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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.01.2023

Intensiv, hat mich vollkommen in den Bann gezogen

Liebewesen
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Caroline Schmitts Schreibstil würde ich als intensiv beschreiben. Sie changiert zwischen sehr speziellem Humor, Tatkraft und Euphorie, Depression, Aufbruch und Stillstand. Und das alles geht wechselnd ...

Caroline Schmitts Schreibstil würde ich als intensiv beschreiben. Sie changiert zwischen sehr speziellem Humor, Tatkraft und Euphorie, Depression, Aufbruch und Stillstand. Und das alles geht wechselnd Hand in Hand und konnte mich von Beginn an begeistern.
Lio ist jung, hat nie eine Beziehung geführt und hat eine starke abstoßende Haltung zu Sex. Ihre Freundin und Mitbewohnerin Mariam möchte sie jedoch immer wieder zu Dates überreden und schubst Lio so in Max' Arme. Was als absurdes und komisches Date beginnt, entfaltet sich langsam zu einer ehrlichen und offenen Liebe - mit Höhen, Tiefen und immer neuen Herausforderungen, was das Zulassen und Benennen von Gefühlen angeht. Endlich fühlt Lio annährend, was wohl auch andere Menschen beim Sex fühlen, traut sich in der Beziehung aufzublühen und nimmt sich und ihren Körper an.
Bis sie ungewollt schwanger wird und sich erneut mit sich, ihrem Körper und vor allem ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen muss.

Ich mag Lios Sichtweise, ihre Perspektive und ihren Ton sehr gern. Es wird schnell klar, dass sie sich selbst als verkorkst sieht und auf der Suche ist. Ihre Kindheit und Jugend ist geprägt durch ihre kalte, gewaltvolle Mutter, ihren gleichgültigen Vater und ein traumatisches Erlebnis, das sie lange nicht aufgearbeitet hat. Max hingegen kämpft gegen seine Depressionen an, bringt Buntes in Lios und seine Beziehung und tänzelt trotzdem immer wieder am Abgrund.
Mit "Liebewesen" hat Caroline Schmitt nicht nur einen fantastischen Neologismus geschaffen, sondern auch ein brillantes Debüt vorgelegt. Sie thematisiert queere Liebe, Missbrauch, Beziehungsängste, -sorgen und -sehnsüchte sowie Identitätsfragen und Kinder(nicht)wunsch.
Bereits nach den ersten Seiten hat sie mich vollständig in ihren Sog gezogen, ich habe Lios und Max' gemeinsame Zeit wie im Rausch verfolgt und wurde mit vielen Gedanken und Gefühlen zurückgelassen.

Ein fantastisches Buch, das eine wichtige Stimme für unsere Gesellschaft und all die immer noch tabuisierten Themen sind.

Veröffentlicht am 22.01.2023

Brillanter Pageturner

NIGHT – Nacht der Angst
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Emily beschließt, recht überstürzt das College zu verlassen. Seit ihre Mitbewohnerin und enge Freundin Maddy von einem Serienmörder, dem sogenannten Campus-Killer, ermordet wurde, hält sie es am Campus ...

Emily beschließt, recht überstürzt das College zu verlassen. Seit ihre Mitbewohnerin und enge Freundin Maddy von einem Serienmörder, dem sogenannten Campus-Killer, ermordet wurde, hält sie es am Campus und in ihrem Zimmer nicht mehr aus. Zu groß sind ihre Schuldgefühle, dass sie Maddy allein in der Bar gelassen hat, sie im Streit auseinandergingen und ihre letzten Worte an Maddy gemein und grässlich waren. Sie will so schnell weg wie nur möglich und Unterschlupf bei ihrer Grandma in Ohio finden. Als sie am Schwarzen Brett eine Mitfahrgelegenheit bei Josh ergattert, kann sie ihr Glück kaum fassen. Doch nur wenige Zeit nachdem sie bei ihm eingestiegen ist, merkt sie, dass er ihr nicht die Wahrheit gesagt hat. Charlie ist sich sicher, dass sie ins Auto des Campus-Killers gestiegen ist und sich in großer Gefahr befindet.

"Night" ist seit langem mal wieder ein Thriller, der mich total gepackt hat und den ich in zwei Schüben verschlungen habe. Dass Charlie nicht sicher in Joshs Auto ist und sich dringend aus seinen Fängen befreien sollte, ist schnell klar. Wie sie das schaffen soll und ob sie die Nacht im Auto überlebt, ist für die Leser*innen genauso unklar wie für Charlie selbst. Daher habe ich die Geschehnisse im Auto, die Dialoge mit Josh und die möglichen Fluchtmöglichkeiten für Charlie mit größter Anspannung verfolgt. Der flüssige Schreibstil, die sich langsam bedrohlich aufbauende Spannung sowie die kurzen Kapitel haben den packenden Effekt nur verstärkt.

Ein packender Pageturner, dessen Ausgang lange Zeit nicht absehbar und überraschend für mich war.

Veröffentlicht am 04.01.2023

Absolut lesenswert

Miss Kim weiß Bescheid
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Cho Nam-Joo erzählt in "Miss Kim weiß Bescheid" von acht Frauen und entblättert deren Lebensgeschichten. Größtenteils wird dabei in der Ich-Form erzählt, was das Eintauchen in die Gedanken, das Nachfühlen ...

Cho Nam-Joo erzählt in "Miss Kim weiß Bescheid" von acht Frauen und entblättert deren Lebensgeschichten. Größtenteils wird dabei in der Ich-Form erzählt, was das Eintauchen in die Gedanken, das Nachfühlen und auch das Identifikationspotential enorm verstärkt. Denn eines ist klar: Auch wenn hier das Leben von acht verschiedenen Frauen, die unter diversen gesellschaftlichen Problemen im patriarchaisch geprägten Korea leiden, erzählt wird, stehen sie exemplarisch für jede andere Frau weltweit.
Die Frauen sind unterschiedlich alt, haben eine unterschiedliche Familienbiographie und stehen an verschiedenen Lebenspunkten. Allen gemein ist jedoch, dass sie ihre (aktuelle) Situation reflektieren und in Bezug zu sich und der Welt bzw. der Gesellschaft setzen. Thematisiert werden unter anderem Hatespeech im Internet gegen eine bekannte Autorin, die Befreiung aus einer toxischen Beziehung, das heimliche Filmen von Frauen, Cyber Mobbing und häusliche Gewalt.
Umgesetzt ist das in sehr intensiven, eindringlichen Worten, die bei mir eine bedrückende Atmosphäre erzeugten, weil so viele (unterdrückte) Emotionen mitschwangen.

Für mich schon jetzt ein absolutes Highlight, ein Buch das mir noch eine ganze Weile in Erinnerung bleibt und das weltweite Frauenbild sehr gut spiegelt ohne dabei Männerhass zu produzieren oder darzustellen.

Veröffentlicht am 20.12.2022

Wunderschöner Weihnachtsliebesroman

Love Songs in London – All I (don’t) want for Christmas
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Nach dem Tod ihrer geliebten Grandma müsste Febe dieses Jahr Weihnachten alleine, beziehungsweise nur mit ihrem Hund Hamlet verbringen. Ihre beste Freundin hat eine ausgefallene Idee: Liam, Spieleentwickler ...

Nach dem Tod ihrer geliebten Grandma müsste Febe dieses Jahr Weihnachten alleine, beziehungsweise nur mit ihrem Hund Hamlet verbringen. Ihre beste Freundin hat eine ausgefallene Idee: Liam, Spieleentwickler und bester Freund ihres Freundes Damian, braucht eine Fake-Freundin zu Weihnachten. Eigentlich wollte Liam Weihnachten in Vietnam verbringen, was jedoch ausfallen muss. Und da sein Bruder Nelson nun mit Liams Ex-Freundin Charlotte zusammen ist, möchte Liam Charlotte nun unbedingt eifersüchtig machen. Und da Febe dringend Geld für ihren anstehenden Skiurlaub braucht, lässt sie sich auf diesen Deal ein. Liams Familie nimmt sie mit offenen Armen auf und im Laufe der Feiertage lernt sie Liam immer näher kennen und kann die Funken kaum ignorieren. Die Frage ist nur, für wen Liam sich entscheidet - eine neue Chance mit Febe oder kämpft er weiterhin um seine Ex Charlotte?

Tonia Krüger hat mit "All I (don't) want for Christmas" keine außergewöhnliche Geschichte erzählt, die so noch nie stattgefunden hat. Ganz im Gegenteil: Von Beginn an ist eigentlich schon klar, worauf das Buch hinausläuft. Doch der Weg dorthin ist wirklich wunderschön zu verfolgen. Tonia Krüger hat sowohl Febe als auch Liam und sämtliche Familienmitglieder so liebevoll und detailreich gestaltet, dass ich sie mir bildlich vorstellen konnte. Durch die Beschreibungen der Festlichkeiten kamen bei mir in der Vorweihnachtszeit schon richtig weihnachtliche Gefühle auf und ich habe die gemütlichen Lesestunden mit den zarten Annäherungen zwischen Liam und Febe - inklusive der für das Genre üblichen Dramen - sehr genossen.
Ein wunderschöner Weihnachtsliebesroman und ich freue mich schon auf den nächsten Teil der Reihe!

Veröffentlicht am 20.12.2022

Vergangenheit und Gegenwart

Der Sturm
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Kieran kehrt nach etlichen Jahren in seinen Heimatort, das australische Tasmanien, zurück. Mit seiner Freundin und seiner kleinen Tochter ist er dorthingekommen, um seinen Eltern beim Umzug zu helfen, ...

Kieran kehrt nach etlichen Jahren in seinen Heimatort, das australische Tasmanien, zurück. Mit seiner Freundin und seiner kleinen Tochter ist er dorthingekommen, um seinen Eltern beim Umzug zu helfen, das Kierans Vater in ein Altersheim ziehen soll. Da die Urlaubssaison sich dem Ende zuneigt, ist die Anzahl an Tourist*innen stark zurückgegangen und die Insel leert sich. Am Strand wird kurz nach Kierans Ankunft im Ort die Leiche einer jungen Saisonarbeiterin gefunden. Bei Kieran kommen sofort Erinnerungen an einen Sturm zwölf Jahre zuvor auf, bei dem sein älterer Bruder und ein Freund verstarben. Es gibt nun Parallelen zu den damaligen Ereignissen und Kieran muss sich mit seinen Erinnerungen und den Geschehnissen von damals auseinandersetzen.

Von Jane Harper habe ich schon einige Bücher gelesen und ich mag ihren ruhigen Schreibstil, die sorgfältige Personenzeichnung und die ansteigende Spannung, die zum Ende hin alle Zusammenhänge offenbart.
Zunächst war ich hier etwas überfordert mit all den Figuren, Namen und Verbindungen zueinander, fand mich jedoch recht schnell zurecht. Da ich niemanden spoilern möchte, verrate ich nichts weiter zum Inhalt. Den Plot fand ich sehr vielversprechend und Jane Harper konnte mich mal wieder vollkommen in ihren Bann ziehen, indem sie wechselnd zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt und sämtliche Zusammenhänge langsm entblättert!