die ganze Wahrheit zu erfahren. Es gibt ein paar Plottwists und genug Möglichkeiten für eigene Spekulation. Am Ende sind mit ein paar kleinere Ungereimtheiten oder offene Fragen geblieben (deshalb nur 4-5 Sterne statt 5), die aber der Spannung zum Glück nichts nehmen und über die man auch hinwegsehen kann.

Alles in allem ist "Die Housesitterin" eine solide Abendunterhaltung, die ich mir auch sehr gut als Verfilmung vorstellen kann. Eine Empfehlung für alle, die gerne intrigante Spielchen verfolgen und zwischenmenschliche Abgründe erkunden :)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere