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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2022

ein besonderes Jahr

Im Rausch des Aufruhrs
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In diesem Sachbuch erleben wir das Jahr 1923 von Januar bis Dezember. Aus der Sicht verschiedenster Menschen, Künstler wie Marlene Dietrich, Elisabeth Bergner und Marcellus Schiffer, Schriftsteller und ...

In diesem Sachbuch erleben wir das Jahr 1923 von Januar bis Dezember. Aus der Sicht verschiedenster Menschen, Künstler wie Marlene Dietrich, Elisabeth Bergner und Marcellus Schiffer, Schriftsteller und Journalisten wie Heinrich und Thomas Mann, Joseph Roth und Franz Kafka mit seiner Lebensgefährtin Dora Diamant, Politiker wie Gustav Stresemann, Carlo Schmid und auch Wilhelm II, der abgedankte Kaiser kommen zu Wort. Das Leben dieser bekannten Menschen wird über das ganze Jahr hinweg beschrieben, doch auch der einfache, durchschnittliche Bürger mit seinen Wünschen, Hoffnungen und Problemen sind Inhalt des Buches. Im Jahr 1923 begann die galoppierende Inflation, die gesundheitlichen Probleme und Nachwirkungen des ersten Weltkrieges sind überall spürbar und jetzt kann man sich noch nicht mal sein Brot leisten. In diesem Umfeld wird mit den Juden schnell ein Schuldiger an der Not der Bevölkerung gefunden, der Boden für den Aufkommenden Nationalismus wir bereitet.
Die einzelnen Episoden werden sehr geschickt kombiniert, Statistiken mit eingebunden. Mit einigen Vorkenntnissen konnte ich den Geschichten gut folgen. Das Buch ist eine Bereicherung für den Geschichtsunterricht.

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Veröffentlicht am 15.04.2022

alles zum Wohl des Ehemannes

Mrs Agatha Christie
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Einige Kriminalromane und Filme von Agatha Christie kennt wohl jeder, doch über ihr Leben weiß man sehr wenig. Besonders über die 11 Tage im Dezember 1926, als sie spurlos verschwand. Das Buch springt ...

Einige Kriminalromane und Filme von Agatha Christie kennt wohl jeder, doch über ihr Leben weiß man sehr wenig. Besonders über die 11 Tage im Dezember 1926, als sie spurlos verschwand. Das Buch springt zwischen den Tagen des Verschwindens und der Zeit im Leben Agatha Millers, als sie den Flieger Leutnant Archibald Christie kennen und lieben lernte. Aus nicht gerade vermögendem Haus wuchs Agatha mit ihrer älteren Schwester Madge und der Mutter in einem sehr innigen Verhältnis auf. Madge hatte in eine gute Partie eingeheiratet und auch Agatha hatte bereits einen Verlobten. Doch auf einem Ball war es um sie geschehen, sie wollte Archie heiraten. Als der erste Weltkrieg ausbrach, warf Archie Bomben über Deutschland ab, bis er aus gesundheitlichen Gründen den Dienst quittieren musste. Seitdem wurde er immer unleidlicher und ließ es auch an Agatha aus. Das Wohl des Mannes steht immer an erster Stelle, vor den eigenen Interessen und auch, als Rosalind geboren wurde, hatte Agatha ihrem Mann zu dienen. Kleine Freiräume schaffte sie sich mit dem Schreiben von Kriminalromanen, bei denen man nicht auf die Auflösung kam. Ihr schriftstellerischer Erfolg und damit auch ihr eigenes Einkommen verschlechterten die Ehe. Bis Agatha verschwand.
Das Leben Agathas wird von ihr selbst erzählt, die Zeit des Verschwindens aus Sicht ihres Mannes, der jedoch nach klaren Anweisungen zu handeln hat. Die Möglichkeit, würdevoll aus der lieblosen Ehe herauszukommen, hat Agatha wie einen Kriminalroman inszeniert. Hoch interessant geschrieben, man lebt und leidet förmlich mit Agatha mit.

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Schwesterliebe

Die andere Schwester
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Stella Bjelke wird ermordet im Keller einer Kaffeerösterei gefunden, nachdem sie dort ein Date mit einer unbekannten Person im Dunkeln hatte. Mit dem aus dem Drogenmilieu bekannten Birger Falk ist schnell ...

Stella Bjelke wird ermordet im Keller einer Kaffeerösterei gefunden, nachdem sie dort ein Date mit einer unbekannten Person im Dunkeln hatte. Mit dem aus dem Drogenmilieu bekannten Birger Falk ist schnell ein Täter gefunden, doch er ist wie vom Erdboden verschluckt. John Adderley, der nach seinem Einsatz für den FBI im Zeugenschutzprogramm nun unter dem Namen Frederik Adamsson in Karlstad für die Polizei arbeitet, ermittelt. Stella und ihre, durch kochendes Nudelwasser entstellte Schwester Alicia standen kurz vor dem Durchbruch ihrer Datingagentur. Stella war das Gesicht im Vordergrund, während Alicia als Computerexpertin tätig war. Alicia hatte immer mal wieder Abstürze, sie war gestresst und alkoholabhängig. Stella war dann immer für sie da und brachte sie in entsprechende Kliniken. Nun ist Alicia alleine auf sich gestellt. Auch John hat Probleme, Trevor, wie er im Zeugenschutz, trifft sich mit ihm und es stellt sich heraus, dass er bedroht wird. Nun werden beide vom Drogenkartell, dass sie in New York hinter Gitter gebracht haben, gejagt.
Extrem spannend zu lesen. Die Sorgen und Probleme der Protagonisten sind gut nachzuempfinden, die Dialoge ganz hervorragend geschrieben. Neue Entwicklungen in den beiden miteinander verknüpften Fällen lassen einen mitfiebern, ob es am Ende für die Beteiligten gut ausgeht.

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Kampf gegen männliche Vorherrschaft

Eine Frage der Chemie
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Elizabeth Zotts Vater war ein Wanderprediger, der nun im Gefängnis sitzt, die Mutter hat von der Familie zurückgezogen. Sie führte ein unstetes Leben, ein Schulbesuch war nur selten möglich und ihr ganzen ...

Elizabeth Zotts Vater war ein Wanderprediger, der nun im Gefängnis sitzt, die Mutter hat von der Familie zurückgezogen. Sie führte ein unstetes Leben, ein Schulbesuch war nur selten möglich und ihr ganzen Wissen bezog sie aus den Büchereien. Sie lernte sehr viel, sie studierte Chemie und doch lernte sie auch die herrschende Männerwelt kennen. Im Jahr 1961 wurden Frauen nicht als Wissenschaftlerinnen akzeptiert. Im Hastings wurde sie ausgenutzt, ihre Intelligenz nicht anerkannt und dennoch kamen die deutlich besser bezahlten Chemiker nicht ohne ihre Expertise aus. Bis sie auf den renommierten Chemiker Calvin Evans traf. Die Chemie zwischen ihnen stimmte sofort, sie wurden ein Liebespaar, dass sich gegenseitig respektierte und die Arbeit des anderen wertschätzte. Elizabeth lebte mit Calvin zusammen, skandalös für die damalige Zeit, eine Ehe oder Kinder kam für sie nicht in Frage. Nur ein Hund lebte bei ihnen, Halbsieben, nach der Zeit, als er zu ihnen gelaufen kam. Ein hochintelligenter Hund, der jedoch indirekt den Tod Calvins mitverschuldete. Gerade jetzt bemerkte Elizabeth das sie schwanger war. Somit änderte sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen, sie durfte nicht weiter arbeiten und wurde geächtet. Sie ist eine Kämpferin und fand ihren Weg für sich, ihre neugeborene Tochter und ihren Hund.
Aus der Sicht jedes Protagonisten erleben wir die Welt um Elizabeth herum. Selbst der kluge Hund hat einiges bei zu steuern. Packend wird der Kampf einer Frau gegen die Vorherrschaft der Männer, gegen das Kleinreden der weiblichen Intelligenz, beschrieben. Leicht, locker und hoch interessant geschrieben.

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Veröffentlicht am 14.03.2022

Wunsch nach Glück und Liebe

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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Michael Hartung möchte ein ruhiges, bescheidenes Leben führen, mit seinem Freund Bernd Bier trinken und alte Filme gucken. Nach vielen beruflichen Fehlschlägen ist er nun, im Jahr 2019, Inhaber einer Videothek. ...

Michael Hartung möchte ein ruhiges, bescheidenes Leben führen, mit seinem Freund Bernd Bier trinken und alte Filme gucken. Nach vielen beruflichen Fehlschlägen ist er nun, im Jahr 2019, Inhaber einer Videothek. Wie nicht anders zu erwarten, steht er vor der Insolvenz. Gerade zu diesem Zeitpunkt hat der erfolglose Journalist Alexander Landmann die Hintergründe einer Flucht vor über 30 Jahren aus Ostberlin ausfindig gemacht. In einem Zug vom Bahnhof Friedrichstraße gelangten über 100 Menschen aus dem Osten die Flucht in den Westen Berlins. Und Michael Hartung war der Eisenbahner, der die Weiche gestellt hat. Michael selbst weiß, dass war nur seiner Stümperhaftigkeit zu verdanken, es war keine geplante Aktion und fast alle aus versehen Geflüchtete kehrten wieder in die DDR zurück. Für die Presse war es nun ein gefundenes Fressen. Und für Michael gab es Geld und Ruhm, seine Tochter meldete sich wieder bei ihm. Und er traf auf Paula, die als Kind im Zug saß und in die er sich verliebte. Dafür konnte man schon ein wenig lügen. Irgendwann wird die Geschichte schon vergessen werden. Doch dem war nicht so, immer mehr anfragen kamen, ein Buch, ein Film und dann sogar eine Rede vor dem Bundestag sollten folgen. Wie konnte er nur aus dieser falschen Geschichte wieder herauskommen?
Sehr lebensnah und mit einem sehr guten Schreibstil versehen erleben wir die Geschichte eines ganz normalen Mannes, der zum Helden stilisiert wird. Seine Ängste und Untersicherheit, sein Wunsch nach Glück und Bestätigung, seine Tochter endlich richtig kennenzulernen und die Liebe seines Lebens zu behalten. Die Unterschiede in der Sichtweise der Menschen aus Ost und West, das Zuhören können, sind ein großes Thema in diesem fiktiven Roman. Trotz, oder gerade wegen, aller Gegensätzlichkeiten gut zusammen zu leben werden hier zur Sprache gebracht.

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