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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.11.2022

Interessante Idee mit einigen Längen

Die dunklen Sommer
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"Xavier weiß es doch besser. Er weiß, dass er mich in Ruhe zu lassen hat - außer. Außer das Kommende ist schlimmer als das, was ist."

Nach dem Tod ihres Bruders findet die 12-jährige Saskia Zuflucht bei ...

"Xavier weiß es doch besser. Er weiß, dass er mich in Ruhe zu lassen hat - außer. Außer das Kommende ist schlimmer als das, was ist."

Nach dem Tod ihres Bruders findet die 12-jährige Saskia Zuflucht bei einer Sekte namens "Zuhause".
Jahrzehnte später treffen mysteriöse Briefe bei ihr ein, welche sie und ihre Jugendfreunde an eine dunkle Episode erinnern und zurück nach "Zuhause" führen. Wie weit sind sie bereit zu gehen, um ihre Geheimnisse zu bewahren?

Der Anfang der Geschichte ist unheimlich fesselnd und zieht einen direkt in ihren Bann. Man fragt sich sofort, was in jenem Sommer geschehen ist.
Die Kapitel sind abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit geschrieben, dabei erklären und bedingen sie sich gegenseitig. Hierdurch schafft die Autorin ein enormes Tempo und schnell kommt Spannung auf.
Leider übertreibt sie dabei irgendwann ziemlich, nach einigen kurzen Kapiteln möchte man auch einfach mal ein bisschen weiterlesen und der ständige Wechsel nervt etwas.

Nach einem aufregenden Start folgen leider einige Längen und die Geschichte plätschert nur so vor sich hin.
Auf den letzten hundert Seiten wird es dann doch wieder interessanter und die Autorin überrascht mit einigen unerwarteten Wendungen.

Insgesamt ist es eine packende Geschichte mit einem guten Plot, nur leider zieht sich der mittlere Teil sehr, daher war es für mich lediglich ein mittelmäßiger Thriller.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Pathetischer Inhalt überdeckt seichten Inhalt

Lichte Tage
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Seit sich Ellis und Michael mit 12 Jahren begegnet sind, sind sie unzertrennlich.
Verbunden durch die Liebe zur Kunst und einem unvergesslichen Sommer in Frankreich werden sie erwachsen, leben ihre Leben. ...

Seit sich Ellis und Michael mit 12 Jahren begegnet sind, sind sie unzertrennlich.
Verbunden durch die Liebe zur Kunst und einem unvergesslichen Sommer in Frankreich werden sie erwachsen, leben ihre Leben. Und auf einmal leben sie ohne einander.
Jahre später erinnert sich Michael an die gemeinsame Zeit. Was ist damals passiert?

Die gebundene Ausgabe von “Lichte Tage” kommt in einer unfassbar schönen Aufmachung daher. Und so wirkt auch der Schreibstil auf den ersten Blick: Voller Schnörkel und Metaphern, mit sorgfältig gewählten Worten. Leider musste ich schnell feststellen, dass der Inhalt nicht mithalten kann.
Die beiden Protagonisten sind mir fremd geblieben, die Zeitsprünge haben mich aus den Szenen gerissen und verwirrt und bis zum Schluss habe ich mich gefragt, was die Autorin überhaupt erzählen möchte.
Laut Klappentext geht es um die Liebe zur Kunst der beiden Jungen. Ja, diese wird auch erwähnt, aber spüren tut man sie auf keiner einzigen Seite. Es wird oberflächlich drumherum geschrieben. Was die Kunst aber für sie bedeutet, erfährt man nicht. Und so habe ich der Autorin diesen wichtigen Teil des Buches nicht abgenommen. Hinzu kommen pseudo-intellektuelle Vergleiche à la “es war, wie sich ein Ohr abzuschneiden” (als es um ein Bild van Goghs ging).
Außerdem wurde der Schreibstil immer pathetischer, war so übertrieben dramatisch im Gegensatz zum seichten Inhalt. Immer wieder gab es Stellen, bei denen ich mir dachte, ein Vergleich/eine Metapher weniger hätte es auch getan: “In ihren Augen schwammen nun Seeotter” (??), “ihre Zukunft lag vor ihnen wie eine Mondlandschaft” (Also ohne Leben und Atmosphäre? Hey, genau wie das Buch!), um nur zwei Beispiele zu nennen.
Kurz gesagt: Sarah Winman behauptet in ihrem Roman sehr viel, zeigt es aber in keiner Szene und somit nimmt man ihr keine der genannten Emotionen ab. Außerdem sterben mehr geliebte Menschen als in einem durchschnittlichen Disneyfilm. ⭐️2,5⭐️

*Übersetzt von Elina Baumbach

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Schwache Charaktere, vorhersehbarer Plot

Der Steg
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Normalerweise liebe ich Petra Johanns Krimis. Ihr Markenzeichen waren für mich bisher die vielschichtigen, gut ausgearbeiteten Charaktere, überraschende Auflösungen und die sensible Darstellung von Nischenthemen.
Leider ...

Normalerweise liebe ich Petra Johanns Krimis. Ihr Markenzeichen waren für mich bisher die vielschichtigen, gut ausgearbeiteten Charaktere, überraschende Auflösungen und die sensible Darstellung von Nischenthemen.
Leider sind die Charaktere diesmal mein größter Kritikpunkt: Hier jagt ein Klischee das nächste, keine Figur hat Tiefe, wirkt authentisch oder weckt gar Mitgefühl. Jede einzelne wird absolut einseitig und unnahbar beschrieben, ihre Taten sind kaum nachvollziehbar.
Die Handlung macht zu Beginn sehr neugierig, jedoch kann man schnell auf die Lösung kommen (Moritz’ und Annas Geheimnis konnte ich direkt erraten, für Priskas Motiv habe ich nicht einmal die Hälfte des Buches gebraucht), sodass die Spannungskurve natürlich darunter leidet.
Auch sprachlich hat mich einiges gestört. Fangen wir damit an, dass ständig die sexuellen Vorlieben der Charaktere erwähnt werden müssen, ebenso Priskas nie endende Lust auf ihren ach so tollen Ehemann. Dass die Veganerin Anna veganes Porridge, vegane Aufstriche, vegane Brötchen isst, sollte klar sein und es bedarf doch keiner expliziten Nennung bei jedem einzelnen Lebensmittel, das sie zu sich nimmt (vor allem wenn sie selbst als Ich-Erzählerin fungiert). Außerdem bin ich sehr über das Wort “notorisch” gestolpert, mit dem hier jede zweite Eigenschaft beschrieben wird. Diese und weitere Kleinigkeiten häufen sich und dämmen das Leseerlebnis sehr ein.
Das Ende war an sich in Ordnung, nur wurde ein Strang nicht aufgelöst (Erpresserbrief) oder ich habe es überlesen, da meine Aufmerksamkeit zum Schluss zugegebenermaßen etwas nachgelassen hat.

Petra Johanns neuesten Krimi “Der Steg” kann man also getrost überspringen. Dennoch freue ich mich auf weitere Veröffentlichungen der Autorin und hoffe, dass dies nur ein Ausrutscher war und sie bald wieder ihr Können unter Beweis stellen wird. ⭐️2,5/5⭐️

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Oberfläch und vorhersehbar

Was uns zusammenhält
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“Was uns zusammenhält” ist ein Roman, der den Fokus auf eine Frazenfreundschaft legt. Wechselnde Perspektiven und Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit zeigen den Leser*innen die Dynamik dieser ...

“Was uns zusammenhält” ist ein Roman, der den Fokus auf eine Frazenfreundschaft legt. Wechselnde Perspektiven und Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit zeigen den Leser*innen die Dynamik dieser toxischen Beziehung auf, von Beginn an bis zur Tatnacht Jahrzehnte später.
Trotz der 500 Seiten umfassenden Geschichte kratzt Carola Lovering dabei nur an der Oberfläche. Ich fand es weder “psychologisch geschickt”, noch “mit viel Empathie”, wie es der Klappentext verspricht. Eher ist die ganze Umsetzung sehr plump.
Der Schreibstil ist anspruchslos und einfach gehalten, was aber dazu führt, dass man die Seiten gut weglesen kann. Viele Wendungen und Geheimnisse werden nicht nur unterschwellig angedeutet, sondern aufdringlich platziert und zwar mehrere Male, sodass es so gut wie keine Aha-Momente gibt, wenn sie aufgedeckt werden.
Die Protagonistinnen laden nicht zum Mitfühlen ein, sondern sind nervig einsilbig - erst nach der Entführung bekommt Cassie endlich ein paar Facetten mehr und man empfindet das erste Mal Empathie. Sehr gestört haben mich auch die unrealistischen Darstellungen von Mutterschaft. Ja, ein Baby tut - kaum zu glauben - mehr als alleine im Bettchen schlafen oder zufrieden in der Wippe zu spielen.
Insgesamt finde ich die Grundidee sehr spannend, auch dass keine Liebesbeziehung, sondern eine Freundschaft im Vordergrund steht. Die Kehrseiten von Social Media werden gut dargestellt. Doch leider ist die ganze Geschichte sehr vorhersehbar und vor allem oberflächlich geworden und ein paar kürzere, dafür authentischere Szenen hätten ihr sicher gutgetan. ⭐️2,5/5⭐️

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Veröffentlicht am 04.11.2024

Ohne roten Faden

Seinetwegen
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Zora del Buono war selbst noch ein Baby, als ihr Vater starb und hat so keine eigenen Erinnerungen an ihn. Da ihr Leben lang konsequent über ihn geschwiegen wurde, ist es nicht verwunderlich, dass sie ...

Zora del Buono war selbst noch ein Baby, als ihr Vater starb und hat so keine eigenen Erinnerungen an ihn. Da ihr Leben lang konsequent über ihn geschwiegen wurde, ist es nicht verwunderlich, dass sie nun doch mehr über diese Leerstelle erfahren möchte, bevor es zu spät ist - ihre Mutter ist inzwischen an Demenz erkrankt und im Heim und sie findet beim Ausräumen des Hauses endlich Dokumente zum Unfall.
Das größere Interesse gilt allerdings dem Unfallverursacher, “E. T.”, wie er zwecks Personenschutz in Zeitungsartikeln genannt wurde. Und so macht sie sich auf die intensive Suche nach ihm, weiß irgendwann mehr über ihn als über den Vater selbst.
Schön finde ich dabei zu beobachten, wie E. T. in ihrer Wahrnehmung vom Teufel höchstselbst immer weiter vermenschlicht, sie am Ende - trotz seiner Tat - sogar so etwas wie Mitgefühl für ihn empfinden kann.
Das Buch ist kein klassischer Roman, sondern eher ein Notizbuch ihrer Recherche, welches aus fragmentartigen Textabschnitten besteht, teils sehr zusammenhanglos, teils auch nur spekulativ. Dadurch geht der rote Faden etwas verloren, ein Lesefluss entsteht auch nicht wirklich. Sehr gelungen fand ich jedoch die kurzen “Kaffeehaus”-Szenen, niedergeschriebene Gespräche mit zwei, bzw. später drei, älteren Bekannten zu verschiedenen Themen. Auch die Statistiken zu Verkehrsunfällen fand ich interessant - und sehr erschreckend.
Insgesamt konnte mich “Seinetwegen” leider trotz der spannenden Thematik nicht wirklich abholen und ich musste mich durch die 200 Seiten regelrecht durchkämpfen. ⭐️2,5/5⭐️

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