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Veröffentlicht am 29.06.2020

Eine blaue Bank und unkomplizierte Menschen

Die Liebe kommt auf Zehenspitzen
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Während ich an einem schwülwarmen Juniabend auf dem Balkon vor mich hin schwitzte, trotz eisgekühltem Getränk in der einen und dem eReader in der andern Hand, wurde es plötzlich Weihnachten. Und ich mitten ...

Während ich an einem schwülwarmen Juniabend auf dem Balkon vor mich hin schwitzte, trotz eisgekühltem Getränk in der einen und dem eReader in der andern Hand, wurde es plötzlich Weihnachten. Und ich mitten drin in einem Schneesturm.

Denn so beginnt "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen", der neue Roman von Kristina Günak. Als ich mich frage, ob ich da nicht was falsch verstanden habe - ein Weihnachtsroman, der im Sommer erscheint? - switcht die Szenerie im Buch drei Monate weiter, in den Frühling, es wird März. Ben und Lucy, die ein paar Seiten zuvor eben noch in ihrem Auto auf der Autobahn von dem Schneesturm überrascht wurden, erben einen Hof - der Hof ihrer damaligen Gastgeberin.

Da Lucy eh aus ihrer Wohnung rausmuss und Ben seine Stelle als Spitalarzt gekündigt hat, weil er sich mit seinem Chef im Spital nicht versteht, wagen die zwei das Abenteuer, ziehen in das kleine Dorf und gründen eine Wohngenossenschaft, zu der auch noch Helmut, der Hund der Vorbesitzerin, gehört.

Obwohl die Gegend kaum bewohnt ist, sind sie fortan selten mehr allein. Was gerade für Lucy speziell ist, da sie sich in der Stadt sehr einsam fühlte. Doch Lucy hat noch immer eine Schreibflaute, und der Abgabetermin für ihren Roman rückt immer näher. Ben hingegen offenbart ihr, dass er unter Panikattacken leidet und sich deshalb nicht sicher ist, ob er die Arztpraxis im Nachbardorf übernehmen soll.

In der Story um Lucy und Ben, um Millie, Fredo und all die anderen, wird weder das Landleben verklärt noch beschönigt, es geht vielmehr um Freundschaft, die unsere Hauptfiguren so noch nie erlebt haben. Ich bewunderte die zwei, wie sie sich so schnell so wohl fühlten und erfrischend genügsam sind. Auch wie beide mit den Problemen des anderen umgegangen sind: total unkompliziert.

Die Geschichte, die Kristina Günak hier erzählt, ist einfach nur toll. "Die Liebe kommt auf Zehenspitzen" ist schön erzählt, humorvoll und tiefgründig, wie all die Szenen um den Fuchs Tausendschön, den autistischen Hund Helmut, die blau angemalte Bank, mintgrünen Nagellack und die Story um den Vampirsex beweisen.

Fazit: Mich hat der Roman wunderbar unterhalten, viel zu schnell war die schöne Zeit in Brederhofe vorbei.
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 18.06.2020

Ausserhalb Dupins Komfortzone

Bretonische Spezialitäten
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Seine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen - Dupin muss mit zwei anderen Kommissaren unter genauer Aufsicht der Präfekten am anderen Ende der Bretagne ermitteln.

Dupin sollte eigentlich an einer ...

Seine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen - Dupin muss mit zwei anderen Kommissaren unter genauer Aufsicht der Präfekten am anderen Ende der Bretagne ermitteln.

Dupin sollte eigentlich an einer Weiterbildung in Saint-Malo teilnehmen, doch bei seinem mittäglichen Marktbesuch wird eine Frau erstochen, die Täterin flüchtet, aber sie ist bekannt. Es ist die Schwester des Opfers und auch wenn die beiden miteinander konkurrenzierten, fehlt das Mordmotiv. Die Täterin verweigert jegliche Aussage, das ist das eine, aber dass es nicht bei einem Mord bleibt, das verkompliziert die Sache ungemein.

Die Kommissare ermitteln zu dritt, zu Dupins Erleichterung relativ autonom, aber es wird ein harter Fall für die drei. Sie kurven in der Gegend herum und so lernt man das Gebiet um Saint-Malo, besonders Cancale und Dinard, auch ein wenig kennen. Ebenso kommen die titelgebenden Spezialitäten der Gegend ins Spiel und auf den Tisch, kein Wunder, denn hier geht es um zwei Köchinnen und die Weiterbildung wird von gemeinsamen abendlichen Dinners gekrönt.

Riwal und Kadeg agieren für einmal nur minim im Hintergrund, doch ihr Wissen und ihre Recherchen sind wie immer gefragt und sorgen für neue Anhaltspunkte.

Dieser andere Blickwinkel macht den neunten Fall sehr interessant, so dass mich "Bretonische Spezialitäten" sehr gut unterhalten hat. Unweigerlich rätselt man mit. Macht sich Gedanken über ein mögliches Motiv und Täter, und fragt sich, ob die Kommissare eventuell etwas übersehen.

Es ist einer der besten bretonischen Fälle, wenn man von einigen unterlassenen Nachforschungen/Fragen rund um den Tatort am Anfang absieht.

Fazit: Dupin ermittelt ausserhalb seiner Komfortzone, aber ebenso erfolgreich wie immer.
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 10.06.2020

Nahtlos weiter lesen

Die Farben der Schönheit - Sophias Träume (Sophia 2)
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Corina Bomann erzählt Sophias Geschichte nahtlos dort weiter, wo sie in Band 1, in "Sophias Hoffnung", geendet hat. Sophia reist nach Paris, um nach ihrem angeblich toten Kind zu suchen, kommt aber dabei ...

Corina Bomann erzählt Sophias Geschichte nahtlos dort weiter, wo sie in Band 1, in "Sophias Hoffnung", geendet hat. Sophia reist nach Paris, um nach ihrem angeblich toten Kind zu suchen, kommt aber dabei nicht viel weiter und macht sich erst noch Sorgen um Henny, die von ihrem Geliebten Monsieur Jouelle offensichtlich opiumabhängig gemacht wurde. Lange kann sie aber nicht in Paris bleiben und reist unverrichteter Dinge zurück nach Amerika.

In New York wird Sophie bei der Konkurrenz von Helena Rubinstein, von Elizabeth Arden höchstpersönlich, eingestellt. Nicht in deren Labor wie gehofft, sondern in Ardens Schönheitssalons soll Sophia von der Pike auf alles lernen - sie hat keine Ahnung, was Miss Arden mit ihr vor hat. Überraschend trifft Sophia Darren wieder - und bald stellt sich bei ihr erneut die Frage, ob Liebe und Arbeit vereinbar sind.

Denn da haben die beiden Grandes Dames der Kosmetikwelt eine ähnliche Ansicht. Im ersten Band erlebte man Helena Rubinstein, hier im zweiten Band Elizabeth Arden. Die beiden Kosmetik-Koryphäen können sich nicht leiden und sind sich trotzdem viel ähnlicher als ihnen bewusst ist. Dies stellt Autorin Corina Bomann deutlich dar.

Obwohl die beiden Frauen jeweils auch verletzlich charakterisiert werden, wird kaum eine Leserin sie wirklich mögen. Sophia hingegen muss man einfach mögen, in ihrer Ehrlichkeit und mit all ihren Talenten und Emotionen. Wie sie sich Sorgen um Henny macht, und ihren Umgang mit dem Gefühl, nicht zu wissen, ob ihr Kind tatsächlich bei der Geburt starb oder ob der Junge lebt.

Ein weiterer Schicksalsschlag führt Sophia kurz nach Berlin. Ich empfand es enorm eindrücklich, wie die Autorin den mal etwas anderen Blick skizzierte, nämlich den von aussen, von jemand, der die Stadt früher kannte und jetzt angesichts der neuen Regierung geschockt ist vom Anblick des neuen Hitler-Berlins.

Und so fliegt man mit Sophias Erlebnisse durch die Seiten, denn auch dieser zweite Band ist unheimlich spannend geschrieben.

Aber dann ist der Roman urplötzlich zu Ende. Bis zur letzten Seite fehlten mir laut der eBook-Seitenanzeige noch 73 Seiten und so war ich sehr überrascht, als ich nach einer gerade wieder extrem fesselnden Stelle umblätterte und auf der neuen Seite eine Leseprobe angezeigt wurde. Da war ich erst mal verwirrt, bis ich merkte, dass der zweite Band zu Ende ist. Nahtlos hätte ich gerne weiter gelesen.

Nun heisst es wieder warten, bis zum 30. November, wenn "Sophias Triumph" erscheint - ich bin schon jetzt mächtig gespannt!

Fazit: Mitreissender zweiter Teil der "Die Farben der Schönheit"-Trilogie, man möchte am liebsten sofort weiter lesen.
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 08.06.2020

Unglaublich eindrücklich und fesselnd

Der geheime Schwimmclub
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Bis auf einen (der wartet auf dem SuB) habe ich alle auf Deutsch übersetzten Romane von Mary Kay Andrews gelesen. Darunter sind einige ganz nett, einige sehr süss, sehr amerikanisch, einige toll, zwei ...

Bis auf einen (der wartet auf dem SuB) habe ich alle auf Deutsch übersetzten Romane von Mary Kay Andrews gelesen. Darunter sind einige ganz nett, einige sehr süss, sehr amerikanisch, einige toll, zwei davon schlecht, und dann gibts diesen, der hier mit dem unscheinbaren Cover einer Sanddüne, er ist einfach nur wow, wow, wow.

Dieser wow-Roman ist einerseits typisch für Mary Kay Andrews und andererseits gänzlich was Neues, und bringt viel mehr Tiefgang als ihre bisherigen Romane mit. "Der geheime Schwimmclub" hat mich total begeistert. Die Geschichte um die Insel Talisa und ihre Bewohner ist der Autorin absolut gelungen, sowas von und geht unter die Haut.

Die 99jährige Josephine, die auf einem Anwesen auf der Düneninsel Talisa vor der Küste Georgias wohnt, kommt reichlich spät in ihrem Leben auf die Idee, ihr Testament zu machen. Dazu möchte sie ihre ehemals besten Freundinnen noch einmal sehen und beauftragt die Anwältin Brooke damit. Brooke ist um jeden Auftrag froh, aber sie gerät in einen Interessenkonflikt und muss einen Teil ihres Auftrags abgeben. Aber es gelingt ihr, die gesuchten Frauen oder deren Nachkommen aufzuspüren. Alle sind gespannt, was Josephine ihnen noch sagen will und ob es gelingt einen Teil der Insel Talisa, Oyster Bluff, den Geechees zu übertragen und der Rest der Insel in eine Stiftung einzubinden, so dass der Staat sie nicht bekommt.

Im zweiten Erzählstrang werden die Ereignisse der Vergangenheit, die Erlebnisse der vier Mitglieder des geheimen Schwimmclub ab 1932, geschildert. Die Leser - wie auch Brooke, Marie, Lizzy, Varina und Felizia und ebenso Josephines Hausangestellte Louette und Shug - verstehen dadurch immer mehr, was damals alles passierte. Selbst gehen sie auch einigen Hinweisen nach. Nach und nach ergibt sich ein Bild, das spannender nicht sein könnte.

Mehr zum Inhalt, der immer wieder überrascht, möchte ich nicht verraten. Für die Leserinnen vorhersehbar waren nur zwei Begebenheiten, die Beteiligten vor Ort mussten lange warten, bis sie der Wahrheit auf die Schliche kommen. Ständig treten neue Rätsel auf oder es passiert etwas Unerwartetes. So wurde es auf keiner der knapp 600 Seiten langweilig. Die Story ist derart spannend, dass ich den Roman nicht aus den Händen legen konnte und in einem Tag ausgelesen habe - er hat seinen Platz auf meiner Jahreshighlight-Liste 2020 sicher.

Der Schauplatz ist äusserst bezaubernd, trotz allen Spuren, die die Zeit auf der Insel hinterlassen hat, und liegt - natürlich - in Georgia, die Insel Talisa und die Stadt St. Ann sind aber fiktiv.

Viele Charaktere bevölkern die Geschichte, doch das stört überhaupt nicht, alle haben ihre Berechtigung und sind gut gezeichnet, so dass man nicht durcheinander kommt. Durch die zahlreichen Figuren sind auch viele Themen eingearbeitet, doch auch hier: es passt alles wunderbar zusammen.

Fazit: "Der geheime Schwimmclub" ist unglaublich fesselnd und eindrücklich - überzeugt euch selbst davon!
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 06.06.2020

Viel Rosé, Croissants und eine Leiche im Pool

Tod in Saint Merlot
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Eine Britin in der Provence - das erinnert mich doch sehr an Peter Mayle. Deshalb war ich gespannt, vielleicht auch ein wenig skeptisch, auf das, was mich in "Tod in Saint Merlot" erwarten wird.

Doch ...

Eine Britin in der Provence - das erinnert mich doch sehr an Peter Mayle. Deshalb war ich gespannt, vielleicht auch ein wenig skeptisch, auf das, was mich in "Tod in Saint Merlot" erwarten wird.

Doch schon von Anfang an war mir Penelope Kite sympathisch. Die ehemalige Assistentin eines forensischen Pathologen im britischen Innenministerium lässt sich mit 50 Jahren frühpensionieren und kauft sich ein Häuschen in der Provence.

Weit weg von ihrem Ex-Mann und dessen erwachsenen Kinder, die beide total entsetzt sind, dass Penelope so weit weg zieht, weil sie nun niemanden mehr haben, der ihre Kleinkinder hütet. Ihre angeheiratete Familie kommt nicht wirklich gut weg und man versteht sofort, wieso Penelope aus Surrey fortziehen will. Was sie beruflich genau gemacht hat, wird mit der Zeit erläutert. Wer hätte gedacht, dass ihre Berufserfahrung ihr so bald helfen wird? Sie wohl am allerwenigsten.

Kaum hat sie die erste Nacht in ihrem renovationsbedürftigen Haus namens Le Chant d'Eau, verbracht, wird eine Leiche in ihrem Pool aufgefunden. Der Bürgermeister identifiziert die Leiche und die Polizei gibt sich schnell damit zufrieden. Doch etwas an der Leiche kam Penny komisch vor und als sie dies mit ihrer Immobilienhändlerin Clémence Valencourt und der Poliziei besprechen will, tun sie Pennys Einwand ab.

Leider kehrt auch später keine Ruhe ein: es wird eingebrochen, es wird geschossen, gemauschelt und der Bürgermeister wie auch die Immobilienhändlerin verhalten sich teilweise sehr auffällig. Kann Penny ihnen vertrauen oder haben die beiden etwas mit all diesen Vorkommnissen zu tun?

Penny ist sich bis zum Schluss nicht sicher - und auch ich hatte nicht die geringste Vermutung, wer zum Täterkreis gehören könnte. Serena Kent, ein Pseudonym für das schreibende Ehepaar Deborah Lawrenson und Robert Rees, macht es enorm interessant. Immer wieder passiert etwas Unerwartetes, was für den Leser sehr spannend, für Penny aber vor allem nervenaufreibend ist.

Neben all der Aufregung kommt das Provence-Flair dennoch nicht zu kurz. Penelope kann über sich selbst lachen, wenn sie sehr britisch sehr viel Rosé trinkt und Croissants isst. Ihre Freundin Frankie, die zwischendurch auf Besuch kommt, und die anderen Charaktere - egal ob Einheimische wie der Gärtner, der Bäcker oder Zugezogene wie Bürgermeister Laurent oder Clémence - bringen das gewisse Etwas mit. Die Kombination der Figuren tragen viel zum Gelingen des Krimis bei.

"Tod in Saint Merlot" hat mich wunderbar unterhalten, ich musste oft lachen und war enorm gespannt, was noch alles kommt und wie es am Ende ausgeht. Ein immer wieder überraschender und total stimmiger Fall!

Fazit: S(aus)pannender und sehr unterhaltender erster Fall für Penelope Kite - den zweiten Fall darf ich mir nicht entgehen lassen!
5 Punkte.

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