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Veröffentlicht am 28.07.2021

Erschreckend realistisch und mit den heutigen Zuständen vergleichbar

Revolution der Träume
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Zwar nicht ohne Blessuren aber überlebt haben die drei Freunde Isi, Carl und Artur. Sie treffen in Berlin wieder aufeinander und es ist verständlich, dass die Freude sehr groß ist. Carl strebt eine Karriere ...

Zwar nicht ohne Blessuren aber überlebt haben die drei Freunde Isi, Carl und Artur. Sie treffen in Berlin wieder aufeinander und es ist verständlich, dass die Freude sehr groß ist. Carl strebt eine Karriere als Kameramann bei der UFA an und Isi möchte immer noch die Welt retten. Tja und Artur hat sich als „King der Unterwelt“ etabliert. Und auch wenn die drei mitunter gegen das Gesetz verstoßen, sie halten zusammen und helfen einander in jeder brenzligen Situation. Bange machen gilt für sie immer noch nicht.

Ja, ich kann schon sagen, dass ich sehnsüchtig auf dieses Werk wartete. Las ich doch den ersten Band über die drei Freunde und war enttäuscht, dass etliche Fragen offen blieben. Diese wurden nun im Buch "Revolution der Träume", das im Dumont Buchverlag erschien, beantwortet. Sehr ausführlich und kenntnisreich ersteht das Berlin der 20er Jahre vor den Augen der Leser. Der Kampf ums Überleben wird dabei genau so detailliert beschrieben wie das Erstarken der Nationalisten. Es ist für mich nachvollziehbar, wie verzweifelt die Menschen waren und dass sie sich von den Politikern und Verantwortlichen verraten fühlten. Wie leicht hatten es dann Populisten, diese Hoffnungslosen für ihre Ideen zu gewinnen. Zumal die „Altparteien“ zerstritten waren und keine Perspektive für die Zukunft aufzeigen konnten. Die Parallelen zur heutigen Situation sind deutlich.

Die Reparationszahlungen waren nicht zu begleichen und das Volk litt erheblich. Nein, nicht alle. Es gab die Schieber und Schwarzhändler, die es auch während der Weimarer Zeit zu Reichtum brachten. So auch Artur obwohl er sich dabei immer wieder in Lebensgefahr brachte. Das Buch ist spannend geschrieben aber auch für Empathie und Liebe gibt es viel Raum. Ein wertvolles Stück Historie in einem gut lesbaren und dennoch anspruchsvollen Stil geschrieben.

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Veröffentlicht am 27.07.2021

Spannende Fakten über eine außergewöhnliche Glaubensgemeinschaft

Der Himmel über Amerika - Rebekkas Weg
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Das Jahr 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Menschen hungerten und viele wollten nur noch weg. So auch die Eheleute Rebekka und Daniel. Gemeinsam mit etlichen Angehörigen wanderte ...

Das Jahr 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Menschen hungerten und viele wollten nur noch weg. So auch die Eheleute Rebekka und Daniel. Gemeinsam mit etlichen Angehörigen wanderte sie aus. Es zog sie nach Amerika, dem Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“. Hier können sie sich eine Existenz aufbauen und ein glückliches Leben führen. Bis durch Zufall herauskam, wer Daniel wirklich ist.

In dem Roman „Der Himmel über Amerika“ schreibt die Autorin viel über die Glaubensgemeinschaft der Amischen. Wie sie leben, welche Einstellung sie gegenüber Andersgläubigen und Fremden haben und wie sie ihre Kinder erziehen. Es ist schon erstaunlich, dass es bis heute etliche weitere ebenso strenge Glaubensgemeinschaften gibt. Zum Glück werden sie kaum noch angefeindet und können in Ruhe ihres Glaubens leben.

Die Hauptperson Rebekka ist keine stille Dulderin. Sie wagt es sogar, sich den Wünschen ihrer Eltern zu widersetzen und folgt ihrem Herzen. Das war mutig und keineswegs normal für damalige Verhältnisse. Es existierten Regeln und diese mussten streng befolgt werden. Wer nicht gehorchte, der musste damit rechnen, dass er ausgeschlossen wurde. Und das nicht nur in Situationen, wo Kinder nicht ihren Eltern gehorchen wollten. So war zum Beispiel Homosexualität etwas Widernatürliches und eine Todsünde. Menschen, die sich „outeten“ wurden verstoßen und mussten in die Ferne ziehen.

Bisher las ich alle Bücher von Karin Seemayer und auch dieses gefiel mir sehr gut. Neben vielen historischen Fakten gibt es zwar ebenfalls eine Liebesgeschichte, aber die ist ohne Pathos und übertriebene Sentimentalitäten erzählt. Was mir nicht so gut gefiel, das ist der Klappentext. Hier hätte der Verlag darauf achten sollen, dass nicht so viel vom Inhalt verraten wird.

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Veröffentlicht am 13.07.2021

Für mich ein Highlight für das Lesejahr 2021

Verrat in Colonia
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Immer wieder gerät die Sklavin Invita in Situationen, die nicht nur ihr eigenes Leben sondern auch das ihrer Freunde, gefährdet. Gemeinsam mit ihrer Herrin Marcella reist sie nach Köln und wohnt dort bei ...

Immer wieder gerät die Sklavin Invita in Situationen, die nicht nur ihr eigenes Leben sondern auch das ihrer Freunde, gefährdet. Gemeinsam mit ihrer Herrin Marcella reist sie nach Köln und wohnt dort bei dem Cäsaren Licinus Salonius. Während des Aufenthaltes kommt es zum Mord an einem hohen Beamten, welcher gleichzeitig der künftige Schwiegervater Marcellas sein soll. Und da der Sklave Flavus beim Auffinden des Opfers in seiner Nähe weilte, ist der Tatverdächtige rasch ausgemacht. Flavus soll es sein. Invita weiß, was ihrem Liebsten widerfahren wird, wenn, ja wenn sie seine Unschuld nicht beweisen kann.

Es ist der vierte Band in dem es um die Mordermittlungen der Sklavin Invita geht. Jedes Buch kann unabhängig von den anderen gelesen werden, jedoch das Verständnis für die Entwicklung der Charaktere ist klarer, wenn auch die vorherigen Bücher gelesen werden.

Es ist mal wieder ein Buch, welches mich bestens unterhielt. Das liegt alleine an der Autorin
Maria W. Peter. Sie zeichnet sich nicht nur durch genaue Recherche aus. Auch ihre bildhaften Erläuterungen zu Plätzen und Personen ist einzigartig. Dazu kommt auch, dass die Lebenssituation im damaligen „Coeln“ so genau beschrieben sind, dass ich sowohl die Gerüche als auch das sanfte Plätschern des „Rhins“ wahrnehmen konnte.

Schon damals gab es diese „typischen Kölschen“ also die Leichtigkeit des Seins, welches bis heute echte Kölner ausmacht. Spannend ist das Buch ebenfalls. Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und hält bis zum Schluss. Nein, ich wusste absolut nicht, wer für den Mord verantwortlich war und in welcher Weise die Geschichte endet. Nach dem Roman schrieb Frau Peter nochmals sehr ausführlich, welche Fakten
"Verrat in Colonia" zugrunde lagen. Schade, dass es nur fünf Sterne für eine Bewertung gibt.

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Veröffentlicht am 13.07.2021

Für Freunde gehobener Literatur ein Muss

Das Damengambit
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Elizabeth Harmon ist acht Jahre alt als ihre Mutter stirbt. Sie muss in ein Waisenhaus umziehen. Dort werden die Kinder mit grünen Pillen ruhig gestellt und wer aufmuckt, der bekommt den Riemen zu spüren. ...

Elizabeth Harmon ist acht Jahre alt als ihre Mutter stirbt. Sie muss in ein Waisenhaus umziehen. Dort werden die Kinder mit grünen Pillen ruhig gestellt und wer aufmuckt, der bekommt den Riemen zu spüren. Wie gut, dass Beth weiß, wie sie die Aufseher täuschen kann. Sie hat nämlich für sich entdeckt, wie sie dem tristen Alltag für eine Weile entfliehen kann: Schach. Es stellt sich schnell heraus, dass sie ein Naturtalent ist. Schach wird ihre Leidenschaft und mit dem Spiel kann sie mehr als „nur“ ihren Lebensunterhalt verdienen.

Dass „Das Damengambit“ schon vor so vielen Jahren veröffentlicht wurde, ist kaum zu glauben. Das Buch zeigt so viele aktuelle Probleme, mit denen nicht nur junge Menschen auch heute kämpfen. Sei es die Gefahr einer Tablettensucht, wenn man sich das Leben leichter machen möchte. Sei es vor Prüfungen oder als Hausfrau und Mutter, wenn Ruhe und Besonnenheit erforderlich sind. Gibt es keine Tabletten mehr, dann greift man halt zur Flasche, sprich dem „Seelentröster“ Alkohol. Ja, es gibt Menschen, die das verurteilen. Das ist aber zu einfach. Wer sich anmaßt, die Betroffenen in eine Ecke zu stellen und den Stab über sie bricht, der sollte sich zunächst ihre Beweggründe anhören. Das hat der Autor Walter Tevis wirklich sehr deutlich kommuniziert.

Das Buch erschien 1983 in USA und wurde jetzt erst ins Deutsche übersetzt. Es ist wohl der Tatsache geschuldet, dass eine Serie den Bekanntheitsgrad von „Das Damengambit“ sprunghaft in die Höhe schnellen ließ. Der Titel ist übrigens eine Eröffnung im Schachspiel und alle, die sich gerne damit befassen, werden in dem Buch viele Anregungen für Spielzüge finden. Aber nein, es bietet keineswegs nur für Freunde vom Schach unterhaltsame Stunden. Die Sprache ist gehoben und so lebendig, dass ich in die Story eintauchen konnte. Fünf Sterne und eine absolute Empfehlung für alle, die gehobene Literatur mögen.

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Veröffentlicht am 13.07.2021

Mit viel Herzblut und faktenreich geschrieben

Was uns durch die Zeiten trägt
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Im Jahr 1943 gehörte Schlesien noch zu Deutschland. Hier lebte Luise Reich mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem jahrhundertealten Hof. Luise ist verliebt in den Sohn ihrer Nachbarn. Wolfgang, so ...

Im Jahr 1943 gehörte Schlesien noch zu Deutschland. Hier lebte Luise Reich mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem jahrhundertealten Hof. Luise ist verliebt in den Sohn ihrer Nachbarn. Wolfgang, so lautet sein Name und es sieht so aus als würde er ihre Liebe erwidern. Dann muss er an die Front. Und nicht nur er. Viele Männer aus dem Dorf werden kurz vor Kriegsende noch einberufen. Wie gut, dass es noch die Zwangsarbeiter gibt. Einer von ihnen, der Pole Marian, wohnt und arbeitet auf dem Hof der Reichs und Luise freundet sich mit ihm an.

Marion Johanning war mir bereits von ihren vorherigen Büchern als sehr gute Autorin bekannt. Daher freute ich mich auch auf „Was uns durch die Zeiten trägt“ und ich wurde nicht enttäuscht. Sie schildert den Schrecken der Vertreibung in einer Art und Weise, die ich vorher so noch nie las. Zumal nicht nur die Situation der Vertriebenen ein Thema ist. Auch jene, die selbst ihre Heimat verloren und in die Häuser der Deutschen einzogen, waren keine Unmenschen. Sie mussten ebenfalls den Befehlen der Herrschenden gehorchen. Es gab berührende Schicksale, von denen Frau Johanning mit viel Herzenswärme schreibt.

Mir gefiel das Buch ausgesprochen gut. Nein, niemals kann ich mich in das Leid der Menschen von damals hineinversetzen. Aber ich verstehe immer besser warum es so schwer war, dass Polen und Deutsche sich die Hand gaben. Ja, dass zuweilen bis heute noch nicht alles Taten vergeben wurden, das kann ich nachvollziehen. Das Schicksal von Luise und ihren Lieben geht bald weiter und ich bin sehr gespannt, ob die junge Frau dauerhaftes Glück findet. Der zweite Band erscheint hoffentlich recht bald.

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