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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2017

Trotz Startschwierigkeiten dennoch überzeugend

Belgravia
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INHALT:
Belgravia beginnt am Vorabend der Schlacht von Waterloo, dem 15. Juni 1815, als in Brüssel die Herzogin von Richmond einen prächtigen Ball für den Herzog von Wellington gibt. Kurz nach Mitternacht ...

INHALT:
Belgravia beginnt am Vorabend der Schlacht von Waterloo, dem 15. Juni 1815, als in Brüssel die Herzogin von Richmond einen prächtigen Ball für den Herzog von Wellington gibt. Kurz nach Mitternacht kommt die Nachricht, dass Napoleon unerwartet die Grenze überschritten hat. Wellington und seine Truppen müssen umgehend in die Schlacht ziehen. Eingeladen zum Ball sind auch die Trenchards, die durch Geschäfte mit der Armee reich geworden sind. Auf ihre schöne Tochter Sophia hat Edmund Bellasis, der Sohn und Erbe einer der prominentesten Familien des Landes, ein Auge geworfen. Nach diesem Abend wird nichts mehr so sein wie zuvor. Fünfundzwanzig Jahre später werden die beiden Familien noch immer von dem dunklen Geheimnis verfolgt, das am Vorabend der Schlacht von Waterloo seinen Anfang nahm.

MEINUNG:
Das Buch stammt aus der Feder von Downton Abbey Schreiber Julia Fellowes. Ich habe die Serie selbst nicht gesehen, da ich mich noch so richtig an historische Serien ran getraut habe und auch noch unsicher war, ob es etwas für mich sein könnte.
Ich hatte mit dem Einstieg in das Buch etwas zu kämpfen, da ich mich erst in die Zeit und den Schreibstil einfinden musste. Bis dahin fand ich es auch noch relativ unspektakulär. Julia Fellowes schafft es allerdings die historische Atmosphäre einzigartig zu transportieren. Zumindest entspricht es meinen Vorstellungen von der Zeit.

Zunächst war ich auch etwas verwundert über die Konstruktion der Geschichte, denn das dunkle Geheimnis, welches im Klappentext angesprochen wird, ist eigentlich relativ schnell klar und es ist auch beiden Familie relativ schnell klar. Für mich war zunächst nicht klar, was da ja jetzt noch kommen soll, wo doch das Geheimnis schon so früh offenbart worden ist, aber man täuscht sich. Die Geschichte nimmt dann langsame an Fahrt auf.

Auf jeden Fall ist ein Buch mit großen Emotionen, wie Liebe, Hass, Vertrauen und vor allem Ehrgefühl und es vermag auch diese sehr gut zu transportieren. Mit dem besagten Ehrgefühl habe ich in historischen Romanen immer so meine Schwierigkeiten, weil ich das einfach häufig nicht nachvollziehen kann. Vor allem dann nicht, wenn die seine eigene Ehre oder die der Familie vor alles andere stellt, auch vor die Wahrheit. Es ist natürlich interessant zu lesen, aber so richtig hineinversetzen kann mich häufig nicht.

FAZIT:
Trotz einiger Startschwierigkeiten, konnte mich das Buch dennoch überzeugen und ich hatte das Gefühl meinen Horizont auch wieder ein Stück weit erweitern zu können.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 16.03.2017

Hält was es verspricht

Bourbon Kings
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INHALT:
Eine mächtige Dynastie: skrupellose Machtspiele und verbotene Gefühle

Seit Generationen geben die Bradfords in Kentucky den Ton an. Der Handel mit Bourbon hat der Familiendynastie großen Reichtum ...

INHALT:
Eine mächtige Dynastie: skrupellose Machtspiele und verbotene Gefühle

Seit Generationen geben die Bradfords in Kentucky den Ton an. Der Handel mit Bourbon hat der Familiendynastie großen Reichtum und viel Anerkennung eingebracht. Doch hinter der glänzenden Fassade verbergen sich verbotene Liebschaften, skrupellose Machtspiele, Verrat, Intrigen und skandalöse Geheimnisse...

MEINUNG:
J. R. Wards Black Dagger habe ich gelesen, aber es hat mir leider so überhaupt nicht gefallen. Ich empfand es einfach als zu flach, aber Bourbon Kings wurde erst mal in den höchsten Tönen gelobt und klang auch von der Story her genau nach meinen Geschmack. Reich und schön habe ich damals immer gerne geschaut und ein wenig erinnert es mich daran, gepaart mit dem Denver Clan.
Das Buch hält was es verspricht. Man bekommt das ganze Paket der Reichen und Schönen und deren Intrigen, Machenschaften und Skandalen. J. R. Ward schafft es auch das Flair der amerikanischen Südstaaten sehr gut zu transportieren. Ich musste bei den Bediensteten gleich an Gute Geister denken, obwohl ich mich natürlich gefragt, ob das man heute wirklich noch zum Großteil vor allem Schwarze als Personal hat.
Die Geschichte dreht sich um die Familie Baldwine, deren Anwesen Easterly und deren Bourbon Imperium. Die vier Geschwister Lane, Gin, Edward und Max haben unter ihrem Vater William Baldwine nichts zu lachen. Er regiert das Unternehmen und die Familie mit harter Hand. J. R. Ward scheut sich auch dem Leser hier unschöne Szenen zu präsentieren ohne drum herum zu reden.
Der Fokus der Geschichte liegt auf Lane, aber auch seine Geschwister Gin und Edward und auch Lanes große Liebe und gleichzeitig Gärtnerin von Easterly tragen zur Entwicklung der Geschichte bei. Ich mit keinem der Charaktere bisher wirklich warm geworden, was aber für mich keinen Minuspunkt darstellt, denn ist und schlichtweg eine völlig andere Welt. Ich habe hier eine deutliche Diskrepanz gespürt, dass eigentlich keines der Geschwister für seinen Lebensunterhalt wirklich arbeiten geht, sondern sie alle leben mehr oder weniger vom Vermögen der Familie. Dieser Fakt macht die Geschichte durchaus glaubwürdig und authentisch, aber ich finde dazu persönlich keinen Zugang.
Einen Stern muss ich für die Liebesgeschichte zwischen Lane und Lizzy abziehen. Zum aller Ersten Mal mochte ich diese in einem Roman so überhaupt nicht. Es ging mir alles zu schnell und war viel zu kitschig. Ich war froh, wenn die Passagen vorbei waren und außerdem tut Lizzy zum Schluss etwas, wobei mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen sind und sie in meinem Ansehen echt tief in den Keller gerutscht ist.


FAZIT:
Der zweite Teil, Bourbons Sins, erscheint am 28. Juni und ich werde ihn sicherlich lesen. Ich bin schon gespannt, wie viel Lügen und Intrigen hier noch auf uns zu kommen. Bis auf ein paar kleine Kritikpunkt habe ich hier bekommen, was ich erwartet habe.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 16.03.2017

Suchtgefahr, trotz kleiner Schwächen

Paper Princess
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INHALT:
Ellas Leben war bisher alles andere als leicht, und als ihre Mutter stirbt, muss sie sich auch noch ganz alleine durchschlagen. Bis ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein: der ...

INHALT:
Ellas Leben war bisher alles andere als leicht, und als ihre Mutter stirbt, muss sie sich auch noch ganz alleine durchschlagen. Bis ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein: der Milliardär Callum Royal. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Doch bald merkt sie, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt. Callums fünf Söhne – einer schöner als der andere – verheimlichen etwas und behandeln Ella wie einen Eindringling. Und ausgerechnet der attraktivste von allen, Reed Royal, ist besonders gemein zu ihr. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen, denn es knistert gewaltig zwischen ihnen. Und Ella ist klar: Wenn sie ihre Zeit bei den Royals überleben will, muss sie ihre eigenen Regeln aufstellen …
MEINUNG:
Ich habe mich seit Harry Potter, glaube ich, nicht mehr so auf ein Buch gefreut. Ich freue mich schon seit der Frankfurter Buchmesse 2016, wo bekannt gegeben wurde, dass die Trilogie auf Deutsch erscheinen wird. Ich kann noch nicht mal sagen, was mich so angezogen hat. Ich schätze es ist eine Mischung aus tollen Cover, heißer Lovestory, Emotionen-Mix und der Tatsache, dass Elle Kennedy ein Teil des Autoren-Duos ist, welches sich hinter Erin Watt verbirgt.
Bei Paper Princess wird das Fahrrad im Bereich von New Adult nicht neu erfunden, aber darum geht es ja auch nicht. Ich mag die Protagonistin Ella sehr gerne, denn sie ist schlagfertig, trotzdem liebenswert und bleibt sich selbst auch treu. Sie weiß, wie ist für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen sowie für die schwerkranke Mutter sorgen zu müssen. Sie bleibt auch gegenüber dem luxuriösen Leben, das ihr durch Callum Royal ermöglicht wird, skeptisch und versucht sich immer noch eine Hintertür offen zu halten, falls sich diese Situation mal schlagartig ändern könnte. Trotz des vielen Geldes, geht Ella auch dann weiterhin arbeiten. Auch in der neuen Schule machen es ihr die Mitschüler nicht leicht und es gibt viele Neider, doch auch diese Situation meistert Ella wirklich sehr mutig und versucht sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Ihr Charakter bleibt allerdings nicht völlig frei von Klischees, so ist sie noch Jungfrau und hat natürlich eine schwäche Bad Boys.
Bad Boys sind eigentlich alle fünf Royal-Brüder. Wie der Klappentext schon verrät, verliebt sie sich in Reed, den gemeinsten Bruder der fünf Royals. Es ist zunächst nicht so ganz ersichtlich, welches Problem die Jungs bzw. Reed eigentlich haben und warum sie sich ihr gegenüber so verhalten. Zum Teil fand ich manche Aktionen ein wenig absurd. Besonders Reed will scheinbar den Ruf der Familie bewahren, auch wenn die Jungs zu ihrem Vater ein schwieriges Verhältnis haben und alle irgendwie verkorkst sind. Auch hier ist mir nur zum Teil nicht klar, warum das so ist, aber dazu wird uns in den nächsten Bänden sicher mehr verraten.
Ein wenig missfallen hat mir die Gewaltbereitschaft der Royal-Brüder, später natürlich auch, um Ella zu schützen, aber auch um ihrer inneren Zerrissenheit und Leere, die der Tod ihrer Mutter hinterlassen hat, Herr zu werden. Vor allem Ella stellt das nicht kritisch in Frage und das hätte ich mir schon gewünscht, denn so erweckt es den Eindruck, als wäre das völlig normal und in Ordnung.
Gegen Ende gab es ein paar Szenen bei einer Party, die mir nicht so gefallen haben, da sie mir einfach zu kindisch waren und nicht so, wie ich es sonst von den Büchern von Elle Kennedy kenne. Trotzdem hat das Buch auch einen unheimlichen Suchtfaktor und ich konnte mir nur schwer davon lösen.
Der erste Teil endet mit einem riesigen Cliffhanger. Gott sei Dank erscheint der zweite Teil, Paper Prince, schon am 3. April bzw. ist als eBook sogar schon jetzt verfügbar.

FAZIT:
Paper Princess ist keine neue Geschichte und entspricht ungefähr einer modernen Cinderalla-Story mit heißen Jungs, aber trotzdem kann man sich ihrer Sogwirkung nur schwer entziehen. Das Buch bringt einfach große Unterhaltung und ebenso große Emotionen, die mich einfach mitgerissen haben.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 16.03.2017

Ein guter Start, aber da ist noch Luft nach oben

Der Kuss der Lüge
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INHALT:
Lia ist die älteste Tochter im Königshaus Morrighan. Gerade mal 17 Jahre alt, soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch das Mädchen entscheidet ...

INHALT:
Lia ist die älteste Tochter im Königshaus Morrighan. Gerade mal 17 Jahre alt, soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch das Mädchen entscheidet sich, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Sie flieht und heuert weit entfernt von zu Hause in einer Taverne an. Dort lernt sie zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Die beiden sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, um die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt Lia sich zu beiden hingezogen...
MEINUNG:
Ich hab das Buch schon sehr lange auf Englisch auf meiner Wunschliste zu stehen gehabt. Als dann bekannt wurde, dass es auf Deutsch erscheinen wird, habe ich mich sehr gefreut und habe mich schnell von den vielen sehr guten Meinungen infizieren lassen.
Wer Prinz und wer Attentäter ist, soll durch eine geschickte Erzählweise verschleiert werden. Ich bin allerdings der Meinung, dass der Prinz einmal den Namen des Attentäters erwähnt und außerdem war mir das irgendwie schon recht schnell klar, wer wer ist. Diese geschickt eingebaute Finte hat bei mir also leider keine Wirkung gezeigt.
Die Autorin hat eine tolle fantastisch-historische Welt geschaffen mit einer eigenen Karten, vielen Stämmen und sogar eigenen Sprachen. Vor so viel Kreativität ziehe ich immer den Hut, auch wenn mich die Stellen in der fremden Sprache oft etwas gestört haben, da sie nicht übersetzt worden sind so richtig. Irgendwie fühlt man sich dann als Leser ausgeschlossen. Ihre Welt beschreibt Mary E. Pearson sehr detailliert, so dass man sich ein genaues Bild machen kann.
Die Geschichte wird zum größten Teil aus der Ich-Perspektive erzählt, unterbrochen vom Prinz, Attentäter und später auch von Pauline. Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen, aber leider passiert ungefähr zwei Drittel des Buches nicht besonders viel, außer einer genauen Beschreibung von Paulines und Lias Alltag in Terravin, was leider nicht besonders spannend und auch für die Handlung nicht wirklich wichtig ist. Man muss also schon ein wenig Durchhaltevermögen beweisen und es für mich auch ein Grund, um einen Stern abzuziehen. Dennoch macht das letzte Drittel sehr viel Lust auf den zweiten Teil.
Ich muss aber auch sagen, dass ich es ein wenig unglaubwürdig fand, dass sie so lange unbemerkt in Terravin leben konnte, welches sehr nah an ihrem eigentlichen Wohnort liegt. Vor allem als einer ihrer Brüder sie heimlich besucht und sie den anderen seinen richtigen Namen sagt und dass er ihr Bruder ist. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das Gesicht von ihrem Bruder so unbekannt ist und die Leute nicht längst 1 und 1 zusammen gezählt haben. Was mich gleich zu Lias Naivität führt unter der ich diese Aktion verbuchen wollen würde.
Lia habe ich anfangs als sehr naiv wahrgenommen, aber man muss vielleicht auch berücksichtigen, dass trotz aller Wildheiten in ihrem Charakter wohlbehütet als Prinzessin aufgewachsen ist und keinen Schimmer hat, wie das richtige Leben funktioniert. In diesem Kontext kann ich ihr die eine oder andere Aktion verzeihen, aber sie ist sich noch nicht so richtig bewusst, dass ihr Handeln womöglich einen Krieg herauf beschworen hat. Lias Beweggründe zur Flucht mögen nachvollziehbar sein, aber sie lässt damit in schweren Zeiten ihr Land und ihre Familie im Stich. Man muss ihr aber zu Gute halten, dass im letzten Drittel sehr schnell lernen muss wir hart das Leben sein kann und sie wächst auch daran. Am meisten beeindruckt sicherlich ihr schier unbeugsamer Wille und Kampfgeist ihre derzeitige Situation nicht einfach hinzunehmen.

FAZIT:
Dieser erste Teil konnte mich nicht restlos überzeugen, dass sich die Geschichte doch sehr gezogen hat und die wirkliche Handlung nur schwer in Gang kam. Das Ende lässt jedoch sehr auf Band 2 hoffen! Die Welt, die Mary E. Pearson geschaffen hat, konnte mich wirklich faszinieren und es ist spürbar, dass dort viele Geheimnisse verborgenen sind, auf deren Aufdeckung ich in den nächsten Teilen hoffe.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 16.03.2017

Ein toller Roman!

Im ersten Licht des Morgens
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INHALT:
Bevor an einem Morgen im Jahr 1943 die Sonne aufgeht, tritt Chiara im besetzten Rom auf die Straße. Noch ahnt sie nicht, dass sie an diesem Tag einem kleinen Jungen das Leben retten wird. Doch ...

INHALT:
Bevor an einem Morgen im Jahr 1943 die Sonne aufgeht, tritt Chiara im besetzten Rom auf die Straße. Noch ahnt sie nicht, dass sie an diesem Tag einem kleinen Jungen das Leben retten wird. Doch als sie Daniele begegnet, verbinden sich ihre Schicksale unwiderruflich miteinander. Chiara nimmt ihn allen Widrigkeiten zum Trotz an wie einen Sohn. Aus Liebe tut sie fortan alles, um ihn zu schützen – und aus Liebe begeht sie nach Kriegsende einen folgenschweren Verrat …
MEINUNG:
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen und zwar um 1943 und dann 1973. Die Kapitel wechseln sich immer ab. Fast ausschließlich spielt die Geschichte in Italien bzw. Rom. Aus dem Klappentext ist nicht so richtig ersichtlich, wie die Geschichte konstruiert ist bzw. hatte ich zumindest eine andere Vorstellung. Daniele Tochter, Maria, die allerdings in Wales lebt ist die Person, die die ganze Geschichte ins Rollen bringt und vor allem auch Chiara zwingt sich wieder mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, denn seit 10 Jahren weiß niemand, wo Daniele ist und ob er noch lebt. Als Maria, 15 Jahre alt, heraus bekommt, dass ihr vermeintlich geglaubter Vater nicht ihr richtiger ist, kommt in ihrer Familie zu einem Eklat und sie macht sich auf den Weg nach Italien.
Maria ist ein typisches pubertierendes Mädchen, die herauszufinden versucht, wer sie wirklich ist. Ich fand es sehr mutig, dass sie ganz alleine in ein ihr fremdes Land fährt, dessen Sprache sie nicht spricht, um ihre Wurzeln zu finden. Manchmal habe ich schnell vergessen, dass die „Gegenwart“ des Buches ja 1973 ist. Von daher scheint es auch kein Problem zu sein, dass man mit 15 schon raucht und scheinbar auch noch nicht fliegt, sondern mit der Bahn fährt.
Daniele lernt man nur indirekt kennen, aber es ist deutlich spürbar, dass er innerlich wohl völlig zerrissen war und auf die schiefe Bahn gerät. Ihm ist auch sehr wohl bewusst, dass Chiara nicht seine leibliche Mutter ist. Das lässt er sie vor allem in der Vergangenheit spüren. So spricht er zum Beispiel ganze drei Monate nicht mit ihr, nachdem sie ihn in ihre Obhut genommen hat, weil seine Mutter deportiert worden ist. Ihm scheint nicht so richtig klar zu sein, dass ihm damit das Leben gerettet worden ist.
Ob er noch lebt oder nicht, weiß Chiara nicht. Eine Verkettung sehr unglücklicher Zustände führte allerdings dazu, was dann so nach und nach raus kommt. Die Suche nach Daniele liegt allerdings nicht im Fokus des Buches, was ich ein wenig schade fand, aber mir ist schnell klar geworden, dass es mehr um das geht, was Chiara getan hat. Was für Auswirkungen es auf Daniele und sein weiteres Leben hat und Chiara damit leben kann. Man muss sich mit der Frage auseinander setzen, wie viel Schuld Chiara trägt und ob, das was sie getan hat nicht zu Daniele Besten war, sondern vor allem zu ihrem Besten.
Chiara mochte ich dennoch sehr gerne. Anfangs habe ich immer rum gerätselt, wie alt sie wohl sein möge, aber an einer Stelle wurde indirekt gesagt, dass sie 60 Jahr alt sei. Mir kam sie deutlich jünger vor. Ich mochte ihre Stärke und zugleich ihre Unsicherheit. Ich mochte ihre Neurosen und Spleens, die vor allem sehr humorvoll von ihrer Putzfrau beschrieben worden sind Man spürt auf das ganze Buch hinweg, dass sie Daniele bedingungslos liebt, auch als er auf die schiefe Bahn gerät und dass sie ihn nicht vergessen kann.



FAZIT:
Virginia Bailey schafft eine großartige Atmosphäre und gestaltet ihre Charaktere so, dass man nach Beendigung des Buches das Gefühl hat sie wirklich zu kennen. Man bekommt nicht nur einen Einblick in das Italien zur Zeit des zweiten Weltkriegs und das Italien der 1970er Jahre, sondern die Autorin fängt auch das italienische Flair einzigartig ein. Ich hätte mir noch ein wenig mehr den Fokus auf der Geschichte von Daniele, späteren Manns, in den 1970er gewünscht, aber ansonsten hatte mich das Buch wirklich begeistern können. Ich freue mich auf weiter Romane von der Autorin!

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.