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Veröffentlicht am 04.09.2020

Koinzidenz

Der Outsider
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Als die Leiche eines kleinen Jungen gefunden wird, fällt der Verdacht sehr schnell auf den Coach der Jugendbaseballmannschaft, Terry Maitland. Das ist für die Bewohner von Flint City doppelt erschreckend, ...

Als die Leiche eines kleinen Jungen gefunden wird, fällt der Verdacht sehr schnell auf den Coach der Jugendbaseballmannschaft, Terry Maitland. Das ist für die Bewohner von Flint City doppelt erschreckend, denn Maitland ist ein beliebter Bürger, ist verheiratet, hat zwei Töchter und niemand hätte je etwas Schlechtes von ihm erwartet. Kann er wirklich ein so grausames Doppelleben führen? Und wie ist es möglich, dass er beweisbar an zwei Orten zur selben Zeit war? Welche Beweise sind Beweise, wo liegt der Fehler, was ist Lüge, was Wahrheit? Der Alptraum scheint kein Ende zu nehmen …

Wie immer schafft King Figuren, die so real wirken, dass man glaubt, sie leben in der Nachbarschaft. Da trifft es hart, wenn eine dieser Figuren in eine Sache gerät, die sich wie Treibsand verhält und Rettung kaum möglich scheint. Man bleibt dran, lässt alles stehen und liegen, weil man unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. So geht fesselndes Schreiben! Ob nun Terry Maitland, Detective Ralph Anderson oder Holly Gibbins – sie alle schleichen sich aus der Story heraus in das Leben des Hörers oder Lesers.

Die Ermittlungsarbeit ist ein wichtiger Teil der Story. Was logisch erscheint, kann dennoch nicht stimmen. Das führt natürlich zu Situationen, die erschreckend sind. Als Außenstehender Beobachter möchte man so oft eingreifen, weil man mehr weiß und unbedingt helfen möchte, einen Unschuldigen und seine Angehörigen zu beschützen, zu retten. Das Leid, das die Angehörigen erfahren, schildert King sehr gut. Das ist einer der Punkte, warum ich seine Bücher so sehr mag – es steckt immer enorm viel Herz, Gefühl darin. Vermutlich zieht er einem gerade deshalb so heftig den Boden unter den Füßen weg.

King schildert eindringlich, wie schnell ein Mob sich zusammenrottet, wie das außer Kontrolle geraten und sich verselbständigen kann und wie leicht Menschen komplett übers Ziel hinausschießen können. Der Ruf nach der Todesstrafe, ganz ohne vorherige Verhandlung, ganz ohne irgendwas – das hat mich extrem schockiert. Es ist der wahre Horror – ganz ohne Monster. Fast die Hälfte über denkt man, es muss eine normale Erklärung geben, bis King dann dem Monster doch noch die Tür öffnet. Es ist atemberaubend!

Wie kein zweiter schafft es King, dass die von ihm geschaffenen Monster logisch aufgebaut und damit extrem gut vorstellbar sind. So sehr sich der Kopf dagegen wehren mag, so sehr glaubt das Herz daran. Mit Holly Gibney, die offen für jede für den gesunden Menschenverstand undenkbare Möglichkeit ist, schafft er quasi ein Medium, das die reale Welt mit der vermeintlich unerklärlichen Existenz verbindet und damit dem Buch den eigentlichen Thrill verleiht. Ohne sie würde das Buch nicht funktionieren, finde ich. Ja, sie ist eindeutig meine Lieblingsfigur!

King gelingt auch hier wieder ein fulminanter Show-Down, der an die Nerven und unter die Haut geht. Besonders gut gefällt mir jedoch das „Danach“, also das eigentliche Ende. Er lässt die Geschichte wunderbar „ausrollen“ und lässt keine losen Fäden übrig, was jedoch nicht bedeutet, dass man ohne Alpträume schlafen kann!

David Nathan hört man einfach gerne zu. Seine Stimme hat einen leicht melancholischen Unterton, der die düstere Grundstimmung sehr gut transportiert. So vergehen die mehr als neunzehn Stunden nicht nur aufgrund des Könnens des Meisters des Horrors, sondern auch des Könnens dieses wunderbaren Sprechers nahezu wie im Flug. Ganz klar: fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 02.09.2020

So schön schräg!

Die Fuck It List
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Ich finde Bucket-Lists einfach super unterhaltsam, aber diese Fuck it List schlägt sie alle! Einfach wunderbar, wie Jan-Christian Scheuren den Blick des Lesers auf jede Menge Dinge und Verhaltensweisen ...

Ich finde Bucket-Lists einfach super unterhaltsam, aber diese Fuck it List schlägt sie alle! Einfach wunderbar, wie Jan-Christian Scheuren den Blick des Lesers auf jede Menge Dinge und Verhaltensweisen lenkt, die man im Laufe des Lebens angenommen hat und die man echt mal überdenken sollte.

Nicht jeder wird alles genauso sehen, ich stimme auch nicht allen Punkten zu. Das ist ja bei den Bucket-Lists auch nicht anders. Dennoch kommt da erstaunlich viel zusammen, bei dem man nur grinsen und begeistert nicken kann. Optisch verwöhnt das Buch mit dem Spiel diverser Schriftarten und Schriftgrößen, immer passend zur jeweiligen Aussage. Eine ganze Reihe kleiner Zeichnungen krönt das noch.

So humorvoll das Ganze ist, regt es dennoch auch zum Nachdenken an. Das gefällt mir ganz besonders. Kann das Buch doch so tatsächlich beitragen, die Welt ein bisschen schöner, besser, fröhlicher zu machen.

Selber lesen ist toll, das Buch verschenken aber die beste Variante! Auch Wenigleser werden hier durchhalten und alle Punkte von Anfang bis Ende lesen. Auch gemeinsam liest es sich prima – dann kann man so herrlich über die Punkte gemeinsam lachen und auch ein bisschen blödeln oder auch ernsthaft diskutieren.

Kurz und knapp – ein tolles kleines Buch, das die beliebten Bucket-Lists mal ein bisschen auf die Schippe nimmt. Ich gebe die vollen fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 31.08.2020

Blutrote Handabdrücke

Der Schattenmörder
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Paul kehrt nach 25 Jahren erstmals in seine Heimatstadt zurück, weil die Pflegerin seiner Mutter ihn darüber informiert hat, dass diese im Sterben liegt. Sofort holt ihn die Vergangenheit ein. Er fühlt ...

Paul kehrt nach 25 Jahren erstmals in seine Heimatstadt zurück, weil die Pflegerin seiner Mutter ihn darüber informiert hat, dass diese im Sterben liegt. Sofort holt ihn die Vergangenheit ein. Er fühlt sich beobachtet und sogar verfolgt, findet auf dem Dachboden blutige Handabdrücke, seine Mutter erzählt seltsame Dinge und Paul erkennt, er muss herausfinden, was mit Charlie Crabtree am Tag, als dieser einen Mord beging und verschwand, geschehen ist.

Der Wechsel zwischen heute und vor 25 Jahren und der Erzählerperspektive und der Ichperspektive ist sehr gut angelegt und macht das Folgen sehr einfach. North schafft es, die Geschehnisse so zu schildern, dass man genug Abstand hat, aber dennoch dem Sog der Story zu verfallen.

Die Charaktere überzeugen und sind authentisch. So unterschiedlich sie sind, so heftig die ganze Story ist, sind selbst die schrecklichsten Personen glaubwürdig. Gerade dies ist zumindest bei mir ein Faktor, der den Thrill massiv erhöht. So sympathisch Paul auf Anhieb ist, so deutlich spürt man das Böse, das Charlie umgibt. Amanda Beck ist eine Ermittlerin, die klug handelt, aber auch menschlich ist.

Der Spannungsbogen wird sehr schnell sehr hochgejagt und bleibt auch fast durchgehend angespannt und hoch. Der ein oder andere Twist erstaunt und lässt den Blutdruck immens steigen. Man erlebt quasi mit, wie James, Billy, Charlie und Paul sich kennenlernen und Freunde werden, aber auch, wie Charlie die Gruppe dominiert und manipuliert.

Der Weg zur Auflösung ist gut gelungen und das Ende in sich stimmig. Hier fühlt man sich nicht im Regen stehen gelassen, es bleiben keine Fragen offen. Dafür bleibt ein sehr seltsames Gefühl von Erleichterung, aber auch Trauer zurück. Das schafft nicht jeder Autor!

Stefan Kaminski ist ein begnadeter Sprecher. Seine Art, die Story zu lesen, ist unbeschreiblich gut. Wenn er andere Personen spricht, sind diese mit einer eigenen Stimme versehen und das klingt nicht einfach nur verstellt, sondern nahezu nach einem anderen Sprecher. Auch wenn Kaminski einen Part einer Frau spricht, klingt das nicht schräg oder überspannt. Es ist erstaunlich, wie gut er das macht! Ich bin absolut begeistert.

Für mich ein Highlight, das rundum Spaß macht – deshalb fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 23.08.2020

Umweltfreundlich und von Herzen

Fräulein Grüns Geschenke aus der Natur
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Selbstgemachte Geschenke sind immer etwas ganz Besonderes. Mit diesem Büchlein werden diese noch mal so schön. Die Ideen sind vielseitig und teils auch überraschend, aber immer klasse!

Es gibt die Kategorien ...

Selbstgemachte Geschenke sind immer etwas ganz Besonderes. Mit diesem Büchlein werden diese noch mal so schön. Die Ideen sind vielseitig und teils auch überraschend, aber immer klasse!

Es gibt die Kategorien „Kinderspiel“ und „Geduldsspiel“, damit man auf den ersten Blick erkennt, wie schwierig der Vorschlag umzusetzen ist. Meiner Meinung nach kann man alle Ideen gut hinbekommen, wenn man nur nicht zu schnell aufgibt. Der Spaß beginnt schon beim Besorgen der Naturmaterialien. Man ist draußen und sieht die Natur mit einem anderen Auge, denn man schaut ja nach dem, was man für sein aktuelles Wunschprojekt benötigt. Dabei ist es egal, ob man im Wald, auf einer Wildwiese oder im eigenen Garten ist. Mir gefällt dieser „geschärfte Blick“ sehr gut!

Die Anleitungen sind leicht verständlich geschrieben. Wie bei einem Kochbuch sind zu Anfang die benötigten „Zutaten“ aufgeführt. Diese finden sich je nach Jahreszeit, d.h. man kann nicht alles immer machen, aber das erwartet wohl auch niemand so wirklich. Es ist also eine gute Idee, das Buch gemütlich durchzulesen und sich dann einen Plan zu machen, was man gerne nacharbeiten möchte und wann dazu die richtige Zeit ist.

Es finden sich Anleitungen für so viele Gelegenheiten – von Deko über Kosmetik bis zu besonderen Leckereien. Nicht alles mag jeder, aber es findet sich für jeden eine nette Kleinigkeit. Mir hat es die Handbutter sehr angetan und für Sirup bin ich auch immer zu haben. Und wer freut sich nicht über selbstgemachte Pfefferminzbonbons? Die benötigten Zutaten sind recht einfach zu beschaffen. Gerade bei den Sirups lohnt es sich, wenn man hübsche Flaschen besorgt und diese z.B. mit einem Acrylstift (hält gut, lässt sich aber auch wieder entfernen) beschriftet.

Kurz und knapp – Bio, Natur, Selbermachen, das alles findet man in diesem Büchlein. Ich finde es wunderbar, denn man findet nicht nur Anregungen für selbstgemachte Geschenke, das Büchlein selbst ist auch ein tolles Geschenk! Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 22.08.2020

Vier Mal Grusel, aber jeweils völlig anders angelegt. Genial!

Blutige Nachrichten
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Die hier versammelten Kurzgeschichten sind für mich schon eher „kleine Romane“. Gerade die Titelstory hat fast 240 Seiten. „Chucks Leben“ ist mit kapp 80 Seiten wirklich kurz, aber ansonsten kann von „kurz“ ...

Die hier versammelten Kurzgeschichten sind für mich schon eher „kleine Romane“. Gerade die Titelstory hat fast 240 Seiten. „Chucks Leben“ ist mit kapp 80 Seiten wirklich kurz, aber ansonsten kann von „kurz“ keine Rede sein. Und King schafft es bei jeder einzelnen, den Leser in unfassbar kurzer Zeit ins Bild zu setzen und sich mit den Figuren anzufreunden. Er beschreibt nie zu ausführlich, aber auch nie zu knapp. Da bleibt für das Kopfkino genug Raum. So fühlt man sich gleich wohl mit einer Story!

Seit ich King für mich vor über 30 Jahren als Autor entdeckt habe, staune ich darüber, wie er es schafft, dass man sich immer sofort in die Geschichte integriert fühlt. Seine Art, Zeitgeschehen in seine Romane und Kurzgeschichten einzubauen, ist einzigartig. Nie steht etwas im Vordergrund, um mit mahnend erhobenem Zeigefinger eine Moralpredigt zu halten. Der Horror, das Grauen, der Grusel kommt unbemerkt von hinten und klopft dem Leser grinsend auf die Schulter, sodass dieser befürchten muss, beim nächsten Blick in den Spiegel weiße Haare zu sehen. Je älter King wird, desto „logischer“ und vorstellbarer sind seine Monster. Trotz so vieler Bücher in all den Jahren wiederholt er sich nie, entwickelt sich immer weiter und erfreut mein Leserherz immer wieder mit wunderbarer Lesezeit. „Blutige Nachrichten“ (Titelstory) gehört zur „Mr Mercedes“-Trilogie und „Der Outsider“. Ich mag solche Verbindungen unheimlich gern! King kann, wie kein anderer, Figuren seiner Bücher Eigenleben entwickeln lassen und sie auch in anderen Werken auftauchen lassen. Für Fans, die alle Bücher kennen (dazu gehöre ich), sind das ganz besondere Momente. Ich liebe es!

„Mr. Harrigans Telefon“ fand ich schockierend und herzergreifend auf einmal. Diese Geschichte vereint so viele Themen, die mich bewegen, und krönt das Ganze mit der Auseinandersetzung mit moderner Technologie und „Glücksrittern“. „Ratte“ gehört in die Kategorie „Stories über das Schreiben“, wartet mit einem genialen Horrorelement auf und lässt den Leser dann doch mit der Frage zurück, was Krankheit und was Grauen war, wäre da nicht diese eine Sache …!

Ja, King ist und bleibt der Meister des Horrors. Nur kommt er mit jedem Jahr subtiler von hinten durch die Mitte. Dennoch mag man das Licht nicht löschen und dreht sich immer wieder um, um zu überprüfen, ob hinter einem nicht etwas lauert. Er trifft mitten ins Schwarze, genauer denn je!

Nein, mir haben nicht alle Bücher von King Lobgesänge entlockt. Doch in den letzten Jahren merkt man, dass er seine Dämonen bekämpft und besiegt hat. Seither sind für mich seine Monster wirklicher geworden, seine letzten Kapitel in sich stimmiger und zu den Büchern passender und der Horror damit nicht bloße Fantasie. Mir gefällt King heute fast immer (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – der „Shining“-Nachfolger „Doctor Sleep“ war so gar nicht meins). Dieses Buch gehört auf alle Fälle dazu, auch wenn nicht alle vier Geschichten gleich stark sind, so sind sie dennoch alle genial. Fünf Sterne!

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