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Veröffentlicht am 23.01.2022

Den Job machen

Todland
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Der Tote Anwalt wurde vom Regen reingewaschen, die meisten Spuren sind verwischt. Deshalb sehen die Löcher in seinem Schädel auch beinahe harmlos aus. Trotzdem ist der Polizist Martin Juncker schockiert. ...

Der Tote Anwalt wurde vom Regen reingewaschen, die meisten Spuren sind verwischt. Deshalb sehen die Löcher in seinem Schädel auch beinahe harmlos aus. Trotzdem ist der Polizist Martin Juncker schockiert. Der Tote war Partner in der Kanzlei, die Junckers Vater dereinst gegründet hatte. Nun muss Juncker die Aufgabe übernehmen, der Witwe des Mannes die Nachricht zu überbringen. Martins Frau Charlotte, die sich von ihm getrennt hat, bekommt einen Hinweis, dass der verheerende Anschlag vom letzten Winter hätte verhindert werden können. Die Journalistin wittert eine brisante Story und sie beginnt nachzuforschen. Ihr ist zunächst nicht bewusst, in welche Gefahr sie geraten könnte.

In diesem zweiten Band um die Ermittler Juncker und Kristiansen geht es richtig zur Sache. Juncker, der immer noch zur Arbeit in der heimatlichen Provinz verdonnert ist, muss sich mit einem Mordfall beschäftigen, der ihn auch persönlich betrifft. Und immer noch kann ihn der Tod seines Vaters nicht loslassen. Signe Kristiansen dagegen versucht alles ihre Ehe zu retten, obwohl ihr das Eheleben seit einem Ereignis vor ein paar Jahren schwerfällt. Ein Teil des Problems ist sicher auch, dass sie nicht wirklich darüber redet. Da ist es fast schon eine glückliche Ausrede, wenn sie zu einem Fall gerufen wird.

Auch in diesem zweiten Band wird durch das Autoren-Duo wieder gekonnt geschildert, wie vermeintlich unterschiedliche Fälle doch ineinandergreifen. Gut werden alte Fäden erneut aufgenommen und mit neuen versponnen. Auch die Entwicklungen im Privatleben der Protagonisten werden mit interessanten Nuancen versehen, so dass man den Eindruck gewinnt, man komme den Ermittlern auch persönlich nahe. Die Fallkonstellationen sind dabei noch etwas packender und überraschender als im ersten Band. Brisant und rasant, doch immer im Rahmen dessen, was sehr glaubhaft wirkt. Menschliche Schwächen, die fatale Folgen haben können und ein paar Polizisten, die ihr Möglichstes tun, um Schlimmeres zu verhindern. Dieser Kriminalroman packt einen fast auf der ganzen Länge.

Veröffentlicht am 22.01.2022

Der Reiseschriftsteller

Mord in Highgate
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Wie ein Reiseschriftsteller kommt er sich vor, denkt der Autor, der wieder einmal als Chronist für den Privatermittler Hawthorne fungiert. Über drei Bücher hat er den Vertrag abgeschlossen. Ob Hawthorne ...

Wie ein Reiseschriftsteller kommt er sich vor, denkt der Autor, der wieder einmal als Chronist für den Privatermittler Hawthorne fungiert. Über drei Bücher hat er den Vertrag abgeschlossen. Ob Hawthorne ihm so sympathisch ist, er ist unsicher.. Und schließlich hat er beim letzten Mal alles falsch aufgefasst und ist dann noch fast umgebracht worden. Nun ist ein Anwalt tot aufgefunden worden und Hawthorne wird als Berater der Polizei engagiert. Nicht, dass die Beamten darüber erfreut wären. Der Autor, gleichzeitig Produzent einer Fernsehserie, hat mit eben dieser Produktion gibt es Probleme.

Das ist schon eine super Idee, wenn ein Autor sich selbst quase als Dr. Watson in seinen Roman hineinschreibt. So bekommt man einen kleinen Einblick in die Produktion der hervorragenden TV-Serie „Foyle’s War“, die wohl nicht im frei empfänglichen deutschen Fernsehen gelaufen ist. Doch man kommt auch einen Eindruck, wie der Ermittler Hawthorne den Autor vereinnahmt und dieser sich auch vereinnahmen lässt. Auch in dem Autor, wie vielleicht in jedem wohn ein kleiner Ermittler, der wissen will, wie es zu einer Tat kommen konnte, wer ein Motiv hatte und die Gelegenheit und was man sonst noch herausfinden muss, um die Täter zu überführen. Wenn es sich bei dem Privatdetektiv dann noch um einen ehemaligen Polizisten handelt, ist diese beinahe überflüssig.

Bei diesem zweiten Teil um den Ermittler Hawthorne handelt es sich um einen englischen Detektivroman. Der Ermittler erweist sich dabei als gewitzt und schlauer als die dumpfe Polizeibeamtin. Der Autor tritt als Chronist auf, der seine Aufzeichnungen akribisch führt und gerne selbst ermitteln würde. Er hat ein gewisses Talent, mit seinen Gedanken falsch zu liegen. Auch wenn die Untersuchung eher behäbig abläuft, so ist das Setting besonders und es zeichnet sich wahrscheinlich durch einiges an Authentizität aus, schließlich ist der Autor tatsächlich auch Produzent, verheiratet und hat zwei Kinder. So wird die Illusion der wahren Erzählung auf unterhaltsame Weise aufrecht erhalten. Der Fall ist gut konstruiert und man hechelt dem schlauen Daniel Hawthorne in den Schuhen des Autors gerne hinterher.

Veröffentlicht am 21.01.2022

Mein Käferchen

Perfect Day
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Mein Käferchen, so hat ihr Vater sie immer genannt und nun sitzt er in Untersuchungshaft. Angeblich soll er mehrere Mädchen umgebracht haben. Seine Tochter Ann kann das einfach nicht glauben. Ihr lieber ...

Mein Käferchen, so hat ihr Vater sie immer genannt und nun sitzt er in Untersuchungshaft. Angeblich soll er mehrere Mädchen umgebracht haben. Seine Tochter Ann kann das einfach nicht glauben. Ihr lieber guter Vater, der immer für sie da ist. Sie hat deshalb nur ein Ziel, sie wird seine Unschuld beweisen. Diesen Justizirrtum muss sie einfach verhindern. Ann beginnt Nachforschungen anzustellen und sie findet Hinweise, die sie in ihrer Ansicht bestärken. Ihr Studium hat sie hintenangestellt und bei ihrer Arbeit in einem Fast Food Restaurant hat sie Jakob kennengelernt, der ihr vielleicht helfen könnte.

Was für eine schwierige Situation muss es sein, wenn der eigene Vater verdächtigt wird, ein schweres Verbrechen begangen zu haben. Ann Lesniak muss mit ansehen, wie ihr geliebter Vater verhaftet wird. Das stürzt auch sie in eine schwerwiegende Krise. Sie unterbricht ihr Studium, wegen eines Streites mit ihrer Freundin Zoe zieht sie erstmal wieder in ihr Elternhaus und nimmt die Arbeit in dem Restaurant an. Doch Ann weiß nicht, was sie fühlen, wie sie sich verhalten soll. Einzig, dass sie ihrem Vater helfen will, dass ist sicher. Informationen wünscht sie sich vom Anwalt ihres Vaters, der gleichzeitig ihr Patenonkel ist.

In ihrem dritten Roman hat Romy Hausmann wieder ein spannendes Werk geschaffen. Die vielfältigen Formen, die sie dabei verwendet, lockern die Handlung auf und laden dazu ein, sich Gedanken zu machen. Man kommt ins Rätseln und liegt doch meist falsch. Dass der Handlung ein gewisses Thema zugrunde liegt, merkt man allerdings erst, wenn einen die Autorin darauf stößt. Davon abgesehen, ist man von der Handlung gefesselt. Obwohl Ann durch die Situation psychisch angegriffen ist, versucht sie alles, um den wahren Mörder zu finden. Ihre Zielstrebigkeit und Gewieftheit dabei sind sehr beeindruckend. So entwickelt die Handlung einen gewissen Sog, dem man sich lange nicht entziehen kann.

Veröffentlicht am 15.01.2022

Schach dem Herrn

Das Damengambit
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Beth Harmon wächst in einem Waisenhaus auf. dort hat sie es nicht leicht. Die Lehrer sind streng und bei ihren Mitschülern gilt sie als unsportliche Streberin. Ein Trost sind nur die grünen Pillen, die ...

Beth Harmon wächst in einem Waisenhaus auf. dort hat sie es nicht leicht. Die Lehrer sind streng und bei ihren Mitschülern gilt sie als unsportliche Streberin. Ein Trost sind nur die grünen Pillen, die sogar schon an die achtjährigen verteilt werden. Jedenfalls bis das Jugendamt dahinter kommt und es nur noch Vitamintabletten gibt. Ein kleiner Lichtblick sind die Stunden, die sie mit dem älteren Hausmeister verbringen kann. Er bringt ihr das Schachspiel bei und bald merkt Beth, dies ist genau die Ablenkung, die ihr eine kleine Flucht erlaubt. Als Beth fast schon die Hoffnung aufgegeben hat, wird sie von einem älteren Ehepaar adoptiert wird.

Ungewöhnlich, dass ein kleines Mädchen ans Schach spielen kommt und dieses Spiel nach kurzer so gut beherrscht, dass es auffällt. Ihre Lehrer angefangen von dem zurückhaltenden und wortkargen Mr. Shaibel werden nach und nach besser. Beth saugt sämtliche Informationen, die sie über das Spiel und verschiedene Schachpartien bekommen kann, förmlich auf. Und noch ist sie ein Kind. Nach ihrer Adoption durch die Wheatleys entdeckt Beth, dass die Möglichkeit besteht, auf Schachturnieren zu spielen. Ob das etwas für sie sein könnte? Als Mrs. Wheatley in finanzielle Schwierigkeiten gerät, bietet sich für Beth sogar die Möglichkeit, zur Verbesserung der Lage beizutragen.

Gerade die Geschichte der frühen Kindheit und Jugend von Beth Harmon zieht einen in ihren Bann. Wie das junge Mädchen durch das Schachspiel sich selbst entdeckt und dass es noch eine andere Welt gibt da draußen, das ist toll beschrieben. Zwar verliert das Ganze etwas an Fahrt als Beth beginnt, gegen stärkere und renommoriertere Schachspieler anzutreten. Wenn man selbst nicht Schach spielt, geraten die Beschreibungen von Zügen und Partien etwas weniger spannend. Dennoch bleibt die Darstellung von Beths Entwicklung zu einem besonderen Menschen und einer außerordentlichen Schachspielerin bemerkenswert und mit den Höhen und Tiefen von Beths Entwicklung hat man ein Bild von einem Mädchen wie aus dem Leben.

Veröffentlicht am 08.01.2022

Alle Zeiten

Wolkenkuckucksland
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Immer lesen sie über Aethon, der achtzig Jahre als Mensch lebte, ein Jahr als Esel, ein Jahr als Zackenbarsch und ein Jahr als Krähe. Die Geschichte wird gefunden von Kindern und Jugendlichen im Konstantinopel ...

Immer lesen sie über Aethon, der achtzig Jahre als Mensch lebte, ein Jahr als Esel, ein Jahr als Zackenbarsch und ein Jahr als Krähe. Die Geschichte wird gefunden von Kindern und Jugendlichen im Konstantinopel des 15. Jahrhunderts, in den USA in unseren Tagen und in der Zukunft von der jungen Konstance. Die Fragmente, die von Aethons Historie erhalten sind, übersetzt Zeno für die amerikanischen Kinder, die mit ihm gemeinsam ein Stück schreiben, dass sie dem Publikum in einer einzigen und einzigartigen Aufführung darbieten wollen. Anna hat die Überbleibsel des Buches im 15. Jahrhundert in einer verlassenen Bibliothek entdeckt und gehütet.

Wie blicken die Kinder und Jugendlichen auf die Welt und wohin treibt es sie? Schon Anna, die im Mittelalter lebt, wirkt wie eine Entdeckerin auf der Suche nach den Buchstaben, während Zeno im Alter für seine Theatertruppe sorgt. Konstance, erfährt von den Geschichten aus dem gespeicherten Wissen, welches in die Zukunft gerettet wurde. Auch sie ist ein intelligentes Mädchen, das sehr wissbegierig ist. Dagegen wirkt Seymour, der schon als Kind anders ist, wie ein missgeleiteter Gegenpol. Und doch haben versammeln sich auch viele, die es im Leben nicht immer so leicht haben, weil sie arm sind, anders aussehen oder anders lieben.

Ein neuer Roman von Anthony Doerr, den muss man haben, auch wenn er vielleicht nicht ganz so mitreißend ist, wie der, den man vorher gelesen hat. Doch die Erzählungen aus drei Jahrhunderten, die über die Geschichte Aethons zusammengehalten werden, sind interessant und packend. Toll, wie sich eigentlich kleine Existenzen durch ihren Wissensdrang aus der Masse herausheben. Das gibt Zuversicht, dass man auch in weniger schönen Zeiten über sich hinauswachsen kann. Für manchen Schritt braucht es Mut und vielleicht auch Opferbereitschaft. In diesem Buch trifft man Charaktere, die eben hiermit ausgestattet zum Vorbild werden können. Am Schluss wirklich gefesselt, schließt man das Buch mit großer Zufriedenheit.