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Veröffentlicht am 17.08.2020

Kriegsreporterin im zweiten Weltkrieg

Die Bilder der Frauen
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Erzählt wird die Geschichte von Jessica May, die versucht, als Kriegsreporterin Fuß zu fassen und über den zweiten Weltkrieg zu berichten. Dass sie zur damaligen Zeit mit großen Vorurteilen zu kämpfen ...

Erzählt wird die Geschichte von Jessica May, die versucht, als Kriegsreporterin Fuß zu fassen und über den zweiten Weltkrieg zu berichten. Dass sie zur damaligen Zeit mit großen Vorurteilen zu kämpfen hatte, war zu erwarten. Aber durch ihre Hartnäckigkeit und ihre intelligenten Reportagen gelingt es ihr langsam immer mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erringen. Mit Jessica zusammen erfährt der Leser viel über die Kriegsgeschehnisse, über menschliche Schicksale, politische Entwicklungen aber auch über einige Prominente, die wirklich gelebt haben und denen sie über den Weg läuft. Der historische Teil hat mir sehr gut gefallen und auch die Liebesgeschichte ist glaubhaft und nicht kitschig.

Wie meistens war ich etwas enttäuscht, dass es noch einen weiteren Handlungsstrang gab, der zeitlich in der Gegenwart spielte. Diese Teile waren nicht so spannend für mich und ich hätte sie nicht gebraucht. Ich mag den Zeitenwechsel meist nicht, weil in 90 % der Bücher nur eine Ebene mich fesseln kann. Das war leider auch hier der Fall, deshalb ziehe ich einen Stern in meiner Bewertung ab. Das ist natürlich subjektiv. Viele Leserinnen stören sich nicht an so etwas.

Ich mochte den Erzählstil der Autorin, die ich vorher noch nicht kannte. Sie hat das Leben einer realen Frau als Ausgangspunkt genommen, was mir gut gefällt, da es dem Ganzen mehr Tiefe gibt.
Am Schluss noch ein Wort zum Cover. Das ist zum Verlieben schön und im Buchladen hätte ich sicherlich zugegriffen.

Veröffentlicht am 11.08.2020

Die Suche nach der Wahrheit

Alles, was zu ihr gehört
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Kate versucht nach einer schwierigen Liebesbeziehung und Problem im Job durch einen Umzug von New York an die Westküste der USA einen Neuanfang. Sie zieht bei ihrer leicht übergriffigen Tante ein und beginnt ...

Kate versucht nach einer schwierigen Liebesbeziehung und Problem im Job durch einen Umzug von New York an die Westküste der USA einen Neuanfang. Sie zieht bei ihrer leicht übergriffigen Tante ein und beginnt den Nachlass der berühmten Fotografin Miranda Brand zu sortieren, katalogisieren und archivieren. Dabei geht sie im Haus des Sohnes der Fotografin aus und ein, lernt ihn und seine zwei kleinen Kinder immer näher kennen. Obwohl sie bald den Verdacht hegt, dass bei Mirandas Selbstmord nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein könnte, verliebt sie sich in Theo Brand.



Ich durfte das Buch in einer Leserunde entdecken und war überrascht, dass die Meisten große Schwierigkeiten mit dem Erzählstil der Autorin hatten. Mir ging es ganz anders, denn mir gefiel die Art, wie Sara Sligar ihre zwei so unterschiedlichen Hauptakteurinnen in Szene setze, sehr gut. Kate, die anfangs etwas unsicher und verhuscht rüberkommt, entwickelt eine fast manische Neugierde auf der Suche nach der Wahrheit. Sie scheut nicht davor zurück, Theo Brand zu belügen und zu hintergehen. Das ganze Szenario erinnerte mich sehr stark an den Film „Rebecca“ frei nach dem Roman von Daphne du Maurier. Diese Grundstimmung nicht zu wissen, ob der Sohn von Miranda etwas mit deren Tod zu tun hat. Diese Ungewissheit bleibt bis fast zum Schluss und gibt dem Buch den Psychothrill-Touch.



Die verstorbenen Miranda wird durch Briefe und Tagebucheinträge zum Leben erweckt und deren psychische Probleme sind dramatisch und eindringlich und tragen zusätzlich zum Rätsel-Raten des Lesers bei.



Auch wenn ich also die Frauen in diesem Buch ganz pauschal nicht besonders liebenswert fand und ich mich über ihr Verhalten oft ärgerte – nicht nur Kate sondern auch ihre fürchterliche Tante nervte mich sehr – habe ich das Buch gerne gelesen. Es hatte durchaus einen Sog, der mich mitzog und mir gefiel die klare deutliche Sprache der Autorin und die Art, wie sie die Befindlichkeiten und Gefühle der Protas beschrieb, sehr gut.

Veröffentlicht am 21.07.2020

modernes Märchen

Das Mädchen mit den meerblauen Augen
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Mich hat erst mal dieses unglaublich schöne Cover angezogen. Und die Beschreibung des Inhalts klang magisch und verträumt. Eine andere Rezensentin hat es als sehr französisch bezeichnet. Das trifft es ...

Mich hat erst mal dieses unglaublich schöne Cover angezogen. Und die Beschreibung des Inhalts klang magisch und verträumt. Eine andere Rezensentin hat es als sehr französisch bezeichnet. Das trifft es tatsächlich ganz gut. Ich musste beim Lesen an Bücher von Anna Gavalda und David Foenkinos denken. Gemeint ist damit nicht unbedingt der Schreibstil sondern der "französische" Unterton, den ich gespürt habe. Ist schwierig zu erklären. Es ist ein Buch über die Liebe und den Verlust, über Sehnsüchte und über das einfach Leben an der bretonischen Küste. Ich könnte es mir gut vorstellen, das Buch dort am Strand zu lesen, innezuhalten und aufs Meer zu blicken, so wie die Hauptdarstellerin, die dort einen letzten Blick auf ihren Vater erhaschen möchte, den die See ihr genommen hat. Und dann kommt - gar nicht metaphorisch sondern sehr real - von oben ein Mann geflogen.

Ein kleines bisschen hat mir zur perfekten Geschichte gefehlt. Ich hätte mir gerne mehr und intensivere Dialoge zwischen den Protagonisten gewünscht. Es war alles in allem ein modernes Märchen mit Darstellern, die teilweise sehr seltsam waren. Oder halt doch typisch südfranzösisch.

Veröffentlicht am 06.07.2020

gute und solide Unterhaltung

Nordseedämmerung
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Nordseedämmerung“ ist der Erstling von Christian Kuhn. Es spielt auf der kleinen überschaubaren Insel Juist. Der amtierende Bundespräsident, Jochen Bramberger, verbringt dort seinen Sommerurlaub. Als hoher ...

Nordseedämmerung“ ist der Erstling von Christian Kuhn. Es spielt auf der kleinen überschaubaren Insel Juist. Der amtierende Bundespräsident, Jochen Bramberger, verbringt dort seinen Sommerurlaub. Als hoher Beamter des Staates hat er ein ganzes Team an Personenschützern um sich, die im Urlaub noch um den versierten Tobias Velten und sein Spezialteam aufgestockt werden. U.a. weil Bramberger politisch unbeliebt ist und man einen Anschlag fürchtet.

Der Thriller hat alles, was eine gute Sommerlektüre braucht. Eine große Portion Nordseefeeling, einen integren, etwas sperrigen Hauptdarsteller, gleich eine ganze Handvoll Verdächtiger (in der Mehrzahl Frauen, was ich sehr unterhaltsam fand), eine ansteigende Spannungskurve und für den aufmerksamen Leser zumindest in Teilen die Möglichkeit, den Attentätern und einem Spitzel auf die Schliche zu kommen.

Der Erzählstil ist knapp und kommt schnell auf den Punkt. Ein, zwei Wendungen bringen die nötigen Aha-Effekte, die das Genre ausmachen. Das Buch liest sich schnell, leicht und ohne große Logikfehler. Gute solide Unterhaltung. Die Lektüre eignet sich hervorragend für den Urlaub, wenn der auch noch in der Ecke stattfindet, um so besser.

Veröffentlicht am 19.06.2020

Fürs Herz

Mit dir für alle Zeit
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Obwohl es sich um eine Art Genre-Mix handelt hatte ich nicht das Gefühl, dass ich bei „Mit dir für alle Zeit“ in einer Fantasy-Geschichte bin. Die Tatsache, dass Nora jedes Jahr am selben Tag an der Grand ...

Obwohl es sich um eine Art Genre-Mix handelt hatte ich nicht das Gefühl, dass ich bei „Mit dir für alle Zeit“ in einer Fantasy-Geschichte bin. Die Tatsache, dass Nora jedes Jahr am selben Tag an der Grand Central Station erscheint, immer im gleichen Alter und ohne, dass sie ein wirkliches Leben während des restlichen Jahres geführt hätte, nimmt man mit dem verliebten Joe einfach hin. Es geht um eine große Liebe, die unerfüllbar scheint. Um zwei junge Menschen, die in einer nicht wirklich rosigen Zeit das kleine Glück suchen und doch vor einem schier unlösbaren Problem stehen.
Die Story ist sehr emotional aber wohltuend kitschfrei. Ich mochte es, dass Joes Leben und Noras Problem dem Ganzen einen sehr melancholischen, ja über Phasen traurigen, Unterton geben. Bittersüß trifft es ganz gut. Vor allem, als der zweite Weltkrieg heranzieht und der Altersunterschied langsam spürbar wird. Die Frage, wie diese Zeitschleife zu überlisten ist, schwelt natürlich im Kopf des Lesers. Ich hatte aber von Anfang an das Gefühl, dass es eine Lösung geben könnte und dass das Buch trotz allem ein Happy End verdient hat. Wie es ausgeht, verrate ich natürlich nicht. Ich habe es jedenfalls gerne gelesen und kann es empfehlen. So richtig etwas fürs Herz.