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Veröffentlicht am 01.07.2022

Ein Ende in Würde

Die sieben Schalen des Zorns
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Max Keller hat eine schwierige Kindheit hinter sich, als er nach dem Tod des gewalttätigen Vaters von seiner Tante Maria aufgenommen wird. Die beiden haben ein inniges Verhältnis, deshalb ist es für Max, ...

Max Keller hat eine schwierige Kindheit hinter sich, als er nach dem Tod des gewalttätigen Vaters von seiner Tante Maria aufgenommen wird. Die beiden haben ein inniges Verhältnis, deshalb ist es für Max, der inzwischen Arzt ist, gar keine Frage, als Maria ihn nach einer Alzheimerdiagnose bittet, ihrem Leben ein Ende zu setzen, wenn eines Tages ein Leben in Würde nicht mehr möglich sein sollte.
Max, der inzwischen weitere Schicksalsschläge hinter sich hat, löst sein Versprechen ein und wird prompt der aktiven Sterbehilfe angeklagt.
Ausgerechnet Max Kellers bester Freund aus Jugendtagen, Jonas, der kurz vor der Ernennung zum Generalstaatsanwalt steht, ist der zuständige Staatsanwalt in dem Verfahren gegen seinen alten Freund, in dessen Schuld er steht.
Der Autor und Rechtsanwalt Markus Thiele spricht hier ein brisantes und aktuelles Thema an. Wo verläuft die Grenze zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe? Ist es nicht Teil eines selbstbestimmten Lebens und somit verfassungskonform, wenn man seinem Leben ein Ende setzen will, wenn dieses nur noch aus Siechtum besteht? „Die sieben Schalen des Zorns“ ist ein anspruchsvolles und aufrüttelndes Buch. In Rückblenden erfährt der Leser Einzelheiten aus dem Leben der Hauptpersonen, die für das Verständnis ihrer Handlungsweisen wichtig sind. Allerdings fand ich diese Rückblicke zum Teil sehr langatmig und ausufernd, was bei mir etwas Langeweile aufkommen ließ. Nichtsdestotrotz ist es ein Buch, das ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema anspricht. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.05.2022

Ruhiger Krimi

Tiefes, dunkles Blau
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Rosa Zambrano, Mittdreißigerin und Seepolizistin in Zürich, hört ihre biologische Uhr ticken. Von ihrem langjährigen Freund hat sie sich gerade getrennt, offenbar wollte er keine Kinder. Um sich ihren ...

Rosa Zambrano, Mittdreißigerin und Seepolizistin in Zürich, hört ihre biologische Uhr ticken. Von ihrem langjährigen Freund hat sie sich gerade getrennt, offenbar wollte er keine Kinder. Um sich ihren Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen zu können, lässt sie in der renommierten Praxis des Zürcher Arztes Dr. Janssen ihre Eizellen einfrieren. Kurz danach wird just dieser Arzt als Wasserleiche aus dem See gefischt. Wie sich herausstellt, steckte Janssen mitten im Scheidungskrieg, seine Partnerin in dem Biotechunternehmen, das er neben der Praxis betrieb, hatte andere Vorstellungen als er und war nicht gut auf ihn zu sprechen, und dann schien er auch noch Verbindungen ins Rotlichtmilieu gehabt zu haben.
Es gibt also genügend Menschen, deren Leben einfacher wäre ohne ihn und die somit ein Motiv gehabt hätten, ihn aus dem Weg zu räumen.
„Tiefes, dunkles Blau“ ist zweifellos ein Krimi, allerdings steht der Kriminalfall nicht im Vordergrund. Seraina Kobler versteht es ganz wunderbar, Stimmungen zu beschreiben. Rosa ist beispielsweise eine begeisterte und begnadete Köchin, die ihre Gäste mit ausgefallenen Menüs verwöhnt. Auch die Atmosphäre Zürichs, ein Open Air Konzert , dem Rosa in ihrem verwunschenen Garten mitten in der Zürcher Altstadt lauscht, sowie die Stimmungen am See und in den Bergen oberhalb von Zürich werden so anschaulich beschrieben, dass man sich mittendrin fühlt. Von Rosa selbst konnte ich mir allerdings kein so gutes Bild machen, vielleicht lerne ich sie im nächsten Band der Reihe, den ich sicher auch lesen werde, besser kennen. Ein unterhaltsamer und ruhiger Roman, der durch seine sehr schöne Covergestaltung – vertäute Boote im See mit der Altstadt Zürichs im Hintergrund – ins Auge fällt.

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Veröffentlicht am 29.03.2022

Zeugenschutz funktioniert nicht immer

Die andere Schwester
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John Adderly, ehemaliger FBI Agent und seit neuestem im Zeugenschutz unter dem Namen Fredrik Adamsson, hat seine neue Stelle in Karlstad, Schweden angetreten. Er trifft sich mit seinem ehemaligen Partner ...

John Adderly, ehemaliger FBI Agent und seit neuestem im Zeugenschutz unter dem Namen Fredrik Adamsson, hat seine neue Stelle in Karlstad, Schweden angetreten. Er trifft sich mit seinem ehemaligen Partner Trevor, mit dem er gemeinsam als verdeckter Ermittler gegen die nigerianische Drogenmafia ermittelte. Trevor ist nach wie vor für die Nigerianer tätig und John ist sich nicht sicher, ob er ihm trauen kann oder ob Trevor auf die andere Seite übergewechselt ist.
Bei diesem Teil der Geschichte habe ich gemerkt, dass mir das Vorwissen aus Band 1 gefehlt hat, es hat aber nicht weiter gestört. Die Vorgänge um Johns getöteten Bruder und dessen Tochter, die nicht wissen darf, dass John ihr Onkel ist – warum eigentlich? – waren mir viel mehr ein Rätsel.
Während John noch mit seiner Vergangenheit und seiner eigenen Sicherheit befasst ist, geschieht ein Mord. Die erfolgreiche Betreiberin eines Datingportals kommt gewaltsam ums Leben. Es stellt sich heraus, dass sie am Ort des Geschehens ein „Date in the Dark“, also ein Rendezvous in völliger Dunkelheit, hatte. Hat die Person, mit der sie sich getroffen hat, Stella Bjelke ermordet? Und warum wurde ihr Gesicht kurz vor ihrem Tod noch mit Säure verunstaltet? Sollte sie ihrer Schwester Alicia ähnlich sehen, die als Kind schreckliche Verbrennungen im Gesicht erlitt? Während John ermittelt, stellt sich heraus, dass die nigerianische Mafia ihm tatsächlich auf den Fersen ist. John versucht alles, um seine Haut zu retten. Dies gelingt ihm jedoch nur, indem er Beweise manipuliert…
„Die andere Schwester“ ist ein spannender Kriminalroman, der mir gut gefallen hat. Bis zur Mitte des Buchs fand ich die Story auch durchaus glaubhaft, doch dann war für meine Begriffe so einiges unlogisch und daher nicht ganz nachvollziehbar. Das Buch hat mir jedoch spannende Lesestunden bereitet und ich werde Band 3 wahrscheinlich auch lesen.

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Veröffentlicht am 25.03.2022

Sommer an der amerikanischen Ostküste

Leo und Dora
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Es ist das Jahr 1948. Leo Perlstein, einst erfolgreicher Wiener Schriftsteller, der mittlerweile schon seit Jahren im Exil in Palästina als Versicherungsmathematiker sein Geld verdient, reist auf Einladung ...

Es ist das Jahr 1948. Leo Perlstein, einst erfolgreicher Wiener Schriftsteller, der mittlerweile schon seit Jahren im Exil in Palästina als Versicherungsmathematiker sein Geld verdient, reist auf Einladung seiner Agentin und guten Freundin Alma nach Sharon, Connecticut, um dort in Almas Haus einen Sommer weitab vom Alltag zu verbringen. Der Gedanke dahinter ist, dass Leo dort seine Schreibblockade überwinden soll. Doch als er in Sharon ankommt, teilt man ihm mit, dass besagtes Haus einem Brand zum Opfer gefallen ist und Leo stattdessen mit dem einzigen Gästehaus am Ort, dem etwas heruntergekommenen Roxy, vorliebnehmen muss. Da Hochsaison ist, muss sich Leo ausgerechnet mit dem letzten freien Zimmer, der Dachmansarde, begnügen. Zunächst ist er entsetzt – nicht nur von der bescheidenen Unterkunft, sondern auch von den anderen Gästen – hauptsächlich jungen Müttern mit ihrem lauten Anhang – dem Essen und den Gemeinschaftstischen. Doch langsam, aber sicher lässt er sich auf die neuen Lebensumstände ein und merkt, dass es ihm ganz guttut, einen Gang herunterzufahren und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Dora, die Besitzerin des Roxy, spielt ab und zu mit ihm Karten, ihr Ziehsohn Alfred fährt ihn (ohne Führerschein) in den nächstgrößeren Ort und er lernt das Professorenehepaar Geringer kennen, mit dem er sich anfreundet. Nur mit seiner Romanidee kommt er zunächst einfach nicht voran.
„Leo und Dora“ ist ein ruhiger Roman, in dem nichts Weltbewegendes passiert. Doch die kleinen Ereignisse, die Agnes Krup mit feinem Humor schildert, sind amüsant zu lesen. Der Leser erlebt mit, wie Leo nach und nach seine harte Schale ablegt und auch Dora beginnt, sich ein Privatleben außerhalb des Roxy zu gestatten. Das Buch schafft es hervorragend, die Atmosphäre der langen, trägen Sommertage und -abende zu vermitteln. Mir hat es gut gefallen, in diese Atmosphäre einzutauchen und mehr über das Leben der einzelnen Personen und die sich langsam entwickelnden Freundschaften zu erfahren.

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Veröffentlicht am 22.03.2022

(K)eine perfekte Familie

Eine perfekte Familie
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Joy und Stan Delaney gehen beide auf die 70 zu, sind jedoch noch äußerst rüstig. Kein Wunder, beide sind begeisterte Tennisspieler und waren erfolgreiche Trainer und Besitzer einer Tennisschule, die sie ...

Joy und Stan Delaney gehen beide auf die 70 zu, sind jedoch noch äußerst rüstig. Kein Wunder, beide sind begeisterte Tennisspieler und waren erfolgreiche Trainer und Besitzer einer Tennisschule, die sie vor kurzem verkauft haben. Anstatt ihren Ruhestand zu genießen, wissen sie nicht so recht, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Als eines Abends zu später Stunde eine blutende junge Frau hilfesuchend vor ihrer Haustür auftaucht – angeblich wurde ihr die Wunde von ihrem Freund beigebracht – nehmen Joy und Stan sie bei sich auf. Was als kurzfristige Lösung gedacht war, verlängert sich auf Wochen, denn Savannah macht sich bald unentbehrlich, indem sie kocht, putzt und Leben ins Haus bringt. Die erwachsenen Kinder der Delaneys finden das Arrangement ziemlich seltsam und beunruhigend, immerhin wissen ihre Eltern absolut nichts über die junge Frau. Dass die Skepsis berechtigt war, zeigt sich bald.
In einem zweiten Handlungsstrang erleben wir die Delaneys etwa ein Jahr später. Joy ist spurlos verschwunden. In der Zwischenzeit ist so manches passiert und es scheint nicht ganz unwahrscheinlich, dass Stan seine Frau ermordet haben könnte. Zumindest geht die Polizei stark davon aus, denn es finden sich mehrere Hinweise, die dies untermauern. Außerdem scheint Joy nicht die Art von Frau zu sein, die ohne Handy und völlig unangekündigt das Haus verlässt, um eine Auszeit zu nehmen.
Oder hat womöglich Savannah etwas mit Joys Verschwinden zu tun? Keiner weiß, wo sie sich aufhält, und da sie in der Vergangenheit nicht mit offenen Karten gespielt hat, wäre auch ihr einiges zuzutrauen.
Im Laufe der Geschichte lernen wir die Familie Delaney samt Anhang immer besser kennen. Vieles ist in Wirklichkeit ganz anders, als der erste Eindruck vermittelt.
Alles in allem fand ich das Buch spannend, doch streckenweise zieht sich die Handlung sehr dahin. Da ich keine Ahnung von Tennis habe, war mir auch dieser Aspekt manchmal zu ausführlich. Am Ende treffen ein bisschen viele Zufälle aufeinander, doch hat mir die Auflösung trotzdem ganz gut gefallen. Und mit den allerletzten Seiten schafft es Liane Moriarty noch einmal, den Leser zu überraschen. „Eine perfekte Familie“ hat mich gut unterhalten, ich fand es allerdings nicht ganz so packend wie einige von Moriartys früheren Büchern.

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