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Veröffentlicht am 19.02.2021

Schicksalshafte Kindheit

Das achte Kind
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Die Erzählung beginnt mit den Erlebnissen der jungen Kroatin Smilja, die als Gastarbeiterin in einer Würzburger Schokoladenfabrik arbeitet. Dort lernt sie ihren zukünftigen Mann Emil und Vater ihres erstgeborenen ...

Die Erzählung beginnt mit den Erlebnissen der jungen Kroatin Smilja, die als Gastarbeiterin in einer Würzburger Schokoladenfabrik arbeitet. Dort lernt sie ihren zukünftigen Mann Emil und Vater ihres erstgeborenen Sohnes Alem kennen. Zum Unglück der jungen Familie rutscht Emil immer weiter in die Kleinkriminalität und Alkoholabhängigkeit ab, sodass Smilja letztendlich den Entschluss fasst, Alem vorerst übergangsweise in eine deutsche Pflegefamilie zu geben. Daher stammt wohl auch der Name des Romans, denn Alem ist in seiner Pflegefamilie Kind Nummer acht.
Im Laufe der Handlung verfolgen wir das Erwachsenwerden vom ihm - er wird somit im Übrigen nach dem ersten Drittel selbst zum erzählenden Protagonisten.

"Das achte Kind" ist definitiv kein Roman, der den Anspruch hat, seinen Lesern im eigentlichen Sinne "zu gefallen". Vielmehr erzählt er die schicksalshafte Lebensgeschichte des Autors Alem Grabovac sowie die Jugendzeit seiner Mutter.
Ich fühlte mich als Leserin teilweise schon fast erdrückt durch die Menge an traurigen Schickungen, die Alem schon als junges Kind durchleben musste. Man gewann das Gefühl, dass ihm eine eigentliche Kindheit nie vergönnt war. Auch geschichtliche Themen wie die Nachkriegszeit, das Leben junger Gastarbeiter in Deutschland sowie der bis heute existierende Fortbestand der NS-Ideologie und dem damit verbundene Alltagsrassismus sind wie nahtlos in die Erzählung eingebunden.

Insgesamt ist die Geschichte zwar relativ nüchtern und ohne große Emotionen erzählt, konnte mich aber trotzdem von sich überzeugen. Daher habe ich "Das achte Kind" innerhalb von nur wenigen Tagen gelesen und finde es durchaus weiterempfehlenswert.

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Veröffentlicht am 01.10.2020

Spannung pur im Escape Room

Raum der Angst
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Sieben Menschen haben sich freiwillig für ein soziales Experiment eines Professors in einem Escape Room gemeldet. Doch nun sind genau diese Personen spurlos verschwunden und stellen die Polizei ...

Sieben Menschen haben sich freiwillig für ein soziales Experiment eines Professors in einem Escape Room gemeldet. Doch nun sind genau diese Personen spurlos verschwunden und stellen die Polizei vor einen scheinbar unlösbaren Fall. Der Drahtzieher des perfiden Spiels nennt sich selbst Janus, nach dem römischen Gott der Ein- und Ausgänge. Er führt seine Teilnehmer durch eine Vielzahl perfekt inszenierter Räume und stellt dabei mehr als nur eine tödliche Falle. Denn zu Beginn denken die Spieler noch, dass sie Teamarbeit zum Ziel führen wird, doch nach und nach wird klar, dass nur einer gewinnen kann - denn der Rest muss sterben.

Zunächst möchte ich die Grundidee des Thrillers loben, also insbesondere das Setting einer Escape-Rooms. Jeder einzelne Raum wurde von Marc Meller unglaublich anschaulich und detailreich beschrieben. Mit jedem neuen Raum erfuhr ich als Leserin auch mehr über einen der Teilnehmer. Einen wirklichen Zugang konnte ich aber leider zu den Wenigsten finden, denn zumeist blieben die Persönlichkeiten sehr blass und auswechselbar.
Mit Janus hat der Autor jedoch einen sehr interessanten Gegenspieler erschaffen, dessen Absichten mir bis zum bitteren Ende verborgen blieben.
Auch an Grausamkeiten wurde im Thriller nicht gespart, sodass mir bei der ein oder anderen Szene ein leichter Schauer über den Rücken lief.
Weiterhin fand ich es super, dass die Kapitel relativ kurz gehalten waren, denn so verweilte man immer nur kurz in der jeweiligen Szene, bevor man wieder in die polizeilichen Ermittlungen abtauchte. Das sorgte dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, da ich nur so durch die Seiten flog.
Überrascht hat mich, als ich erfuhr, dass es sich bei "Raum der Angst" um den ersten Teil einer neun Reihe handelt. Vermutlich werde ich mir auch die folgenden Bände mal anschauen, denn insgesamt hat mich der Thriller mit seiner Grundidee sehr unterhalten!

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Veröffentlicht am 30.06.2020

Trotz einiger Kritikpunkte eine gute Stärkung für Zwischendurch!

The Modern Break-Up
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Amalia nimmt sich gemeinsam mit ihrer besten Freundin Zara eine Auszeit vom stressigen Berufsalltag. Gemeinsam verbringen die beiden einige Tage in New York und da Amalia sich vor kurzem von ...

Amalia nimmt sich gemeinsam mit ihrer besten Freundin Zara eine Auszeit vom stressigen Berufsalltag. Gemeinsam verbringen die beiden einige Tage in New York und da Amalia sich vor kurzem von ihrem Freund getrennt hat, sind die beiden jungen Frauen natürlich auch auf Männerschau. Dabei treffen sie in einer Bar auf Nick und Jordan, mit denen sie ins Gespräch kommen. Doch statt gewöhnlichem Flirten entwickelt sich schon bald ein Gespräch über vergangene Beziehungen, Trennungsgründe und insbesondere was Mann und Frau eigentlich wirklich von einer Beziehung möchte.

Zunächst habe ich gedacht, dass es sich bei 'The Modern Break-Up' um einen Roman handelt, in dem die einzelnen Charaktere über ihre bisherigen Erfahrungen in Sachen Liebe berichten. Doch das ist in diesem Fall nur die halbe Wahrheit. Vielmehr handelt es sich bei diesem Buch auch um eine Art Ratgeber, der mit meiner Meinung nach sehr gut formulierten Sätzen, die Leserschaft zu mehr Selbstliebe aufruft und daran erinnert, dass es okay und sogar wichtig ist, in einer Beziehung Ansprüche zu haben und diese unter keinen Umständen komplett für einen Partner aufzugeben. Daniel Chidiac erinnert immer wieder daran, dass Liebe sehr kompliziert sein kann, da jeder Mensch auf eine andere Art und Weise liebt.

Insgesamt habe ich mir aus 'The Modern Break Up' über 10 Zitate markiert und ich glaube, wenn ich mich schweren Herzens für eins entscheiden müsste, würde ich dieses hier wählen:

> Neulich hat meine Mom etwas zu mir gesagt, das ich toll fand. Sie sagte: "Du darfst nicht erwarten, dass Menschen, die sich selbst nicht lieben, dich so lieben, wie du sie liebst." Das ist wahr. Ich habe Liebe in mir selbst gefunden und weiß, wie ich mich jemandem ganz und gar hingebe, wenn ich mich dazu entschieden habe. Aber ich muss akzeptieren, dass nicht jeder Liebe so versteht wie ich. <
~ S. 67

Insgesamt muss ich sagen, dass mich das Buch nicht vollständig überzeugen konnte, weil es auf mich teilweise wie eine sehr lose und willkürliche Zusammenstellung von kurzen Episoden mit eigentlich wirklich guten Kalendersprüchen gewirkt hat. Trotzdem ließen sich die knapp 200 Seiten sehr flüssig an zwei Tagen weglesen. Und genau deswegen kann ich den Roman trotz kleiner Kritikpunkte mit gutem Gewissen als leichte Unterhaltung für zwischendurch weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Starke Frauen in stürmischen Zeiten – ein fiktiver Blick auf die Bonner Republik

Die Frau der Stunde
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„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht entwirft ein überzeugendes Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn 1978 eine Frau zur Außenministerin und Vizekanzlerin in der Bonner Republik geworden wäre? Catharina ...

„Die Frau der Stunde“ von Heike Specht entwirft ein überzeugendes Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn 1978 eine Frau zur Außenministerin und Vizekanzlerin in der Bonner Republik geworden wäre? Catharina Cornelius, Politikwissenschaftlerin und erfahrene Parlamentarierin, wird durch einen politischen Skandal in diese Position gehoben – ein strategischer Schritt, ja, doch mehr als das: Ihre Autorität beruht auf Willenskraft, Fingerspitzengefühl und dem Rückhalt eines starken Netzwerks.

Die Handlung wechselt zwischen Bonn und Teheran, und genau diese Verflechtung von innerdeutscher Politik und internationalen Umbrüchen verleiht dem Roman Tiefe. Die Freundinnen Suzanne und Azadeh stehen nicht nur symbolisch, sondern real als Gegenpole und Spiegel für Catharina: Suzanne kämpft mit alltäglichen Erwartungen an Ehe, Mutterschaft und Karriere, Azadeh mit dem politischen Umbruch im Iran. Die drei Frauen verkörpern unterschiedliche Spielarten von Emanzipation und Freiheit – und die Herausforderungen, die damit verbunden sind.

Sprachlich gelingt Specht vieles: Der historische Hintergrund wird lebendig, die Atmosphäre der späten Siebzigerjahre – in Bonn wie auch in Teheran – spürt man in Mode, Musik, Medien und gesellschaftlichen Konventionen. Der Schreibstil ist flüssig, mitunter elegant und oft eindrucksvoll in politischen Szenen – etwa im Bundestag oder bei diplomatischen Begegnungen. Man spürt, wie wenig Frauen damals zugetraut wurde, und wie sehr sie mit doppelten Standards zurechtkommen müssen.

Bei allem Lob aber auch Kritikpunkte: Die Figuren, insbesondere die Nebenfiguren, sind zahlreich – nicht alle entfalten ihr Potenzial. Einige Perspektivwechsel lenken vom zentralen Strang ab, ohne dass sie immer neuen Erkenntnisgewinn bringen. Ebenso könnte man sich mehr realpolitische Tiefe wünschen: Details zu außenpolitischen Entscheidungen, Machtmechanismen und Parteistrategien bleiben manchmal eher skizzenhaft. Der Fokus liegt stark auf emotionalen und persönlichen Dimensionen, weniger auf der politischen Theorie oder Analytik. Auch endet die Erzählung abrupt; ein Epilog oder ein Blick in die Zukunft hätte das Ganze abgerundet.

Insgesamt besticht der Roman durch sein Thema, die starke weibliche Hauptfigur, seinen historischen Rahmen und die Frage nach Gleichberechtigung – und macht deutlich, wie aktuell vieles davon noch immer ist. Ein lohnender Roman für alle, die starke Charaktere, politisches Drama und ein gutes Stück feministischer Zeitgeist schätzen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Baustelle, Glamour und Handwerk

Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt!
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Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt! von Sandra Hunke ist ein Buch, das auf den ersten Blick vielversprechend wirkt: Eine junge Frau, die als Model arbeitet und zugleich als Anlagenmechanikerin für Sanitär-, ...

Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt! von Sandra Hunke ist ein Buch, das auf den ersten Blick vielversprechend wirkt: Eine junge Frau, die als Model arbeitet und zugleich als Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bekannt wurde, erzählt aus ihrem Leben zwischen Baustelle und Glamourwelt. Gerade dieser Kontrast weckt Neugier, denn Hunke bricht mit Klischees und zeigt, dass Handwerk und Weiblichkeit keineswegs Gegensätze sein müssen.

Beim Lesen merkt man jedoch schnell, dass die Inhalte eher anekdotisch als tiefgehend sind. Zwar bietet Hunke spannende Einblicke in ihren Alltag, die Hürden in einer männerdominierten Branche und den Spagat zwischen öffentlichem Auftritt und Arbeitsalltag. Doch oft bleiben die Geschichten an der Oberfläche, wirken mehr wie locker erzählte Episoden als wie ein reflektierter Blick auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Wer sich eine fundierte Auseinandersetzung mit Themen wie Gleichberechtigung im Handwerk, Ausbildungsbedingungen oder die Zukunft des Berufs wünscht, wird vermutlich etwas enttäuscht sein.

Stilistisch liest sich das Buch flüssig und nahbar, fast so, als säße man mit Hunke im Gespräch. Das macht es leicht zugänglich, aber manchmal auch etwas zu simpel – manche Passagen hätten mehr Tiefe und sprachliche Präzision vertragen. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass Hunke mit ihrem Enthusiasmus und ihrem Engagement für das Handwerk ansteckend wirkt. Man spürt, wie sehr sie ihren Beruf liebt und wie sehr sie andere dafür begeistern möchte.

Insgesamt ist Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt! eine sympathische Mischung aus Autobiografie und Motivationstext, die vor allem junge Leser:innen oder Menschen am Anfang ihrer beruflichen Orientierung inspirieren kann. Wer aber nach einer wirklich kritischen oder differenzierten Auseinandersetzung mit dem Handwerk und seinen Herausforderungen sucht, bekommt hier eher leichte Kost mit persönlichem Charme, aber wenig analytischer Tiefe.

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