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Veröffentlicht am 17.04.2017

Subtile psychologische Spannung

Wenn das Eis bricht
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Am Anfang ist es blutig und grausam. Eine Frau wird ermordet aufgefunden, geköpft. Und der Kopf zeigt in Richtung Eingang.
Zunächst tappt das Ermittlerteam im Dunkeln, bis die Psychologin Hanne hinzugezogen ...

Am Anfang ist es blutig und grausam. Eine Frau wird ermordet aufgefunden, geköpft. Und der Kopf zeigt in Richtung Eingang.
Zunächst tappt das Ermittlerteam im Dunkeln, bis die Psychologin Hanne hinzugezogen wird. Sie hat vor 10 Jahren die Kriminalpolizei in einem ähnlichen Fall beraten.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt: Da ist Hanne, die Psychologin, die nur beratend bei der Kriminalpolizei eingesetzt wird. Sie leidet im Anfangsstadium unter Demenz und hat Angst, wie diese Krankheit ihr Leben bestimmen wird. Aber zunächst analysiert sie ihr Leben und trifft weitreichende Entscheidungen. Dazu gehört auch die Analyse ihrer früheren Beziehung zu Peter, einem der Ermittler, er bildet die zweite Perspektive. Peter ist ein schwieriger Mensch, recht unsympathisch. Er kümmert sich kaum um seinen Sohn und hat bisher alle Beziehungen mit Frauen in den Sand gesetzt. Die dritte Perspektive stammt von Emma, einer jungen Frau, die in einem Geschäft arbeitet, das zu der Modehauskette gehört, die von dem Besitzer des Hauses geleitet wurde, in dem das Mordopfer aufgefunden wurde. Ist Emma die ermordete Frau? Oder jemand anders?

Sehr subtil und ruhig schreitet die Handlung voran. Es gibt kein weiteres Blutvergiessen, keine Gewalt - nur Rückblicke in die Vergangenheit und Einblicke ins Gefühlsleben der drei Personen, die erzählen. Und erst zum Schluss kommt es zum spannenden Finale.

Zugegebenermaßen hatte ich etwas Angst, als ich das Buch sah: Fast 600 Seiten - und ein Psychothriller. Ich hatte Angst vor viel Blutvergießen. Aber die Spannung ist wirklich rein psychologisch. Und wird durch den Perspektivenwechsel gesteigert. Die einzelnen Abschnitte sind lang genug, um sich in die einzelnen Personen einfühlen zu können. Und die Wechsel sind gut gemacht, so dass man als Leser nicht den Überblick verliert.

Ich habe das Buch in knapp zwei Tagen ausgelesen, weil mich die Geschichte und der Spannungsaufbau gefesselt haben. Für alle Fans von skandinavischen Krimis sehr zu empfehlen.

Veröffentlicht am 27.03.2017

Ungewöhnlich, spannend, überraschend und ziemlich unkorrekt

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte
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Der Titel ist ziemlich lang und ziemlich ungewöhnlich und enthält einige Wörter, die im normalen Sprachgebrauch eher selten benutzt werden: Huren und Taubensuppe.

Und so ungewöhnlich wie der Titel ist ...

Der Titel ist ziemlich lang und ziemlich ungewöhnlich und enthält einige Wörter, die im normalen Sprachgebrauch eher selten benutzt werden: Huren und Taubensuppe.

Und so ungewöhnlich wie der Titel ist auch das Buch.
Es geht um eine Familie und deren Freunde, die im Ruhrpott leben und eng mit dem sogenannten "halbseidenen Milieu" verbandelt sind.

Omma ist inzwischen zwar alt - aber noch recht fit im Kopf. Und sie führt mit einer Freundin eine Pension. Aber früher, da war Omma ein "heißer Feger", 5 Kinder von 3 Männern, und das alles unter 30. Und "Wirtschafterin" in einem Hotel - das aber ein Bordell war. Natürlich innerhalb der Sperrzone. Und die Mitzi, die war eine der Huren. Und die Mitzi konnte nie so richtig aufhören mit den Freiern - es gibt einfach zu viel Geld zu verdienen mit diesem Beruf.

Mit diesem Statement fängt es schon an, das politisch unkorrekte. Hier werden nur Huren beschrieben, die ihren Beruf freiwillig ausüben. So etwas gibt es doch eigentlich nicht, meint jedenfalls die Mitbewohnerin von Bianca. Und schon entspinnt sich ein großer Streit zwischen Bianca und ihrer Mitbewohnerin. Und die Mitbewohnerin zieht aus.
Und Bianca muss nun sehen, wie sie den zweiten Mietanteil hereinbekommt. Aber Bianca ist ja begabt. Glaubt sie jedenfalls. Sie hat ziemlich lustlos Germanistik studiert, wollte dann als Schauspielerin arbeiten, das hat nicht geklappt. Jetzt nennt sie sich "Designerin" und näht Seidenunterwäsche. Allerdings ist der Erfolg bisher bescheiden. Aber Bianca liebt Seide. Dabei ist sie doch eher mit Blick auf halbseidene Verhältnisse aufgewachsen. Bianca ist nämlich die Enkelin der Omma. Und die Mitzi, das war immer ihre "Wahl-Oma".

Aber nun zieht die Omma zu Bianca nach Kreuzberg, weg aus ihrem geliebten Ruhrpott. Das mit dem Mietanteil ist jetzt schon einmal geregelt. Und Biancas Vater zieht gleich hinterher.. Warum das alles? Und was passiert noch?
Das alles lässt sich sehr vergnüglich in diesem Buch nachlesen. Es wird übrigens auch spannend. Und Liebe gibt es auch. Echte - und die der Huren. Und es ist alles nicht nur leicht und witzig, sondern zwischendurch auch nachdenklich und traurig. Denn natürlich gibt es auch Gewalt. Auch bei Huren, die den Beruf freiwillig ausüben.


Habe mich selten so amüsiert, über die "Omma" (ja, natürlich mit zwei M), den Ruhrpottslang, die unsentimentale Schilderung des Huren-Alltags (Prostituierte scheint eher eine Schimpfwort zu sein als Hure...?). die tollen Milieuschilderungen (sowohl die über das Bordell als auch die über das auch so coole Kreuzberg). Und die nachdenklichen Zwischentöne, die schönen Bilder (so von wegen Seide und Glanz und das alles mit einer Omma im Versandhaus-Shirt mit Leopardendruck) haben das Lese-Vergnügen abgerundet.

Und nachher weiß man auch, was das schöne bunte Cover für eine Bedeutung hat.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

80er vibes at its best! Krimi eher so mittelspannend

Tainted Love
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Dieser Kriminalroman von Vincent Tal hat mich mit seinem Retro-Charme überzeugt! Sehr stimmungsvoll und mit vielen passenden Details werden die 1980er Jahre wieder lebendig.

1986, ein heißer Sommer in ...

Dieser Kriminalroman von Vincent Tal hat mich mit seinem Retro-Charme überzeugt! Sehr stimmungsvoll und mit vielen passenden Details werden die 1980er Jahre wieder lebendig.

1986, ein heißer Sommer in der deutschen Provinz. Nordhessen, die Gegend rund um Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf. Damals noch "Zonenrandgebiet" und entsprechend weit ab vom Schuss. Hier lebt Martin Ritter. Ursprünglich stammt er aus dem Ruhrgebiet, ist aber jetzt sehr glücklich mit seinem Job in der örtlichen Bibliothek und dem ruhigen Landleben. Seine Freundin Christine Lehmann arbeitet bei der örtlichen Zeitung und lebt im nahegelegenen Kassel. Kennengelernt haben sie sich vor einigen Jahren, als die kleine Tochter von Christines Freundin spurlos verschwand. Irgendwie liegt dieser ungeklärte Fall wie eine dunkle Wolke über ihrem Leben. Aber zunächst geht es in diesem Roman nicht darum, sondern um andere Dinge: Ein Autowrack wird aus einem See geborgen, der Inhaber des örtlichen Fotoladens verhält sich äußerst seltsam und in einem Haus, das Martin kaufen will, findet sich ein Fläschchen mit Gift. Und dann passiert: Erst mal quasi nichts. Der Sommer ist weiterhin heiß. Die Beziehung zwischen Martin und Christine in einer Art luftleerem Raum und da ist noch der unbekannte Vater von Martin, der im Krieg geblieben ist und über den er mehr wissen will.. also jede Menge angefangene Spuren. Aber nichts Konkretes. Die Auflösung kommt dann etwas überstürzt und hat mich persönlich jetzt nicht so ganz mitgerissen. Genossen habe ich aber das 80er Flair des Romans.

Der Kriminalfall entwickelt daher also gemächlich. Mich hat es nicht so sehr gestört, für Fans von blutigen Thrillern und rasanten Verfolgungsjagden sicher nicht das richtige Buch. Für alle, die sich noch an die Stimmung der 80er Jahre erinnern können, lohnt sich die Lektüre.

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Veröffentlicht am 19.12.2025

St immungsvoller Kykladen-Krimi

DER SCHWARZE OKTOPUS
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Dies ist der zweite Krimi über Christina Stratou, die als Kriminalkommissarin auf der wunderschönen KykladenInsel Paros ihren Dienst versieht. Dort wird ein Toter mit einem geheimnisvollen Tatoo gefunden ...

Dies ist der zweite Krimi über Christina Stratou, die als Kriminalkommissarin auf der wunderschönen KykladenInsel Paros ihren Dienst versieht. Dort wird ein Toter mit einem geheimnisvollen Tatoo gefunden und es folgt eine vielfältige und verwickelte Ermittlung, die sich ziemlich in die Länge zieht. Nicht an Zeit, sondern in Bezug auf die Beschreibung. Das war etwas schade, so ging mir zwischendurch ein wenig die Lust am Lesen verloren. Aber im Endeffekt passte es doch irgendwie und überhaupt mag ich die Kykladen und Einblicke ins authentische Inselleben und den Vibe der Kykladen gab es zum Glück reichlich.

Als Leser:in weiß man von Anfang an etwas mehr als die Polizei, allerdings nicht, wer der Täter denn nun genau ist. Das ist ein interessanter Kniff und ich konnte ein wenig rätseln, vor allem, da sich Christina und der Täter zwischendurch unbemerkt irgendwo begegnen... und später noch einmal, zum Showdown.....

Es geht um geheime Pläne, um Druck und Absprachen im kriminellen Milieu, um eine geheime Liebe und um einiges mehr. Zusätzlich muss Christina ihr etwas außergewöhnliches Familienleben organisieren. Ihre beiden Kinder studieren in Deutschland, dort hat sie auch lange gelebt und ist erst vor kurzem nach Griechenland zurückgekehrt, während ihr Mann für einige Jahre beruflich nach Saudi Arabien gegangen ist. Eigentlich wollte Christina nach Athen zurück, aber nur auf Paros gab es eine Planstelle. So wohnt sie nun auf der Insel ihrer Großeltern, wo sie viele wunderschöne Sommer verbracht hat und immer noch eine Freundin aus Kindertagen hat. Und dann kümmert sie sich noch um zwei Esel, das war ein schöner Sidekick.

Zwischen immer neuen Ermittlungen, Berichten von einem neuen Mord und Telefonaten mit der Familie zieht sich alles ein wenig, mein E-Book-Reader zeigt mehr als 600 Seiten an, mir persönlich etwas zu viel für die Geschichte. Aber im Endeffekt macht das Buch einfach vor allem Spaß wegen der Kykladen-Vibes, die Kriminalgeschichte ist hingegen recht verzwickt und grausam, das fand ich eher belastend. Aber natürlich wird alles aufgeklärt werden und wenn ich mal viel Zeit und Muße habe, lese ich den ersten Band "Ein letzter Ouzo".

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Auftakt zu einer Reihe über Schwestern auf einer Nordseeinsel

Jonna - Tage wie Glaswolle | Mit wunderschönem limitierten Farbschnitt
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Seit "In Richtung Stoppelfelder" bin ich Fan der Autorin Lene Jansen. "Und dazwischen mir" hatte mir dann auch sehr gut gefallen. Deshalb war ich sehr gespannt auf diesen Roman, der den Auftakt für eine ...

Seit "In Richtung Stoppelfelder" bin ich Fan der Autorin Lene Jansen. "Und dazwischen mir" hatte mir dann auch sehr gut gefallen. Deshalb war ich sehr gespannt auf diesen Roman, der den Auftakt für eine kleine Serie stellt. Diesmal ließ sich alles wieder sehr gut lesen, die Atmosphäre der (namenlosen) Nordseeinsel wird sehr gut eingefangen, die sprachlichen Beschreibungen sind wieder sehr gelungen (das kann die Autorin ungemein gut) und insgesamt handelt es sich um einen unterhaltsamen Roman, der trotzdem mit viel Tiefgang einhergeht. Muss erst mal gelingen. Mein einziges (und sehr persönliches) Problem mit dem Roman war Jonna, die Protagonistin. Ich fand sie einfach nur überspannt und ganz lange wird nicht klar, warum sie eigentlich aus ihrem Leben ausbrechen will. Sie hat doch einen Job (wenn der auch nicht genauer beschrieben wird), einen sehr netten Mann (keine Angst, der bleibt nett und liebenswert) und überhaupt. Und dann trifft sie auch noch ihre Jugendliebe auf der Insel wieder.... also ich fand es ja ein wenig seltsam, dass die Männer diese Frau so vergöttern. Denn ich konnte nicht viel mit ihr anfangen. Allerdings wurde dann klar, dass Jonna (und wahrscheinlich auch ihre Schwester Ella) ein riesiges Trauma aus ihrer Kindheit mit sich herumschleppen. Das Geheimnis wird übrigens nicht vollständig gelöst, dazu muss ich dann den Folgeband lesen. Auch um mehr über ein anderes Familiengeheimnis zu erfahren. Ehrlich gesagt habe ich zwar nicht viel Lust, etwas über Ella zu lesen (sie ist mir noch etwas unsympathischer als Jonna) - aber ich werde es machen. Ich freue mich dann auf das Buch über die jüngste Schwester, Hanna, mit der könnte ich mich wohl identifizieren. Also: Alles Geschmacksache. Lest das Buch und sagt mir gerne, wie Ihr das empfunden habt.

Und warum es nur zweieinhalb Schwestern sind? Nun, das steht im Buch. Also lesen!

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