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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2021

Beeindruckend, gut geschrieben, fasziniert, macht nachdenklich und traurig

Ermordet in Kabul
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Dieses Buch ist beeindruckend.

Beeindruckend, weil diese Biografie von einer Frau (Sr. Heidemarie Führer) geschrieben wurde, die die Frau, über die sie schrieb (Simone Beck) gar nicht kannte. Beeindruckend ...

Dieses Buch ist beeindruckend.

Beeindruckend, weil diese Biografie von einer Frau (Sr. Heidemarie Führer) geschrieben wurde, die die Frau, über die sie schrieb (Simone Beck) gar nicht kannte. Beeindruckend aber auch, weil es ein Leben der Hingabe in der heutigen Zeit beschreibt und der Märtyrertod von Simone Beck erst knapp 4 Jahre her ist - und nicht bereits 20, 50 oder mehr.

Dieses Buch ist gut geschrieben.

Es fällt sehr leicht, in die Lebensgeschichte einzutauchen. Die Autorin hat gut recherchiert, ihre eigene Perspektive schön im Vorwort beschrieben, und malt Simone Becks Leben lebendig und spannend der Leserschaft vor Augen. Sie zitiert Freunde, Vorgesetzte, Familienangehörige und aus Rundbriefen und Tagebüchern von Freunden und Simone selbst.

Dieses Buch fasziniert und macht nachdenklich.

Ein Leben der Hingabe stellt zwangsläufig Fragen an den Leser. Da die Zweifel, Kämpfe und Macken Simones nicht verschwiegen werden, bleibt sie trotzdem nahbar und menschlich. Da ich beruflich selbst viel mit Sprachen zu tun habe, war es faszinierend, Einblicke in die Arbeit einer Linguistin zu erhalten, die eine unerforschte, noch nicht verschriftlichte Sprache erforscht hat.

Dieses Buch macht traurig.

Ja, auch das möchte ich nicht verschweigen. Je näher ich dem Ende des Buches kam, umso mehr fürchtete ich es. Es gibt kein Happy End, dafür viele offene Fragen. Die Gewissheit, dass Simone Becks Leben Sinn gehabt hat und nun an einem besseren Ort weitergeht, empfand ich zwar als tröstlich, aber mir fehlte der (zeitliche) Abstand zu ihrem Ende. Gern hätte ich gewusst, wie es mit der Arbeit weiterging, die sie angefangen hatte. Am Ende überwog bei mir zudem das Gefühl, dass es der Autorin trotz der sehr guten Arbeit, die sie geleistet hat, nicht gelungen ist, die Lücke zwischen ihr und einer Unbekannten zu schließen.

Trotzdem kann ich das Buch weiterempfehlen. Es ist spannend und bietet realistische Einblicke in das Leben einer Missionarin in der heutigen Zeit sowie in ein Leben auf einem Missionsschiff (Simone Beck war einige Jahre auf der „Doulos“ von OM tätig). Man sollte es allerdings nicht in einer Zeit lesen, in der man selbst emotional angeschlagen ist.

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Veröffentlicht am 28.02.2021

Hält, was es verspricht

Vielleicht lässt jemand Wunder regnen
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Ich liebe es, wenn ein Buch hält, was es verspricht. „Vielleicht lässt jemand Wunder regnen“ ist tatsächlich ein „hoffnungsfrohes Lesebuch“, das nicht nur Lust auf Frühling, sondern ganz allgemein das ...

Ich liebe es, wenn ein Buch hält, was es verspricht. „Vielleicht lässt jemand Wunder regnen“ ist tatsächlich ein „hoffnungsfrohes Lesebuch“, das nicht nur Lust auf Frühling, sondern ganz allgemein das Leben macht. Ein gelungener Mix aus kurzen und längeren Impulsen. Gedichte, Kurzgeschichten, sorgfältig ausgesuchte Bibelverse, schöne Zitate zum Nachdenken … und sogar Postkarten zum Selberbehalten oder Verschicken! Wirklich toll!

Theoretisch liest sich das Buch schnell weg. Es lohnt sich aber, es langsam und in kleinen Portionen zu sich zu nehmen. Manche Texte sind wahre Wortakrobatik, mit herrlichen Bildern und hintersinnigen (Um-)Formulierungen. In mir haben so viele Sätze nachgehallt, dass es mir wichtig war, ihnen Raum und Zeit dazu zu geben, und nicht von einem Impuls zum nächsten zu hasten.

Einen Stern Abzug gebe ich, weil ich mit den „Engelstexten“ nichts anfangen kann und mir einige wenige Texte weltanschaulich zu liberal waren. Insgesamt kann ich jedoch eine klare Kaufempfehlung geben und habe das Buch sogar schon weiterverschenkt. Perfekt für alle, die etwas Frühlings-Freude brauchen oder weitergeben möchten.

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Veröffentlicht am 09.10.2020

Ein sehr gelungenes Debüt

Ada, wo bist du?
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Ich finde Debüt-Romane immer spannend und dieser hat es in sich. Melanie Kleinloh hat ein tiefsinniges, gut zu lesendes Erstlingswerk vorgelegt, das auf mehr von ihr hoffen lässt.

Zum Inhalt: Als Ada, ...

Ich finde Debüt-Romane immer spannend und dieser hat es in sich. Melanie Kleinloh hat ein tiefsinniges, gut zu lesendes Erstlingswerk vorgelegt, das auf mehr von ihr hoffen lässt.

Zum Inhalt: Als Ada, die an Demenz erkrankte Mutter, eines Tages auf einmal von zuhause verschwindet, gerät die ganze Familie in Aufruhr und Bewegung. Die Perspektive wechselt zwischen Ada und ihrer Familie, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In der Krise kommen Dinge und Gefühle ans Licht, die lange verborgen und verschüttet waren. Wird es ihnen gelingen, das Schweigen zu brechen und Heilung zu finden?

Die Autorin schreibt klar, ohne viele Schnörkel, aber mit einer Liebe zu ihren Figuren. Sehr schön fand ich, dass jedem Kapitel einige Liedzeilen vorangestellt sind, die später wieder aufgegriffen werden. Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob manches vielleicht autobiografisch ist – so gut waren die Demenzerkrankung und weitere Schicksalsschläge dargestellt. Obwohl die Geschichte an sich traurig und teilweise auch schwermütig ist, blitzt doch immer wieder Freude und Hoffnung durch. Für mich persönlich wäre etwas weniger Schwermut gut gewesen, aber das hatte wohl mehr mit mir als mit dem Buch zu tun.

Mein Fazit: Wer gerade selbst durch eine schwierige Zeit geht, sollte dieses Buch noch etwas zur Seite legen. Alle anderen erwartet eine berührende (Familien-)Geschichte, die sich viel zu schnell wegliest.

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Veröffentlicht am 09.10.2020

Ein Leben voller Licht und Schatten

Selbst im Dunkel bist du da
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Der Autor Jack Deere ist im deutschsprachigen Raum kein Unbekannter. Sein wohl bekanntestes Buch ist „Überrascht von der Kraft des Heiligen Geistes“, das erstmals Mitte der 90er Jahre erschien und schnell ...

Der Autor Jack Deere ist im deutschsprachigen Raum kein Unbekannter. Sein wohl bekanntestes Buch ist „Überrascht von der Kraft des Heiligen Geistes“, das erstmals Mitte der 90er Jahre erschien und schnell zu einem Klassiker wurde. In „Selbst im Dunkel bist du da“ erzählt er seine spannende und teils sehr erschütternde Lebensgeschichte.

Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber Jack Deere hat so viel erlebt, dass es für mehrere Leben reichen würde. Licht und Schatten lagen bei ihm tatsächlich oft dicht beieinander. Er erlebte tiefe Abstürze und Schicksalsschläge, aber auch tiefe Berührungen durch die Liebe und Kraft Gottes. Er stammt aus einfachen Verhältnissen, ist aber mit einer außergewöhnlichen Intelligenz und Auffassungsgabe gesegnet, sodass er sich buchstäblich hocharbeiten konnte und mit den Reichen und Mächtigen zu Tisch saß. Doch in dem Streben nach Ansehen und Glück setzte er viel aufs Spiel – und verlor auch viel.

Beim Lesen seiner Biografie hat mich besonders sein trockener Humor begeistert. Er schreibt in einem selbstironischen Ton, der bei christlichen Autoren recht selten ist, und geht mit sich selbst und auch seinen geistlichen Ausbildungsstätten hart ins Gericht. Dabei hinterfragt und benennt er klar, was mehr Schein als Sein war. Nicht alles ist für deutsche Leser nachvollziehbar und wenn man dieses Buch liest, ohne selbst christlich aufgewachsen zu sein, sicher noch weniger. Es ist also in erster Linie ein Buch für Christen, die schon einige Jahre mit Gott unterwegs sind.

Tief berührt hat mich die ausführliche Beschreibung, wie Gott ihm schließlich geholfen hat, seine Kindheitstraumata zu verarbeiten. „Selbst im Dunkel bist du da“ ist in jedem Fall für Leser/innen interessant, die andere als Seelsorger/innen begleiten oder sich gerade mit ihrer eigenen Biografie auseinandersetzen.

Die Übersetzung habe ich an einigen Stellen als etwas holprig empfunden. Teilweise hätte die Handlung (besonders zum Ende hin) etwas gerafft werden können. Insgesamt ließ sich das Buch aber gut lesen.

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Veröffentlicht am 19.04.2020

Provozierend, aber notwendig

Unverschämt schamlos
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Nadia Bolz-Weber polarisiert. Provoziert. Und lädt gleichzeitig zu einem christlichen Glauben ein, der keine Grenzen kennt, der wirklich an die Gnade glaubt und an die Einzigartigkeit und Ebenbildlichkeit ...

Nadia Bolz-Weber polarisiert. Provoziert. Und lädt gleichzeitig zu einem christlichen Glauben ein, der keine Grenzen kennt, der wirklich an die Gnade glaubt und an die Einzigartigkeit und Ebenbildlichkeit jedes Menschen.

In „Unverschämt schamlos“ geht es um die Fehler, die die Kirche (über Konfessionen hinweg) in Bezug auf den Umgang mit Sexualität gemacht hat. Und die Konsequenzen, die das für viele christlich-konservativ aufgewachsene Menschen hatte. Bolz-Weber erzählt haarsträubende, tragische, tragikomische, persönliche Geschichten von Menschen, die sie zu dem Thema befragt hat. Und sie zeigt auf, wie man es besser machen und Menschen im Kontext des Glaubens zu einer befreiten Sexualität verhelfen kann. Der Titel „sexuelle Reformation“ passt also tatsächlich zum Thema. Gleichwohl ist manches noch nicht ausgegoren, aber die Autorin erhebt auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder Unfehlbarkeit. Im Gegenteil.

„Unverschämt schamlos“ beschreibt ausnahmslos die USA. Trotzdem lässt sich vieles von dem, was Bolz-Web beschreibt, auf die hiesige Kirchenlandschaft übertragen, wenn auch vielleicht nicht so zugespitzt. Sie hat wirklich etwas zu sagen, selbst wenn man – so wie ich – nicht allem zustimmen kann.

Was ich an ihr und ihren Büchern so mag, ist ihre große Menschenliebe und ihre Liebe zu Jesus. Er ist zweifellos das Zentrum ihrer Theologie. In dem Vorgängerbuch „Unheilige Heilige“ war mir vieles eindeutig zu liberal. Hier findet Bolz-Weber jedoch in fast allen Kapiteln wieder zur Mitte unseres Glaubens zurück.

Auch wenn man aus einem eher konservativen Hintergrund kommt, kann ich dieses Buch wirklich empfehlen, da es einen als mündigen Christen zum Nachdenken über die eigene sexuelle Biografie anregt, und über das, was man seinen Kindern weitergeben möchte.

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