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Veröffentlicht am 12.08.2020

Ruhiger, wundervoll erzählter Roman

Das Leben ist ein wilder Garten
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INHALT
Das beschauliche Leben des Landschaftsgärtners Carlo gerät in Aufruhr. Seine Frau hat ihn verlassen, die Tochter studiert jetzt in London. Agon, sein Hilfsgärtner aus dem Kosovo, eine sensible Seele ...

INHALT
Das beschauliche Leben des Landschaftsgärtners Carlo gerät in Aufruhr. Seine Frau hat ihn verlassen, die Tochter studiert jetzt in London. Agon, sein Hilfsgärtner aus dem Kosovo, eine sensible Seele in einem massigen Körper, wird aus heiterem Himmel zusammengeschlagen. Und dann ist plötzlich Carlos demente Mutter verschwunden. Gemeinsam mit Agon macht er sich auf die Suche und entdeckt nicht nur die Natur und die Menschen um ihn herum neu, sondern kommt in einem Grandhotel am Berg der ungeahnt glamourösen Vergangenheit seiner Mutter während des Zweiten Weltkriegs auf die Spur …
(Quelle: Zsolnay bei Hanser Verlag)

MEINE MEINUNG
In seinem jüngsten Roman „Das Leben ist ein wilder Garten“ erzählt der mehrfach preisgekrönte Schweizer Autor Roland Buti eine berührende, nachdenklich stimmende Geschichte über das Leben in all seinen schillernden Facetten. Es ist ein zarter, einfühlsam erzählter Roman der sich mit Einsamkeit, Entfremdung, Liebe, Trauer, Verlusten und den verpassten Gelegenheiten im Leben beschäftigt, aber auch mit Heimatgefühl und Naturverbundenheit.
Schon bald hat mich der wundervoll ruhige und einfühlsame Erzählstil des Autors mit seinen bildmächtigen, sehr atmosphärischen Schilderungen gefangen genommen. Buti kommt in seiner beschaulichen, etwas melancholischen Geschichte oft ohne viele Worte aus, so dass vieles der Fantasie des Lesers überlassen bleibt. Dennoch versteht er es hervorragend, uns auch mit überraschenden Wendungen, humorvollen Passagen und feiner Ironie zu unterhalten.
Nach und nach tauchen wir ein in das auf den ersten Blick recht ruhige Leben des Protagonisten und Ich-Erzählers Carlo Weiss - einem Landschaftsgärtner, der in der Arbeit in seinen Gärten völlig aufgeht und den die Natur auf wundersame Weise zu erden scheint. Nach dem Scheitern seiner Ehe lebt er allein und kämpft gegen seine innere Leere und Einsamkeit an. Seine Freizeit verbringt er meist mit dem angestellten Hilfsgärtner Agon, einem hünenhaften, sanftmütigen, aus dem Kosovo stammenden Flüchtling mit einem Hang für Philosophie und französische Klassiker. Doch als Carlo`s hochbetagte, demente Mutter Pia spurlos aus ihrem Seniorenheim verschwindet und Agon von zwei brutalen Landsleuten krankenhausreif geprügelt wird, gerät Carlo`s kleine, geordnete Welt unversehens ins Wanken – umso mehr als Carlo seine Mutter im luxuriösen Hotel Grand National in den Bergen nahe der Schweizer Grenze aufspürt, die dort in ihrer einstigen Heimat ihre letzten Tage verbringen möchte.
Fesselnd ist es mitzuerleben, wie Carlo sich nach und nach seiner oft verwirrten Mutter annähert und dabei viele gut gehütete Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs enthüllt werden, die mit dem Grand National zusammenhängen. Ganz neue Seiten entdeckt Carlo an seiner Mutter und erfährt schließlich verblüffende Details aus ihrem damaligen Leben – von ihren außergewöhnlichen Talenten, ihren Träumen, ihrer großen Liebe, aber auch ihrem schmerzvollen Verlust. Ganz nebenbei erkennt er, wie wenig er über das Leben seiner Mutter weiß. So muss er sich eingestehen, dass er vieles von dem, was um ihn herum geschehen ist, nur oberflächlich wahrgenommen und nicht verstanden hat, ja, dass die Menschen, die ihm am nächsten sind, ihm stets rätselhaft und fremd geblieben sind und er mehr oder weniger blind und unsensibel durch sein Leben geht.
Buti hat in seinem Roman wundervolle, ausgefallene Charaktere geschaffen, die einen mit ihren Eigenarten faszinieren und die man nur ungern gehen lässt. Er versteht es hervorragend, die Emotionen und Gesten seiner liebenswerten Figuren glaubhaft und treffend zu skizzieren.  Vor allem mit seinem Hilfsgärtner Agon, seiner dunklen, beklemmenden Vergangenheit im Kosovo aber auch mit seinen pragmatischen Lebensweisheiten ist Buti eine überaus tiefgründige, authentische Figur gelungen, die mich sehr beeindruckt und für einige Schmunzelmomente gesorgt hat.
Langsam entfaltet sich die Vielschichtigkeit der Geschichte mit ihren wiederkehrenden Motiven, die zunehmend an Tiefgang gewinnt und zum Nachdenken anregt. Geschickt sind die verschiedenen, eher beiläufig erzählten Handlungsstränge miteinander verwoben, werden zum Ende hin zusammengeführt und doch bleibt einiges vage in der Luft hängen.
Schade, dass dieser Roman so schnell zu Ende ging, denn ich hätte gerne noch einige Hintergründe erfahren – es fühlte sich fast ein bisschen so an, als hätte sich der Autor unbemerkt durch die Seitentür hinausgeschlichen…

FAZIT
Ein ruhiger, wundervoll erzählter Roman mit einer melancholischen, vielschichtigen und nachdenklich stimmenden Geschichte über das Leben und außergewöhnlichen Charakteren!

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Veröffentlicht am 01.08.2020

Unterhaltsamer historischer Roman über drei starke Frauen und ihr Kampf um mehr Gleichberechtigung

Unter den Linden 6
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INHALT

Berlin, 1907: Die junge Wissenschaftlerin Lise kommt nach ihrer Promotion an die Friedrich-Wilhelms-Universität Unter den Linden, um bei Max Planck zu forschen. Dass Frauen in Preußen offiziell ...

INHALT

Berlin, 1907: Die junge Wissenschaftlerin Lise kommt nach ihrer Promotion an die Friedrich-Wilhelms-Universität Unter den Linden, um bei Max Planck zu forschen. Dass Frauen in Preußen offiziell noch nicht an Universitäten zugelassen sind, kann sie nicht aufhalten. Schon bald arbeitet sie neben Otto Hahn. Das Schicksal führt sie mit zwei Frauen zusammen: Hedwig musste die Unterschrift ihres Mannes fälschen, um die Uni besuchen zu können – denn ohne die Zustimmung des Ehemannes geht nichts. Anni arbeitet als Dienstmädchen beim berühmten Friedrich Althoff und liest sich heimlich durch dessen Bücherregal. Die drei unterschiedlichen Frauen werden zu engen Verbündeten, die gemeinsam um ihr Glück, die Liebe und das Recht auf Wissen und Bildung kämpfen. Denn die Widerstände in der männlichen dominierten Universitätswelt sind hoch.

Die Figur Lise erinnert an Lise Meitner (1878–1968), eine der bekanntesten Physikerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie war die erste deutsche Physik-Professorin und entdeckte die Kernspaltung.

(Quelle: Ullstein)

MEINE MEINUNG

Mit „Unter den Linden 6“ hat die deutsche Autorin Ann-Sophie Kaiser einen unterhaltsamen historischen Roman vorgelegt, in dem sie über drei starke Frauenfiguren von sehr unterschiedlicher sozialer Herkunft in einer Zeit des Umbruchs erzählt, ihrem gemeinsamen Kampf um mehr Bildung und mehr Rechte in der Gesellschaft und und vielfältigen Schwierigkeiten als Frau den eigenen Weg zu gehen.
Die mitreißende Handlung, die in der Zeit zwischen 1907 und 1915 spielt, ist in Berlin vor der Kulisse des bildungspolitischen Wandels in Preußen zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Durch den lebendigen und bildhaften Schreibstil der Autorin taucht man rasch in die Handlung und ins Berlin der damaligen Zeit ab, in der eigentliche Rolle der Frau dem ideologischen Bild der „guten deutschen Hausfrau“ entsprach, die viele Kinder bekommen und voll und ganz für ihren Mann da sein sollte. Auch blieben den Frauen in der Kaiserzeit das Wahlrecht und das Recht auf Bildung lange Zeit untersagt. Gekonnt lässt die Autorin viele sorgsam recherchierte, zeitgeschichtliche Details in die Handlung einfließen, wie beispielsweise die Preußische Mädchenschulreform von 1908 und die Errungenschaften der Frauenbewegung in Deutschland.

Sehr anschaulich erzählt die Autorin in ihrer Geschichte über die ersten Studentinnen der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität, die sich ihre Zulassung an die Universitäten hart erkämpfen mussten und viele Demütigungen hinnehmen mussten. Geschickt hat die Autorin die Erlebnisse der historischen Persönlichkeit und berühmten Physikerin Lise Meitner (1878–1968) im Berlin Anfang des letzten Jahrhunderts mit ihren zwei fiktiven Frauenfiguren – der gebildeten Bürgerstochter Hedwig und dem einfachen Dienstmädchen Anni - zu einer abwechslungsreichen und unterhaltsamen Geschichte verwoben. Im Laufe der Handlung, die abwechselnd aus der Perspektiver der drei Frauen Lise, Hedwig und Anni erzählt wird, lernen wir drei sehr unterschiedliche Frauenschicksale und zugleich drei faszinierende Charaktere kennen - mit ihrem Forschergeist, ihrem Wissensdurst und ihrer Entschlossenheit die Welt zu entdecken für damalige Verhältnisse etwas Besonderes. Trotz ihrer unterschiedlichen gesellschaftlichen Stellung erwachsen aus ihrer Zufallsbekanntschaft allmählich ein solidarischer Zusammenhalt und eine freundschaftliche Beziehung.

In zahlreichen Episoden erzählt Ann-Sophie Kaiser einfühlsam und anschaulich von der permanenten Diskriminierung, Ausbeutung aber auch den unzähligen Beschränkungen der Frauen im Lebensalltag in einer von Männern dominierten Welt. Die Autorin hat ihre Charaktere sorgfältig und vielschichtig ausgearbeitet. Alle Figuren sind sehr lebendig mit ihren Stärken und Schwächen dargestellt und wirken authentisch, so dass man ihre Handlungen gut nachvollziehen kann und ihre Entwicklung mit Interesse und Anteilnahme verfolgt. Insbesondere die Darstellung der historischen Figur der promovierten Physikerin Lise Meitner, die als "deutsche Marie Curie" in die Geschichte einging, aber auch die informativen Erläuterungen ihrer Grundlagenforschung im Bereich der Kernphysik und Strahlenforschung sowie zu ihrer Arbeit an Seite ihres Forschungspartners Otto Hahn haben mir hervorragend gefallen. Die Einblicke in die vielen herabwürdigenden Benachteiligungen und Demütigungen, die die Ausnahmewissenschaftlerin trotz ihrer großen fachlichen Kompetenz erdulden musste, sind äußerst aufschlussreich und zudem größtenteils historisch verbürgt.

Weniger gut haben mir einige Entwicklungen im zweiten Teil des Romans gefallen, der auf mich insgesamt weniger informativ und zeitweise etwas langatmig wirkte. Hier hätte ich mir den Fokus der Geschichte noch mehr auf den Aktivitäten und Einflüssen der deutschen Frauenbewegung gewünscht.

Abschließend erläutert Ann-Sophie Kaiser in ihrem Nachwort „Drei starke Frauen zwischen Historie und Fiktion“ sehr ausführlich, was in ihrem Roman auf wahren Begebenheiten und Fakten beruht und was fiktionalen Ursprungs ist. Auch viele weitere interessante historische Hintergrundinformationen z.B. zum damaligen Kampf um Bildung und die Berliner Frauenbewegung. Zeigen deutlich, wie viel Rechercheleistung in dem Roman steckt. Zudem umreißt die Autorin die Biographie Lise Meitners und gibt einen kurzen Einblick in ihren weiteren Lebensweg, denn das wechselvolle Leben dieser herausragenden Physikerin des 20. Jahrhunderts zeigt exemplarisch die Benachteiligung von Frauen in Wissenschaft und Forschung auf – eine adäquate Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Leistungen zu Lebzeiten und die wohlverdiente höchste Würdigung für die Entdeckung der Kernspaltung blieben ihr verwehrt!

FAZIT

Ein interessanter historischer Roman über die junge Physikerin Lise Meitner in Berlin, die Geschichte der heutigen Humboldt-Universität und den Kampf der Frauen um ihr Recht auf Bildung und um mehr Gleichberechtigung - sehr informativ, abwechslungsreich und unterhaltsam geschrieben!

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Veröffentlicht am 31.07.2020

Ergreifende Familiengeschichte

Nebelkinder
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INHALT
München, 1945:
Zusammen mit ihrer Mutter Käthe ist Ana aus Breslau geflohen. Käthe ist traumatisiert, und so ist es an Ana, für ihre Familie zu sorgen. Als sie ihre eigene Familie gründet, scheint ...

INHALT
München, 1945:
Zusammen mit ihrer Mutter Käthe ist Ana aus Breslau geflohen. Käthe ist traumatisiert, und so ist es an Ana, für ihre Familie zu sorgen. Als sie ihre eigene Familie gründet, scheint der Krieg verwunden, doch ihre Tochter Lilith bleibt ihr seltsam fremd. Viele Jahre später steht Lilith vor einer großen Entscheidung: Ausgerechnet sie, die doch immer unter ihrer distanzierten Mutter gelitten hat, soll den Sohn ihrer besten Freundin bei sich aufnehmen. Da fährt Ana mit ihr nach Breslau und erzählt ihr endlich, was damals wirklich geschehen ist.

(Quelle: Ullstein)

MEINE MEINUNG

Mit ihrem neuen Buch „Nebelkinder“ ist der deutschen Autorin Stefanie Gregg aus Ottobrunn ein sehr eindringlicher historischer Roman und ein bewegender Familienroman gelungen, der von der eigenen Familiengeschichte der Autorin inspiriert wurde und ihr ganz besonders am Herzen liegt. Ihre berührende Geschichte umspannt drei Generationen -beginnend mit der Vorkriegszeit in Breslau, über die Flucht nach Bayern, die Nachkriegszeit in München und bis schließlich in die Gegenwart.
In ihrem Roman beschäftigt sich die Autorin mit dem faszinierenden wie traurigen Themengebiet der „Nebelkinder“, wie die Enkel der Kriegsgeneration in der modernen Psychologie bezeichnet werden. Jene Generation, die gar nicht unmittelbar den Zweiten Weltkrieg und die vielfältigen Traumata miterlebt hat, aber deren Leben dennoch bewusst oder zumeist unbewusst von den grauenvollen Erlebnissen der Kriegsgeneration sowie ihrer Eltern, den Kriegskindern, bis heute beeinflusst wird und die im Nebel des Verdrängten, Verschwiegenen und Nichterzählten gefangen ist. Im Anhang ihres Romans geht die Autorin nochmals detaillierter auf diese Thematik ein.

Sehr anschaulich und nachvollziehbar hat Gregg viele dieser Aspekte in ihre lebendig erzählte Geschichte eingearbeitet und führt uns eindrücklich die vielfältigen Auswirkungen auf die Nebelkinder vor Augen, die sie daran hindern mit ihrem Leben zurechtzukommen. Beim Lesen merkt man deutlich, wie stark die schicksalhaften Lebenswege ihrer drei Frauenfiguren über die Generationen hinweg miteinander verbunden sind, verstrickt in der unheilvollen Vergangenheit und stets umwölkt von unverarbeiteten und weitergegebenen Traumata. Erst allmählich setzt sich aus den vielen Puzzlesteinchen ein Gesamtbild zusammen und man erkennt schließlich das erschütternde Ausmaß, das ihr aller Leben beeinflusst.

Greg erzählt die bewegende Geschichte von drei Frauen, drei Töchtern, einem schrecklichen, folgenreichen Krieg und ihrem gemeinsamen Schicksal – und zugleich eine tragische Familiengeschichte, die sich in der einen oder anderen Form vielfach ereignet hat und noch heute zahlreiche Familien betrifft. Es dauerte nicht lange bis mich die Geschichte, die in mehreren Handlungssträngen und auf verschiedenen Zeitebenen angelegt ist, völlig ihren Bann zog.

Aus den wechselnden Perspektiven der drei Hauptfiguren Käthe, ihrer Tochter Anastasia und Enkelin Lilith tauchen wir ein in die Geschehnisse aus der Vergangenheit. Schrittweise erfahren im Handlungsstrang der Gegenwart auch viel über die schwierige Beziehung zwischen Ana und ihrer Tochter Lilith und ihren Bemühungen, während ihrer Reise in Anas Heimat Licht in die Vergangenheit zu bringen und endlich die Schatten hinter sich zu lassen.

Die einfühlsame, detailreiche Figurenzeichnung der verschiedenen Figuren bis hin zu den verschiedenen Nebenfiguren ist der Autorin gut gelungen. Sie werden sehr lebensecht mit all ihren Charaktereigenschaften beschrieben und auch ihre Entwicklung angesichts ihrer Erlebnisse wirkt glaubhaft und wirklichkeitsnah. Ob nun die stolze Käthe aus feinem Breslauer Hause, die ihren schönen Ludwig unter großen Opfern heiratet und ihn bald schon an den Krieg verliert, ihre verhängnisvolle strapaziöse Flucht mit ihren zwei Töchtern Ana und Leni vor der russischen Armee in einem der letzten Züge ins Reich, die sie für immer zerbrechen ließ. Oder ihre Tochter Anastasia, die mit knapp 13 Jahren die Rolle der Mutter übernehmen, ihre Emotionen unterdrückt und stets funktionieren muss, so dass sie vor lauter Verantwortungsgefühl ihre eigenen Wünsche und Träume auf der Strecke bleiben. Oder schließlich Anas Tochter Lilith, die unter der Distanziertheit ihrer Mutter gelitten hat und sich stets ungeliebt fühlte – sie alle haben unter den Folgen der im Krieg erlittenen Traumata zu leiden.

Schade finde ich nur, dass zeitweise einige bedeutsame Nebenfiguren vor allem Käthes Schwester Selma aus der Handlung ausgeblendet wurden, so dass man ihr Schicksal und ihren Einfluss auf die Hauptfiguren nicht mitverfolgen konnte. Dies ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die Autorin eine Fortsetzung ihres Romans plant, in der weitere Figuren in den Mittelpunkt rücken werden.
In einem Nachwort die Autorin schließlich noch eingehender auf ihre Familiengeschichte ein und erläutert, was in ihrem Roman Fakt und Fiktion ist.

FAZIT

Ein bewegender Roman zu einem wichtigen Thema, eine mitreißende Familiengeschichte und ein schockierendes Zeitdokument! Sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 26.07.2020

Interessanter Roman über eine eigenwillige Frau

Die Marschallin
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INHALT

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono, am Ende des Ersten Weltkriegs kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ...

INHALT

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono, am Ende des Ersten Weltkriegs kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ein großbürgerliches und doch politisch engagiertes Leben im Widerstand gegen den Faschismus Mussolinis führen. Zora ist herrisch, eindrucksvoll, temperamentvoll und begabt, eine Bewunderin Josip Broz Titos, dem sie Waffen zu liefern versucht und dem ihr Mann das Leben rettet. Sie will mehr sein, als sie kann, und drückt doch allen in ihrer Umgebung ihren Stempel auf. Ihr Leben und das Leben ihrer Familie, ihrer Kinder und Enkelkinder, vollziehen sich in einer Zeit der Kriege und der Gewalt, erbitterter territorialer und ideologischer Kämpfe, die unsere Welt bis heute prägen. In einem grandiosen Schlussmonolog erzählt die alte Zora Del Buono ihre Geschichte zu Ende, eine Geschichte der Liebe, der Kämpfe, des Hasses und des Verrats.

(Quelle: C.H. Beck)

MEINE MEINUNG

In ihrem fesselnden historischen Roman „Die Marschallin“ hat sich die Schweizer Autorin Zora del Buono der eigenen, äußerst ereignisreichen Familiengeschichte und dem bewegten Leben ihrer Großmutter väterlicherseits Zora del Buono angenommen, von der sie ihren Vornamen geerbt hat. In vielen aneinandergereihten Episoden, die oftmals durch größere Zeitsprünge unterbrochen sind, erzählt die Autorin von den Geschicken der Familie del Buono über drei Generationen hinweg. Eine Menge Personen lernen wir dabei kennen; das dem Roman vorangestellte Personenverzeichnis hilft dabei, nicht den Überblick zu verlieren.

Gekonnt führt uns die Autorin zu unterschiedlichsten Schauplätzen in Slowenien und dem übrigen Jugoslawien, Deutschland und vor allem Italien. Sie lässt uns eintauchen in die wechselvolle Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und spannt in ihrer Familiensaga einen weiten Bogen durch die ereignisreichen Zeiten - beginnend im Jahre 1919 nach Ende des verheerenden Ersten Weltkriegs, über den Zweiten Weltkrieg bis hin zum Jahr 1980, dem Todesjahr des großen „Marschalls“ Tito und zugleich dem der Protagonistin „Marschallin“ Zora del Buono, einer glühenden Tito-Verehrerin.

Die Autorin versteht es ein facettenreiches Panorama des bewegten und bewegenden 20. Jahrhunderts zu zeichnen und präsentiert uns einen äußerst faszinierenden zeitgeschichtlichen Hintergrund einer längst vergangenen Epoche.

So lässt uns sie an vielen historisch bedeutsamen Begebenheiten mit sehr aufschlussreichen weltpolitischen Einblicken teilhaben wie dem Aufstieg Mussolinis, den Folgen des Faschismus und dem erbitterten Kampf gegen die Faschisten, der Komintern sowie dem Lebensweg des einstigen Partisanengenerals und kommunistischen Staatschefs Tito, seinem umstrittenen Regime in dem faszinierenden Vielvölkerstaat Jugoslawien und seiner Beziehung zu Stalin.

Im Mittelpunkt ihres Romans steht jedoch «Die Marschallin» Zora del Buono, die Geschichte ihres Lebens und ihrer Familie, die eng mit den zeitgeschichtlichen Ereignissen verbunden und von diesen geprägt ist. Wir lernen eine faszinierende Frau mit einer eigenwilligen Persönlichkeit, bewundernswerter Stärke aber auch vielen Widersprüchlichkeiten kennen. Vom Aufstieg eines slowenischen Dorfkinds zur italienischen Arztgattin, der Geburt dreier Söhne begleiten wir sie und das Schicksal ihrer Familie und erleben sie an der Seite ihres Ehemanns als engagierte Kommunistin im Kampf gegen den Faschismus und inmitten eines kommunistischen großbürgerlichen Intellektuellenzirkels. Hierbei deckt die Autorin im Laufe der Geschichte schließlich auch ein dunkles und sehr verhängnisvolles Familiengeheimnis auf.

Der Autorin ist zwar ein äußerst schillerndes Portrait dieser faszinierenden Frauenfigur gelungen. Wegen des recht distanzierten Schreibstils blieb die Protagonistin jedoch stets wenig greifbar für mich, so dass ich mich nicht gut in ihren Charakter hineinversetzen und ihre Figur mich leider im Laufe der Geschichte nicht wirklich berühren konnte.

Dennoch werden mir diese unvergessliche Romanheldin und ihr bewegendes Schicksal in Erinnerung bleiben.

FAZIT

Ein interessanter historischer Roman über die wechselvolle Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und eine bewegende Familiensaga mit einer faszinierenden, aber auch widersprüchlichen Protagonistin, die leider wenig greifbar für mich blieb!

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Veröffentlicht am 06.07.2020

Spannender Hallig-Krimi mit tollem Nordseeflair

Halligmord (Ein Minke-van-Hoorn-Krimi 1)
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INHALT
Ein mysteriöser Mord vor der idyllischen Nordseeküste und eine Hallig voller Geheimnisse - willkommen in der Welt von Ermittlerin Minke van Hoorn!

Ein herbstlicher Sturm an der friesischen Küste ...

INHALT
Ein mysteriöser Mord vor der idyllischen Nordseeküste und eine Hallig voller Geheimnisse - willkommen in der Welt von Ermittlerin Minke van Hoorn!

Ein herbstlicher Sturm an der friesischen Küste fördert ein düsteres Geheimnis zutage: Auf der kleinen Hallig Nekpen hat die See menschliche Knochen freigespült, die schon seit Jahrzehnten im friesischen Marschboden gelegen haben müssen. Wer war der Tote? Minke van Hoorn, ehemalige Meeresbiologin und erst seit kurzem als Kommissarin zurück in ihrer friesischen Heimat, hat bei ihrem ersten Fall eine harte Nuss zu knacken. Denn die beiden alteingesessenen Familien auf Nekpen wollen von dem Skelett unter der grünen Halligwiese nichts gewusst haben. Jeder kennt jeden, einige benehmen sich merkwürdig, friesisches Schweigen liegt über dem Fall. Dann verschwindet der Sohn des alten Deichgrafen, und längst vergangene Ereignisse scheinen plötzlich ihre Finger bis in die Gegenwart auszustrecken. Minke muss sich beeilen, denn der nächste Herbststurm kündigt sich an...
(Quelle: Ullstein)
MEINE MEINUNG
Mit dem Krimi „Halligmord“ hat Greta Henning, einer unter Pseudonym schreibenden deutschen Autorin, einen interessanten und fesselnden Auftakt zu ihrer neuen Krimi-Reihe vorgelegt, die an der idyllischen Nordseeküste im Küstenstädtchen Jüstering und auf den vorgelagerten, kleinen Halligen spielt. Im Mittelpunkt steht die junge, sympathische Ermittlerin Minke van Hoorn, die als frisch gebackene Kommissarin in ihre nordfriesische Heimat zurückkehrt und den Dienst am ehemaligen Arbeitsplatz ihres verstorbenen Vaters antritt.
Die kleinen Marschinseln inmitten der sturmumtosten Nordsee, ein beschauliches Küstenstädtchen und das faszinierende Wattenmeer stellen ein tolles, einzigartiges Setting für einen Krimi mit viel Lokalkolorit dar, das mich sofort angesprochen hat. Greta Henning schafft es mit Leichtigkeit die besondere Atmosphäre der fiktiven Schauplätze und die Eigenheiten der Einheimischen sehr lebendig und stimmungsvoll einzufangen. Durch sehr anschauliche Schilderungen der Schauplätze sowie die Erwähnung einiger typisch nordfriesischer Traditionen wie das Klootschießen oder Biikefeuer unterstreicht Greta Henning gekonnt das tolle Nordseeflair.
Die Autorin hat einen sehr eingängigen und anschaulichen Schreibstil, so dass die Leser rasch mitten hinein in die Handlung gezogen werden. Noch bevor Minke ihren ersten Arbeitstag in der neuen Polizeiwache antreten kann, wird sie sie direkt zu ihrem ersten Fall gerufen. Ein vom Sturm freigespültes Skelett auf der Hallig Nekpen gibt Rätsel auf, zumal bald feststeht, dass es sich hierbei nicht um einen alten Wikinger handelt, sondern um einen vor Jahrzehnten bei einem tragischen Unfall verschollenen Halligbewohner. Tatkräftig stürzt sich Minke in die Ermittlungen zu diesem kniffligen Cold Case, befragt die alteingesessenen Familien auf Nekpen und beginnt immer tiefer in deren Vergangenheit zu graben.
Mit einem häufigen Wechsel der sehr kurz gehaltenen Erzählstränge gelingt es der Autorin, rasch Tempo und Spannung in die Handlung zu bringen. In Einschüben erhalten wir zudem aufschlussreiche Rückblicke auf vergangene Ereignisse aus den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten und interessante Einblicke in jenen schicksalsträchtigen Abend auf Nekpen. Aber nicht nur die geschickt platzierten Szenenwechsel und die Verwendung von Cliffhanger bringen Bewegung in das Geschehen, sondern auch die eingestreuten Passagen mit den Schilderungen des verschwundenen Sohns des Deichgrafen Jasper sowie Einblicken in die Gedankenwelt des anonym bleibenden Täters heizen die Spannung zusätzlich an. Durch geschickt gelegte falsche Fährten und so manche unerwartete Wendung ist der Krimi ideal zum Mitermitteln. Auch wenn es Minke nicht leicht hat, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen, lässt sie sich nicht abschrecken und bohrt hartnäckig weiter. So merkt sie schon bald, dass fast ein jeder ihr nicht die Wahrheit erzählt und versucht, ein dunkles Geheimnis zu verbergen. Zudem ist Minke bei ihren schwierigen Ermittlungen fast völlig auf sich allein gestellt, denn ihr phlegmatischer Assistent Klaus sieht seiner Pensionierung in wenigen Tagen entgegen und ist vorrangig damit beschäftig, seine Abschiedsparty in der Dienststelle zu organisieren – was natürlich für eine äußerst unterhaltsame Episoden sorgt.
Ihre verschiedenen Charaktere hat die Autorin vielschichtig und lebensnah angelegt. Auch ihre Handlungsweisen sind gut nachzuvollziehen. Die Nebenfiguren sind durchweg gut gelungen und werden abhängig von ihrer Rolle glaubhaft und interessant ausgearbeitet. Das Privatleben der sympathischen Hauptfigur Minke und einigen Details zu ihrer Vergangenheit werden nur kurz angerissen, sind interessant und runden ihre Charakterzeichnung insgesamt ab.
Mit dem aufkommenden Sturm verdichtet sich die eher ruhige Geschichte zum Ende hin immer mehr und gipfelt schließlich in einem stürmischen Finale. Die erschreckende Auflösung von Minkes erstem Fall und die Aufklärung der Geschehnisse in Vergangenheit und Gegenwart sind insgesamt in sich schlüssig und glaubhaft.
Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Band und einen neuen Kriminalfall für die sympathische Ermittlerin, denn die neue Besetzung von Klaus Assistentenstelle ist sehr vielversprechend und lässt auf eine unterhaltsame Zusammenarbeit hoffen.
FAZIT
Insgesamt ein spannender, eher ruhiger aber sehr unterhaltsamer Krimi-Auftakt - mit einem mysteriösen Cold Case, viel Lokalkolorit und tollem Nordsee-Flair. Ein toller Regionalkrimi!

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