Ein Klassiker der Nachkriegsliteratur
Bonjour tristesseFrancoise Sagan veröffentlichte im Jahre 1954 "Bonjour Tristesse", einen kleinen Roman, der alsbald zu einem modernen Klassiker der französischen Literatur werden sollte. Auch heute noch, nach mehr als ...
Francoise Sagan veröffentlichte im Jahre 1954 "Bonjour Tristesse", einen kleinen Roman, der alsbald zu einem modernen Klassiker der französischen Literatur werden sollte. Auch heute noch, nach mehr als fünfzig Jahren, ist dieses Buch mehr als lesenswert.
Raymond ist in den Vierzigern, sein Interesse an (jungen) hübschen Frauen ist ungebrochen. Aufgrund seiner schlichten Art und seines ergreifenden Aussehens gelingt es ihm immer wieder, Frauen für sich begeistern zu können. Seine letzte Eroberung: Elsa, eine rothaarige Sängerin aus Paris.
Eines Tages jedoch tritt Anne in sein Leben: Welterfahren, gewandt, intelligent und gutaussehend verdreht sie Raymond innerhalb von wenigen Tagen den Kopf. Begeistert stimmt er einer Heirat mit ihr zu und wähnt sich schon im siebten Himmel des Glücks. Doch Cécile, Raymonds siebzehnjährige Tochter, sieht ihr bisheriges sorgenfreies und ungezwungenes Dasein bedroht und beginnt, eine hinterhältige Intrige zu schmieden...
Der Roman, der sich im Wesentlichen um verwöhnte Mitglieder der französischen Geldaristokratie dreht, begeisterte mich sowohl durch seine bilderreiche und assoziationenfördernde Sprache als auch durch die Spannung um das Psycho-Duell der Protagonisten. Erzählt aus der Sicht Céciles, Raymonds siebzehnjähriger und sehr frühreifer Tochter, wirken die Schilderungen der Gefühle und Intentionen der Handelnden unterkühlt und verspottend - jede Romantik scheint hier verboten. Mir persönlich erscheint "Bonjour Tristesse" immer als kleiner, ideologisch-stilistischer Vorgriff auf die Werke Michel Houellebecqs, etwa "Ausweitung der Kampfzone" oder "Plattform".
Meiner Meinung nach ein Buch, das jeder an guter Nachkriegsliteratur interessierte Mensch auf jeden Fall kennen sollte.