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Veröffentlicht am 08.07.2021

Hinterlässt gemischte Gefühle

Ein Sommer mit Percy und Buffalo Bill
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Der Verlag Urachhaus ist mir seit vielen Jahren bekannt als anspruchsvoller, anthroposophisch orientierter Verlag. Entsprechend offen-neugierig war ich auf das vorliegende Kinderbuch. Und in der Tat entdeckte ...


Der Verlag Urachhaus ist mir seit vielen Jahren bekannt als anspruchsvoller, anthroposophisch orientierter Verlag. Entsprechend offen-neugierig war ich auf das vorliegende Kinderbuch. Und in der Tat entdeckte ich viel Positives in der Geschichte, aber leider auch Details, die mich befremdeten oder zumindest merkwürdig berührten. Insofern wäre ich nicht uneingeschränkt bereit, das Buch als Lesepatin mit „meinen“ Kindern zu lesen.

Ulf fährt mit seiner Familie wie jedes Jahr in die Schären in den Sommerurlaub zu seinen Großeltern. Ulf freut sich vor allem darauf, Pia wieder zu sehen, in die er sehr sehr verliebt ist. Der knurrige Großvater mag keine Kinder, da ist es besonders schlimm, dass sich Percy, Blutsbruder und Schulfreund von Ulf, einfach selbst eingeladen hat, die Ferien mit Ulf zusammen zu verbringen. Doch Percy versteht es durch seine verrückten Einfälle, dass der Großvater auftaut. Dies und noch vieles, vieles mehr passiert in diesen abenteuerlichen Sommerferienwochen.

Ulf Stark trifft mit seinen Schilderungen genau dieses unvergleichliche Gefühl aus der eigenen Kindheit, als Sommerferien noch unendlich lang waren und jeder Tag ein neues Abenteuer versprach. Auch die gefühlvollen Beschreibungen von Fauna und Flora gefallen mir sehr, sehr gut. Eine Fülle an verrückten Einfällen, an denen der freche Percy nicht unschuldig ist, ließen mich oftmals auflachen. Wie es ist, verliebt zu sein oder auch eifersüchtig oder wütend, aber auch wie wichtig Freunde sind, all das wird sehr lebendig in Szene gesetzt. Neben den lustig-frechen Sequenzen gibt es aber auch ernste und sensibel beschriebene Passagen, gerade was den finsteren Großvater und die sehr stille Großmutter betrifft. Was mich am Buch jedoch abstieß, waren die grausamen Szenen, beim Angeln zum Beispiel, oder das schreckliche Käfergemetzel oder durch Gedankenlosigkeit getötete Kaulquappen oder das Herumkauen auf Dorschaugen. Dass die Kinder völlig sich selbst überlassen bleiben, dass sie rauchen und sich zu weit ins Meer wagen, obwohl sie nicht gut schwimmen können, soll wohl als Abenteuer dargestellt werden. Ich persönlich finde das allerdings recht fragwürdig und auch unnötig. Deshalb hinterlässt das Buch bei mir leider einen recht gemischten Eindruck. Auch würde ich deshalb die Altersempfehlung „ab 6 Jahre“ sehr anzweifeln. Positiv zu erwähnen sind die fröhlichen und ausdrucksstarken Illustrationen von Regina Kehl.

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Veröffentlicht am 15.05.2021

Wenn das Cover zu viel verspricht

Schwarzwälder Morde
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Wenn man Schwarzwälder Kirschtorte und Krimis so sehr liebt wie ich, kann man sich der Verlockung dieses Covers gar nicht entziehen. Und so begann ich mit großer Euphorie zu lesen. Anfangs mit viel Schmunzeln. ...


Wenn man Schwarzwälder Kirschtorte und Krimis so sehr liebt wie ich, kann man sich der Verlockung dieses Covers gar nicht entziehen. Und so begann ich mit großer Euphorie zu lesen. Anfangs mit viel Schmunzeln. Dann wurde ich zunehmend müde und ja, auch gelangweilt. Zum Ende blieb Enttäuschung zurück.

Der Kommissar Justin Schmälzle ist Veganer und Badener mit hawaiianischen Wurzeln. Sein Kollege Scholz trägt gerne Schwarz und mag es eher ruhig bei der Arbeit. Als eine Moorleiche mit eingeschlagenem Schädel gefunden wird, wird es unruhig im Kommissariat. Und noch unruhiger wird es, als die Posten-Putzfrau etwas erzählt von verschobenen Grenzsteinen und jemand den Investor einer geplanten Ferienanlage in den Fuß schießt.

So weit so gut. Das besondere Genre der Lokal- bzw. Regiokrimis wird aus literarischer Sicht eher wohlwollend belächelt. Es spielt gerne mit den landschaftstypischen Besonderheiten/Marotten der dort lebenden Menschen und nutzt alle denkbaren Klischees des Landstrichs. Die Leserschaft setzt sich mehrheitlich aus Menschen zusammen, die „ihre“ Heimatgegend im Roman wiederfinden wollen. Insofern bemühe ich mich mit allem Wohlwollen, diesen Regiokrimi zu beurteilen. Er lebt in erster Linie von seinen Dialogen. Streckenweise meine ich, ein für Schauspieler ausgedrucktes Textbuch zu lesen. Denn die Autorin hat wenig Wert gelegt auf mit allen Sinnen wahrgenommene Beschreibungen, die den Text farbig, emotional nachvollziehbar und vorstellbar-lebendig gemacht hätten. Die Hauptakteure traten auf und ab wie in einem Theaterstück, sie sagen ihren Text, aber der Leser bekommt sie nicht vor sein inneres Auge, er spürt sie nicht. Was mir im ersten Drittel des Buches ausnehmend gut gefiel, waren die herrlich komischen Spiele mit Redensarten, Wörtern und mundartlichen Ausdrücken. Auch gefällt das Ausschöpfen einer gewissen Situationskomik, wenn in den Dialogen das Missverstehen durch falsche Wortbezüge passiert. Aber – und hier zitiere ich die Autorin selbst – „auch wenn etwas ausgiebig ist, muss es nicht ergiebig sein“! Diese soeben geschilderte Art der Dialoge läuft sich nach einer Weile tot. Das Lesen beginnt zu ermüden. Die Handlung schleppt sich, insbesondere weil sie keine Überraschungen bietet und sehr vorhersehbar ist. Den eingeschobenen kurzen historischen Szenen fehlt es ebenfalls an Spannung, an Überraschendem, an Unvorhergesehenem. Ich persönlich mag es im Übrigen gar nicht, wenn Musikbeispiele und Songtexte in die Handlung einfließen. Sie dienen nur den Lesern, die die Stücke im Ohr haben, für alle anderen sind sie sinnlos.
Fazit: Ich wünsche dem Buch sehr, dass es in die Hände eines fähigen Regisseurs gelangt. Denn als Film, der von spritzig-witzigen Dialogen lebt, wäre das Buch bestimmt ein Hit.

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Veröffentlicht am 18.04.2021

Viel Wind um ... ja, um was eigentlich?

Sommernacht
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Das Buch macht viel Wind um sich selbst. „Spektakulär“ soll es sein. Ein „sensationeller Thriller“ soll es sein. Nun ja, in Wirklichkeit erschien mir der Thriller eher einer von der ruhigen Sorte, gut ...


Das Buch macht viel Wind um sich selbst. „Spektakulär“ soll es sein. Ein „sensationeller Thriller“ soll es sein. Nun ja, in Wirklichkeit erschien mir der Thriller eher einer von der ruhigen Sorte, gut lesbar ja, aber streckenweise ermüdend langsam im Erzählen. Die Geschichte verwendet einen Plot, den man schon besser und spannender von anderen Autoren umgesetzt lesen durfte. Da werden einige unterschiedlichen Menschen an einem abgelegenen Ort einer unbekannten Bedrohung ausgesetzt bis hin zum Mord. Und der Mörder muss unter ihnen sein.
Die Stärke des Buches ist eindeutig die teils lyrisch eindrückliche Schilderung des Handlungsortes, nämlich die abgelegene kleine Insel Cormorant Island, im Atlantik vor der irischen Küste gelegen. Es gibt gefährliche Klippen und ein ebenso gefährliches Torfmoor. Ein teils verfallener Friedhof erzählt von vielen Toten in der Vergangenheit. Jetzt leben nur noch Aoife, von Beruf Hochzeitsplanerin, und Freddy, leidenschaftlicher Koch, auf dieser winzigen Insel. Und zum ersten Mal soll nun eine Hochzeit auf dieser Insel gefeiert werden, mit allem denkbaren Luxus, der dem Brautpaar würdig ist. Jules heiratet Will, einen gefeierten Fernsehstar. Nur eine Handvoll Gäste werden an der Zeremonie und anschließenden Feier teilnehmen. Das Wetter wird zunehmend schlechter. Sturm kommt auf mit viel Wind natürlich. Der Strom fällt zeitweilig aus. Die Gäste benehmen sich zunehmend schlechter. Eine Leiche wird gefunden…
Was nun macht den Thriller eigentlich so langatmig? Vielleicht sind es die vielen Ich-Erzähler, die wechselnd ihre Sicht des Erlebens schildern. Vielleicht sind es die winzigen Gegenwartssequenzen, die von Mal zu Mal das kontinuierliche Lesen stören. Vielleicht sind es die teils ausufernden Berichte über die Interaktionen in der Freundesgruppe rund um den Bräutigam. Vielleicht ist es auch einfach die Tatsache, dass es auf dieser Insel einfach zu viele kaputte, nervige, gestörte und extrem unsympathische Akteure gibt, die sich ständig daneben benehmen. Einzig das zunehmend bedrohliche Naturambiente, das Sturmgetöse, das Brüllen des Meeres, was Lucy Foley wirklich großartig und eindrucksvoll beschreibt, lässt eine schaurige Stimmung entstehen. Wenn man ungefähr 300 Seiten durchhält, wird man allerdings durch ein wirklich spannendes, beeindruckend überraschendes Ende belohnt.

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Veröffentlicht am 04.04.2021

Frauenroman oder Familienepos oder historischer Roman?

Schwestern fürs Leben
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Am liebsten würde ich dem Buch spontan die Überschrift geben: Ein reiner Frauenroman. Doch was ist ein „Frauenroman“? Heißt das, dass der Roman von Frauen gelesen werden soll, nicht von Männern? Oder ...



Am liebsten würde ich dem Buch spontan die Überschrift geben: Ein reiner Frauenroman. Doch was ist ein „Frauenroman“? Heißt das, dass der Roman von Frauen gelesen werden soll, nicht von Männern? Oder hat der Begriff gar etwas Abwertendes im Sinn von „leicht lesbar, oberflächlich unterhaltend“? Oder geht es im Roman schlichtweg um Frauen? Von all dem stimmt alles ein wenig, aber nicht so ganz. Eher glaube ich persönlich, dass ein Frauenroman relativ unkritisch mit dem Rollenbild der Frau umgeht, was besonders leicht möglich ist, wenn man die Handlung in eine frühere Zeit verlegt. Zwar begehren die weiblichen Hauptpersonen auf oder suchen mehr oder weniger mühsam ihren individuellen Weg, aber sie stellen in der Regel gesellschaftliche Normen nicht generell in Frage, jedenfalls nicht in Romanen, die ich als „Frauenroman“ bezeichnen würde.

Es geht um die Schwestern Danneberg, die, so unterschiedlich sie auch sind, gefangen sind in der Familienstruktur des altehrwürdigen Rumhauses Danneberg. Von 1919 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verfolgen wir ihre individuellen Lebenswege.

Eine nicht ausgewogene Komposition ist dieses Buch: Sich geradezu verlierend in breit ausgewalzten Details beginnt der Roman. Viele, viele Seiten lang ist er sehr zäh, fast langweilig zu lesen. Erst relativ spät im Buch strafft sich die Handlung, wird spannender, verliert aber gleichzeitig auch an Intensität, an Atmosphäre und verwirrt durch das Überspringen von Zeiten und Verläufen. So als würde ein Pianist erst ganz, ganz langsam Ton für Ton nacheinander spielen, um dann so blitzschnell zu spielen, dass etliche Töne gar nicht mehr gehört werden können. Die Protagonistinnen mochte ich allesamt nicht, fand keinen Draht zu ihnen. Sie waren psychologisch nicht schlüssig dargestellt. Am liebsten hätte ich ihnen immer wieder zugerufen „Selber schuld!“. Über Rum habe ich nicht viel gelernt. Und der historische Hintergrund blieb flach, diente nur als reine Fassade, weil er weder sprachlich noch gefühlsmäßig ernsthaft nachempfunden wurde. Ein Roman also, den man ohne größeren Anspruch gerne mal zwischendurch lesen kann, der aber keine tieferen Spuren hinterlässt.

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Veröffentlicht am 04.04.2021

Typischer Fall von "denkste"

Geiger
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Die einzig wirklich verblüffende Szene wird im Klappentext in voller Länge verraten. Denn diese Szene ist eine gekonnte Verlockung, um Thriller-Leser neugierig zu machen. Doch das Buch ist – aus meiner ...


Die einzig wirklich verblüffende Szene wird im Klappentext in voller Länge verraten. Denn diese Szene ist eine gekonnte Verlockung, um Thriller-Leser neugierig zu machen. Doch das Buch ist – aus meiner Thriller-Leser-Sicht gesehen – eine Mogelpackung.
In Kurzform: Das Telefon klingelt. „Geiger“ sagt jemand. Großmutter Agneta legt auf, nimmt die Waffe und erschießt ihren Musik hörenden Mann. Kommissarin Sara Nowak, eigentlich für die Verfolgung der in Schweden strafbaren Prostitution tätig, wird von diesem Mord aufgeschreckt, denn sie kannte die Familie von Kindesbeinen an. Und so verfolgt sie, obwohl an den Ermittlungen nicht wirklich beteiligt, ihre eigenen Spuren.
Eigentlich lässt sich das Buch gut lesen, was den Schreibstil betrifft. Und wenn es um konkrete Ermittlungsschritte geht. Doch ansonsten fehlt es mir an allem, was für mich einen guten Thriller ausmacht. Die Protagonisten bleiben mir völlig fremd und unverständlich in ihren Handlungen. Trotz geschickt eingesetzter Rückschauen bzw. Erinnerungen bleibt für mich zu viel offen, um wenigstens ansatzweise Verständnis zu gewinnen. Viel Platz wird eingeräumt den schwedischen Besonderheiten, was sozialpolitische, gesellschaftliche und rechtliche Dinge betrifft. Auf widerlichste Weise werden Pädophilie und Prostitution abgehandelt. Als politischer Laie kann ich den Wahrheitsgehalt der im Buch enthaltenen Aussagen über DDR, Geheimdienst, Kalten Krieg usw. nicht beurteilen. Deshalb blieb mein Interesse an diesen breit behandelten Themen sehr gering. Wo bleibt da der eigentliche Thriller? Das offene Ende will zur Lektüre der weiteren Thriller aus dieser Reihe verlocken. Klappt bei mir allerdings nicht.

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