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Veröffentlicht am 13.06.2021

Das Palais Heiligendamm in stürmischen Zeiten

Palais Heiligendamm - Stürmische Zeiten
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Bei "Palais Heiligendamm - Stürmische Zeiten" handelt es sich um den zweiten Teil einer Trilogie um ein mondänes Hotel, das sich in Bad Doberan befindet, aber bewusst nach dem einige Kilometer entfernten ...

Bei "Palais Heiligendamm - Stürmische Zeiten" handelt es sich um den zweiten Teil einer Trilogie um ein mondänes Hotel, das sich in Bad Doberan befindet, aber bewusst nach dem einige Kilometer entfernten mondänen Badeort Heiligendamm benannt wurde. Das Cover zeigt dann auch Heiligendamm mit seinen weißen Gebäuden von der berühmten Seebrücke aus, auf der eine elegante Frau in der damaligen Mode gekleidet steht.

Der Roman spielt in der Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg und der Machtergreifung der Nationalsozialisten, also keiner leichten Zeit für ein Luxushotel, da einerseits noch die Kriegsfolgen zu spüren waren, es andererseits auch zu neuen Wirtschaftskrisen kam und auch die immer stärker werdenden Nationalsozialisten, Einfluss auf das Hotelgeschäft zu nehmen versuchten.

Elisabeth, die zusammen mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter das Hotel von ihrem zu früh verstorbenen Vater geerbt hat und es als Geschäftsführerin leitet, hat zudem noch mit privaten Problemen zu kämpfen, da sie und Julius, Teilhaber des Hotels und Vater ihrer Tochter, immer noch nicht wieder zueinander gefunden haben. Und auch ihr Bruder Paul ist nicht glücklich mit seiner Ehe, die er nur eingegangen ist, weil er angenommen hatte, dass sein Geliebter Robert im Krieg gefallen war. Ihre Schwester Luise versucht, zumindest als Schauspielerin Fuß zu fassen, wenn sie schon auf Grund ihrer Scheidung von der Doberaner Gesellschaft geschnitten wird. Und Johanna, die letzte der Schwestern, bekommt auf Grund ihrer Heirat mit einem Juden immer mehr Schwierigkeiten.

Ich fand es auf jeden Fall sehr schön, die Hoteliersfamilie "wiederzutreffen" und zu erfahren, wie alles weitergeht. Die Zeit, in der der zweite Teil spielt, ist eine sehr ereignisreiche und es war interessant, mitzuerleben, wie sich die wirtschaftlichen und politischen Umbrüche auf das Leben der einzelnen Protagonisten auswirkte. Die Charaktere sind überzeugend ausgestaltet und der Schreibstil der Autorin anschaulich und gut nachvollziehbar. Die historischen Bezüge wirken gut recherchiert. Man kann diesen zweiten Teil auch ohne Kenntinis des ersten Bandes lesen, gerade am Anfang kommt es zu einem kurzen Rückblick, aber ich würde dennoch empfehlen, mit dem ersten Teil zu beginnen, um alle Zusammenhänge voll zu verstehen und da auch dieser sehr lesenswert ist. Ich persönlich freue mich bereits auf den dritten und letzten Band und bin gespannt, wie das Palais und die Familie durch den Zweiten Weltkrieg kommen.

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Geheimnisse

So wie du mich kennst
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Karla und Marie sind nur eineinhalb Jahre auseinander und hatten immer ein sehr enges Verhältnis, auch wenn sie zuletzt jahrelang auf zwei verschiedenen Kontinenten lebten. Karla arbeitet als Lokalreporterin ...


Karla und Marie sind nur eineinhalb Jahre auseinander und hatten immer ein sehr enges Verhältnis, auch wenn sie zuletzt jahrelang auf zwei verschiedenen Kontinenten lebten. Karla arbeitet als Lokalreporterin in ihrem kleinen fränkischen Heimatort, aus dem sie nie wirklich weggekommen ist und Marie als Fotografin in New York, wo Karla sie zweimal im Jahr besucht hat. Außerdem schrieben und telefonierten sie quasi täglich miteinander. Nun ist Marie aber bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und Karla reist ein letztes Mal nach New York, um Maries Wohnung aufzulösen und deren Tod zu verarbeiten. Dabei stößt sie auf Dinge, die sie trotz aller Vertrautheit nicht von ihrer Schwester wusste.

Mir hat die Geschichte viel besser gefallen, als mich das etwas altbacken wirkende Cover zunächst vermuten lassen hat. Anika Landsteiner hat einen sehr angenehmen und zugleich modernen Schreibstil und findet oft sehr treffende Worte für nicht einfache Themen. Es geht einerseits natürlich um Trauer und die Bewältigung des großen Verlustes, um Familie und Zusammenhalt unter Schwestern, andererseits aber auch um Gewalt gegen Frauen, die auch heute oft noch tabuisiert und verdrängt wird. Die Charaktere wirken überzeugend und auch die Schauplätze, New York und die fränkische Provinz, kommen meist authentisch rüber, ein kleiner Kritikpunkt meinerseits ist hier nur, dass die erwähnte Tageszeitung und die Biersorte doch aus einer anderen Ecke Frankens stammen, als der, wo sich der Heimatort der Schwestern befindet.

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Partnersuche 3.0

Suche Platz auf Wolke Sieben
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Marlene wird mit 27 von ihrem Freund verlassen, mit dem sie seit der Schulzeit zusammen ist. Sie hatten gerade ein Haus zusammenkommen gekauft und wollten wenige Wochen später heiraten. Dadurch bricht ...

Marlene wird mit 27 von ihrem Freund verlassen, mit dem sie seit der Schulzeit zusammen ist. Sie hatten gerade ein Haus zusammenkommen gekauft und wollten wenige Wochen später heiraten. Dadurch bricht erst einmal ihre Welt zusammen und kurz darauf verliert sie auch noch ihren Job in einer Personalberatung. Durch ihre beste Freundin kommt sie dann aber auf die Idee, eine Online-Dating-Agentur zu gründen, bei der nur Mitglied werden kann, wer sich nachgewiesen sozial engagiert. Außerdem bietet sie ihren Kunden auch Ghostwriter-Dienste an, falls es diesen schwer fällt, sich anderen gegenüber gut zu präsentieren. Nachdem ihre "Wolke Sieben"-Plattform recht gut angenommen wird, gewinnt sie auch einen bekannten Sänger als Klienten und zugleich Werbepartner und begegnet so auch immer wieder dessen recht ruppigen Manager Bruno, der sich mit der Zeit dann doch als ganz nett entpuppt. Sie selbst möchte nach der großen Verletzung aber keinen Mann mehr zu nah an sich heran lassen.

Mir hat die Geschichte gefallen. Marlene und ihre Freunde sind sympathisch, wie sie ihre kleineren und größeren Macken haben, aber immer zusammenhalten. Die Idee hinter der Datingagentur gefällt mir auch, da sie versucht, die gemeinsamen Prioritäten mehr in den Mittelpunkt zu stellen als Äußerlichkeiten. Gut finde ich auch, dass der Roman in Hamburg spielt und immer wieder typische Hamburger Schauplätze auftauchen, die für Lokalkolorit sorgen. Auch den kurzen Ausflug von Marlene nach Sardinien fand ich schön, da ich absolut nachvollziehen kann, wie sie von der Insel und ihren Stränden fasziniert ist. Der Schreibstil der Autorin ist anschaulich und angenehm lesbar, dass ab und zu Textnachrichten und Songtexte eingestreut wurden, fand ich sehr passend.

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Veröffentlicht am 02.05.2021

Back To The Roots

Der Wind singt unser Lied
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Ich habe schon mehrere Romane von Meike Werkmeister gelesen, da ich sehr gerne beim Lesen an die Nordsee reise, wo ihre Geschichten hauptsächlich spielen. Daher war mein Interesse für „Der Wind singt unser ...

Ich habe schon mehrere Romane von Meike Werkmeister gelesen, da ich sehr gerne beim Lesen an die Nordsee reise, wo ihre Geschichten hauptsächlich spielen. Daher war mein Interesse für „Der Wind singt unser Lied“ natürlich auch gleich geweckt. Aber auch das Cover des aktuellen Romans ist wieder sehr ansprechend gestaltet und macht wirklich Lust darauf, das Buch zu lesen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die Weltenbummlerin Toni, die wegen ihrer Eltern nach langer Zeit zurück nach St. Peter Ording auf deren Ferienhof kommt, nachdem sie zuletzt in Costa Rica recht zufrieden war. Für viele ein traumhafter Ort mit seinem tollen Strand und der Nordsee, nicht aber für Toni, die sich in ihrem Heimatort noch nie so richtig wohlgefühlt hat und sich auch wieder mit unangenehmen Erinnerungen aus ihrer Jugend konfrontiert fühlt. Und auch das Zusammensein mit ihren Eltern und ihrer Schwester gestaltet sich recht unentspannt und man scheint Toni etwas zu verheimlichen.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, da es sich nicht ausschließlich um einen sommerlichen Liebesroman handelt, der an einem schönen Ort spielt, sondern auch eine gute Dosis Tiefgang enthalten ist. Besonders gut gefällt mir aber natürlich auch wieder der Lokalkolorit, sodass ich mir die Schauplätze an der Nordsee sehr gut vorstellen und zumindest in Gedanken dorthin reisen konnte. Die verschiedenen Charaktere sind mir trotz mancher Ecken und Kanten sympathisch und der Schreibstil der Autorin ist sehr anschaulich und angenehm lesbar. Sehr schön finde ich auch, dass immer wieder Songtexte von Toni an passender Stelle eingebunden wurden. Sehr gerne empfehle ich diesen Roman weiter.

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Veröffentlicht am 29.04.2021

Perspektivwechsel

Drei Kameradinnen
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Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die "Drei Kameradinnen" Hani, Saya und die Erzählerin Kasih, drei junge Frauen, deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, als sie selbst noch Kinder waren. Sie ...

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die "Drei Kameradinnen" Hani, Saya und die Erzählerin Kasih, drei junge Frauen, deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, als sie selbst noch Kinder waren. Sie freundeten sich an, weil sie in der gleichen Siedlung aufwuchsen und verbrachten viel Zeit zusammen. Mittlerweile lebt und arbeitet Saya in einem anderen Land und sie sehen sich seltener, aber anlässlich der Hochzeit einer Jugendfreundin verbringen sie nun wieder einige Tage gemeinsam und es kommt zu einem dramatischen Ereignis.

Was genau passiert ist, erfährt man aber erst am Ende des Romans. Dazwischen kommt es immer wieder zu episodenhaften Rückblicken auf Ereignisse, die alle drei Frauen oder besonders die Ich-Erzählerin Kasih geprägt haben und man erfährt mehr darüber, wie das Leben der jungen Frauen aktuell aussieht. Während Hani sich total bemüht, bei ihrer Arbeit alle Erwartungen am besten noch zu übertreffen und immer um Harmonie bemüht ist, widdert Saya überall Diskriminierung und Ungerechtigkeiten und tickt auch gerne mal aus. Kasih wirkt so, als ob sie ihren Weg noch nicht ganz gefunden hat und tut sich trotz eines Einser-Abschlusses schwer bei der Jobsuche, wofür sie auch ihren Migrationshintergrund als Ursache sieht. Als Erzählerin versucht sie, Erklärungen für das Verhalten ihrer Freundinnen zu bieten, spricht aber auch immer wieder den Leser direkt an und weist ihn so daraufhin, dass auch er nicht frei von Vorurteilen oder diskriminierenden Verhaltensweisen ist. Auch reale Ereignisse spielen im Roman eine Rolle, wie der Prozess um die NSU-Morde, dessen Verlauf vor allem Saya nicht kalt lässt.

Ich halte den Roman für sehr wichtig, um einmal die Perspektive zu wechseln und eigene Einstellungen und Verhaltensweisen zu überdenken und (wieder) darauf aufmerksam zu werden, wie verbreitet Alltagsrassismus heute noch ist, auch wenn man sich selbst eigentlich für weitgehend vorurteilsfrei hält. Der Roman bietet auf jeden Fall neue Sichtweisen und wichtige Denkanstöße und die Autorin schreibt sehr abwechslungsreich und sprachgewaltig. Man kann sich so sehr gut in ihre Protagonistinnen hineinversetzen und sie wirken auch sehr authentisch. Dass man als Leser auch immer wieder direkt von Kasih angesprochen wird, auch wenn es oft in einem provokanten und vorwurfsvollen Tonfall ist, hat mir ebenfalls gut gefallen. Ich empfehle das Buch daher gerne weiter.

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