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Veröffentlicht am 18.11.2020

Dramatische und emotionale Geschichte über eine Liebe, die nicht sein darf und eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung

All das Ungesagte zwischen uns
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Morgan ist 34 Jahre alt, als ein Autounfall sie aus der Bahn wirft und ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Ihr Leben ist in Scherben und das Gefühlschaos verwirrend. Einerseits ist sie traurig und ...

Morgan ist 34 Jahre alt, als ein Autounfall sie aus der Bahn wirft und ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Ihr Leben ist in Scherben und das Gefühlschaos verwirrend. Einerseits ist sie traurig und voller Verzweiflung über den Schmerz, den sie erleidet, auf der anderen Seite aber auch unfassbar wütend. Das Schlimme ist, dass sie die Wut nicht an denen herauslassen kann, die dafür verantwortlich sind. Ihrer Tochter Clara kann sie die Wahrheit erzählen, weshalb diese ihr voller Unverständnis immer weiter entgleitet und als frisch verliebter Teenager gegen die Regeln ihrer Mutter rebelliert.
An Morgans Seite ist jedoch noch Jonah, ihr Freund aus der Jugend, der vor Kurzem erst wieder von Minnesota nach Texas zurückgekehrt ist. Für ihn empfand sie schon immer mehr als nur freundschaftliche Gefühle, die sie sich vor 17 Jahren schon nicht eingestehen wollte und jetzt noch viel weniger kann.

"All das Ungesagte zwischen uns" ist eine dramatische und emotionale Geschichte über eine Liebe, die nicht sein darf, über Wahrheiten, die nicht ausgesprochen werden und über falsche Entscheidungen, deren Auswirkungen sich erst nach vielen Jahren zeigen.
Der Roman ist abwechselnd aus der Sicht von Morgan und ihrer Tochter Clara geschrieben. Während Morgan vor den Trümmern ihres Lebens steht, leidet Clara zwar auch an den Folgen des Unfalls, findet jedoch Trost in ihrer Liebe zu Miller, deren Entwicklung sehr romantisch, aber auch glaubwürdig geschildert ist. Die Abschnitte von Clara wirken eher wie ein Jugendbuch, hat sie als 16- bzw. 17-Jährige doch mit den typischen Teenagerproblemen zu tun und möchte sich von ihrer Mutter abgrenzen.
Morgans Abschnitte sind bewegend und man kann sich sehr gut in ihre schwierige Situation hineinversetzen und spürt wie zwiegespalten sie aufgrund ihres moralischen Konflikts ist. Gleichzeitig vermittelt die Geschichte aber auch das Gefühl, dass Morgan nicht ganz unschuldig an dem Schlamassel ist und hier ist der Titel "All das Ungesagte zwischen uns" sehr treffend gewählt. Hätte Morgan auf ihr Herz gehört und schon früher über ihre Gefühle gesprochen, wäre die Situation in der Gegenwart eine ganz andere. Aber auch jetzt hält sie wieder die Wahrheit zurück und spricht nicht offen mit ihrer Tochter, was die Situation weiter verschärft, auch wenn man ihre Beweggründe nachvollziehen kann.
Auch wenn sich die Probleme immer wieder im Kreis drehen und der Plot ein wenig vorhersehbar ist, langweilt der Roman nicht. Die Schreibweise ist unterhaltsam, zudem treten immer wieder neue schockierende Wahrheiten ans Licht und die Dialoge, insbesondere unter den Jugendlichen, sind erfrischend witzig.
Der Perspektivenwechsel sorgt für Abwechslung und der empathische Schreibstil dafür, dass man sich in beide Frauen hineinversetzen kann und ihre Handlungen nachvollziehbar sind. Sowohl die Dramen als auch die Liebesgeschichten gehen ans Herz - man leidet mit Morgan und Clara mit, hofft aber gleichzeitig auf ein Happy End für beide, bei dem sich auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter wieder einrenkt.

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Veröffentlicht am 16.11.2020

Etwas viele glückliche Zufälle, aber dennoch eine spannende und atmosphärisch gelungene Fortsetzung um den jüdischen Antiquar undercover

Unter Wölfen - Der verborgene Feind
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Isaak Rubinstein wollte als SS-Sturmbannführer und Kriminalkommissar Adolf Weissmann für den Widerstand nur noch einen Auftrag erfüllen, bevor er sich von Nürnberg nach Berlin absetzen wollte. Am Rande ...

Isaak Rubinstein wollte als SS-Sturmbannführer und Kriminalkommissar Adolf Weissmann für den Widerstand nur noch einen Auftrag erfüllen, bevor er sich von Nürnberg nach Berlin absetzen wollte. Am Rande eines Abendessens bei Otto von Rahn, einem einflussreichen Industriellen, mit dessen Tochter Ursula er sich taktisch bedingt auf eine Liaison eingelassen hatte, erfährt er jedoch von einer geheimen Operation "Georg", einer geheimen Mission der Deutschen gegen die Alliierten, und verlängert seinen Aufenthalt freiwillig.
Ausgerechnet am Tag des Führergeburtstags wird die Tochter des Gauamtsleiters, Gisela Hofmann, ermordet. Weissmann erhält daraufhin unmittelbar von Heinrich Himmler aus dem Reichssicherheitshauptamt den Befehl, den Mord aufzuklären. Als "bester Ermittler des Reiches" wird er Inspektor Paul Köhler vor die Nase gesetzt. Zudem muss Isaak auf der Hut vor Felix Bachmayer, einem Journalisten des "Nürnberger Beobachter", der Interesse für Ursula von Rahn hegt, sein, der ihn zu enttarnen droht.

"Unter Wölfen - Der verborgene Feind" ist die Fortsetzung der Reihe um den jüdischen Antiquar Isaak Rubinstein, der sich in seiner Heimatstadt Nürnberg für den getöteten Sonderermittler aus Berlin, Adolf Weissmann, ausgibt - als Schaf unter Wölfen. Obwohl Isaak kaum etwas über den in Polizeikreisen berüchtigten SS-Sturmbannführer weiß, spielt er seine Rolle gut. Die Angst vor Enttarnung ist jedoch allgegenwärtig, insbesondere als er noch einmal als leitender Ermittler in einem Mord agieren muss.
Durch die Gefahren, denen sich Isaak tagtäglich im April 1942 aussetzt, unterliegt dem Buch eine gewisse Grundspannung, die sich bis zum Ende durchzieht. Allerdings wird es je länger sich Isaak noch in Nürnberg aufhält, unrealistischer, dass ein solcher Coup unter hochrangigen Nazis hätte gelingen können. Nicht nur die blasierte Ursula, auch der Journalist Bachmayer und Inspektor Köhler sind misstrauisch was die Identität von Weissmann anbelangt, aber dennoch gelingt es Isaak sich durchzulavieren.
Bei der Aufklärung der Mordfälle sind es eher die Zufälle und Glück, die Köhler und Isaak auf die Spur des Serienmörders führen. Der zweite Erzählstrang um Marianne macht es dem Leser frühzeitig leicht zu ergründen, was der Hintergrund der Morde ist.

Der Roman überzeugt wie schon Band 1 durch die bildhafte Beschreibung Nürnbergs zur Zeit des Nationalsozialismus und die gerissene Idee des Widerstands. Als Leser ist man mitten im Geschehen und kann sich auch sehr gut in Isaak als eingeschleusten Mitarbeiter der Gestapo und flüchtigen Juden hineinversetzen.
Durch den häufigen Perspektivenwechsel ist der Leser allwissend und erfährt mehr als nur das Erlebte von Isaak. Dies mindert ein wenig die Spannung. Zudem waren es mir in diesem Band zu viele glückliche Zufälle, die Isaak das Leben retteten. Auch hatte ich den Eindruck, dass die Nationalsozialisten zu sehr vorgeführt wurden. Der Showdown am Ende rückt die Glaubwürdigkeit der Geschichte jedoch wieder gerade und lässt auf einen weiteren Band um Isaak Rubinstein hoffen.

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Veröffentlicht am 16.11.2020

Spannender Psychothriller über ein Wiedersehen unter Freunden, das von einem Todesfall überschattet wird. Ist ein Mörder unter ihnen?

Das Bootshaus
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Lucas Jarrett lädt anlässlich seiner Hochzeit mit Nina seine drei Freunde aus der Jugend Andrew, Nick mit Schwester Isabel und Matt samt Partnerinnen auf sein Anwesen nach Cornwall ein. Auch Lucas' jüngere ...

Lucas Jarrett lädt anlässlich seiner Hochzeit mit Nina seine drei Freunde aus der Jugend Andrew, Nick mit Schwester Isabel und Matt samt Partnerinnen auf sein Anwesen nach Cornwall ein. Auch Lucas' jüngere Schwester Alex ist zugegen, die sich aufgrund eines Traumas aus ihrer Kindheit jedoch von den Freunden fernhält.
Am Morgen der Hochzeit wird sie tot im seichten Meer aufgefunden. Aufgrund einer Abschiedsbotschaft deutet alles auf einen Selbstmord hin. Doch Lucas glaubt nicht daran. Ein Jahr später lädt er die Freunde in derselben Konstellation wieder zu sich ein. Auch wenn der Anlass der erste Hochzeitstag sein soll, hat er ein Spiel vorbereitet, mit dem er den Mörder seiner Schwester enttarnen möchte. Den Freunden ist das Spiel nicht geheuer, aber niemand ist es gewohnt, Lucas einen Wunsch abzuschlagen. Parallel dazu ermittelt die Polizei im Fall einer vermissten jungen Rumänin, die im letzten Jahr auf Stellensuche und vermutlich vor der Hochzeit vorstellig war.

"Das Bootshaus" ist Band 2 der Reihe um Detective Sergeant Stephanie King. Im Vergleich zu anderen Ermittlerreihen spielt die Aufklärung der Tat und die Perspektive der Polizei zu Beginn nur eine untergeordnete Rolle. In diesem Roman ist es zunächst die Situation auf dem Anwesen in Cornwall am Tag der Hochzeit und den Tagen davor sowie das Wiedersehen ein Jahr später, auf denen der Fokus der Handlung liegt, bevor die Polizei involviert wird.
Die Handlung wird überwiegend aus der Perspektive von Jemma, der Ehefrau von Matt, geschildert, die seine Freunde zum ersten Mal kennenlernt und nichts zu den Hintergründen von Alex' Trauma weiß, das von allen totgeschwiegen wird. Auch fällt es ihr schwer, die Freundschaft der Männer und Nicks Schwester Isabel einzuschätzen, da die Grundstimmung untereinander von Beginn an angespannt ist. Der Tod von Alex führt zu einem abrupten Abbruch des Besuchs in Cornwall bis zu der Einladung ein Jahr später, wobei Lucas sich in die Idee verrannt zu haben scheint, dass seine Schwester von einem der anwesenden Gäste getötet wurde. Mit der Eröffnung des Spiels ist die Stimmung gedrückt und das Misstrauen untereinander geschürt. Offenbar scheint jeder ein Geheimnis zu haben oder Details zur Nacht vor dem Auffinden von Alex' Leiche verschweigen zu wollen.

Auch wenn der Roman ganz harmlos mit den Feierlichkeiten zu der Hochzeit beginnt, sind die Personen und die Beziehungen untereinander so wenig durchschaubar, dass ein ungutes Gefühl entsteht. Spannung entwickelt sich im ersten Abschnitt des Romans vor allem dadurch, dass man nicht weiß, was Alex in ihrer Kindheit Schlimmes erlebt hat und was ihr zurückgezogenes Verhalten erklären könnte. Geflüster und Andeutungen zeigen, dass die Geister der Vergangenheit die alten Freundschaften überschatten.
Im zweiten Teil wird die Spannung durch das perfide Spiel von Lucas weiter gesteigert. Ein Selbstmord von Alex erscheint aufgrund einer Depression wahrscheinlich, es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass mit einem Mord endgültig der Vorfall aus ihrer Kindheit vertuscht werden sollte. So ist nicht sicher, ob Lucas aus Trauer einen krankhaften Wahn entwickelt hat oder ob er zurecht den Tod an seiner unglücklichen Schwester rächen möchte. Als die Situation außer Kontrolle zu geraten scheint, kommen die beiden Ermittler Stephanie King und ihr (Ex-)mann Angus Brodie ins Spiel.

"Das Bootshaus" ist ein spannender Psychothriller über ein Wiedersehen unter Freunden, das von Geheimnissen und Misstrauen geprägt ist und einem Todesfall überschattet wird, der auf wahnhafte und beängstigende Weise aufgeklärt werden soll. Das Buch ist ein wahrer Pageturner, wenn man von den Abschnitten um Detective Sergeant Stephanie King absieht, die blass bleibt und eigentlich völlig austauschbar ist. Die Ermittlungen wirken wenig professionell, weshalb der fesselnde Nervenkitzel am Ende etwas abflaut.

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Veröffentlicht am 11.11.2020

Fesselnde Geschichte über ein dunkles Kapitel Nachkriegsdeutschlands mit einer starken Charakterzeichnung

Die Schweigende
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Als Jens Remy, seit 54 Jahren glücklich verheiratet mit Karin Remy, Vater dreier Töchter und Großvater von vier Enkeln überraschend stirbt, bittet er seine mittlere Tochter Imke darum, nach Peter zu suchen. ...

Als Jens Remy, seit 54 Jahren glücklich verheiratet mit Karin Remy, Vater dreier Töchter und Großvater von vier Enkeln überraschend stirbt, bittet er seine mittlere Tochter Imke darum, nach Peter zu suchen. Imke, die nicht weiß, wer mit dem Vornamen gemeint ist, fragt ihre Mutter Karin um Rat. Doch diese ist voller Trauer um ihren geliebten Mann und behauptet zunächst keinen Peter zu kennen, bevor sie Imke später zurechtweist, sich nicht in fremde Angelegenheiten einzumischen.
Während ein Streit um das Erbe ausbricht, da sich die jüngste Schwester Anne mit ihrem Anteil des Erbes den Traum der Selbstständigkeit erfüllen möchte, forscht Imke weiter und findet nicht nur heraus, wer Peter war, sondern auch warum ihre Mutter die Vergangenheit ruhen lassen möchte.

"Die Schweigende" ist eine Familiengeschichte, die in der Gegenwart im Jahr 2019 handelt und in der Vergangenheit die Jahre ab 1956 erzählt, als Karin 14 Jahre alt ist und ihre Jugend genießt. Doch in den 1950er-Jahren sind dem Drang nach Freiheit noch enge Grenzen gesetzt und vor allem alleinerziehende Mütter werden argwöhnisch betrachtet. Eine Provokation ist dann zu viel, die schwerwiegende Folgen hat - nicht nur für Karin sondern auch ihren Bruder Pelle.
Die Kapitel werden abwechselnd aus der Perspektive von Karin und einer ihrer drei Töchter erzählt. Die Schilderungen sind dabei so eindringlich, dass man einen tiefen Einblick in das Wesen der Schwestern und ihrer Mutter erhält. Alle vier sind geprägt von der Vergangenheit und ihrer Erziehung, der es an Mutterliebe gemangelt hat. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die drei Schwestern sich entwickelt haben und welche Art von Bindung sie zu ihrer Mutter haben. Während Geli und Anne fast schon gleichgültig wirken und auf ihr eigenes Wohlbefinden bedacht sind, ist Imke die einzige, die sich um ihre Mutter kümmert, die Interesse für ihre Vergangenheit zeigt und verstehen möchte, warum ihre Mutter so ist wie sie ist.
Die Autorin schildert ein dunkles Kapitel Nachkriegsdeutschlands - das Leben von Kindern in so genannten Erziehungsheimen - über das ich schon Romane gelesen habe, das aber auch in diesem Fall wieder ungeschönt grausam erzählt und aufgrund des realen Hintergrunds unsagbar erschütternd ist. Man leidet mit Karin und denjenigen, die das selbe Schicksal erlitten haben unweigerlich mit, wobei man sich immer wieder fragt, wie gerade gottesfürchtige Menschen Kindern so menschenverachtende Dinge antun konnte, warum so viele Menschen weggeschaut haben und wie lange Staat und Gesellschaft nicht hinter die Mauern blicken wollten.
So wird in dieser fiktiven Geschichte klar, warum es Karin so schwerfiel, eine in ihren Augen gute Ehefrau und liebende, zärtliche Mutter zu sein. Auch wird deutlich, inwiefern solche traumatischen Erlebnisse nicht nur die Biografie einer Person prägen, sondern dass die Nachwirkungen auch Generationen später noch zu spüren sind.

"Die Schweigende" ist eine fesselnde Geschichte, die mich vor allem durch die starke Charakterzeichnung überzeugen konnte, auch wenn ich so manche Aktion von Anne oder Geli etwas überzogen fand.

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Veröffentlicht am 07.11.2020

Tragische Familiengeschichte, die zeigt, dass die Wurzeln nicht zu trennen sind und eine Geschichte über eine lebenslange, bedingungslose Liebe

Wenn du mich heute wieder fragen würdest
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Die Gleesons und Stanhopes sind Nachbarn in Gillam, einer Kleinstadt in der Nähe von New York. Die beiden Väter Francis und Brian sind Arbeitskollegen bei der Polizei und die jüngste Tochter der Gleesons ...

Die Gleesons und Stanhopes sind Nachbarn in Gillam, einer Kleinstadt in der Nähe von New York. Die beiden Väter Francis und Brian sind Arbeitskollegen bei der Polizei und die jüngste Tochter der Gleesons ist im selben Alter wie der Sohn der Stanhopes. Kate und Peter freunden sich als Kinder an und sind auch Teenager unzertrennlich. Lena Gleeson, die selbst noch nicht so lange Gillam wohnt, ist einsam und bemüht sich deshalb auch um eine Freundschaft mit der neu zugezogenen Anne Stanhope, doch diese reagiert von Anbeginn abweisend. Wegen des seltsamen Verhaltens von Anne sorgen sich die Gleesons um die Freundschaft von Kate zu Peter und auch Anne toleriert die Freundschaft nicht. An einem Abend kommt es deshalb zum Eklat und die Wege von Kate und Peter trennen sich über Jahre, bis sie als junge Erwachsene wieder den Kontakt zu einander suchen und trotz der Tragödie in ihrer Jugend einen neuen Anfang wagen. Doch die Vergangenheit und die Wurzeln zur eigenen Familie können nicht so einfach ignoriert werden.

"Wenn du mich wieder fragen würdest" ist die Geschichte von zwei Familien, die sich von den 1980er-Jahren bis in die Gegenwart im Jahr 2017 erstreckt. Der Roman ist aus der Perspektive verschiedener Protagonisten geschildert, wobei der Zerfall der Familie Stanhope und die Beziehung von Kate und Peter im Fokus der Handlung stehen.

Der Roman wird ruhig uns bedächtig geschildert und der Leser mit einigen schwierigen Themen wie psychischen Erkrankungen, Krebs, Alkoholismus, Vernachlässigung, Einsamkeit, Sehnsucht, aber auch einer bedingungslosen Liebe konfrontiert. Die Schilderungen sind intensiv und detailreich, nicht jeder Charakter ist von Anfang an durchschaubar und zumal verliert sich die Autorin in Details, so dass der Roman nicht durchgängig fesselt. Die Geschichte ist aber dennoch von Anfang bis Ende sehr bewegend.
Es ist eine authentische Familiengeschichte, wie sie sich bei den Nachbarn nebenan abspielen könnte. Die Charaktere sind mit all ihren guten und negativen Eigenschaften facettenreich gezeichnet. Man begleitet sie über mehrere Jahrzehnte und erlebt die Veränderungen, die sie im Laufe der Jahre durchmachen und die Ereignisse, die ihren Charakter prägen.

Die Geschichte zeigt, wie eng die Wurzeln zur eigenen Familie sind und dass diese nicht zu trennen sind. Eltern und Erziehung sind ein Leben lang prägend, unabhängig der Taten, die begangen werden. Trotz aller Tragödien, die sich im Laufe der Jahre ereignen, zeigt sie aber auch, das Vergebung möglich ist und dass es die Hoffnung auf eine lebenslange Liebe gibt, die alle Hürden überwindet und dass die Liebe stärker ist als Hass, Gewalt oder Krankheit.
"Wenn du mich wieder fragen würdest", kann die Antwort folglich nur "ja" lauten.

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