Profilbild von StefanEAWagner

StefanEAWagner

aktives Lesejury-Mitglied
offline

StefanEAWagner ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit StefanEAWagner über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2017

Ein Klassiker der Nachkriegsliteratur

Bonjour tristesse
0

Francoise Sagan veröffentlichte im Jahre 1954 "Bonjour Tristesse", einen kleinen Roman, der alsbald zu einem modernen Klassiker der französischen Literatur werden sollte. Auch heute noch, nach mehr als ...

Francoise Sagan veröffentlichte im Jahre 1954 "Bonjour Tristesse", einen kleinen Roman, der alsbald zu einem modernen Klassiker der französischen Literatur werden sollte. Auch heute noch, nach mehr als fünfzig Jahren, ist dieses Buch mehr als lesenswert.

Raymond ist in den Vierzigern, sein Interesse an (jungen) hübschen Frauen ist ungebrochen. Aufgrund seiner schlichten Art und seines ergreifenden Aussehens gelingt es ihm immer wieder, Frauen für sich begeistern zu können. Seine letzte Eroberung: Elsa, eine rothaarige Sängerin aus Paris.

Eines Tages jedoch tritt Anne in sein Leben: Welterfahren, gewandt, intelligent und gutaussehend verdreht sie Raymond innerhalb von wenigen Tagen den Kopf. Begeistert stimmt er einer Heirat mit ihr zu und wähnt sich schon im siebten Himmel des Glücks. Doch Cécile, Raymonds siebzehnjährige Tochter, sieht ihr bisheriges sorgenfreies und ungezwungenes Dasein bedroht und beginnt, eine hinterhältige Intrige zu schmieden...

Der Roman, der sich im Wesentlichen um verwöhnte Mitglieder der französischen Geldaristokratie dreht, begeisterte mich sowohl durch seine bilderreiche und assoziationenfördernde Sprache als auch durch die Spannung um das Psycho-Duell der Protagonisten. Erzählt aus der Sicht Céciles, Raymonds siebzehnjähriger und sehr frühreifer Tochter, wirken die Schilderungen der Gefühle und Intentionen der Handelnden unterkühlt und verspottend - jede Romantik scheint hier verboten. Mir persönlich erscheint "Bonjour Tristesse" immer als kleiner, ideologisch-stilistischer Vorgriff auf die Werke Michel Houellebecqs, etwa "Ausweitung der Kampfzone" oder "Plattform".

Meiner Meinung nach ein Buch, das jeder an guter Nachkriegsliteratur interessierte Mensch auf jeden Fall kennen sollte.

Veröffentlicht am 26.02.2017

Schön :)

Wind
0

Ich bin eigentlich kein Stephen King-Fan, aber ich mag die Romanreihe um Roland und den Dunklen Turm. Daher war ich voller Freude, als ich hörte, dass ein neues Buch aus diesem Mittwelt-Universum herauskommen ...

Ich bin eigentlich kein Stephen King-Fan, aber ich mag die Romanreihe um Roland und den Dunklen Turm. Daher war ich voller Freude, als ich hörte, dass ein neues Buch aus diesem Mittwelt-Universum herauskommen soll.

"Wind" ist wieder einmal eine Erzählung aus Rolands Jugend, aus der Zeit seines ersten großen Auftrages, den er erhielt, als er aus der Baronie Mejis zurückkam. Zur Seite steht ihm diesmal ein Freund, den man bisher eher nicht kannte: Der lakonische Jamie DeCurry. Zusammen machen sich die beiden daran, einige grausame Morde aufzuklären, die sich in Debaria ereignet haben - in dem Ort, an dem Rolands Mutter Gabrielle einige Zeit verbracht hat...

Der Roman ist wunderschön geschrieben; an manchen Stellen (besonders, wenn es um die Zeit geht), wird der Schreibstil regelrecht poetisch. Ich habe jede Seite und jede Zeile genossen und kann nur sagen, dass es schön wäre, ein weiteres Buch aus diesem fremden und zugleich doch so faszinierenden Universum in der Hand zu halten.

Fünf Sterne für ein tolles Buch.

Veröffentlicht am 26.02.2017

Schöne Mini-Biographie

Gegen die Welt, gegen das Leben.
0

Wer keine Lust oder keine Zeit hat, sich mit einem derart monströsen biographischen Werk wie Lyon Sprague de Camps "H. P. Lovecraft - Eine Biografie" auseinanderzusetzen, dem sei dieses wunderbare Büchlein ...

Wer keine Lust oder keine Zeit hat, sich mit einem derart monströsen biographischen Werk wie Lyon Sprague de Camps "H. P. Lovecraft - Eine Biografie" auseinanderzusetzen, dem sei dieses wunderbare Büchlein dringend ans Herz gelegt.

Die Neuausgabe - mit einem Vorwort von Stephen King und einem zweiten Vorwort von Houellebecq selber - ist etwas mehr als hundert Seiten lang und hält sich bei der Beschreibung von Lovecrafts Leben nicht lange mit irgendwelchen Nebensächlichkeiten auf. Eng an Lovecrafts Werk und an seine Korrespondenz angelehnt, schildert Houellebecq die prägenden Stationen und die wichtigsten Grundsätze und Entwicklungslinien eines Lebens, das kein Leben im eigentlichen Sinne war: Lovecraft lebte gegen das Leben und gegen die Welt.

Insgesamt ein sehr schönes, intelligentes Buch zu einem der größten - wenn nicht sogar dem größten - Schriftsteller phantastischer und unheimlicher Literatur aller Zeiten. Dass dieses Buch dann auch noch aus der Feder eines der größten Literaten der Neuzeit stammt, finde ich besonders schön.

Veröffentlicht am 26.02.2017

Schöne Kurzbiographie

Hannibal
0

Hannibal - der berühmte Stratege, der als Anführer einer karthagischen Invasionsarme im letzten Viertel des ausklingenden dritten Jahrhunderts vor Christus Rom vor Angst erzittern ließ und an den Rand ...

Hannibal - der berühmte Stratege, der als Anführer einer karthagischen Invasionsarme im letzten Viertel des ausklingenden dritten Jahrhunderts vor Christus Rom vor Angst erzittern ließ und an den Rand der Vernichtung führte, wird in diesem wunderbar gelungenen, kleinen Werk von Robert Garland portraitiert.

Das Buch - mit knapp 150 Seiten eher klein - ist hervorragend für Einsteiger geeignet, sich einen kurzen Überblick über alle wissenswerten Sachverhalte zum Leben des Karthagers zu verschaffen. Alles wird erklärt, keine Fragen bleiben offen und man legt das Buch gut informiert zur Seite.

Besonders schön: Das Werk ist wissenschaftlich exakt und listet jede einzelne Quelle, die es zu Hannibal gibt, mit auf. Es wird auf verloren gegangene und erhalten gebliebene antike Texte gleichermaßen eingegangen, was ich echt praktisch finde.

Insgesamt also ein preiswertes und informatives Buch mit vielen Infos!

Veröffentlicht am 26.02.2017

Berührend und intelligent

Die letzten Tage der Menschheit
0

Anton Holzer kombinierte in diesem berührendem und sehr intelligentem Werk die Texte von Karl Kraus aus "Die letzten Tage der Menschheit" mit Bildern aus dem Ersten Weltkrieg und schuf so ein Panorama ...

Anton Holzer kombinierte in diesem berührendem und sehr intelligentem Werk die Texte von Karl Kraus aus "Die letzten Tage der Menschheit" mit Bildern aus dem Ersten Weltkrieg und schuf so ein Panorama des Europäischen Konfliktes, das den Leser bereichert - aber trotzdem kopfschüttelnd - zurücklässt.

Karl Kraus, der zur Zeit des Ersten Weltkrieges Journalist war, war, Holzer zufolge, ein sehr akribischer und genauer Zeitungsleser. Er sammelte viele Artikel und die dazugehörenden Fotos und verarbeitete sie in seinem Drama über den Krieg.

Besonders interessant ist, dass Holzer immer wieder auf die Manipulationen der Presse durch die Obrigkeit aufmerksam macht, die während des Krieges stattfanden: Gestellte, pseudoheroische Fotographien, Bilder von Gefallenen ausschließlich der Gegenseite oder Aufnahmen von einem vermeintlich sauberen Krieg - all diese Fotos zeigen, wie gleichgeschaltet Medien und Presse zur damaligen Zeit wirklich waren.

Das Buch selbst ist nicht besonders dick - es erreicht nicht einmal 150 Seiten. Die gelungene Textauswahl sowie die beklemmenden, manchmal bestürzenden Fotos lassen das Lesen aber sehr leicht fallen. Ich für meinen Teil habe bei der Lektüre des Buches sehr, sehr viel gelernt und empfehle es allen am Ersten Weltkrieg interessierten, am Besten in Kombination mit Ernst Friedrichs Klassiker Krieg dem Kriege.

Fünf Sterne für ein lehrreiches, intelligentes und enthüllendes Buch voller Wahrheit.