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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.07.2017

Düster, sperrig und ungewöhnlich

Dunkels Gesetz
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Die Lektüre von Svens Heucherts Debütroman ,,Dunkels Gesetz“ ist kein reines Lesevergnügen. Dennoch hat der Roman etwas, das einen auch nach dem Lesen nicht loslässt. Ist es die düstere, melancholische ...


Die Lektüre von Svens Heucherts Debütroman ,,Dunkels Gesetz“ ist kein reines Lesevergnügen. Dennoch hat der Roman etwas, das einen auch nach dem Lesen nicht loslässt. Ist es die düstere, melancholische Atmosphäre, in der kleine Funken von Nähe und Menschlichkeit aufglühen und ebenso schnell wieder verlöschen? Oder ist es die traurige Ratlosigkeit, die einen angesichts der Aggressivität und Resignation der Figuren überkommt?
Der Exsöldner Richard Dunkel arbeitet für eine Securityfirma in dem kleinen Kaff Altglück nahe der belgischen Grenze. Dabei stößt er auf den Tankstellenbesitzer Achim, der ins große Drogengeschäft einzusteigen versucht. Bei ihm wohnen seine Geliebte und deren Tochter Marie, die wie ein Fremdkörper in dieser tristen und schmierigen Szenerie wirkt.
Die Charaktere, ihre Beziehung zueinander und ihr bisheriges Leben werden nur angedeutet, vieles bleibt in der Schwebe. Selbst das Ende hinterlässt viele offene Fragen und lose Fäden, sodass einen das Buch noch eine ganze Weile beschäftigt.
Richard Dunkel selbst ist keine sympathische, aber eine durchaus interessante Figur. In kleinen Häppchen erfährt man etwas von seiner Vergangenheit als Söldner und von seinen Erinnerungen, die ihn offenbar nicht loslassen. Einzig für das Mädchen Marie empfindet man so etwas wie Mitleid und hofft, dass sich wenigstens ihr die Chance auf ein besseres Leben bietet.
Die Sprache des Romans ist sehr knapp, die Dialoge bestehen oft aus umgangssprachlichen, abgerissenen Sätzen, was mir nicht gefällt, aber unbedingt zu den Charakteren passt. Die Bezeichnung ,Kriminalroman’ ist etwas irreführend, dafür fehlt meiner Meinung nach der eigentliche Fall und der Spannungsbogen. Die Beschreibung auf dem Klappentext als harten, schroffen und rabenschwarzen Provinzroman finde ich aber durchaus zutreffend. Ein sperriges und kantiges, aber auch ein interessantes und ungewöhnliches Buch.

Veröffentlicht am 23.06.2017

Von Tätern und Opfern

Tiefe Schuld
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Jugendliche Geocacher finden im Wald eine Frauenleiche. Alles deutet auf ein Sexualdelikt hin, aber der Körper weist zahlreiche Verletzungen und Narben auf, die darauf hindeuten, dass die tote Julia Krämer ...

Jugendliche Geocacher finden im Wald eine Frauenleiche. Alles deutet auf ein Sexualdelikt hin, aber der Körper weist zahlreiche Verletzungen und Narben auf, die darauf hindeuten, dass die tote Julia Krämer schon jahrelang misshandelt wurde.
Hauptkommissarin Toni Stieglitz, die sich erst vor kurzem von ihrem gewalttätigen Freund Mike getrennt und ihn endlich angezeigt hat, übernimmt mit ihren Kollegen den Fall. Für sie steht sehr schnell fest, dass nur der Ehemann Martin Krämer als Täter in Frage kommt. Doch es finden sich keine konkreten Beweise. Und je tiefer Toni Stieglitz sich mit dem Fall befasst, desto mehr andere Spuren tun sich auf. Offenbar führte Julia Krämer ein Doppelleben, der Sohn Sebastian verhält sich äußerst merkwürdig, die Nachbarin hat mehr als nur ein nachbarschaftliches Interesse an Martin Krämer, die Exfrau ist psychisch krank......
Auch Toni Stieglitz selbst hat im Privatleben zu kämpfen. Ihr Exfreund Mike hält sich zwar nach der Anzeige von ihr fern, macht ihr aber deutlich, dass er sie immer unter Beobachtung hat. Und dann sind da noch die zarten Bande zu Rechtsmediziner Tom Mulder, die massiv auf die Probe gestellt werden.
Der 2. Band um Toni Stieglitz ist unterhaltsam und spannend. Die knappen 55 Kapitel, die jeweils aus verschiedenen Perspektiven die Handlung beleuchten, bringen Dynamik und Tempo in Spiel. Tonis Geplänkel mit ihren Kollegen und so manche Situation mit dem ,,Doc“ lassen auch die humoristische Seite nicht zu kurz kommen. Allerdings leiden für meinen Geschmack zu viele Beteiligte an massiven psychischen Problemen, was etwas übertrieben wirkt.
Nicht unbedingt notwendig, aber sicherlich sinnvoll ist es, zuvor den ersten Band ,,Verletzung“ zu lesen, um so manche Andeutungen und Entwicklungen besser verstehen zu können.

Veröffentlicht am 16.05.2017

Morde in der Maremma

Die Morde von Morcone
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Der Münchener Anwalt Robert Lichtenwald zieht sich in sein kleines Häuschen in der südlichen Toskana zurück, um sein Leben neu zu ordnen. Seine Frau hat ihn kurz zuvor verlassen und Lichtenwald braucht ...


Der Münchener Anwalt Robert Lichtenwald zieht sich in sein kleines Häuschen in der südlichen Toskana zurück, um sein Leben neu zu ordnen. Seine Frau hat ihn kurz zuvor verlassen und Lichtenwald braucht nun Ruhe, um dies zu verarbeiten und einen neuen Lebenssinn zu finden. Damit entspricht er zwar dem deutschen Klischee der Selbstfinder, allerdings ist Robert Lichtenwald ein ruhiger und sympathischer Zeitgenosse und steht nicht unbedingt im Mittelpunkt des Kriminalromans.
Zwar findet er in Begleitung des Conte, auf dessen Gut sich das Häuschen Lichtenwalds befindet, eine tote Prostituierte, die sich bald als Hermaphrodit herausstellt. Auch wird er zusammen mit dem Conte zunächst von der lokalen und nicht ganz so scharfsinnigen Polizei verdächtigt und festgehalten. Doch sobald die junge und unangepasste Giada Bianchi auf den Plan tritt, bestimmt sie das Interesse des Lesers. Als alleinerziehende Mutter eines Sohnes ist sie vor Jahren aus Rom in das kleine, verschlafene Nest Morcone zurückgekehrt, wo sie sich nun den ganzen Tag im Schreibwarenladen langweilt. Allerdings ist sie auch ausgebildete Journalistin, und so stürzt sie sich mit Feuereifer in die Suche nach dem Mörder, der in immer kürzeren Abständen seine Opfer findet. Mit ihrem lebenslustigen und zupackenden Temperament rüttelt sie den eher zögerlichen und vorsichtigen Robert Lichtenwald aus seinem Phlegma auf. Die beiden geben ein sympathisches und unterhaltsames Ermittlergespann ab und natürlich dürfen sich zwischen den beiden auch zarte Gefühle entwickeln.
Die Krimihandlung selbst wirkt etwas zu konstruiert und weit hergeholt. Dennoch wird man mit der anschaulichen Beschreibung der Dorfbewohner und ihrer Eigenheiten, so manchem aktuellen Seitenhieb und der wunderbaren Atmosphäre der südlichen Toskana amüsant und kurzweilig unterhalten.

Veröffentlicht am 23.04.2017

Der 2. Fall für den Hobbyermittler

Gefährliche Ernte
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Perez, Restaurantbesitzer, Delikatessenschmuggler und Lebemann ermittelt in seinem 2. Fall an der Côte Vermeille im äußersten Südwesten Frankreichs.
Im Weinberg seines Vaters Antonio wird ein Toter gefunden, ...


Perez, Restaurantbesitzer, Delikatessenschmuggler und Lebemann ermittelt in seinem 2. Fall an der Côte Vermeille im äußersten Südwesten Frankreichs.
Im Weinberg seines Vaters Antonio wird ein Toter gefunden, gestorben an einer Überdosis Heroin. Perez kennt den Toten: vor 20 Jahren hat der Marokkaner als Ernthelfer im Weinberg seines Vaters gearbeitet. Perez kann nicht glauben, dass aus dem bescheidenen, freundlichen Mann ein Drogenabhängiger geworden ist. Pikant für Perez ist allerdings, dass die Polizei nun im Weinberg seines Vaters ermittelt, was für ihn und seine Geschäfte eine Katastrophe bedeuten könnte. Denn eine Grundlage seines wirtschaftlichen Wohlergehens gründet sich auf der geschickten Vermarktung seines Weines Creus. Dieser Wein, sehr edel, sehr teuer und sehr gefragt, wird gar nicht aus Spanien importiert, wie Perez gerne verkündet, sondern aus dem Weinberg des Vaters. Bald wird ein zweiter Toter gefunden und es stellt sich heraus, dass beide Männer Brüder waren. Perez versucht, die Ermittlungen der Polizei möglichst von sich und seinem Vater abzulenken, und ermittelt gleichzeitig in Eigenregie, unterstützt von seinem Koch und Freund Haziem und seiner Lebensgefährtin Marianne. Durch sie kommt er auch in Kontakt mit Flüchtlingen aus Nordafrika, die per Schiff an der Côte Vermeille anlanden und in primitivsten Aufnahmelagern untergebracht werden. Offenbar hat auch der Front National, die rechtsextreme Partei Frankreichs, seine Finger mit im Spiel.
Perez ist ein sympathischer Hobbyermittler, mal aufbrausender Choleriker, mal behäbiger Genießer. Wie auch im ersten Band macht der eigentliche Kriminalfall nur einen Teil der Handlung aus. Perez weitläufiger Bekanntenkreis, seine Familie inklusive Exfrau, heiratswilliger Tochter, Lebenspartnerin, störrischem Vater usw. begleiten die Ermittlungen genauso wie die farbenfrohen Beschreibungen der Landschaft oder der Eigenheiten der Bewohner Banyuls.
Wer einen leichten Regionalkrimi sucht, wird gut unterhalten, einen hochspannenden Thriller sollte man allerdings nicht erwarten.

Veröffentlicht am 22.04.2017

Filmreife Action

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Die frühere CIA-Mitarbeiterin Kate Swift lebt seit zwei Jahren unter falschem Namen in einem abgelegenen Städtchen in Vermont. Seit sie korrupte Machenschaften des CIA öffentlich gemacht hat, gilt sie ...

Die frühere CIA-Mitarbeiterin Kate Swift lebt seit zwei Jahren unter falschem Namen in einem abgelegenen Städtchen in Vermont. Seit sie korrupte Machenschaften des CIA öffentlich gemacht hat, gilt sie als Verräterin. Ihre Tarnung fliegt auf, als sie an der Schule ihrer sechsjährigen Tochter Suzie einen Amoklauf verhindern kann, indem sie die Täter erschießt. Ihr ist klar, dass sie sofort mit ihrer Tochter fliehen muss, will sie am Leben bleiben.
Ihre Flucht führt sie nach Thailand, wo sie sich Hilfe von ihrem früheren Mentor Harry Hook erhofft. Doch der hat mit sich und seinem Leben genug eigene Probleme, die er lieber im Alkohol ertränkt. Eher widerwillig lässt er sich doch noch auf Kate und ihre Tochter ein und entwickelt einen riskanten und etwas makaberen Plan. Für Harry Hook selbst bietet die Rettungsaktion eine Chance, seinem Leben wieder eine neue Richtung und einen Sinn zu geben.
Die Handlung wird in neunzig kurzen, knappen Kapiteln erzählt, die immer wieder andere Personen in den Fokus rücken. Dadurch bleiben Spannung und Dynamik stets hoch. Allerdings sind die Figuren und die Konflikte sehr amerikanisch und actionmäßig angelegt und erinnern an James Bond Verfilmungen. Für mehr Lesegenuss hätte ich mir eine stärkere kritische Reflexion der Hauptfiguren gewünscht. Vor allem Kate Swift wirkt sehr kühl und distanziert und in ihrer Mutterrolle nicht immer überzeugend.
Sehr anschaulich und authentisch dagegen sind die Beschreibungen der Atmosphäre in Thailand, was sicherlich daran liegt, dass der Autor James Rayburn selbst dort lebt.
Actionreich und spannend, aber mit zu wenig Tiefgang.