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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2022

Eine Hommage an eine fast Vergessene

Diese wilde Freude in mir
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Die Autorin Samantha Silva beschreibt in ihrem Roman das Leben von Mary Wollstonecraft, die als eines von sechs Kindern des Webers und Landwirtes Edward John Wollstonecraft aufwächst. Wie im 18. Jahrhundert ...

Die Autorin Samantha Silva beschreibt in ihrem Roman das Leben von Mary Wollstonecraft, die als eines von sechs Kindern des Webers und Landwirtes Edward John Wollstonecraft aufwächst. Wie im 18. Jahrhundert üblich, werden ausschließlich Söhne gefördert, selbst wenn sie nichts taugen. Die intelligente Mary, darf nur wenige Jahre zu Schule gehen und wird - genauso wie ihre Mutter und Schwestern vom Vater verprügelt. Doch die Mutter kann sich nicht mit ihren Töchtern solidarisieren, sondern hängt mit einer Affenliebe an ihrem Sohn.

Mary weiß instinktiv, dass nur mehr Bildung aus dieser Sackgasse des Elends herausführt. Sie lernt was und wo immer es geht und gründet als Erwachsene eine Schule für Mädchen, die dann den Bach hinuntergeht, als sie ihre Freundin Fanny Blood in Lissabon besucht, wo sie mit ihrem Mann wohnt. Fannys Tod im Kindbett verarbeitet sie in einer Novelle (Mary: A Fiction“).

Mary Wollstonecraft hat erste Erfolge als Schriftstellerin und kann ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Privat wird ihr wenig Glück zuteil. Erst mit William Godwin findet sie einen Partner fürs Leben. Das wird allerdings nicht mehr lange dauern, denn Mary stirbt elf Tage nach der Geburt ihre Tochter Mary, die später als Mary Shelley durch ihren Roman „Frankenstein“ bekannt werden wird. <

Meine Meinung:

Das Spannende an diesem historischen Roman ist, dass die Autorin Mary Wollstoncrafts Leben in jenen elf Tagen zwischen der Geburt und ihrem Tod ablaufen lässt. Die schon geschwächte Mary erzählt ihrer Tochter ihr Leben.

Zwischendurch erhalten wir immer wieder Einblick in den Gesundheitszustand, doch weiß der geneigte Leser, dass Mary Wollstoncraft sterben wird.

Wir erfahren einiges aus der Zeit, in der Frauen keine Rechte hatten und auf Gedeih und Verderb ihren Ehemännern bzw. Vätern und Brüdern ausgeliefert waren. Mary Wollostoncraft gilt als eine der ersten Feministinnen. Die Französische Revolution 1789 hat in ihr Hoffnung aufkeimen lassen, dass eine Änderung möglich sein könnte. Doch der Kriegsruf „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ gilt nur für Männer, wie auch Olympe de Gouges (1748-1793) leidvoll erfahren muss. Sie wird wegen ihrer feministischen Reden verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Fazit:
Ein interessantes Sittengemälde einer frauenfeindlichen Zeit, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 26.09.2022

Beste Krimi-Unterhaltung!

Fischkatz
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Auf der bekannten Eisbach-Welle mitten München surft ein Toter ohne Brett, aber mit einem Bergsteigerseil um den Hals. Um die Identität der vorerst unbekannten Leiche festzustellen, wird deren DNA durch ...

Auf der bekannten Eisbach-Welle mitten München surft ein Toter ohne Brett, aber mit einem Bergsteigerseil um den Hals. Um die Identität der vorerst unbekannten Leiche festzustellen, wird deren DNA durch den Polizeicomputer gejagt und siehe da - welch Überraschung - ist er der Sohn eines vor 30 Jahren ermordeten Mannes.

Dann taucht ein Video auf, in dem Kommissar Steinböcks Intimfeind Ferdel Bruckmayer im Streit mit dem Toten vom Eisbach zeigt. Hat der Ferdel etwas mit dem Tod des Mannes zu tun oder will sich einer seiner Feinde, von denen der Ferdel mehr als genug hat, rächen?

Auf allerhöchsten Befehl begeben sich Komm. Steinböck, Katze Frau Merkel sowie Schmalzl und Dackel Thunfisch an die Ostsee, um Ferdel zu befragen. So ganz nebenbei kommen Geheimnisse aus der ehemaligen DDR ans Tageslicht.

Währenddessen wird in München „ordentlich“ ermittelt und ein bayrischer Politiker gerät in den Fokus der Polizei. Was haben der und Reichsbürger miteinander zu tun?

Meine Meinung:

Auch der siebte Fall für Komm. Steinböck und Frau Merkel hat mir sehr gut gefallen. Die Kommentare der Katze, die auch Steinböcks Gedanken lesen kann, sind immer wieder hervorragend. Doch diesmal hat sie in dem Fischer, der mit seinem Außenbordmotor spricht, eine harte Konkurrenz.

Autor Kaspar Panizza lockt seine Leser wieder gekonnt auf falsche Spuren. Der Abstecher nach Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt sich mit einer Facette des menschenverachtenden Systems der ehemaligen DDR und bringt damit einen ernsten Touch in den Krimi.

Der Krimi lässt sich locker und leicht lesen. Ich habe mich wieder köstlich amüsiert. Obwohl die eine oder andere Anspielung - wie Steinböcks Boxershorts oder Frau Merkels Vorliebe für Rosamunde-Pilcher-Filme - regelmäßig in den Krimis vorkommt, kommt keine Langeweile auf.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, die mich bestens unterhalten hat. Was will man mehr? Gerne gebe ich der Katz wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.09.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts (Die Kinderärztin 3)
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Während Marlene sich intensiv ihrer Karriere widmet, bleibt ihre Ehe beinahe auf der Strecke. Der Stress verursacht die Kinderlosigkeit, an der das Ehepaar leidet. Um Ihre Ehe zu retten, beschließt sie ...

Während Marlene sich intensiv ihrer Karriere widmet, bleibt ihre Ehe beinahe auf der Strecke. Der Stress verursacht die Kinderlosigkeit, an der das Ehepaar leidet. Um Ihre Ehe zu retten, beschließt sie schweren Herzens die Arbeit in der Klinik aufzugeben und sich zu erholen. Doch die Entdeckung des Penicillin durch Alexander Fleming, droht diesen Vorsatz ins Wanken geraten.

Und auch Emma hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Da ist zum einem der neue Freundeskreis ihres Sohnes Theo und zum anderen die neue Pflegeleiterin.


Meine Meinung:

Der dritte Teil der Reihe spiegelt die Zeit des Umbruchs von der Weimarer Republik in die NS-Diktatur. Die sich anbahnenden politischen Veränderungen machen auch vor der Kinderklinik nicht Halt. Es scheint, als ob es ein letztes Mal gelingen könnte, das Kinderkrankenhaus als solches zu erhalten, bevor die neuen Machthaber es für ihre Zwecke missbrauchen wollen.

Geschickt werden Fakten mit Fiktion verwoben. So darf Marlene, obwohl sie sich (und die Autorin) Schonung auferlegt hat, an der Verwendung von Penicillin forschen.

Fazit:

Auch der dritte Teil dieser Reihe ist gut zu lesen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.09.2022

Beste Krimi-Unterhaltung!

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
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Lucien, nunmehr Comte de Chacarasses, hat seinem Vater auf dem Totenbett versprechen müssen, in das Familienbusiness, um das er bislang immer einen großen Bogen gemacht hat, einzusteigen. Blöderweise sind ...

Lucien, nunmehr Comte de Chacarasses, hat seinem Vater auf dem Totenbett versprechen müssen, in das Familienbusiness, um das er bislang immer einen großen Bogen gemacht hat, einzusteigen. Blöderweise sind die Herren von Chacarasse in der Branche angesehene Auftragsmörder. Gegen das dezente (Basis)Honorar von einer Million Euro wird jeglicher Feind dezent aus dem Weg geräumt.

Lucien hat zwar als Jugendlicher alles möglichen Kampfsportarten, das Schießen mit allen möglichen Waffen gelernt, aber nie im Traum gedacht, diese Fähigkeiten auch tatsächlich zu benützen.

Nutznießer dieser Abmachungen ist auch noch Luciens Onkel, der nach einem angeblichen Unfall, im Rollstuhl sitzt, die Aufträge an Land zieht und rund 40% Vermittlungsprovision kassiert. Ganz grün sind sich Neffe und Onkel nicht.

Unmittelbar nach der Beisetzung des verstorbenen Grafen erhält er den Auftrag, einen Mann, der mit dem Auto eine Jugendliche niedergefahren und schmählich in Stich gelassen hat, und für, den billigend in Kauf genommenen Tod des Unfallsopfers, nur eine kurze Gefängnisstrafe verbüßen musste, zu töten. Lucien will den Mann zur Rede stellen. Doch der läuft davon und übersieht den daherkommenden Schnellzug. Das war doch ein Leichtes, diesen Auftrag zu erledigen, oder? Das Honorar wird postwendend überwiesen.

Was wird Lucien jetzt machen? Soll er ein Auftragsmörder wider Willen sein oder doch wieder in sein Restaurant zurückkehren? Doch dann tritt auch noch Francine, die Sekretärin und Geliebte des verstorbenen Comtes auf den Plan, denn jeder weiß, dass der Comte durch mehrere Schüsse in den Rücken gestorben ist.

Meine Meinung:

Ein herrlicher Krimi, der ein richtiges Sommer-Feeling an der Côte d’Azur aufkommen lässt. Reich und schön, korrupt und arrogant - so werden zahlreiche Charaktere dargestellt. Wie es für einen leicht lesbaren, aber gut strukturierten Krimi gehört, ist das Böse nie weit entfernt. Das kann schon mal der eigene Onkel sein (also ich müsste mich schon schwer täuschen, wenn der nicht falsch spielt) oder ein hübsches Mädel.

Herrlich auch die Anspielungen auf den Kriminalfilm „Über den Dächer von Nizza“ mit der unvergesslichen Grace Kelly und Cary Grant.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Neben Lucien ist es die Haushälterin Rosalie, die mein Herz erobert hat. Die Wortgefechte zwischen Lucien und Rosalie, die ob ihres schwindenen Hörvermögens das eine oder andere missversteht, sind wunderbar! Natürlich weigert sich Rosalie, ein Hörgerät zu tragen - man muss eben ein wenig lauter mit ihr sprechen.

Ein besonderes Schmankerl ist auch der kurze Auftritt von Madame le Commissaire, Isabelle Bonnet, aus der anderen Krimi-Reihe von Pierre Martin. Ob die beiden einmal aneinander geraten?

Fazit:

Ein gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die mich bestens unterhalten hat. Was will man mehr? Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.09.2022

Schatten der Vergangenheit

Raue Havel
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Während KHK Toni Sanftleben mit seiner Lebenspartnerin und Staatsanwältin Caren beim Frühstück sitzt, erhält er zwei Anrufe: der eine ist von seiner Mutter Vera, die in Kürze in Berlin eintrifft und der ...

Während KHK Toni Sanftleben mit seiner Lebenspartnerin und Staatsanwältin Caren beim Frühstück sitzt, erhält er zwei Anrufe: der eine ist von seiner Mutter Vera, die in Kürze in Berlin eintrifft und der andere, ruft ihn zu einem Bootshaus in dem drei Skelette gefunden worden sind.

Als er dann noch wenig später die Leiche einer jungen Journalistin findet, weiß er noch nicht, wie diese beiden Fälle zusammenhängen und wie sie ihn persönlich treffen werden.

Meine Meinung:


Der fesselnde Krimi spielt auf zwei Zeitebenen: 1946/49 und in der Gegenwart. Die Handlungsstränge sind, obwohl einander bedingend, fein säuberlich getrennt, sodass sich die Leser immer gut zurecht finden.

Was ich besonders mag ist, wie Tim Pieper historische Ereignisse in den Krimi einbindet. So erfahren wir im Prolog, dass die sowjetische Besatzungsmacht 1946 mehrere Halbwüchsige zum Tode verurteilt haben, weil sie den ungeliebten Russisch-Unterricht geschwänzt und lieber Fußball gespielt haben.

Auch die Rückblenden nach 1949 sind eindrücklich und lassen einem die Gänsehaut aufsteigen:

„Obwohl der Krieg schon vier Jahre beendet war, begegnete man solchen Gespenstern öfters. Es handelte sich um Vertriebene, Flüchtlinge, ausländische Kollaborateure, Ausgebombte, Kriegsversehrte, KZ-Häftlinge und ehemalige Zwangsarbeiter. Ganz Deutschland war voll von diesem menschlichen Treibgut, das keine Heimat hatte und bestenfalls geduldet wurde.“

oder dieses Zitat:

„...Meine Eltern wurden von deutschen Soldaten ermordet. Sie waren gute und einfache Leute, die niemals jemanden etwas getan haben, und man hat sie abgeschlachtet, weil sie angeblich minderwertig waren...“

Dieser 6. Fall für Toni Sanftleben, der eigentlich lieber Anglistik oder Romanistik studiert hätte, und nur aus Liebe zu seiner vor 16 Jahren verschwundenen Ehefrau Polizist geworden ist, hat es in sich.

Nicht nur, dass die Ermittlungen Geheimnisse aus dem Leben seiner Mutter aufdecken, ist der Polizeiapparat bemüht, einiges unter den Tisch zu kehren. Kurz vor der Auflösung wird Toni der Fall entzogen. Doch gemeinsam mit seinem engsten Mitarbeiter Phong recherchiert Sanftleben heimlich weiter. Dass letztendlich andere als Toni Sanftleben für seinen Erfolg befördert werden, bestärkt Tonis Entschluss, eine Auszeit nehmen zu wollen.

Im Nachwort erfahren wir, dass dieser Krimi auf wahren Begebenheiten beruht. Dass es die „verbotene Stadt“ des sowjetischen Geheimdienstes in Potsdam wirklich gegeben hat und, dass die sowjetische Besatzungsmacht tatsächlich Schüler, die man beschuldigte Teil der „Werwölfe“ gewesen zu sein, hinrichten ließ.

Fazit:

Ein grausames Stück Zeitgeschichte, das gekonnt in einen fesselnden Krimi eingebettet worden ist. Gerne gebe ich diesem 6. Fall für Toni Sanftleben eine Leseempfehlung und 5 Sterne.