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meggie3

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2022

Nicht überragend, aber durchaus lesenswert

Das Haus der stummen Toten
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Eleanor findet ihre Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist, sterbend in ihrer Wohnung vor. Die Person, die den Mord begangen hat, trifft sie vor der Tür. Eleanor kann den Täter jedoch nicht beschreiben. ...

Eleanor findet ihre Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist, sterbend in ihrer Wohnung vor. Die Person, die den Mord begangen hat, trifft sie vor der Tür. Eleanor kann den Täter jedoch nicht beschreiben. Sie leidet unter Gesichtsblindheit, kann die Person also weder beschreiben noch wiedererkennen. Nach dem Tod ihrer Oma erfährt sie von dem Anwesen „Solhöga“, das ihrer Großmutter gehörte. Mit einem Notar, ihrer Tante und ihrem Freund fährt Eleanor nach Solhöga, um den Nachlass zu sichten. Doch schon bald stellen sie fest, dass etwas Komisches vor sich geht…

Ich habe zugegebenermaßen eine ganze Weile gebraucht, um in den Thriller richtig „reinzukommen“. Zu Beginn hat sich für mich wenig Spannung entwickelt, zu wenig für einen Thriller. Ab ca. der Hälfte hat sich die Spannung dann merklich erhöht und der Thriller hat mehr Fahrt aufgenommen. Auch für die handelnden Personen habe ich mit der Zeit ein besseres Verständnis entwickelt, zum Beispiel für Eleanors ambivalente Gefühle gegenüber ihrer Oma. Das Ende des Thrillers war für mich nicht unbedingt vorauszusehen, aber es hat mich auch nicht umgehauen. Ich hatte ehrlich gesagt etwas mehr erwartet.

Insgesamt lässt sich der Thriller gut lesen und hat bei mir nach anfänglichen Schwierigkeiten Spannung und Sog entwickelt. Trotzdem habe ich schon Thriller gelesen, die mich deutlich mehr gefesselt und inhaltlich beschäftigt haben. Deswegen würde ich vier Sterne vergeben und das Buch als Thriller für zwischendurch empfehlen.

Veröffentlicht am 19.06.2022

Die Magie der kleinen Augenblicke

Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach
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Robert Walch führt mit seiner Schwester Elsa im Elsass eine Auberge. Robert ist für seinen geliebten Gemüsegarten, die Hühner und die Ziegen sowie das Kochen verantwortlich. Alles andere übernimmt Elsa, ...

Robert Walch führt mit seiner Schwester Elsa im Elsass eine Auberge. Robert ist für seinen geliebten Gemüsegarten, die Hühner und die Ziegen sowie das Kochen verantwortlich. Alles andere übernimmt Elsa, sie hat den Überblick. Elsa ist gegenüber anderen Menschen sehr aufgeschlossen und lässt sich gerne auf Neues ein. Robert hingegen ist ein Einzelgänger und froh und glücklich, wenn er mit seinem Gemüse reden und es pflegen kann. Dieser Sommer aber verändert einiges in Roberts Leben und er stellt fest, dass die Gesellschaft anderer Menschen, wie zum Beispiel des jungen Hassan, durchaus schön sein kann. Robert kämpft sehr mit sich und der Frage, auf wieviel Veränderung er sich einlassen kann und will.

Der Roman ist sehr überzeugend und unterhaltsam geschrieben. Der ruhige, schöne Sprachstil passt perfekt zum Inhalt. Die Charaktere werden detailliert und liebevoll beschrieben, sodass ich sie mir sehr gut vorstellen konnte. Besonders spannend ist der Protagonist Robert, der sich seit vielen Jahren abgeschottet hat und gar nicht mehr weiß, wie er sich in bestimmten Situationen am besten verhält. Zu Beginn des Romans ist ihm das einsame Leben auf dem elsässischen Hof genug, dort kann er seiner Leidenschaft, sich dem Gemüse zu widmen und zu kochen, nachgehen. Er genießt den Moment und die kleinen Dinge im Leben. Im Laufe des Romans verändern ihn die Menschen um ihn herum und er lernt, Nähe und Gesellschaft zuzulassen.

Sprache, Aufbau und Ausarbeitung der liebenswürdigen Protagonist:innen wurden zu einem schönen Roman vereint. Ich habe nur einen Kritikpunkt an dem ansonsten großartigen Roman: mir kam der Schluss etwas zu schnell und zu kurz. Er hat mich leider auch inhaltlich nicht komplett überzeugt.

Trotzdem kann ich „Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach“ allen empfehlen, die Zeit und Muße für einen ruhigen Roman haben.

Veröffentlicht am 16.05.2022

Nicht so spannend wie erwartet, aber trotzdem ein guter Thriller!

Die Psychologin
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Sara ist Kinder- und Jugendpsychologin und freut sich auf das Wochenende. Seit relativ kurzer Zeit hat sie ihre eigene Praxis im Nebengebäude ihres Hauses, das sie mit ihrem Ehemann Sigurd renoviert und ...

Sara ist Kinder- und Jugendpsychologin und freut sich auf das Wochenende. Seit relativ kurzer Zeit hat sie ihre eigene Praxis im Nebengebäude ihres Hauses, das sie mit ihrem Ehemann Sigurd renoviert und bewohnt. Sigurd wollte das Wochenende mit Freunden verbringen und deshalb am Freitag früh aufbrechen. Als Sara abends von seinen Freunden erfährt, dass Sigurd nie am Haus angekommen ist, obwohl er ihr mittags auf die Mailbox gesprochen und gesagt hatte, dass er gut angekommen sei, beginnt Sara sich Sorgen zu machen. Und das ist erst der Anfang...

Der Thriller ist nicht ganz so spannend wie ich erwartet hatte, trotzdem hat er mir gut gefallen. Als gelungen habe ich empfunden, dass der Thriller aus Saras Perspektive geschrieben ist, die erst noch relativ entspannt und dann doch zunehmend panischer reagiert. Ich konnte gut mitempfinden, wie sie sich gefühlt hat. Der Schreibstil der Autorin hat mir gefallen, sie hat mich damit ab der ersten Seite gefesselt. Die Schreibweise ist leicht und flüssig zu lesen. Auch die Beschreibungen von Saras Handlungen habe ich nicht als langweilig empfunden. Dennoch war die Spannung, die ich bei einem Thriller erwarte, nicht ganz so stark wie gedacht.

Ich würde den Thriller allen empfehlen, die Lust haben eine junge Frau in großer Unsicherheit zu begleiten. Dies ist meiner Meinung nach gut transportiert worden, das Gefühl der Unsicherheit, des Nichtwissens, wie ein "richtiges Verhalten" in Saras Situation auszusehen hat. Ich habe Sara gerne begleitet und mitgelitten.

Veröffentlicht am 02.05.2022

Guter dritter Teil

Nordwestnacht
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In St. Peter – Ording finden Dreharbeiten zu einer Krimiserie statt. Der junge Polizist Nils darf dem Filmteam als Berater zur Seite stehen. Dabei verknallt er sich in die junge Hauptdarstellerin Julia. ...

In St. Peter – Ording finden Dreharbeiten zu einer Krimiserie statt. Der junge Polizist Nils darf dem Filmteam als Berater zur Seite stehen. Dabei verknallt er sich in die junge Hauptdarstellerin Julia. Als Nils zufällig ein Blatt Papier mit einer Drohung in Julias Ferienhaus entdeckt, beginnt er, sich Sorgen zu machen. Dann wird am Strand ein Mitglied der Filmcrew ermordet aufgefunden und da Julia auch nach dem Wochenende nicht wieder aufgetaucht ist, müssen Anna Wagner und Hendrik Norberg tätig werden… Nils stürzt sich mit besonderem Ehrgeiz in die Ermittlungen.

Während ich bei anderen Krimis oft finde, dass das Privatleben der ErmittlerInnen zu viel Raum einnimmt, ging mir das bei diesem Krimi überhaupt nicht so. Die ProtagonistInnen werden über die drei bisher erschienenen Krimis realistisch weiterentwickelt und ich werde sicherlich auch einen vierten Teil der Reihe um Anna und Hendrik lesen. Ganz nebenbei habe ich bei den Krimis immer das Bedürfnis, der Nordsee bald wieder einen Besuch abzustatten.

Der Plot ist interessant und hat mich im Nachhinein weiter beschäftigt und zum Nachdenken gebracht. Der Spannungsaufbau hat mir ebenfalls gut gefallen. Ich fand allerdings etwas schade, dass schon recht früh klar war, wer vermutlich der Täter sein könnte.

Insgesamt ist „Nordwestnacht“ ein solider Regionalkrimi, der sich sehr gut lesen lässt und spannend ist. Für Regionalkrimifans ist der dritte Teil der Reihe auf jeden Fall zu empfehlen.

Veröffentlicht am 29.03.2022

Interessanter Roman

Butter
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Rika ist Journalistin und hat sich in den Kopf gesetzt, ein Interview mit der auf ihren Prozess wartenden mutmaßlichen Mörderin Manako Kajii zu führen. Die Frau wird beschuldigt, Männer, mit denen sie ...

Rika ist Journalistin und hat sich in den Kopf gesetzt, ein Interview mit der auf ihren Prozess wartenden mutmaßlichen Mörderin Manako Kajii zu führen. Die Frau wird beschuldigt, Männer, mit denen sie eine Beziehung eingegangen war, umgebracht zu haben. Manako als Person und ihr Prozess erregen große mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit, u.a. weil Manako als Genussmensch und leidenschaftliche Köchin polarisiert. Manako Kajii hat bisher jedoch jede Interviewanfrage abgelehnt. Erst als sich Rika mit einer Frage nach einem Kochrezept an sie wendet, erklärt sich Manako bereit, Rika zu empfangen. Es entspinnt sich ein psychologisches Vabanquespiel zwischen Manako und Rika, die Manakos Koch- und Genussleidenschaft nachempfinden zu versucht. Rika beginnt sich und ihr Leben zu hinterfragen und verändert auch in ihrem Umfeld die Denkweisen.

Ich bin etwas zwiegespalten, was Spannungsaufbau und Schreibstil betrifft. Ich habe mich bis etwa Mitte des Romans eher schwergetan und die Geschichte zum Teil als abschweifend und verwirrend empfunden, z.B. wenn es um den Geschmack und das Erleben von Butter geht. Ab ca. der Hälfte hat mich der Roman dann deutlich mehr überzeugt, auf einmal fand ich die Geschichte deutlich spannender und habe mich auf die weiteren Kapitel gefreut. Möglicherweise haben auch die verhältnismäßig langen Kapitel zu den Brüchen im Buch beigetragen, da ich es zu einer Zeit begonnen habe, in der ich nur für ein Kapitel am Stück Zeit hatte. Den Sprachstil finde ich schön, wenn auch etwas anspruchsvoller.

Interessant sind vor allem auch die Beschreibungen und auch die Kritik einiger Protagonist:innen bezogen auf das Rollenbild der Frau, die Definition von Schönheit und generell den Ansprüchen der Gesellschaft an jedes Individuum. Generell hat der Roman eine kritische Perspektive auf das Geschehen und die Frage, wie Beziehungen von Frauen zu Männern aussehen sollten, sodass das Geschriebene zum Nachdenken anregt.

Insgesamt würde ich „Butter“ allen empfehlen, die sich auf den Roman einlassen mögen und etwas sprunghafte Wechsel aushalten können. Ich würde allerdings dazu raten, den Roman dann zu lesen, wenn Zeit für mehrere Kapitel am Stück vorhanden ist.