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Veröffentlicht am 04.06.2022

✎ Umes Arunagirinathan - Grundfarbe Deutsch

Grundfarbe Deutsch
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Anfangs war ich etwas irritiert: Da erzählt mir eine PoC (Person of Color), dass sie Begriffe wie diesen "unpassend" findet. Er sieht sich selbst nicht so. Er will von anderen nicht so gesehen werden. ...

Anfangs war ich etwas irritiert: Da erzählt mir eine PoC (Person of Color), dass sie Begriffe wie diesen "unpassend" findet. Er sieht sich selbst nicht so. Er will von anderen nicht so gesehen werden. Er findet sie "abstrakt" und "abgehoben". Er sagt: "Man sollte die Dinge beim Namen nennen. Nur dann kann man klarmachen, was man meint."

Uff ... Da war ich erstmal ein bisschen baff. Schließlich sieht man überall, dass man sich politisch korrekt ausdrücken sollte, um nicht zu diskriminieren. Also wollte ich das Hörbuch eigentlich schon direkt beenden. Doch dann bin ich dran geblieben und es war gut so.

Dr. med. Umes Arunagirinathan hat schon einiges erlebt in seinem Leben: Er kam alleine mit 13 Jahren nach Deutschland. Ohne Eltern. Ohne Deutschkenntnisse. Er musste erleben, wie schwer ihm Deutschland eine Einbürgerung macht, aber auch, was er alles schaffen kann. Heute ist er Facharzt für Herzchirurgie.

Sein Erfahrungsbericht klagt nicht an, sondern zeigt schlicht und einfach die Missstände auf, die in Deutschland herrschen, wenn man aus voller Überzeugung Deutscher werden möchte.

Genauso gibt er jedoch auch zu bedenken, dass man es wirklich wollen muss. Dazu gehört, dass man die deutsche Sprache beherrscht und in dieser zum Beispiel alle Prüfungen ablegen kann, wenn man in Deutschland leben möchte. Ohne sie kann niemals eine wirkliche Integration stattfinden.

"Grundfarbe Deutsch" - ein Statement, welches sich so einige zu Herzen nehmen sollten.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 01.06.2022

✎ Alexander Stroh - Der Riese am Horizont

Der Riese am Horizont
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Durch Bücher bin ich bereits so manches Mal mit meiner 4-Jährigen über Themen ins Gespräch gekommen, die ich sonst von mir aus eher verkrampft angesprochen hätte - einfach, weil ich keinen Anfang finde ...

Durch Bücher bin ich bereits so manches Mal mit meiner 4-Jährigen über Themen ins Gespräch gekommen, die ich sonst von mir aus eher verkrampft angesprochen hätte - einfach, weil ich keinen Anfang finde ...

Bücher haben mir aber auch schon so einige Male gezeigt, was mein Kind wirklich beschäftigt. Denn wenn sie über etwas nachdenkt, etwas entdeckt hat oder ihr einfach nur eine Idee gekommen ist, kommt es oft vor, dass sie sich ein entsprechendes Buch darüber aus ihrem Regal nimmt. Und entweder lesen wir es gemeinsam oder sie setzt sich mit ihren Hasi hin und "liest" ihm vor.

Bücher sind daher für mich der absolute Gamechanger, wenn es darum geht, mit jemanden ins Gespräch zu kommen - und zwar nicht nur mit Kindern!

In "Der Riese am Horizont" geht es vorrangig um Ängste und wie verschiedene Menschen ihnen begegnen.

Ängste kennt (wahrscheinlich) jeder von uns. Mal stellen wir uns ihnen. Mal weichen wir ihnen aus. Mal ignorieren wir sie. Es gibt ganz viele Methoden, wie wir ihnen begegnen können.

Das Bilderbuch zeigt genau das auf: verschiedene Personen begegnen Unbekanntem auf verschiedenen Wegen: Die einen wollen es loswerden, andere wollen es ignorieren, manch eine
r möchte es höflich bitten, zu gehen. Und dann ist da jemand, der sich den Ängsten der anderen stellt.

Der Verlag vergibt eine Altersempfehlung ab 4 Jahren. Für meine 4-Jährige war die Geschichte ein wenig zu komplex. Einfach, weil sie so viel Interpretationsspielraum bietet.

Mein Kind hat beim reinen Lesen zum Beispiel nicht verstanden, dass die Menschen Angst vor dem Riesen haben. Es wird ja auch nirgends im Text explizit erwähnt. Lediglich der Klappentext weist darauf hin. Es werden jedoch auch Themen wie Mobbing oder Ausgrenzung dargestellt. Das sind alles Probleme, mit denen 4-Jährige sicher konfrontiert werden, doch sie sind ihnen nicht in diesem Ausmaße bewusst.

Die Illustrationen, die mir übrigens richtig gut gefallen, geben trotz ihrer Kuriositäten ein klares Bild ab: Von unterschiedlichen Menschen und ihren unterschiedlichen Reaktionen.

Das Werk finde ich wichtig und richtig. Die Zeichnungen sind ein Traum. Der Kern der Geschichte wird durch Wort und Schrift wunderbar dargestellt. Sie bietet so viel Gesprächsstoff, dass uns die Lektüre sicher noch eine ganze Weile begleiten wird - eben auch, weil sie momentan noch nicht so richtig zu uns passt, weil sie sehr komplex ist. Doch die Botschaft, die ich bereits jetzt meinem Kind mit auf den Weg gegeben habe, besagt, dass sie immer zu mir kommen kann, wenn sie Angst hat. Dann schauen wir gemeinsam, wie wir der Angst begegnen können. Meist ist es besser, sich ihr zu stellen bzw. offen auf sie zuzugehen - dann verschwindet sie oft ganz von selbst.

Ich vergebe daher eine (Vor)Leseempfehlung ab 5 oder eher 6 Jahren.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 27.05.2022

✎ Kimberly Wantia - Amira und die Suche nach den Wunschblumen

Amira und die Suche nach den Wunschblumen
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"Amira und die Suche nach den Wunschblumen" ist eine kurzweilige Geschichte, die jedoch lange nachhallen kann.

Die Autorin hat versucht, mit knappen, kindgerechten Sätzen zu vermitteln, was es heißt, ...

"Amira und die Suche nach den Wunschblumen" ist eine kurzweilige Geschichte, die jedoch lange nachhallen kann.

Die Autorin hat versucht, mit knappen, kindgerechten Sätzen zu vermitteln, was es heißt, empathisch zu sein. Da sich diese Fähigkeit erst zwischen 4 und 5 Jahren entwickelt, würde ich auch die Zielgruppe ab ca. 4 Jahren definieren.

Auf jeder Doppelseite gibt es großformatige Bilder, die sich auf das Wesentliche beschränken und daher nicht überladen wirken. Die Farben sind prächtig und die Ausdruckskraft enorm. Das gefällt besonders meiner 4-Jährigen sehr gut.

Einzig der Anfang sagt mir nicht so ganz zu, da die Mutter Amiras Wunsch direkt unterdrückt. Doch Amira steht für sich ein.

Auf der Homepage habe ich gesehen, dass Amira eine Folge von mehreren Bänden werden soll. Ich bin gespannt, was die Freunde noch alles zusammen erleben werden.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 26.05.2022

✎ Joss Stirling - Raven Stone 1 Wenn Geheimnisse tödlich sind

Raven Stone - Wenn Geheimnisse tödlich sind
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Im Laufe meiner Aktion "vergessene Schätze" wurde dieses Buch von BlaueLotusbluete empfohlen. Und weil ich Internatsgeschichten früher gerne mochte, durfte es jetzt meinen virtuellen SuB verlassen.

Die ...

Im Laufe meiner Aktion "vergessene Schätze" wurde dieses Buch von BlaueLotusbluete empfohlen. Und weil ich Internatsgeschichten früher gerne mochte, durfte es jetzt meinen virtuellen SuB verlassen.

Die Sprache Joss Stirlings ist der Zielgruppe absolut angepasst. Leicht und flockig geht es durch die Geschichte. Man findet keine Schachtelsätze oder komplizierte Ausdrücke, die den Lesefluss stören. Selbst abends, im müden Zustand, konnte ich noch einige Seiten lesen, ohne dass es mich zu sehr angestrengt hätte.

Die Autorin hat Charaktere mit Ecken und Kanten geschaffen. Die Lesenden werden sich in der ein oder anderen Person wiederfinden. Es gibt Sympathieträger. Es gibt absolut antisympathische Gruppen. Und es gibt Leute, die einem einfach nur leid tun.

Die Story ist nicht besonders anspruchsvoll, doch ich fand sie interessant. Es werden zwar einige Klischees bedient, dennoch empfand ich es nicht als den Einheitsbrei, der hin und wieder in diesem Genre kursiert.

Im Englischen sind bisher 4 Bände der Reihe erschienen. Im Deutschen gibt es lediglich Band 1. Ich finde das schade, denn für mich hat es Potenzial einer guten Jugenbuch-Reihe.

©2022 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 25.05.2022

✎ Boldizsár M. Nagy - Märchenland für alle

Märchenland für alle
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Bereits vor Erscheinen von "Märchenland für alle" war das Buch gefühlt in aller Munde. Ich hatte zuerst gar nicht die Diskussionen darum mitbekommen. (vielleicht, weil ich nicht in Deutschland lebe) Mich ...

Bereits vor Erscheinen von "Märchenland für alle" war das Buch gefühlt in aller Munde. Ich hatte zuerst gar nicht die Diskussionen darum mitbekommen. (vielleicht, weil ich nicht in Deutschland lebe) Mich hatte einfach interessiert, ob es tatsächlich 17 Menschen gelungen ist, 17 (bekannte) Märchen um- oder weiter zu schreiben - und dabei ein wenig Diversität hinein zu bringen.

Für mich war es jetzt kein Werk, welches ich einmal in die Hand genommen und von vorne bis hinten durchgelesen habe. Dafür war mir manch eine Geschichte einfach irgendwie ... zu trocken. Auch habe ich die Intention hinter der einen oder anderen nicht ganz verstanden.

Es gibt ganz offensichtliche Punkte, die herausgearbeitet wurden: schwule Prinzen, die Hautfarbe von einigen Protagonisten, körperliche Merkmale, Transgender, rebellierende Prinzessinnen, häusliche Gewalt, Armut, ... Ich habe sie gerne gelesen und hoffe, dass sie ihren Weg in die Welt finden werden.
Bei 2, 3 Märchen ist mir jedoch, wie gesagt, noch nicht ganz klar, worauf sie hinaus wollen.

Was mir unheimlich gut gefallen hat, waren die Illustrationen. Die Intensität der Farben, die Details, die Ausdruckskraft. Da hat einfach alles gepasst. Ich hätte mir davon noch mehr gewünscht. Um so bedauerlicher ist es, dass die Künstlerin am Ende des Buches bei der Aufzählung fehlt.

Der Verlag vergibt eine Altersempfehlung ab 6. Ich denke, das ist ok. Zwar finde ich die Sprache an manchen Stellen ein wenig schwierig, aber man kann es ja so machen wie mit den uralten Märchen: Man erzählt sie einfach frei und mit den eigenen Worten. Zum Selberlesen sind sie wahrscheinlich eher in Richtung 9 Jahre.

Ich tu mich auch ein bisschen schwer, eine Leseempfehlung (für Kinder) auszusprechen ...

Keine Frage: Dieses Werk ist wichtig und richtig! Und es ist absolut falsch, was bei Erscheinen von "Märchenland für alle" in Ungarn passiert ist!

Doch mir fehlt an einigen Stellen einfach das Normale. Der Fokus war manchmal zu sehr gelenkt. Dadurch war die "Andersartigkeit" nicht mehr alltäglich - so, wie es eigentlich in unserer Gesellschaft sein sollte. Manches klingt zu verkrampft, zu gewollt.

Ich werde es auf alle Fälle so halten: Meine Lieblingsmärchen aus dieser Lektüre habe ich mir bereits notiert und selbst beim ersten Lesen ist der Kern der Geschichte hängen geblieben. Meine 4-Jährige wünscht sich zum Einschlafen hin und wieder, dass ich etwas erzähle und so werden es nun ab und zu Zeilen hieraus werden.

©2022 Mademoiselle Cake