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Veröffentlicht am 12.05.2022

Der Autor weiß sehr genau, wovon er schreibt

Die sieben Schalen des Zorns
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Max ist Arzt. Er weiß sehr genau, dass er mit einem Bein im Gefängnis steht und vielleicht sogar wegen Mordes verurteilt werden kann. Und trotzdem erfüllt er seiner Tante, oder besser gesagt Ziehmutter, ...


Max ist Arzt. Er weiß sehr genau, dass er mit einem Bein im Gefängnis steht und vielleicht sogar wegen Mordes verurteilt werden kann. Und trotzdem erfüllt er seiner Tante, oder besser gesagt Ziehmutter, ihren letzten Wunsch. Ihr Name ist Maria und sie leidet an Alzheimer. Sie möchte nicht qualvoll dahinsiechen und irgendwann durch einen „natürlichen“ Tod von diesen Qualen erlöst werden. Nein, sie will selbst bestimmen, wann ihr Leben vorbei ist. Das legt sie schriftlich fest und Max hält sich daran.

Welch ein Roman. Es dauerte eine Weile, bis ich mich mit Max und seinen Freunden und Bekannten vertraut machen konnte. Zu viele Rückblicke in das Leben eines Mannes, der vom Schicksal gebeutelt wurde. Dieser ständige Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit irritierte mich sehr. Aber das legte sich bald und das Geschehen nahm mich gefangen.

Die an Alzheimer erkrankte Dame Maria war für Max viel mehr, als eine Tante. Sie „rettete“ ihn vor dem Aufenthalt in einer Pflegefamilie, war eine Freundin und zugleich Ersatz von Mutter und Vater. Auch wenn die Gesetzeslage gegen den Arzt spricht, als Leser empfand ich Verständnis für ihn. Der Autor kennt sich bestens aus, wenn es um Anwälte, Gerichte und Paragraphen geht. Er beschreibt für mich nachvollziehbar, wie es in diesem Milieu läuft.

Ja, ich bin davon überzeugt, dass meine fünf Sterne die Qualität des Buches unterstreichen. Markus Thiele rüttelt auf. Er zeigt, dass Gesetze nicht zementiert sind, sondern von Fall zu Fall ausgelegt werden müssen. Der Lebensweg der Hauptperson Max ist durch Schicksalsschläge getrübt und für mich erstaunlich, dass er sich diese Empathie dennoch erhalten konnte. Nein, es ist kein Buch, welches nur zur Unterhaltung geschrieben wurde. Es regt zum Nachdenken an und kann Grundlage für intensive Diskussionen sein.

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Veröffentlicht am 10.05.2022

Absolut gelungen

Tell
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Nicht nur in der Schweiz ist der Name Wilhelm Tell ein Begriff. Der Verlag Diogenes brachte nun ein Buch heraus, welche die Legende rund um den Meisterschützen so ganz anders erzählt. Joachim B. Schmidt ...

Nicht nur in der Schweiz ist der Name Wilhelm Tell ein Begriff. Der Verlag Diogenes brachte nun ein Buch heraus, welche die Legende rund um den Meisterschützen so ganz anders erzählt. Joachim B. Schmidt ist der Autor des Buches und hat ein Meisterwerk geschaffen. 20 Protagonisten lässt er in nahezu 100 Kurzberichten aus ihrer Sicht erzählen und das, ohne den Leser zu langweilen.

Heute beginne ich mit der Erwähnung des Covers. Seine Schlichtheit gehört zum Markenzeichen des Verlages und ist außergewöhnlich. Und das Buch in meinen Augen sensationell. Der Autor lässt jeden Protagonisten zur Wort kommen und das auf eine Weise, die für mich völlig neu ist. Warum? Weil die Geschichte des Einzelnen ineinander greift. Es gibt kein Hin und Her, sondern das Ineinandergreifen von Ereignissen. Diese sind so stimmig, dass sie zum Schluss ein vollkommenes Bild ergeben.

Die Sprache passt zu den schlichten Bergbauern der damaligen Zeit. Die Dialoge sind stimmig und die Beschreibung der Landschaft so, dass ich mal wieder diese „Bilder im Kopf“ vor mit hatte. Das Buch hat keinerlei Längen und ist ein Zeugnis von Lebensweisheit und Entbehrung. Aber auch der Tatsache, dass nicht nur Reichtum Garant für ein zufriedenes Leben sein kann. Ich gebe eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 01.05.2022

Ein sehr gut geschriebenes und klar verständliches Sachbuch

Der Mann, der Troja erfand
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Er war Autodidakt und ein Sprachgenie. Da sein Vater suspendiert wurde, konnte er das Schuldgeld für seinen Sohn nicht mehr bezahlen. Also lernte Heinrich Schliemann für sich und das Ergebnis seiner Eigenstudien ...

Er war Autodidakt und ein Sprachgenie. Da sein Vater suspendiert wurde, konnte er das Schuldgeld für seinen Sohn nicht mehr bezahlen. Also lernte Heinrich Schliemann für sich und das Ergebnis seiner Eigenstudien konnte sich sehen lassen. Gut, dass er dann später doch noch die Gelegenheit hatte, seinem Faible für Sprachen zu folgen und an der Sorbonne Latein und Altgriechisch zu studieren. Mit seinem Erfolg im Geschäftlichen stieg die Reiselust des Mannes.

Heinrich Schliemann kannte ich nur dem Namen nach und dass er Troja entdeckt haben sollte. Daher war ich völlig unbedarft, als ich begann, diese Biographie von der Autorin Leoni Hellmayr zu lesen. Und mein Fazit ist, dass ich selten eine so facettenreiche Persönlichkeit kennenlernte. Vom Sohn eines Pastors zum reichen Mann und später dann zum bekanntesten Archäologen. Das muss erst mal jemand nachmachen. Und nicht nur Herr Schliemann zog mich in den Bann.

Frau Hellmayr schrieb ein Sachbuch, welches sich wie ein Abenteuerroman liest. Die klare Sprache, welche ohne einen übermäßigen Gebrauch von Fremdwörtern auskommt, ein Genuss. Dabei darf nicht übersehen werden, dass dem Buch eine umfangreiche Recherche zugrunde liegt. Ferner entspricht es dem neuesten Stand der Forschung. Besser kann in meinen Augen keine Biographie eines ganz Großen verfasst sein.

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Ein aufschlussreiches, ehrliches Buch

Afghanistan
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Natalie Amiri ist eine deutsch-iranische Journalistin, die unter anderem den Weltspiegel moderiert. Sie kennt Afghanistan so gut wie kaum ein anderer und reist immer wieder dorthin. In dem Buch schreibt ...

Natalie Amiri ist eine deutsch-iranische Journalistin, die unter anderem den Weltspiegel moderiert. Sie kennt Afghanistan so gut wie kaum ein anderer und reist immer wieder dorthin. In dem Buch schreibt sie über ihre Erlebnisse dort, berichtet von Interviews mit Betroffenen und klärt auf. Wie es zum Rückzug der Taliban kam und was an Ignoranz des Westens nicht zu begreifen ist.

Das Buch „Afghanistan“ von Natalie Amiri beginnt mit dem Satz:

„Wenn du dich jemals nutzlos fühlst, dann erinnere dich daran, dass es 20 Jahre brauchte, Billionen von Dollar und vier US-Präsidenten, um die Taliban durch die Taliban zu ersetzen“.

Damit zeigt die Autorin sehr deutlich, was sie von den Menschen hält, die Afghanistan demokratisieren wollten. Auf Biegen und Brechen. Dabei war es doch nachweisbar, dass sich bereits andere Herrscher die Zähne daran ausgebissen haben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer ist mit Sicherheit, dass viele Stämme und Glaubensrichtungen in einem Land leben. Sprache, Kultur sowie Religion sind so verschieden, dass es kaum Aussicht auf friedliches Zusammenleben gibt.

Für mich gab es viel Neues zu lesen und seitdem lässt mich das Buch nicht mehr los. Das Leid der Menschen dort, und hier besonders jenes der Frauen, hat mich arg mitgenommen. Auch die Tatsache, dass immer noch viele von ihnen sich vor Verfolgung und Mord fürchten und die Ausreise in kläglicher Weise unterstützt wird. Das Buch ist lebendig geschrieben und das gilt auch für die Qualen und Ungerechtigkeiten der Bevölkerung. Viele Fotos lassen einmal mehr die innige Verbindung zu diesem Land erstehen. Fünf Sterne plus gibt es von mir und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.04.2022

Ein hochwertiges Buch in schöner Sprache geschrieben

Baddabamba und die Insel der Zeit (Baddabamba, Bd. 1)
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Paula ist traurig. Immer wieder muss sie den Satz hören: „Dafür bist du zu klein“. Das ist total nervig. Jetzt auch wieder. Die ganze Familie ist im Urlaub in Neuseeland. Ihre Brüder surfen mit dem Vater ...

Paula ist traurig. Immer wieder muss sie den Satz hören: „Dafür bist du zu klein“. Das ist total nervig. Jetzt auch wieder. Die ganze Familie ist im Urlaub in Neuseeland. Ihre Brüder surfen mit dem Vater auf der offenen See. Sie soll am Strand bleiben und später dann mit einem kleinen Ball Pingpong spielen. Haha, soweit kommt es noch. Sie wartet, bis die Brüder und der Vater nach der Anstrengung auf dem Wasser einschlafen. Dann schleicht sie sich zum Surfbrett und der Wind trägt sie vom Ufer fort. Doch, was ist das? So weit wollte sie doch gar nicht raus. Aber ihre Rufe nach Hilfe hört niemand und so landet sie auf einer ganz besonderen Insel mit einzigartigen Bewohnern.

Auf Chronossos zu stranden ist eigentlich Glück für Paula. Weil sie hier viele nette Tiere kennenlernt. Nicht so gut ist, dass sie kaum Aussicht auf die Rückkehr zu ihren Eltern hat. Dazu kommt, dass sie so manches Abenteuer bestehen muss. Ein schönes Buch für Kinder ab 10 und Großmütter bis 99. Ja, ich las es sehr gerne. Die Sprache ist kindgerecht aber niemals primitiv. Es werden unbekannte Dinge gut erklärt. Und ganz toll fand ich Bilder. Auf dem Cover und auch im Buch. Die Schrift ist schön groß, sodass sie sich sowohl für ältere Brillenträger als auch für Erstleser bestens eignet.

Nicht nur mir gefiel das spannende Buch. Auch unser 10jähriger Enkel vertiefte sich. Weil es spannend ist, so meinte er. Die Bilder fand er ebenfalls gut und schaute sie immer wieder an. Es ist schön zu sehen, dass auch Kinderbücher so hochwertig verlegt werden. Meine Leseempfehlung gilt ohne Abstriche.

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