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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2017

Gelungenes Thrillerdebüt

Die Bestimmung des Bösen
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Kommissarin Alexis Hall wird zu einem Tatort gerufen: Zwei Leichen wurden gefunden, beide Frauen sind bereits länger tot. Alexis zieht ihre Freundin, die Biologin Karen, zu Rate, die anhand der aufgefundenen ...

Kommissarin Alexis Hall wird zu einem Tatort gerufen: Zwei Leichen wurden gefunden, beide Frauen sind bereits länger tot. Alexis zieht ihre Freundin, die Biologin Karen, zu Rate, die anhand der aufgefundenen Insekten aufschlussreiche Informationen beisteuern kann. Leider bleibt es nicht bei zwei Leichen, und schließlich wird der Fall für Alexis persönlicher als erwartet …

Von der ersten Seite an packte mich dieser Roman, ich konnte ihn kaum aus der Hand legen. Die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass der Roman noch mehr zum Pageturner wird. Nicht nur die Ermittler begleitet man als Leser, sondern auch verschiedene Opfer. Auch gibt es mehrere Rückblicke in die Vergangenheit, die dem Leser zusätzlich Informationen vermitteln, die das Mitraten beflügeln.

Sehr gut hat mir die Ausführlichkeit der Ermittlungen im wissenschaftlichen Bereich gefallen, z. B. bzgl. der Insekten. Vielleicht wird das nicht jedem Leser gefallen, denn manches ist schon etwas ekelig oder gar gruselig, jedoch handelt es sich hier schließlich um einen Thriller, da passt das schon. Ich persönlich finde zudem diese Ausführungen, die auch zeigen, dass die Autorin gut recherchiert hat, sehr interessant.

Ebenso interessant ist Alexis Vergangenheit, diese wird erst nach und nach enthüllt. Alexis steht stark im Mittelpunkt, so dass die weiteren Charaktere neben ihr ein bisschen verblassen. Dennoch erfährt man auch einiges über sie, z. B. über ihren Partner Oliver oder ihre Freundin Karen. Da es sich hier um den ersten Band einer Reihe handelt, wird man die anderen Charaktere sicher nach und nach besser kennen lernen.

Was man nach und nach über die Tathergänge herausfindet, deutet auf einen sehr perfiden Täter, dessen Motivation zunächst viele Fragezeichen hinterlässt. Die Auflösung ist überraschend und gut gelungen. Schade ist nur, dass lose Fäden bleiben, da scheint unterwegs etwas verloren gegangen zu sein. Mich hat das schon ein bisschen gestört.

Insgesamt konnte mich der Roman aber sehr gut unterhalten, so dass ich gerne 4,5 Sterne vergeben. Julia Corbin, die bereits unter anderem Namen Romane veröffentlicht hat, ist ihr Thriller-Debüt sehr gut gelungen. Wer gerne spannende Thriller liest und ebenso gerne miträtselt, sollte zugreifen.

Veröffentlicht am 10.07.2026

Adaption eines Klassikers in die heutige Zeit

Beth is dead
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Die siebzehnjährige Beth March wird nach einer Silvesterparty tot aufgefunden. Beths Schwester Jo traut der Polizei nicht allzu viel zu und versucht selbst, den:die Täter:in zu ermitteln. Wie sich herausstellt, ...

Die siebzehnjährige Beth March wird nach einer Silvesterparty tot aufgefunden. Beths Schwester Jo traut der Polizei nicht allzu viel zu und versucht selbst, den:die Täter:in zu ermitteln. Wie sich herausstellt, kämen dafür einige in Frage, sogar Beths eigene Schwestern. Amy, die jüngste, die noch auf der Party einen schweren Streit mit Beth hatte, Meg, die älteste, hinter deren Geheimnis Beth gekommen war, und sogar Jo, der kein gutes Thema für ihren neuen Roman einfallen will. Und wo ist eigentlich der Vater der Schwestern?

Meg, Jo, Beth und Amy March? Wem das bekannt vorkommt, liegt wahrscheinlich nicht falsch, denn die Charaktere sind entliehen aus dem Klassiker „Little Women“, auf Deutsch „Betty und ihre Schwestern“ von Louisa May Alcott, der mehrfach verfilmt wurde. In meiner Jugend habe ich die Verfilmung mit Katherine Hepburn sehr gemocht, so dass ich neugierig auf diese Adaption des Stoffes war.

Hier wird die Familie nun in die heutige Zeit versetzt, ihre Charaktere haben sie aber im wesentlichen beibehalten. Auch andere Charaktere aus dem oben genannten Roman trifft man hier wieder, wie zum Beispiel Theodore Laurence, Laurie genannt.

Erzählt wird aus den Perspektiven der vier Schwestern, jeweils in Ich-Form. Neben dem aktuellen Geschehen nach Beths Tod gibt es immer wieder Rückblenden, die mit „Vorher“ betitelt werden, so dass auch Beth zu Wort kommen kann, was mich besonders berührt hat. So erfährt man nach und nach, was passiert ist, und nach und nach gibt es immer neue Verdächtige. Am Ende wird der Fall nachvollziehbar aufgelöst. Für mich ist der Roman aber im wesentlichen kein Krimi, sondern eine Charakterstudie der Schwestern und ihrer Beziehung untereinander.

Katie Bernet Adaption des Klassikers von Louisa May Alcott ist in meinen Augen gut gelungen, man erkennt die Charaktere schnell wieder, durch das Versetzen der Geschichte in die heutige Zeit und dem veränderten Plot hat die Autorin aber auch eine ganz eigene Geschichte entwickelt. Zielgruppe der Geschichte sind zwar Jugendliche, aber auch ich als Erwachsene habe sie gespannt gelesen.

Veröffentlicht am 06.07.2026

Zusatzband zur Gereon Rath-Reihe

Westend
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1973 lebt Gereon Rath in einem Seniorenheim in Berlin. Dort bekommt er die Interviewanfrage eines Historikers, der sich für die Polizeiarbeit in unterschiedlichen Regierungsformen interessiert. Gereon ...

1973 lebt Gereon Rath in einem Seniorenheim in Berlin. Dort bekommt er die Interviewanfrage eines Historikers, der sich für die Polizeiarbeit in unterschiedlichen Regierungsformen interessiert. Gereon lässt sich darauf ein und bald werden die Fragen persönlicher.

Mit dem zehnten Band endete die Reihe um Gereon Rath 2024, und das weitere Schicksal der Charaktere blieb offen. Doch es gibt auch noch die drei von Kat Menschik illustrierten Kurzromane, von denen sich der erste mit der jungen Charlotte Ritter befasst, der zweite mit dem vorübergehenden Pflegesohn des Ehepaares Rath, Friedrich Thormann, und nun erfährt man im dritten und letzten doch noch, wie es mit einigen der Gereon Rath mehr oder weniger nahestehenden Personen weiterging. Nicht immer ist schön, was mit ihnen passierte, im wesentlichen ist „Westend“ aber ein guter Abschluss, nun kann und muss man sie alle gehenlassen.

Aufgebaut ist der Roman als Transkript der Aufnahmen des Interviewers, eine gute Idee, die zudem noch eine Überraschung gegen Ende birgt.

Ich habe mich darauf gefreut, noch einmal Gereon Rath zu treffen, und vielleicht auch über die anderen Charaktere mehr zu erfahren. Enttäuscht wurde ich dabei nur hinsichtlich dessen, was manchen von ihnen passiert ist. Dass nicht alles gut ausging, liegt aber in der Natur der Dinge. Insgesamt ist es schön, dass man doch noch erfährt, wie es weiterging, so dass ich den Kurzroman allen Fans der Reihe empfehlen möchte.

Veröffentlicht am 24.06.2026

Spannend und aktuell

Dunkelmann
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Maja Birk, Agentin des dänischen Geheimdienstes, ist mit einem Auftrag in der Türkei unterwegs. Durch einen möglichen Anschlag werden sie und ihr Informant Ramin Pahlavi verletzt. Während Maja im Krankenhaus ...

Maja Birk, Agentin des dänischen Geheimdienstes, ist mit einem Auftrag in der Türkei unterwegs. Durch einen möglichen Anschlag werden sie und ihr Informant Ramin Pahlavi verletzt. Während Maja im Krankenhaus landet und schließlich heimlich nach Hause geholt wird, landet Ramin im Gefängnis und muss selbst dafür sorgen, in Sicherheit zu kommen.

Kaum ist Maja zurück in Dänemark, wird sie in den nächsten Fall verwickelt. Manche der Mitglieder einer chinesischen Delegation, die sich besonders für Grönland interessiert, scheinen verdächtig, wie der Analyst Daniel Hartmann feststellen muss. Außerdem ist ein chinesischer Killer unterwegs.

Schon in der Oxen-Reihe war ich mit dem dänischen Geheimdienst bekannt geworden, dort war es der PET, der auch hier eine Rolle spielt, jedoch ist es hier vorrangig der FE, der Auslands-Nachrichtendienst, dem Maja und Daniel angehören. Anders als bei Oxen ist hier weniger Action im Spiel, obwohl es natürlich auch lebensgefährliche Situationen gibt, hier erleben wir auch die diplomatische Seite und hier wie dort erfahren wir auch manches über das Privatleben der Protagonist:innen, denn Geheimhaltung ist nicht immer gut für das Familienleben.

Spannend ist „Dunkelmann“ natürlich trotzdem, am meisten habe ich tatsächlich mit Ramin gezittert, der alleine auf sich gestellt klar kommen muss, aber auch Daniel und Maja kamen mir nahe. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, nicht nur aus denen der drei gerade erwähnten. Auch eine chinesische Studentin spielt zum Beispiel eine größere Rolle und lässt die Lesenden einen Blick auf das Denken in China werfen. Die chinesischen Antagonisten erhalten, außer im Prolog, keine eigene Perspektive.

Der Roman ist nicht nur sehr aktuell, einer der Autoren ist als ehemaliger Geheimdienstchef Kenner der Materie. „Dunkelmann“ könnte der Beginn einer Reihe sein, ich würde gerne weitere Romane um Maja und Daniel lesen.

Mir hat dieser politische Thriller sehr gut gefallen, er ist aktuell und spannend, die Charaktere kamen mir nahe und ich hätte Lust die Protagonist:innen in weiteren Bänden wiederzutreffen. Wer gerne politische Thriller liest, sollte zugreifen.

Veröffentlicht am 20.06.2026

Ein japanischer Thriller

Tokyo
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Im Januar 1990 wird die Leiche eines kleinen Mädchens, das einigen Wochen vorher verschwunden war, gefunden. Der Fall ist nicht einfach zu lösen, die Ermittler geben alles, kommen aber kaum voran. Dann ...

Im Januar 1990 wird die Leiche eines kleinen Mädchens, das einigen Wochen vorher verschwunden war, gefunden. Der Fall ist nicht einfach zu lösen, die Ermittler geben alles, kommen aber kaum voran. Dann ist ein weiteres Kind verschwunden.

Ich lese sehr gerne Romane, die in für uns eher exotischen Ländern spielen, denn in der Regel erfährt man auch immer einiges über das Land an sich, seine Gesellschaft, seine Kultur, das ist auch hier der Fall. Dieser Roman ist im Original bereits 1993 erschienen und das Debüt des Autors.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, Hauptkommissar Saeki ist der Leiter des Dezernat I für Tötungsdelikte und schweren Raub, während Shigo Okamoto ein ihm unterstellter Kriminalanwärter ist. Während Saeki, dessen Vornamen man nicht erfährt, mehr für die Einsatzplanung zuständig ist, aber auch seinen Kopf hinhalten muss, wenn etwas schiefgeht, gehört Okamoto zur Fußtruppe, die zum Beispiel Befragungen macht.

Einen weiteren Erzählstrang nimmt Matsumoto ein, der kürzlich einen schweren Verlust erfahren hat, der ihm das Gefühl eines Loches in der Brust beschert, und der sein Glück in einer Religionsgemeinschaft sucht, von denen es in Japan unzählige gibt, die zum Teil sektenartig organisiert sind. Dieser Handlungsstrang löst sich mit dem der Ermittlungen abwechselnd ab.

Auf dem Cover wird ein Thriller versprochen, und auf gewisse Weise ist das der Roman auch, auch wenn er langsamer und mit weniger Spannung erzählt wird, als man es erwarten könnte. Dennoch, gerade der Matsumoto-Strang hat für mich schon etwas thrillerhaftes, er hat bei mir einige Emotionen ausgelöst. Zeitweise treten die Ermittlungen hinter seinen Erlebnissen sogar zurück. Ich glaube, man darf japanische Thriller nicht mit westlichen gleichsetzen, hier zumindest wird die Spannung subtiler erzeugt, mehr auf der psychologischen Ebene. Für mich war diese Form des Thrillers interessant zu lesen und mit einer eigenen Spannung behaftet. Ich konnte kaum aufhören zu lesen und habe viel spekuliert und gegoogelt.

Die Auflösung finde ich dennoch sehr überraschend, mir scheint aber alles logisch zu sein. Auch wenn ich mir vielleicht eine andere gewünscht hätte, gefällt mir diese Auflösung gut, auch, weil sie im Nachhinein passend ist und dem Roman einen interessanten Twist gibt.

Mich hat der Raman schnell packen können. Man muss sich auf ihn einlassen, weil er anders gestrickt ist, als man vielleicht erwartet, aber gerade das macht ihn für mich interessant. Ich war schnell emotional beteiligt und habe auch viel spekuliert. Gerne empfehle ich ihn allen, die nicht allzu fest an der westlichen Definition von Thriller hängen.