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Veröffentlicht am 29.07.2017

Im Wald

Die gute Tochter
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Die Grant-County-Reihe hatte ich mit Begeisterung verschlungen, aber auch einige Stand-alones, zuletzt Pretty Girls. Die Inhaltsangabe von „Die gute Tochter“ ließ erneut auf einen spannenden, psychologischen ...


Die Grant-County-Reihe hatte ich mit Begeisterung verschlungen, aber auch einige Stand-alones, zuletzt Pretty Girls. Die Inhaltsangabe von „Die gute Tochter“ ließ erneut auf einen spannenden, psychologischen Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Die Mörder ihrer Mutter Gamma treiben Samantha und Charlotte in den Wald. Eine rennt um ihr Leben, die andere wird lebendig begraben. Ihr Vater Rusty ist Rechtsanwalt, ein Gutmensch, ein Anwalt der Verdammten: Drogendealer. Vergewaltiger. Mörder. Damit hat er sich viele Feinde gemacht. Die wollen Rache. Doch Rusty ist an diesem Abend nicht zuhause…
28 Jahre später ist Charlie, die gute Tochter, selbst eine erfolgreiche Anwältin. Als sie Zeugin eines Amoklaufs wird, holt die Vergangenheit sie mit voller Wucht wieder ein. Was war damals im Wald tatsächlich passiert?
Karin Slaughter hat ihren neuen Thriller wieder spannend in Szene gesetzt mit vielen falschen Fährten, unerwarteten Wendungen und einem intensiven Spannungsbogen. Glaubt man, es sei keine Steigerung mehr möglich, dann setzt sie noch einen drauf. Und noch einen. Und noch einen…
Die Stärke dieses Thrillers und Familiendramas liegt in der Interaktion der beiden Schwestern, die wieder zusammenfinden nach mehr als zwanzig Jahren der Trennung und Entfremdung auf der Grundlage eines düsteren Geheimnisses. Es geht um Schuld und Leid - und Wut.
Mit einem sehr angenehmen und unkomplizierten Schreibstil, führt die Autorin den Leser im zügigen Tempo durch die emotionalen Höhen und Tiefen. Erst ganz am Ende wird alles schlüssig aufgelöst. Eine fesselnde Reise in die dunkelsten Winkel der menschlichen Psyche. Ein Buch, das Herz und Seele berührt. Beklemmend und unheimlich zugleich.

Fazit: Spannend, wendungsreich und unvorhersehbar erzählt. Eine Auflösung, die alles in den Schatten stellt!

Veröffentlicht am 23.07.2017

Rache, Wut und Blutdurst

Spectrum
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Südafrika: Ein ganzes Dorf wird niedergemetzelt. Auch der kleine Adoptivsohn von Constable Isabel Price ist unter den Toten. Wie sich herausstellt, heißt der Täter Idris Madeira, genannt Krüger. Er ist ...


Südafrika: Ein ganzes Dorf wird niedergemetzelt. Auch der kleine Adoptivsohn von Constable Isabel Price ist unter den Toten. Wie sich herausstellt, heißt der Täter Idris Madeira, genannt Krüger. Er ist ein Profikiller. Schnitt! Las Vegas, Nevada: Krügers nächste Zielperson ist Fred Little. Er soll ihm den Code zu einem Tresorraum verraten. Danach bringt er ihn um. Zitat:
»Er holte seine Instrumente heraus und legte sie dem Toten auf die Brust. Insgesamt waren es drei: ein Spekulum, um das Auge offen zu halten, ein scharfer Löffel, um den Augapfel herauszuholen, und eine Gartenschere für die Daumen. Kurz ging Krüger in Gedanken die Prozedur noch einmal durch, dann griff er nach dem Spekulum und dem Löffel und machte sich an die Arbeit. «
Zusammen mit zwei Kumpel, Franklin und „der Doc“, überfällt Krüger anschließend GoBox und nimmt die Mitarbeiter als Geiseln. Wird es ihnen gelingen, sich Zugang zum Tresorraum zu verschaffen? GoBox ist ein Unternehmen, in dem man anonym eine Box mieten kann, ähnlich wie ein Schließfach in der Bank. Doch GoBox war alles andere als das. Und der Überfall war erst der Anfang…
Danach lernen wir Special Agent Sam Carter kennen. Er soll, zusammen mit Dr. Burke, die Verhandlungen mit den Geiselnehmern führen. August Burke ist FBI-Berater und hat das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus. Last but not least begegnen wir Nic Juliano. Er ist Mitglied eines SWAT-Teams und kümmert sich rührend um seine 13-jährige hörbehinderte Nichte Elisabetta »LJ« Juliano.
Ethan Cross, Autor der Shepherd-Reihe, hat „Spectrum“ erneut sehr blutig und mit viel Gewalt, Pathos und Testosteron in Szene gesetzt. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Überfall aussieht, entpuppt sich als Auftakt zu einem groß angelegten Plan, der die Ermittler an ihre Grenzen bringt. Denn sie bekommen es mit einem Gegner zu tun, der vor nichts zurückschreckt.
Eine rasante, actionreiche Geschichte, voller Intrigen, Rache und skrupelloser Machenschaften, die auch krude Verschwörungstheorien enthält. Sogar die Shepherd Organization wird erwähnt. Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder hat ein Geheimnis, eine dunkle Seite.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Besonders Aspie Burke ist mir sofort ans Herz gewachsen. Er ist ein Freak, jung und klug. Fluch und Segen zugleich. Carter, Burke und Nic, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit. Gelungener Auftakt einer neuen Serie mit einem außergewöhnlichen Helden. Ein schnell erzählter und harter Thriller, in dem nicht viele Charaktere überleben.

Veröffentlicht am 17.07.2017

Komplex, explosiv und hochspannend

Das Berlin-Ultimatum
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Berlin, 8.00 Uhr morgens: Eine Bombe explodiert. Eine Terrorgruppe bekennt sich zu dem Anschlag und stellt der Bundesregierung ein Ultimatum. Doch nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein ...


Berlin, 8.00 Uhr morgens: Eine Bombe explodiert. Eine Terrorgruppe bekennt sich zu dem Anschlag und stellt der Bundesregierung ein Ultimatum. Doch nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Denn der Attentäter wurde erpresst, das wahre Motiv verschleiert.
Können Kommissarin Anna Gransee und Hauptkommissar Jürgen Stranz einen weiteren Anschlag verhindern? Afghanistanveteran Peter Bach ermittelt undercover. Und dann ist da auch noch ein krimineller Informant, genannt der Fuchs...
„Das Berlin-Ultimatum“ ist ein anspruchsvoller und komplexer Politthriller, der an einem einzigen Tag spielt. Peter Schlifka erzählt die Geschichte in mehreren Handlungssträngen, die sich mehrfach kreuzen, bis sie letztendlich zusammenlaufen.
Ein Szenario erschreckend nah an der Realität. Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Es geht um Terrorismus und Rechtspopulismus, Macht und Gier, Lügen und Intrigen, Erpressung und alte Seilschaften. Auch wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut - und gehalten.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht: Anna ist eine Figur mit Ecken und Kanten. Ihre Alleingänge werden ihr fast zum Verhängnis. Peter, der in der Ich-Perspektive erzählt, ein zwiespältiger Held, nicht strahlend, aber authentisch. Seine Verzweiflung ist für den Leser nachvollziehbar und so akzeptiert man auch die Regelverletzungen.
Letztlich mündet die Geschichte in einen filmreifen, fast vierzig Seiten langen Showdown mit viel Action, Waffen, Testosteron - und Toten. Das Ende lässt einen etwas zwiespältig zurück. Aber so ist das Leben, manchmal haben bestimmte politische und wirtschaftliche Interessen Vorrang vor der Wahrheit. Über eine Fortsetzung würde ich mich sehr freuen.

Fazit: Thriller made in Germany. Packend und erschreckend real!

Veröffentlicht am 10.07.2017

Legalize it

Die Lieferantin
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„Die Lieferantin“, der aktuelle Thriller von Zoë Beck ist ein Plädoyer für die Legalisierung von Drogen verpackt in einen spannenden Thriller. Hauptschauplätze sind London und Edinburgh, kurz nach dem ...

„Die Lieferantin“, der aktuelle Thriller von Zoë Beck ist ein Plädoyer für die Legalisierung von Drogen verpackt in einen spannenden Thriller. Hauptschauplätze sind London und Edinburgh, kurz nach dem Brexit. Worum geht es?
Es geht um Rassismus, Schutzgelderpressung und Drogen. Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen.
Morayo, genannt Mo, ist schwarz, arbeitet als IT-Spezialistin für Elliot - und raucht Heroin, um die rotweißblauen Monster zu verjagen, von denen sie sich bedroht fühlt.
Elliot ist „Die Lieferantin“. Ihr Stoff ist von höchster Qualität. Bestellt wird über das Darknet, geliefert per Drohne. Sie ist gegen den Druxit, ein Referendum über den Krieg gegen Drogen, weil sie ihn für gefährlich hält.
Eines Tages treibt Elliots Drogenhändler tot in der Themse. Kurz zuvor war ein Schuldgelderpresser spurlos verschwunden. Wo ist die Verbindung? Elliots Gegner haben ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt...
Auch wenn der Roman in der nahen Zukunft spielt, haben wir es hier nicht mit Science Fiction zu tun. Ein realistisches Szenario, das die Autorin sich ausgedacht hat, spannend, komplex und vielschichtig.
Kurze Kapitel mit wechselnden Protagonisten und Perspektiven sorgen für Dynamik. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Elliot und Mo sind mir sofort ans Herz gewachsen.

Fazit: Rasanter Thriller mit Frauenpower. Meine Empfehlung!

Veröffentlicht am 04.07.2017

Wo ist Sarina?

Schwarzes Wasser
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„Schwarzes Wasser“ ist bereits der 3. Fall für das sympathische Ermittlerduo Kyra Slagter und Maud Mertens. Die Fälle sind inhaltlich abgeschlossen, aber miteinander verbunden. Worum geht es?
Bei Gartenarbeiten ...


„Schwarzes Wasser“ ist bereits der 3. Fall für das sympathische Ermittlerduo Kyra Slagter und Maud Mertens. Die Fälle sind inhaltlich abgeschlossen, aber miteinander verbunden. Worum geht es?
Bei Gartenarbeiten in Amsterdam werden zehn menschliche Schädel gefunden. Die Körper fehlen. Ein Ritual? Wo liegt das Motiv? Das Haus befindet sich in direkter Nachbarschaft des Elternhauses der Kriminalistikstudentin Kyra Slagter. Vor Jahren verschwand ihre Schwester Sarina spurlos. Ist sie womöglich unter den Opfern? Kommissarin Maud Mertens ermittelt.
In einem weiteren Handlungsstrang, der in London verortet ist, geht es um das Schicksal einer jungen Frau, die sich Sarah nennt. Wo ist die Verbindung?
„Schwarzes Wasser“ ist nach „Dunkle Flut“ und „Kalte Brandung“ der dritte Band der Reihe „Die Nordsee-Morde“. Isa Maron hat erneut ein heißes Eisen angepackt. Es geht um pädophile Machenschaften der Elite, nicht nur in den Niederlanden - und um einen psychopathischen Serienkiller.
Wechselnde Perspektiven, auch aus Sicht des Täters, sorgen für Dynamik. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Kyra und Maud, ein ungleiches Paar, das sich perfekt ergänzt. Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Doch so schön der Wiedererkennungswert, so schwierig macht er das aktuelle Buch für Neu-Einsteiger.
Isa Maron hat ihren neuen Kriminalroman wieder routiniert in Szene gesetzt. „Schwarzes Wasser“ punktet mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen, mit denen die Autorin die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Auch wenn der Leser - aufgrund der Täter-Perspektive - der Polizei immer einen Schritt voraus ist.
Das Ende schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Und so bin ich schon gespannt, wie die Autorin diese geniale Reihe fortsetzen wird.

Fazit: Dritter Band der Nordsee-Morde. Düster, packend und emotional.