Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2021

Ein spannender Kurzthriller mit einem überraschenden Ende

Eins, zwei, drei - vorbei
0

„Eins, zwei, drei – vorbei!“ von Mel Wallis de Vries ist ein Kurzthriller, der an die Handlung von „Da waren’s nur noch zwei“ anknüpft. Fünf Jahre sind seitdem vergangen, das Ferienhaus in den Ardennen ...

„Eins, zwei, drei – vorbei!“ von Mel Wallis de Vries ist ein Kurzthriller, der an die Handlung von „Da waren’s nur noch zwei“ anknüpft. Fünf Jahre sind seitdem vergangen, das Ferienhaus in den Ardennen hat seinen Besitzer gewechselt und mit Melanie, Lizzy und Dominique möchte eine andere Clique dort ihre Ferien verbringen. Erzählt wird der Kurzthriller aus der Ich-Perspektive von Melanie. Die Figuren und ihre Konstellation erinnern an „Da waren´s nur noch zwei“: Dominique ist neu in die Klasse von Melanie und Lizzy gekommen und hat sich besonders mit Lizzy angefreundet. Melanie hat – wie schon Kim im Vorgängerband – das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein, und Angst, ihre beste Freundin zu verlieren. „Eins, zwei drei – vorbei!“ ist ansonsten aber kein einfacher Abklatsch im Kurzformat. Spannend ist, dass Dominique, Lizzy und Melanie auf den Spuren von Kim, Feline, Abby und Pippa wandeln, was insgesamt schön gemacht ist. So finden sie einerseits Überbleibsel der vier Freundinnen im Ferienhaus und besuchen andererseits einen Handlungsort aus „Da waren’s nur noch zwei“. Auch ist das Ende von „Eins, zwei, drei – vorbei!“ ganz anders als das des Vorgängerromans: Es ist in gewisser Weise drastischer und erschreckender. Der Thriller besitzt eine schöne Spannungskurve, wobei diese zum Ende hin besonders stark wird. Wie von Mel Wallis de Vries gewohnt, lässt sich die Erzählung sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Eins, zwei, drei – vorbei!“ ein spannender Kurzthriller mit einem überraschenden Ende.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2021

Mystery, leichter Horror und Coming of Age

Gwendys Wunschkasten
0

Inhalt: Castle Rock. Auf ihrer täglichen Laufroute wird die 12-jährige Gwendy plötzlich von einem Mann mit Melone angesprochen. Er beschenkt sie mit einer wundersamen Kiste, die dazu in der Lage ist, Gwendys ...

Inhalt: Castle Rock. Auf ihrer täglichen Laufroute wird die 12-jährige Gwendy plötzlich von einem Mann mit Melone angesprochen. Er beschenkt sie mit einer wundersamen Kiste, die dazu in der Lage ist, Gwendys Wünsche zu erfüllen. Gleichzeitig geht mir der Kiste allerdings auch eine große Verantwortung einher…
Persönliche Meinung: „Gwendys Wunschkasten“ von Stephen King und Richard Chizmar ist eine Castle Rock-Novelle (ca. 120 Seiten), in der sich Mystery, leichter Horror und Coming of Age mischen. Erzählt wird die Handlung von einem auktorialen Erzähler, der Gwendys Jugend begleitet und mehrmals süffisant kommentiert. Meist schlägt er einen eher gemächlichen Ton ein. Gwendys Jugend wird nicht in voller Gänze dargestellt: Der Fokus der Erzählung liegt auf besonderen Ereignissen in ihrem Leben wie die erste Liebe, Konflikte mit Freunden oder das Erkunden der Funktionen der Kiste. Daher kommt es innerhalb der Handlung häufig zu Zeitsprüngen, wodurch die Erzählung an Unvorhersehbarkeit gewinnt. Die Stärke der Novelle ist, dass sie über die ganze Handlung hinweg im vagen lässt, wie die Kiste einzuordnen ist. Ist sie Fluch oder Segen für Gwendy? Was verlangt die Kiste von ihr? Wie nutzt Gwendy sie „richtig“? Ihre tiefere Bedeutung erhält die Novelle rückwärts motiviert: Was es tatsächlich mit der Kiste auf sich hat, wird zuletzt angedeutet, wodurch rückwirkend leicht moralisch-philosophische Gedanken in die Handlung getragen werden. Insgesamt ist „Gwendys Wunschkasten“ eine spannende Mystery-Novelle, die bis zuletzt einen unheimlichen Sog ausstrahlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2021

Ein spannender Kurzthriller

Blutkristalle
0

Inhalt: Ella plant mit ihrem neuen Freund Paul eine Winterwanderung. Wolfram begleitet sie – heimlich und ohne deren Zustimmung. Er muss Ella nämlich beschützen. Denn wenn Wolfram Ella rettet, wird sie ...

Inhalt: Ella plant mit ihrem neuen Freund Paul eine Winterwanderung. Wolfram begleitet sie – heimlich und ohne deren Zustimmung. Er muss Ella nämlich beschützen. Denn wenn Wolfram Ella rettet, wird sie endlich erkennen, dass nur er der Richtige für sie ist.

Persönliche Meinung: „Blutkristalle“ ist ein Kurzthriller (ca. 70 Seiten) von Ursula Poznanski, der in der Reihe „Eiskalte Thriller“ erschienen ist, in der noch weitere namhafte Autoren Kurzthriller präsentieren (z.B. Veit Etzold oder Michael Tsokos). Erzählt wird „Blutkristalle“ aus der (Täter-)Perspektive von Wolfram, einem Stalker, der es auf Ella abgesehen hat. Die wirren Gedanken Wolfram werden dabei glaubhaft und anschaulich dargestellt. Spannung entsteht besonders durch die Stimme, die Wolfram permanent hört und mit der er im Disput ist. Zuletzt endet die Handlung mit einem kleineren, überraschenden Twist. Der Thriller lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Blutkristalle“ ein unterhaltsamer Thriller für einen spannenden Leseabend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.07.2021

Ein dystopischer Klassiker

1984
0

Inhalt: In einer Welt, in der der Große Bruder durch Teleschirme alles sieht und die Mitmenschen potenzielle Denunzianten sind, versucht Winston Smith seine Nische zu finden. Er ahnt, dass nicht alles ...

Inhalt: In einer Welt, in der der Große Bruder durch Teleschirme alles sieht und die Mitmenschen potenzielle Denunzianten sind, versucht Winston Smith seine Nische zu finden. Er ahnt, dass nicht alles so ist, wie die Sozialistische Partei Englands (kurz: Engsoz) es behauptet, doch wirklich greifen kann er diese Gedanken nicht. Auch, wem er wirklich vertrauen kann, ist unklar. Dies ändert sich, als Winston Julia trifft, wodurch sein Leben eine unerwartete Wendung nimmt…

Persönliche Meinung: Der dystopische Klassiker „1984“ ist das bekannteste und vielzitierteste Werk von George Orwell. Orwell behandelt hier, beeinflusst von den diktatorischen Regimen seiner Zeit, in einer Art Zukunftsvision die Strukturen des totalitären Einparteienstaates „Ozeanien“. Diesen erleben die Leser*innen aus der Perspektive von Winston Smith, eines Angestellten des Ministeriums für Wahrheit (das Ministerium ist dafür zuständig, in medialen Erzeugnissen die Vergangenheit umzuschreiben, sodass sie den gegenwärtigen Bedürfnissen der Partei entspricht und eine gültige „Wahrheit“ geschaffen wird). Viele Kerngedanken, die Orwell in „1984“ einbaut, finden sich bereits in „Farm der Tiere“. So decken beide verschiedene Macht- und Repressionsmechanismen eines totalitären Staats wie z.B. Manipulation, psychische Gewalt und Propaganda auf. Dabei geht „1984“ aber noch einige Schritte weiter als „Farm der Tiere“. Die Mechanismen sind ausgefeilter, in einen größeren (Staats)Zusammenhang eingebettet und stärker darauf bedacht, das Individuum zu brechen und das kollektive Gedächtnis systematisch zu eliminieren. Wie z.B. der alltägliche „Zwei Minuten Hass“: Durch eine zweiminütige Videosequenz soll mithilfe eines akustisch-visuellen Primings der Hass auf den Staatsfeind Nummer 1 gesteigert und die Bindung an die Engsoz erhöht werden. Selbst reflektiertere Menschen, wie Winston Smith, erliegen den infernalischen Lauten und beginnen zu hassen. Auf bedrückende Art faszinierend ist "1984" vor allem aufgrund des Überwachungsstaates "Ozeanien". Dieser ist total, dringt ins Innerste vor und sieht sich selbst als Perfektion des nationalsozialistischen und des sowjetischen Regimes an. In der Welt von "1984" ist nichts mehr privat. Alles, selbst das Ich und seine Gedanken, ist öffentlich und Nischen existieren nicht. Auch in die Sprache greift das Regime in Form von „Neusprech“ ein: Der Wortschatz soll drastisch reduziert, Wörter in ihrer Bedeutung eingeschränkt und durch prägnante Neologismen ersetzt werden, sodass man sich mit einer minimalistischen Anzahl von Begriffen verständigen kann, wodurch letztlich die Freiheit des Denkens vollends verhindert werden soll (ausführlicher thematisiert Orwell „Die Prinzipien von Neusprech“ im Anhang, was aus linguistischer Sicht interessant ist. Die deutsche Übersetzung von Gisbert Haefs ist übrigens sehr gut gelungen und fängt „Neusprech“ gut ein). „1984“ ist im Vergleich zu „Farm der Tiere“ ausufernder, weniger pointiert und handlungsstrukturell nicht so stark durchkomponiert. Dadurch zieht sich die Handlung stellenweise; andererseits werden durch die ausführlichen Beschreibungen die Repressionsmechanismen des Staats eindrücklich und deutlich; die Beklemmung nimmt dabei stetig zu.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.07.2021

Ein rasanter Thriller

Das Spiel – Es geht um Dein Leben
0

Inhalt: Ein brutales Spiel hat begonnen. Jeder - mit dem nötigen Kleingeld - kann sich beteiligen. Die Opfer, normale, unbescholtene Menschen, die noch nichts von ihrer Beteiligung am Spiel wissen, sind ...

Inhalt: Ein brutales Spiel hat begonnen. Jeder - mit dem nötigen Kleingeld - kann sich beteiligen. Die Opfer, normale, unbescholtene Menschen, die noch nichts von ihrer Beteiligung am Spiel wissen, sind bereits von langer Hand ausgewählt und markiert worden. Das Ziel? Möglichst viele Opfer ausschalten, um Punkte für den großen Jackpot zu sammeln. Eher zufällig gerät der Ermittler Christian Brand in das Fahrwasser des Spiels und ist, ehe er es ahnt, bereits mittendrin…

Persönliche Meinung: „Das Spiel“ ist ein Thriller von Jan Beck. Das Besondere an diesem Thriller ist, dass er aus unterschiedlichsten Perspektiven erzählt wird (keine Angst: Man kann der Handlung trotzdem sehr gut folgen, da zu Beginn der einzelnen Kapitel angegeben wird, wann das jeweilige Kapitel spielt und welche Hauptfigur agiert). Nicht nur die Perspektiven der beiden Hauptermittler und der Täterfigur werden eingenommen, sondern auch die der Opfer und eines Journalisten, der auf eigene Faust in Sachen "Spiel" ermittelt. So entsteht für die Leser*innen ein Mosaikbild des Falles, das Stückchen für Stückchen, von Perspektive zu Perspektive vervollständigt wird, bis es in einem großen Finale gipfelt. Die eher kurzen Kapitel enden häufig mit einem Cliffhanger und ihr Wechsel ist rasant, wodurch ein schöner Spannungsbogen erzeugt wird. Trotz aller Informationen, die man bereits sammeln konnte, ist das Ende überraschend. Einzelne Fragen werden hier eher kurz beantwortet und bleiben daher teilweise offen. Das fällt für mich allerdings nicht so sehr ins Gewicht, da das Ende insgesamt stimmig ist. Originell ist die Art, wie die Opfer markiert worden sind: Sie tragen alle unwissentlich ein UV-Tattoo eines Skorpions, allerdings unterscheidet sich jedes Tattoo in einem bestimmten Aspekt, der einen entscheidenden Hinweis darauf gibt, auf welche "Art" man bei dem jeweiligen Opfer Punkte sammeln kann (mehr kann ich nicht verraten). Besonders hat mir der Handlungsstrang von Mavie gefallen. Mavie, ebenfalls unfreiwillig mit einem UV-Tattoo versehen und dadurch auf der Liste des „Spiels“, ist eine Jugendliche, die es aus verschiedenen Gründen nicht leicht hat. In ihrem Handlungsstrang vermischen sich die Flucht und Angst vor dem Mörder mit Elementen des Coming of Age bzw. der Selbstfindung, wodurch Mavie eine größere Tiefe erhält. Der Thriller lässt sich sehr flüssig lesen, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Insgesamt ist „Das Spiel“ ein temporeicher, spannender Thriller, der einige originelle Ideen und einen sehr schönen Erzählstil besitzt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere