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Veröffentlicht am 07.07.2022

Wenn Schuld das Leben bestimmt

Der Markisenmann
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Kim ist fünfzehn und lebt mit ihrer Mutter, ihrem Halbbruder Geoffrey und ihrem ehrgeizigen Stiefvater Heiko zusammen. Vor allem zu letzterem hat sie keine gute Beziehung, da sie glaubt, ihr Vater wäre ...

Kim ist fünfzehn und lebt mit ihrer Mutter, ihrem Halbbruder Geoffrey und ihrem ehrgeizigen Stiefvater Heiko zusammen. Vor allem zu letzterem hat sie keine gute Beziehung, da sie glaubt, ihr Vater wäre seinetwegen weg, als sie zwei war. An ihn hat sie keinerlei Erinnerung, kennt ihn nur von einer verblichenen Fotografie. Obwohl Kim alles hat, geht es ihr in der Familie nicht gut, sie findet einfach keine Beachtung und in einem Moment, in dem sie die Kontrolle verliert, passiert etwas Schreckliches. So findet sie sich nach einem kurzen Klinikaufenthalt am Bahnhof Duisburg wieder, wo ihr Vater sie abholen soll, damit sie bei ihm die Sommerferien verbringt. Total enttäuscht von seinem ersten Eindruck, denkt sie an Flucht, doch erpicht auf Antworten begleitet sie den erfolgreichen Vertreter bei seinen Touren und merkt, dass sie doch ein ganz gutes Team sind.

Das Cover ist sehr gewöhnungsbedürftig und strahlt zu hundert Prozent den Charme der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts aus. In ähnlichem Design gab es in unserem Haus eine Tapete. Man verbindet diese optische Entgleisung mit den Markisen. Auch das Vorsatzpapier im Inneren des Buches zeigt ein eigenwilliges Design. Später erfährt man dann, dass dies tatsächlich die Markisen im Angebot des Vertreters und Vaters Papen sind.

Die Geschichte gefiel mir zunächst ganz gut. Bis auf die Katastrophe am Anfang verläuft sie sehr ruhig, aber nicht langweilig. Kim ist ein verwöhntes, aber auch einsames Mädchen, das unter den Familienverhältnissen leidet. Allerdings scheint sie auch nicht die schlaueste zu sein. Für ihr Leben hat sie keinerlei Pläne. Die braucht sie auch nicht, denn Geld ist im Überfluss vorhanden. So wirkt die Protagonistin leider etwas arrogant.

Ihr leiblicher Vater Papen hingegen kommt sehr weltfremd rüber. Seit Jahren versucht er vergeblich, rollenweise Markisen aus den 70ern im Ruhrgebiet zu verkaufen. Er wohnt und arbeitet in derselben Lagerhalle und hat keine großen Ansprüche, was ihn dann schon wieder sympathisch macht. Bei Kim und ihrem Vater prallen Welten aufeinander und es ist ganz witzig zu verfolgen, wie sie sich dennoch näher kommen. Zudem spielen ein paar kauzige Typen aus dem Umfeld eine Rolle.

Soweit ist das Buch eigentlich ganz nett gemacht, man erschwindelt sich nach und nach unerhört viele Kaufverträge und alles scheint gut zu sein. Dann versucht der Autor aber unnötigerweise durch eine Schuld, die in der ehemaligen DDR entstand, seinem Buch mehr Anspruch und Tiefe zu verleihen und macht für mich damit mehr kaputt, als er gewinnt. Und vor allem an Ende ist mir das Ganze dann einfach zu überzogen. Ein glaubwürdiger Abschluss hätte mir besser gefallen.

Wegen des unnachahmlichen Ruhrpott-Sommerflairs, gebe ich dem Buch dennoch 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.07.2022

Es gibt nicht nur Gut und Böse

Blaukäppchen und der gute Wolf
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Als Blaukäppchen durch den Wald läuft, trifft sie auf den Wolf. Der ist ganz traurig, weil alle Tiere Angst vor ihm haben und nicht mit ihm spielen wollen. Sofort schnappt sich Blaukäppchen den armen Tropf, ...

Als Blaukäppchen durch den Wald läuft, trifft sie auf den Wolf. Der ist ganz traurig, weil alle Tiere Angst vor ihm haben und nicht mit ihm spielen wollen. Sofort schnappt sich Blaukäppchen den armen Tropf, der es gar nicht gewohnt ist, dass man ihm hilft. Gemeinsam treffen sie auf viele Tiere. Der Frosch z.B. hat Angst vor dem Wolf, weil er so große Ohren hat, der Hase wegen der großen Ohren uns so geht es immer weiter. Doch Blaukäppchen schafft es den ängstlichen Tieren zu erklären, dass diese Eigenschaften nicht schlimm sind. Ob die Tiere nun mit dem Wolf spielen?

Das Cover ist allein schon wegen der blauen Kappe interessant für Kinder und passt sehr gut zur Geschichte.

Das Märchen von Rotkäppchen kennt sicher jeder, daher haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir hier vom Blaukäppchen gelesen haben. Mittlerweile denke ich, dass auch diese andere Kleidungsfarbe eine Botschaft gegen eingefahrenes Rollendenken ist (Mädchen=Rot). Der Wolf in diesem Buch ist jedenfalls überhaupt nicht böse, wie man es erwarten könnte. Es geht darum, wie andere Tiere ihn rein nach seinen Äußerlichkeiten beurteilen, ohne den einsamen Gesellen überhaupt näher kennenzulernen. Und da auch wir Menschen ganz groß im Vorschnellen Urteilen sind, finde ich diese Botschaft ganz toll.

Im Buch wiederholt sich die Art der Szene immer wieder. Erst trifft man ein Tier, dann nennt es seine Ängste, Blaukäppchen erklärt, warum diese nicht gerechtfertigt sind. Oft haben die Tiere sogar ähnliche Erfahrungen gemacht oder mögen die Dinge, die der Wolf mag. Der Text ist in diesen Szenen nahezu immer gleich aufgebaut, was für größere Kinder etwas langweilig wirken könnte, für Kleine aber bestimmt lustige Möglichkeiten zum Mitsprechen ergibt. Am Ende geht es fast ein bisschen zu problemlos in ein Happy End über. Die Illustrationen gefallen uns sehr gut, besonders die Tiere und ihre Gesichtsausdrücke. Viel zu entdecken außerhalb des Textes gibt es aber nicht.

Das Nachwort von Hunde-Experte Martin Rütter ist kindgerecht gehalten und sensibilisiert Kinder für den Wolf, der langsam in unsere Gegen zurückkehrt. Kurz zeigt er auf, wie ein Leben mit dem Wolf möglich ist.

Ein Bilderbuch für Toleranz und Akzeptanz, das Kindern zeigt, dass es auch wichtig ist, hinter die Fassade zu blicken. 4 Sterne

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Abenteuerliche Safari in der Stadt

Das Buch der (un)heimlichen Wünsche 1: Auf Safari
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Als Noah mal wieder seinen Rucksack im Biologie-Saal der Schule vergisst, schmuggelt die geheimnisvolle Hausmeisterin Wilmine Wunderlich das "(un)heimliche Buch der Wünsche hinein und befreit dabei versehentlich ...

Als Noah mal wieder seinen Rucksack im Biologie-Saal der Schule vergisst, schmuggelt die geheimnisvolle Hausmeisterin Wilmine Wunderlich das "(un)heimliche Buch der Wünsche hinein und befreit dabei versehentlich eine Schlange. Zum Glück gelingt es Noah trotzdem, den Rucksack zu holen. Als er das Wunschbuch findet ist er neugierig und liest darin von einer Abmachung: Wenn er Malee ihren größten Wunsch erfüllt, wird das Buch ihm anschließend ebenfalls eine Wunsch erfüllen. Da gibt es nur zwei Probleme: Wer ist Malee? Und wer ist der grummelige, alte Mann, der ihn verfolgt und es auf das Buch abgesehen hat? Prompt schlittert Noah in ein tierisches Abenteuer.

Das Cover passt sehr gut zur Geschichte, da es ein Szene daraus zeigt, die actionreich und lustig wirkt, vielleicht auch schon ein bisschen viel vorwegnimmt. Für Kinder ist es aber sehr ansprechend und wirkt auch etwas magisch.

Am Anfang werden wichtige Charaktere aus dem Buch näher vorgestellt, auch solche, die erst später zum Geschehen hinzustoßen. Hinten im Buch wäre diese Übersicht vielleicht besser gewesen. Der Schreibstil ist für Kinder gut zu verstehen, auch die Schriftgröße ist sehr angenehm. Etwa ab der Hälfte der Geschichte kommt so viel Bewegung hinein, dass man sehr konzentriert lesen muss, um zu verstehen und sich die Szenen richtig vorstellen zu können. Wir waren teilweise etwas verwirrt.

Noah gefiel uns sehr gut, er ist ein bisschen ängstlich und zurückhaltend und muss erst einmal seinen ganzen Mut zusammennehmen, um das Abenteuer "Wunscherfüllung" zu bestehen. Wer gerne Tiere mag, der kann sich schon mal auf jede Menge davon freuen. Auch das Thema Tierschutz spielt eine Rolle und ganz besonders geht es um Freundschaft und Zusammenhalt. Die Illustrationen in schwarz-weiß sind tierisch gut gemacht und sorgen dafür, dass man sich alles besser vorstellen kann.

Eine turbulente Stadtsafari mit tollen Illustrationen

4 Sterne

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Veröffentlicht am 16.03.2022

Lebenslinien einer Familie

Für diesen Sommer
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Auf Bitten ihrer älteren Schwester Monika kehrt die 50-jährige Franziska nach Jahren zurück in ihr Elternhaus, um sich um ihren alten, gebrechlichen Vater Heinrich zu kümmern. Nach dem plötzlichen Tod ...

Auf Bitten ihrer älteren Schwester Monika kehrt die 50-jährige Franziska nach Jahren zurück in ihr Elternhaus, um sich um ihren alten, gebrechlichen Vater Heinrich zu kümmern. Nach dem plötzlichen Tod der Mutter Johanne hatte Monika diese Aufgabe übernommen. Nun muss sie jedoch wegen eines Burnouts behandelt werden.

Monika war immer die Mustertochter gewesen, während Franziska schon im Teenageralter als aufmüpfig und rebellisch galt. Früh hat sie sich dem Umweltschutz verschrieben und konnte nicht begreifen, dass ihr Vater als Ingenieur und Planer für Straßen und Landebahnen ganze Wälder geopfert hat.

Bereits nach dem Abitur hat sie deshalb die Familie verlassen, ihr Glück erst in Berlin dann in diversen Ashrams und auf einem Hof gesucht. Nun trägt sie die Verantwortung für den Vater, der weder die beantragte Kur antreten will, noch dem behindertengerechten Ausbau des Hauses zustimmt. Können Franziska und ihr Vater die alten Ängste und Zwänge vergessen, ihre Konflikte lösen, sich annähern und die verbleibende Zeit friedvoll verbringen?

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mit dem Roman warm wurde. Die vielen Rückblicke - mal aus Sicht von Franziska, mal aus Heinrichs - haben die Leselust zunächst etwas behindert. Im Nachhinein muss ich aber zugeben, dass der Roman dadurch sehr geschickt aufgebaut ist. Es lohnt sich wirklich dranzubleiben. Man erfährt von der Kindheit der Eltern in den Kriegsjahren bis hin zur Gegenwart, wer wann wie warum gehandelt hat und versteht dadurch vieles, was in der Familie im Argen liegt, besser. Der Schreibstil ist fließend und bildhaft.

Die Charaktere der Protagonisten sind realistisch und nachvollziehbar dargestellt durchaus bewegendes Buch, zu dem das Cover, ein ansprechendes Bild aus schönen Sommertagen, auf dem zwei Mädchen an einem tiefblauen See sitzen, sehr gut passt.

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Glaube an deine Träume

Sonne über dem Salzgarten
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Die sympathische, weltoffene Sterneköchin Julia begleitet ihren Neffen Emil, der aus dem Internat abgehauen ist, auf die Insel La Palma, um ihn zu ihrem Bruder Jens zu bringen. Während ihres kurzen Aufenthaltes ...

Die sympathische, weltoffene Sterneköchin Julia begleitet ihren Neffen Emil, der aus dem Internat abgehauen ist, auf die Insel La Palma, um ihn zu ihrem Bruder Jens zu bringen. Während ihres kurzen Aufenthaltes entdeckt sie eine einsam gelegene Finca, in die sie sich sofort verliebt. Doch nicht nur das Haus sondern auch der Einheimische Alvaro zieht sie in seinen Bann. Kann sich Julia trotz aller Widerstände ihren Lebenstraum von einem eigenen kleinen Lokal auf der Insel erfüllen?

Die Bestseller-Autorin Tabea Bach hat mich mit dem ersten Band der Salzgarten-Reihe auf die Insel La Palma entführt, hat mir Land, Leute, Kultur und Kulinarik näher gebracht. Die Erläuterungen zur Salzgewinnung und die vorgestellten Rezepte haben mich von ihrer guten Recherche überzeugt. Der Erzählstil ist bildhaft und fließend. Man fühlt sich regelrecht auf die Insel gebeamt. Manchmal waren mir die Handlungen zwar etwas zu unrealistisch, aber Träume wahr werden lassen ist ja erlaubt. Das ist Tabea Bach mit diesem Buch gut gelungen. Denn genau dieses Streben der Protagonistin nach der Erfüllung ihrer Träume macht sie so sympathisch. Das Cover mit Julia in den Salzfeldern, den Strelitzien und dem wehenden Schal passt gut zur Geschichte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

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