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Veröffentlicht am 31.08.2022

erwachsen werden

Die Freundinnen vom Strandbad (Die Müggelsee-Saga 2)
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Betty, Martha und Clara sind dicke Freundinnen. Jeden Sommer verbrachten sie gemeinsam am Müggelsee. Inzwischen sind sie keine Teenager mehr, sie werden erwachsen. Der Roman schließt direkt an den Vorgängerroman ...

Betty, Martha und Clara sind dicke Freundinnen. Jeden Sommer verbrachten sie gemeinsam am Müggelsee. Inzwischen sind sie keine Teenager mehr, sie werden erwachsen. Der Roman schließt direkt an den Vorgängerroman an und beginnt im Jahr 1961. Clara hat ihre Flucht in den Westen überlebt und wird von der mütterlichen Freundin Lilli umsorgt. Als Professor fördert sie die unbändige Neugier Claras. Doch die Freiheit hat einen Preis, sie vermisst nicht nur Martha, Betty und ihre Familie, auch ihre große Liebe Alex ist zurückgeblieben. Martha hat vom Verrat ihres Adoptivvaters erfahren, der sie angelogen und ausspioniert hat. Nun lebt sie bei ihrer leiblichen Mutter Anna und kämpft gegen das SED Regime. Dabei lernt sie den Freigeist und Kunstmaler Tom kennen gegen den die treue Seele Micha keine Chance hat. Die Schauspielerin Betty ist, seitdem sie mit dem Regisseur Kurt verheiratet ist und ein Kind erwartet, arbeitslos. Ihr Mann bestimmt über ihr Leben. Nur in ihren Träumen erscheint noch der Drehbuchautor Charlie.
Das Leben dieser drei sehr unterschiedlichen jungen Frauen, ihren Drang zu Freiheit und Selbstbestimmung und auch die richtige Entscheidung in Liebesangelegenheiten, alle Aufs und Abs des Erwachsenwerdens und -sein werden mitreißend erzählt. An manchen Stellen leidet die Logik, eine Rückreise in die DDR nach einer Flucht würde keiner wagen, dramaturgisch wurde es jedoch eingebaut.

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Veröffentlicht am 03.08.2022

Unterwanderung von Demokratien

Die Cellistin
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In London wird der sehr wohlhabende Russe Wiktor Orlow, dessen Ziel es ist, russische Kleptokraten unschädlich zu machen, mittels eines Nervengiftes getötet. Die Unterlagen, die ihm seine Mitarbeiterin ...

In London wird der sehr wohlhabende Russe Wiktor Orlow, dessen Ziel es ist, russische Kleptokraten unschädlich zu machen, mittels eines Nervengiftes getötet. Die Unterlagen, die ihm seine Mitarbeiterin Nina gebracht hat, waren mit Nowitschok versehen. Die flüchtige Russin Nina wird als Täterin im Auftrag des russischen Staates gesucht. In die Ermittlungen hat sich auch Gabriel Allon, Leiter des israelischen Geheimdienstes, eingeschaltet. Er findet Verbindungen in die Schweiz zu einer Bank, die für die Mächtigen in Russland Geld im großen Stil wäscht. Isabel, eine hoch talentierte Mitarbeiterin der Bank, die nebenbei auch hervorragend Cello spielt, hilft bei der Untergrabung tatkräftig mit.
Neben den Machenschaften der Oligarchen und Putin, der immensen Summen, die diese für sich sich abzwacken und waschen müssen geht es auch darum, wie Geld Einfluss auf Demokratien nehmen kann und diese auch Unterwandern kann. Wie Wahlen und Menschen manipuliert werden können, wie korrupt Menschen sind.
Die Vorgeschichte benötigt circa 100 Seiten, an manchen Stellen ein wenig zu langatmig geschrieben, bis erstmals die Cellistin in der Handlung erscheint. Viele Anspielungen auf die Vorgängerbände über den Agenten Allon sind enthalten, doch auch, wenn man diese nicht kennt, kommt man gut in die Geschichte hinein. Da die Geschichte zu Beginn des Coronavirus spielt, wird auch dieses mit thematisiert. Erschreckend an diesem Thriller ist die Nähe zu tatsächlich stattgefundenen politischen Ereignissen.

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Veröffentlicht am 03.08.2022

Hörgefühlt

Das Letzte, was du hörst
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Hörgefühlt heißt der Podcast von Marc Maria Hagen. Mit seiner anziehenden Stimme gibt er Ratschläge, man soll auf seine eigene innere Stimme hören, dann wird alles gut. Dieser Podcast war das letzte, was ...

Hörgefühlt heißt der Podcast von Marc Maria Hagen. Mit seiner anziehenden Stimme gibt er Ratschläge, man soll auf seine eigene innere Stimme hören, dann wird alles gut. Dieser Podcast war das letzte, was Martina hörte, bevor sie starb. Wie es aussieht, hat sie zuerst ihren als gewalttätig bekannten Mann getötet und anschließend sich selbst. Doch warum dann der Hilferuf an die freie Journalistin Roya Mayer? Die Kommissarin Carola Barreis vermutet ebenso wie Roya einen anderen Täter. Die ständig gestresste Altenpflegerin lebt für ihre Auszeiten mit dem Podcast, der auf keinerlei Gegenliebe bei ihrem Freund Björn trifft. Soll sie ihn verlassen, liebt sie ihn wirklich? Dann ist sie plötzlich verschwunden.
In zwei weiteren Handlungssträngen wird von einem Kind erzählt, dass Angst vor dem Monster unter seinem Bett hat und sich dennoch dort versteckt. Die andere lauernde Gefahr ist größer. In einem Keller wird ein Mann gefoltert um endlich die Wahrheit zu erzählen.
Am Ende ergeben diese rückwirkenden Erzählungen einen Sinn. Die Persönlichkeiten der Protagonisten werden sehr gut und nachvollziehend beschrieben. Gewalt gegen Frauen wird thematisiert und der Wunsch nach jemandem, der zuhört, bei Problemen hilft. Doch gerät man im anonymen Internet wirklich an jemanden, der es gut mit einem meint oder nur viel Geld verdienen will? Die Handlung ist spannend, weißt jedoch an einigen Stellen Längen auf.

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Veröffentlicht am 03.08.2022

gesichtsblind

Das Haus der stummen Toten
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Eleanor leidet unter Prosopagnosie, Gesichtsblindheit, sie kann Menschen nur anhand bestimmter Merkmale erkennen. Mit Hilfe ihrer Psychologin führt sie ein normales Leben. Bei ihrem wöchentlichen Besuch ...

Eleanor leidet unter Prosopagnosie, Gesichtsblindheit, sie kann Menschen nur anhand bestimmter Merkmale erkennen. Mit Hilfe ihrer Psychologin führt sie ein normales Leben. Bei ihrem wöchentlichen Besuch bei ihrer Großmutter Vivianne, die sie nach dem frühen Tod ihrer Mutter ihrer lieblos aufgezogen hat, kommt ihr eine schwarz gekleidete Person entgegen und ihre Großmutter ist tot. Sie erkennt den Täter nicht.
Monate später erfährt sie von ihrem Erbe, den abgelegenen Gutshof Sölhöga, von dem sie noch nie gehört hat. Mit ihrer Tante Veronika, den Notar Rickard und ihrem Freund Sebastian machen sie sich in einer kalten Winternacht auf den Weg zur Begutachtung. Der Verwalter Mats Bengtsson ist nicht auffindbar und auch so manch anderes ist seltsam an diesem Haus. Treibt einer von ihnen ein falsches Spiel oder ist noch eine weitere Person auf dem Gut?
Eleanor findet ein Tagebuch aus dem Jahr 1965, in dem das Hausmädchen Annouschka ihrer Erlebnisse schildert, die zu einem schlimmen Ende führen.
Das Handlung ist vielschichtig und die beiden Zeitebenen interessant und spannend. Das Zwischenmenschliche ist ein großes Thema, die Schwächen jeder einzelnen Person werden beschrieben. Manche Kniffe in der Handlung und Aktionen der Protagonisten erscheinen mir jedoch unlogisch und weit hergeholt. Spannend ist der Thriller dennoch.

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Veröffentlicht am 15.04.2022

mit Leib und Seele Botschafterin

Die Diplomatin
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Friederike Andermann, genannt Fred, hat es geschafft. Aus dem Arbeiterkind, die Mutter alleinerziehende Kellnerin, ist eine Konsulin geworden. In Montevideo ist ihre einzige Sorge die Organisation der ...

Friederike Andermann, genannt Fred, hat es geschafft. Aus dem Arbeiterkind, die Mutter alleinerziehende Kellnerin, ist eine Konsulin geworden. In Montevideo ist ihre einzige Sorge die Organisation der Feiern zum 3. Oktober. Bis die erwachsene Tochter einer einflussreichen Verlegerin entführt und ermordet wird. Sie wird zurückbeordert und nach einiger Zeit nach Istanbul versetzt. Dort trifft sie auf den Journalisten David, den sie bereits in Montevideo - sehr unliebsam - kennengelernt hatte. Aus der Sicht Freds wird das Leben in einer Botschaft beschrieben, über die Botschafter die kommen und gehen und die Mitarbeiter, die bleiben. Die Schönheit Istanbuls kommt genauso zur Sprache wie die hässlichen Seiten, die türkische Politik, die Vetternwirtschaft und Bestechlichkeit und das inhaftieren von Menschen, die nicht ins politische System passen. Um die Freiheit einer Deutschkurdin kämpft Fred und lernt dabei auch, dass man nicht immer nach deutschen Werten und Bürokratie vorgehen kann.
Es ist nur eine kleine Episode aus dem Leben einer mit Leib und Seele, Botschafterin Deutschlands, die hier erzählt wird. Es ist nicht nur die große Politik, mit der sich hier beschäftigt wird, das Meiste ist das Wirken im Kleinen. Sehr lebhaft und teilweise auch zum Schmunzeln geschrieben.

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