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Veröffentlicht am 29.01.2021

Wunderbares Mut-Mach-Buch!

7 Tage sturmfrei
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Die Eltern der  11 jähigren Charlie und ihrer fast volljährigen Zwillingsgeschwister Mira und Tom, gönnen sich zur Silberhochzeit eine Woche Wellnessurlaub in Österreich. Erstmalig sollen die drei alleine ...

Die Eltern der  11 jähigren Charlie und ihrer fast volljährigen Zwillingsgeschwister Mira und Tom, gönnen sich zur Silberhochzeit eine Woche Wellnessurlaub in Österreich. Erstmalig sollen die drei alleine zu Hause sein und mit dem Budget von 150,- € auskommen, immerhin wären die Vorräte gefüllt. Ja, gefüllt mit gesunden Lebensmitteln statt Wohlfühlfood! Auch wenn die drei selten einer Meinung sind, sind sich sie schnell einig, dass sie mehr Geld brauchen: für Fahrstunden, ein Tablet, ein anständiges Smartphone… Doch wo sollen sie in ihrem 1.000 Seelendorf wo jeder jeden kennt Jobs finden?! Da hat die pfiffige Charlie einen Einfall: Das jährliche Hardrock Open Air steht an und nach wochenlangem Regen sind die Böden so aufgeweicht, dass sicherlich viele keinen Bock aufs Zelten haben und die kleine Dorfension ist längst ausgebucht. So nehmen die Geschwister heimlich die Mitglieder der Hard Rock Band „Howies Little Sister“ für 4 Nächte auf. Es wird eine unvergessliche Zeit, die Spuren in Haus und Garten hinterlässt. Wie sollen sie die nur erklären, wenn Mama oder Papa wieder „Kann mir bitte mal jemand erklären, was DAS hier soll?“ rufen?
Charlie ist unglaublich pfiffig und kreativ, leider wird sie oft unterschätzt, weil sie nach einem Autounfall vor ein paar Jahren, eine Unterschenkelprothese trägt. Das stört sie eigentlich gar nicht, sie und Prothese „Thea“ kommen super miteinander klar, nur diese mitleidigen Blicke immer, als würde etwas nicht mit ihre stimmen, die gehen ihr auf den Keks! Außerdem wird sie ständig unterschätzt, weil sie ja angeblich nicht so sei wie andere. So ein Quatsch! Ihre Geschwister sind da schon ein anderes Kaliber. Mira ist eine der unbegabtesten Fahrschülerinnen aller Zeiten, himmelt aber ihren Fahrlehrer an, wechselt alle Nase lang ihren Stil, und ist bisweilen so kommunikativ wie ein Wildschwein, während Tom sich in seinem Zimmer verschanzt, in dem es nach wildem Tier stinkt und vor sich hin zeichnet. Sie sind einfach unglaublich lebensecht beschrieben und Charlie hat sofort mit ihrer fröhlichen Art unser Herz erobert! Aber auch die größeren Geschwister legen mit der Zeit ihre Stacheln ab, denn die wilden Rocker, die bei ihnen einziehen, stellen jedes Klischee in den Schatten. Ja, mit ihnen passieren die unglaublichsten Dinge und deren Spuren lassen sich kaum übersehen, aber sie hinterlassen auch Spuren in den Herzen der Geschwister und der Leser. Mit der Zeit wachsen die 5 Metaller und die 3 Kinder/Jugendlichen zu einer echten Einheit zusammen voller Ideen für alle Notfälle des Lebens und man mag gar nicht glauben, wie viel eigentlich passieren kann, wenn die Eltern mal für ein paar Tage weg sind. Dabei sind alle diese kleinen Katastrophen gar nicht mal abwegig.
Ja, die Kinder machen eine Menge, was sie nicht dürfen und halten es geheim, dann erzählen sie auch wirklich fantasievolle Ausreden, aber selbst meine 11 jährige Tochter, eine strenge moralische Instanz, hatte keine Probleme mit dem was da wirklich passiert ist und dem was Charlie für kreative Erklärungen erfindet. Denn die Erzählweise ist auch richtig kreativ. Erst erzählt Charlie locker flockig, wer sie ist und dass sie mit ihren Geschwistern ein paar Tage alleine war. Nun müssen sie ganz schnell aufräumen, weil ihre Eltern früher als angekündigt zurückkommen und sie jetzt nur noch eine Stunde Zeit haben, um alle Spuren zu beseitigen. Schwupps sind die Eltern auch schon da und wundern sich an allen Ecken und Enden. Charlie, die gerne Geschichten erzählt, erzählt also aus der Ich-Perspektive, was eigentlich wirklich geschah, um dann zu schildern, dass man so etwas Eltern ja auf gar keinen Fall erzählen kann und dann folgt die offizielle Ausrede, die deutlich von den tatsächlichen Ereignissen abweicht. Das ist einfach doppelt lustig! Denn sowohl ihre unerwarteten Erlebnisse mit der Rockband sind ebenso einfallsreich wie witzig, wie auch der krasse Kontrast zur offiziellen Elternvariante urkomisch ist. Was Eltern aber auch so alles auffällt!
Keiner in diesem Trupp ist perfekt, aber jeder ist einzigartig und mit ganz besonderen Stärken! Sie tragen das Herz am rechten Fleck und alle 8 scheinen über sich selbst hinaus zu wachsen.
Kein Wunder also, dass das Ende so dramatisch und doch so schön ist! Wir konnten nicht mehr aufhören zu lesen! Natürlich haben wir auch die fröhlichen Illustrationen von Barbara Jung bewundert, die ganz eindeutig die gute Stimmung dieser sturmfreien Zeit richtig rüberbringt!
Ein echtes Mutmach- und Gute-Laune-Buch! Unglaublich witzig, doch auch sehr respekt- und liebevoll gegenüber Menschen, die anders sind als man selbst, aber dennoch auf der gleichen Wellenlänge liegen können! Manchmal muss man die guten Dinge im Leben einfach zulassen! Ab 10 Jahren.

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Was ist mit dem Drachenstein los?

Drachenmeister (6)
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Während die 5 Drachenmeister so langsam als Gemeinschaft zusammen wachsen, fällt ihnen etwas seltsames auf: ihre Drachensteine fangen immer wieder an zu flackern und ihre Verbindung zu ihren Drachen wird ...

Während die 5 Drachenmeister so langsam als Gemeinschaft zusammen wachsen, fällt ihnen etwas seltsames auf: ihre Drachensteine fangen immer wieder an zu flackern und ihre Verbindung zu ihren Drachen wird dabei gestört. Eine Erklärung dafür finden sie nicht, dafür trifft aber Heru, der sechste Drachenmeister auf seinem Monddrachen, aus dem Land der Pyramiden ein. Er berichtet ihnen davon, das der große Drachenstein, der von dem all ihre kleinen Drachensteine, die sie um den Hals tragen, abstammen, in Gefahr ist. Dunkle Wolken ziehen in dem großen Drachenstein seiner Familie, der ähnlich ist wie der ihres Lehrmeisters und Zauberers Griffith, auf und verfinstern diesen. Dabei wird die Kraft des Drachensteines getrübt. Einer Prophezeiung nach müssen alle sechst Drachenreiter gemeinsam aufbrechen, um den gut verborgenen großen Drachenstein in seinem Versteck in der Wüste zu finden und seine Kraft zu sichern. Hierzu müssen sie ausgesprochen vorsichtig vorgehen, da das Geheimnis der Drachen gewahrt bleiben muss und sie nicht auffallen dürfen. Wie sollen sie bei all der Vorsicht die „Pyramide der sieben Drachen“ finden, und warum sieben Drachen, sie sind doch nur 6?

Während die Drachenmeister noch versuchen als Einheit zusammen zu wachsen, werden sie in ihren Bemühungen von dem merkwürdigen Geflacker ihrer Kraftsteine dabei behindert. Zum Glück taucht Heru aus dem fernen Wüstenstaat auf, der ihnen bereits zuvor schon mal half, doch dieses Mal braucht er ihre Hilfe. Naja, eigentlich brauchen sie ihn auch, denn sonst hätten sie ja überhaupt nicht gewusst, worin das Problem eigentlich besteht! Außerdem sagt bereits die Vorhersage, dass sie diese Aufgabe nur gemeinsam lösen können. Das klingt ja schon sehr geheimnisvoll und aufregend! Zum Glück verfügt Drakes unscheinbarer Erddrache Wurm über die Gabe, sie von einem Ort an einen anderen teleportieren zu können, so dass sie nicht auffallen. Diese Mission ist natürlich ebenso streng geheim wie ihre bisherigen. Lediglich der dunkle Monddrache von Heru kann ungesehen des nachts über die wolkenlose Wüste fliegen, ohne gesehen zu werden und dabei nach der unbekannten Pyramide Ausschau halten. Was dann folgt, ist eine Mischung aus einem Drachenabenteuer und Indianer Jones für Kinder, denn natürlich hat es seinen Grund, warum die Drachenmeister diese Mission unbedingt zu sechst antreten müssen. Das Labyrinth in ihrem Inneren, erfordert all ihre Konzentration und ihre besonderen Fähigkeiten, um diese Suche in einer unbekannten Pyramide nicht zu einer tödlichen Falle für sie werden zu lassen. Doch auch wenn sie erst acht Jahre alt sind, sind sie gemeinsam nicht nur mutig, sondern auch ausgesprochen geschickt und gewitzt, aber was unbedingt erforderlich ist, ist das gegenseitige Vertrauen. Da Petra und Heru einander eigentlich gar nicht kennen, ist das schon eine ganz schöne Herausforderung für sie in so jungen Jahren und noch dazu unter diesen Umständen!

Auch wenn ihr gegenseitiges Vertrauen und ihr Mut auf eine große Probe gestellt werden, so ist dank der beruhigenden und einschmeichelnden Stimme von Tobias Diakow stets sicher, dass alles gut werden wird. Egal wie aufregend seine lebendige und szenische Interpretation auch sein mag, vermittelt er unterschwellig stets die Gewissheit, dass alles gut enden wird. Neben der Action und den Rätseln sorgen auch die Geräuschkulisse mit denen die Lesung untermalt ist für atemlose Spannung, die das Gefühl vermittelt, mittendrin zu sein. Doch auch wenn dieses Abenteuer die 6 Drachenreiter gut überstehen, zeichnet sich bereits die nächste schwierige Aufgabe für sie ab. Das, was sie im Innern der Pyramide gefunden haben ist von besonderer Bedeutung, doch wie gewonnen so zerronnen. Es geht ihnen verloren und so müssen sie sich in ihrem nächsten Abenteuer auf die Suche danach begeben und es wird gewissen nicht weniger aufregend und magisch werden, als dieses.

Eine klare Empfehlung sowohl für junge Abenteurer und Abenteurerinnen, als auch Träumer und Träumerinnen ab 6 Jahren!

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Veröffentlicht am 25.01.2021

Spannend, beunruhigend und etwas romantisch

Der Zwillingscode
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Vincent ist siebzehn und hat einen Sozialpunktestatus von Doppel C. Dies ist so seit er denken kann und damit ist klar, dass er für immer ein sozialer Außenseiter sein wird und ein Studium trotz seiner ...

Vincent ist siebzehn und hat einen Sozialpunktestatus von Doppel C. Dies ist so seit er denken kann und damit ist klar, dass er für immer ein sozialer Außenseiter sein wird und ein Studium trotz seiner Intelligenz nicht in Frage kommt. Dabei weiß er gar nicht warum sein Punktestand so schlecht ist, der war schon immer so. Er lebt mit seinem Vater, einem erfolglosen Maler, in einem kleinen, heruntergekommenen Einfamilienhaus und betreibt dort eine kleine, illegale Reparaturwerkstatt für Copypet Androidhaustiere. Bei einem seiner Aufträge lernt er eine alte Dame, kennen, deren Wohlstand zu verblassen scheint, aber deren Tier ihm erstaunliche Wege zeigen möchte. Bei diesem Auftrag bittet er Zarah, die Tochter einer anderen Reparaturwerkstatt um Hilfe. Außerdem arbeitet er in einem Forschungslabor, seit seiner Kindheit. Der Megarechner Deep Thought soll seine Gedanken rekonstruieren. Aus einer Eingebung heraus bittet er den Labornerd Quirin, auszuprobieren, ob Deep Thought auch Erinnerungen aufrufen kann, statt nur aktueller Gedanken. Das Ergebnis ist ebenso verblüffend, wie streng verboten und gefährlich und führt ihn, Quirin, Empfangsassistentin Delia und Zarah tief in die Abgründe einer geheimen Simulation. Langsam begreift Vincent, dass seine Mutter damals nicht zufällig bei einem Unfall ums Leben kam. Will er ihren Kampf fortführen?

Zuerst war mir diese Welt sehr fremd. 2055 ist einiges noch wie heute, so gibt es noch Fahrräder und Autos, aber auch vieles ist anders und nicht unbedingt besser. Wie man lebt, bestimmt der Stand der eigenen Sozialpunkte. Diese zu verbessern ist schier unmöglich, sie zu verschlechtern aber durchaus. Vincent durchblickt dieses System auch nicht so ganz und scheint daran zu resignieren. Ebenso wie daran, dass sein Vater seine Mutter nie mehr erwähnt und aufgegeben zu haben scheint. Doch dann entdeckt Vincent einen Brief, der ihn aufbegehren lässt und dieses undurchdringliche System hinterfragen lässt. Es beginnt eine komplexe Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, bei der Vincent zu seiner eigenen Überraschung sehr loyale Freunde findet. Freunde, die eigentlich schon die ganze Zeit da waren, ohne dass es ihm bewusst war und die er auch ganz deutlich unterschätzt hat. Gerade dieser Punkt hat mir ausgesprochen gut gefallen. Einige der Personen sind viel besser als ihr Punktestand und ihre Fassade täuscht. Nicht Oberflächlichkeit hat sie ihr Studium abbrechen lassen müssen, sondern ihre Suche nach Wahrheit. Dabei mag ich sehr gerne die Verquickung zwischen modernen technischen Errungenschaften und alten Erinnungsstücken von Vincents Mutter bzw. in geheimen Lagerräumen verstaubende analoge Überbleibsel. Wobei ich mir nicht so sicher bin, ob die Zielgruppe so genau weiß was ein Plattenspieler oder ähnliches ist. Während sich die Gegensätze zwischen der hochtechnisierten, überwachten Gegenwart und der analogeren, freieren Vergangenheit immer stärker herauskristallisiert, nimmt die Geschichte unglaublich an Fahrt auf. Wobei ich zugeben muss, dass ich während ich versuche die Simulation zu begreifen und Vincent und Co. durch diese zu folgen, ich mich immer wieder frage, ob Vincent wirklich allen drei Freunden trauen kann, oder ob unter Quirin, Delia und Zarah sich ein Verräter befindet.

Die Simulation soll eine Abbildung der Wirklichkeit sein, angeblich, um Neuerungen zu testen, doch je mehr Vincent von dieser erlebt, desto kritischer sieht er sie. Ja, auch als Leser wird einem ganz anders, wenn man an diese Simulation und das System der Sozialpunkte denkt. Immerhin gibt es so etwas in China und da sollen ja auch Milliardäre urplötzlich von der Bildfläche verschwinden. Ist diese Dystopie dann wirklich so unwahrscheinlich? Hat man gegen diese Simulation als KI überhaupt eine Chance? Atemlos folgt man Vincent in die Tiefen dieser hinein, sucht ihre Schwäche, einen Ausweg. Das Finale hat es dann in sich, denn es ist nicht nur super spannend, sondern auch wirklich überraschend und ein klitzekleines bisschen romantisch. Ein Gefühl, das die Simulation wohl nie verstehen wird.... natürlich kann sie sich und den Fortschrittsglauben auch nicht kritisch hinterfragen, wie dies die Leser sicher tun werden.

Das neue Jugendbuch von Margit Ruile, Autorin von „Dark Noise“ und „God's Kitchen“: spannend, faszinierend weiter zu denken und erschreckend. Mögen wir unseren Mut behalten, um für unsere Überzeugungen eintreten wie Vincent! Ab 14 Jahren.

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Veröffentlicht am 25.01.2021

Wieder richtig spannend und lebendig!

Drachenmeister (5)
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Im vierten Band ist eine vierköpfige Hydra im Reich von König Roland eingetroffen, nachdem sie aus der Gewalt dunkler Mächte befreit werden konnte. Der Drachenstein hat seine neue Meisterin erwählt: Petra, ...

Im vierten Band ist eine vierköpfige Hydra im Reich von König Roland eingetroffen, nachdem sie aus der Gewalt dunkler Mächte befreit werden konnte. Der Drachenstein hat seine neue Meisterin erwählt: Petra, ein achtjähriges Mädchen mit langen blonden Locken, das aus einem Wüstenstaat stammt und erst einmal über die Kälte des Herbstes meckert. Auch sonst scheint sie übellaunig und besserwisserisch zu sein. Den vier übrigen Drachenmeistern Bo, Ana, Rory und Drake kommen so langsam Zweifel, ob sich der Drachenstein nicht vielleicht dieses eine Mal bei seiner Wahl geirrt hat. Petra scheint keine Verbindung zu ihrem gefährlichen Drachen aufbauen zu können, aber auch nicht wirklich zu wollen. Sie nimmt keinerlei Ratschläge oder Hilfen an. Die übrigen Drachenmeister sind ratlos, bis ihr und der giftigen Hydra ein schwerer Fehler unterläuft, der den König in ernste Gefahr bringt. Nun hilft nur noch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Drachenmeister und ihres Lehrherren. Wird Petra sich darauf einlassen und König Roland gerettet werden können?

In jedem neuen Band dieser erfolgreichen Drachenreihe, um Kinder, die von einem mächtigen Stein dazu auserkoren werden, ein inneres Band der Verständigung zu einem Drachen zu knüpfen, wird stets zu den bekannten Drachenarten mit ihren besonderen Talenten, ein neues Exemplar mit dazu gehörigem Meister eingeführt. Die besondere Begabung des Tieres ist stets von entscheidender Rolle für das jeweilige Abenteuer. Während die übrigen Drachen über Stärken verfügen, die auch gefährlich sein können, wenn man sie nicht beherrscht, wie die Feuerstöße des Feuerdrachen Vulkan, so ist der Nutzen eines Drachen mit vier Köpfen, die alle Gift sprühen können, nicht offensichtlich, die Gefahr aber schon. Alle vier Köpfe können unabhängig von einander agieren, das ist schon sehr einschüchternd und da braucht es viel Mut. Vordergründig verfügt Petra über diesen, aber wie so oft im Leben überspielt sie mit ihrer Übellaunigkeit und Besserwisserei nur ihre Unsicherheit. In ihr brodeln die Zweifel, ob sie dieser immensen Aufgabe gerecht werden kann. Unter diesen Zweifeln versteckt sich zum Glück aber doch ein guter Kern, den die freundlichen Drachenmeister hervor zu kitzeln vermögen, mit Verständnis und Geduld, selbst in der brenzligsten Situation. Denn wenn es drängt, muss man stets einen kühlen Kopf bewahren und darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen! Freundschaft hilft dabei auch in Momenten größter Not, man muss sich und seinen Freunden unbedingt vertrauen!

Dieses Abenteuer macht wieder richtig Mut. Außerdem ist es wieder sehr spannend und aufregend! Vor allem ermutigt es Kinder hinter teilweise schroffe, abweisende Fassaden zu blicken, da ein Blick sehr lohnend sein kann. Oft verbirgt sich hinter der Unsicherheit ein echter Freund. Ach ja, auch dieser Drache, der auch noch einen Namen erhalten wird, ist übrigens nicht völlig unberechenbar, nein, seine giftige Gabe wird sich noch als unerwartet nützlich erweisen, ganz ohne böse Hintergedanken.

Tobias Diakows Stimme ist sehr angenehm und schmeichelt das Ohr. Selbst in den gefährlichsten Momenten, hat man diesen sanften Klang im Ohr und kann trotz aller Gefahren und ohne Sorge dieses Abenteuer selbst zum Einschlafen hören. Dabei ist er aber keinesfalls monoton oder einschläfernd, er verleiht nur mit seiner Stimme diese tiefe Gewissheit, dass alles gut werden wird. Immer wieder wird er dabei szenisch von den passenden Geräuschen unterstützt, so dass es noch echter und lebendiger wird. Es wird nie langweilig, im Gegenteil, es passiert sehr viel, sowohl an persönlichen Veränderungen und Herausforderungen, als auch an Action. Sehr schön sowohl für mutige Helden und Heldinnen, als auch Träumerinnen und Träumer ab 6 Jahren. Die absolute Lieblingsreihe von Felix (8 Jahre).

Wie immer gibt es auch einen Ausblick auf das nächste Abenteuer, dass die nunmehr 5 Drachenmeister nur gemeinsam meistern können, denn mit dem großen Drachenstein scheint etwas nicht zu stimmen und ihre Verbindungen zu ihren Drachen werden immer wieder unterbrochen. Ein neues spannendes Abenteuer voller Freundschaft und Magie zeichnet sich schon für Band 6 ab.

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Veröffentlicht am 16.01.2021

Ein sehr eigenwilliges Märchen

Der Ickabog
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Das Königreich Schlaraffien war einst das schönste und glücklichste Land der Welt! Das Essen, die Backwaren, der Wein waren köstlich, die Kleidung betörend! Die Besten ihrer Zunft versammelten sich rund ...

Das Königreich Schlaraffien war einst das schönste und glücklichste Land der Welt! Das Essen, die Backwaren, der Wein waren köstlich, die Kleidung betörend! Die Besten ihrer Zunft versammelten sich rund um den Königshof, wo sie glücklich und zufrieden lebten. Nur im nebligen kargen Marschland im Norden, da war das Leben für die Menschen nicht so rosig und dort lebte auch der sagenumwobene Ickabog. Niemand hatte ihn bisher gesehen, aber alle schon von ihm gehört und fürchteten ihn! Mit der bloßen Erwähnung seines Namens konnten Eltern ihre Kinder schrecken, aber eigentlich glaubten die Erwachsenen nicht wirklich an ihn. Doch dann kam der eitle König Fred, der stets bestens gekleidet war und um sich die eitelsten und vergnügungssüchtigsten Edelleute des Landes scharte. Da Fred der Furchtlose aber immer gut gekleidet war und freundlich lächelte, hielten ihn seine Untertanen für einen guten und gerechten Herrscher, denn ihnen fehlte es ja an nichts und so merkte auch niemand, dass er überhaupt nicht mutig oder gütig war. Erst als seine Lieblingsschneiderin erkrankte und dennoch unermüdlich an des Königs neuestem Outfit arbeitete und dann von Erschöpfung starb, bekommen die ersten Untertanen ihre Zweifel. Lara Lerchensporn, ihre Tochter ist völlig entsetzt, dass dem König der Tod seiner Lieblingsschneiderin egal zu sein scheint. So kommt es auch zum ersten ernsthaften Streit zwischen Lara und ihrem besten Freund dem Nachbarssohn Wim Wonnegleich. Sie ahnen jedoch nicht, das dies erst der Anfang von einem großen Abenteuer voller Verrat, falscher Berater und furchtlosen Kindern und einem verkannten Ungeheuer mit großem Herzen sein wird.

Heike Makatschs Interpretation finde ich sehr einfühlsam und abwechslungsreich. Ihre warme, lebendige Stimme passt sehr gut zu der märchenhaften Welt von Schlaraffien und nimmt den grausamen Szenen die Spitzen. Dabei ist sie sehr gut ausbalanciert und kann in einer Lautstärkeeinstellung komplett durchgehört werden.

Das neue Abenteuer wird als märchenhaftes spannendes Abenteuer für die ganze Familie ab 8 Jahren angekündigt.

Für Kinder ab 8 Jahren finde ich diese Geschichte trotz des märchenhaften Stils und auch Heike Makatschs Erzählweise einfach zu brutal. Als ich mit diesem Hörbuch begann, war ich erst einmal irritiert. Ich fragte mich, wer eigentlich die Zielgruppe sein könnte. Für Achtjährige fand ich es zu brutal, für ältere zu kindlich und märchenhaft. Die ausdrucksstarken Namen konnte ich mir unmöglich merken, und meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Mir war es zu weitschweifig, ich hätte gut mit einer Kürzung der Geschichte leben könne; nicht so meine Tochter. Immer wieder fühlte ich mich angesichts der hinterlistigen Berater an „Des Kaisers neue Kleider“ erinnert, auch wenn in diesem Märchen kein Ungeheuer vorkommt. Fred der Furchtlose ist aber ebenso selbstverliebt und ignorant und hier zeigt es sich ganz klar, wie gefährlich dies für ein Land ist, wenn ein solcher Herrscher nicht gebremst wird. Das ist aber nicht die einzige kritische Stimme in diesem „Märchen“ denn auch der Ickabog ist nicht so, wie es sich immer wieder erzählt wird. Um wirklich zu erfahren, was ein Ickabog ist, muss man ihm mit offenen Herzen begegnen, nur so kann man ihn wirklich kennenlernen und verstehen. Es zeigt sich auch, wie sehr man etwas fürchtet, das man nicht kennt und von dem man sich ein falsches Bild gemacht hat, durch vorgefasste Meinungen. Ein offenes Herz und der Glaube an die Wahrheit bringt hier die Kinder am Ende weiter und löst dieses Abenteuer unverhofft auf. Ein Happy End, das nicht einfach vor einem Traualtar endet, aber die Untertanen glücklich aufatmen lassen wird, ganz besonders die heldenhaften Kinder Lara und Wim. Mit ihrer mutigen und entschlossenen Art haben sie meine Tochter (11 Jahre) sofort für sich gewonnen. Sie war von Anfang an begeistert, ist richtig tief in diese komplexe Geschichte eingetaucht, stellte alle Querverbindungen zwischen den Personen und ihren Familien her und dachte die Geschichte weiter. Ich hätte nichts gegen einen Überblick über die Personen des Reiches Schlaraffiens gehabt und habe mich dann mit der Kapitelübersicht begnügt. Ganz anders meine Tochter. Sie konnte stundenlang bei den Hausaufgaben zuhören. Sie hat sogar extra sorgfältiger und gründlicher ihre Kunst- und Bastelaufgaben erledigt, um weiter hören zu können. Die Länge des Hörbuchs hat sie zwar erstaunt, aber angenehm, denn nachdem es zu Ende war, hörte sie gleich noch mal von vorne und hat es auch sofort ihrer besten Freundin empfohlen, einer eingefleischten Harry Potter Verehrerin: „Das ist total spannend und richtig aufregend, wenn auch ganz anders als Harry Potter, das musst Du unbedingt lesen! Oder eben hören, wie ich“.

Ein sehr eigenwilliges neues Werk der Erfolgsautorin und ganz anders, als ihre bisherigen Romane. Meine Tochter liebt es und empfiehlt es unbedingt weiter. Ich empfehle unbedingt vorher hineinzuhören.

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