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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2023

Mäßig spannende Krimiunterhaltung mit einigen Schwachstellen

Kommissarin Moll und die Tote aus der HafenCity
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Dieser zweite Band der Reihe um Kommissarin Moll ist definitiv nicht dafür geeignet, gelesen zu werden, wenn man Band 1 nicht kennt. Der Leseeinstieg war für mich recht holprig, denn es machte mir einige ...


Dieser zweite Band der Reihe um Kommissarin Moll ist definitiv nicht dafür geeignet, gelesen zu werden, wenn man Band 1 nicht kennt. Der Leseeinstieg war für mich recht holprig, denn es machte mir einige Mühe, mich zwischen den Protagonisten zurecht zu finden. Vielleicht hätte die Autorin ein wenig mehr Mühe aufwenden können, die wichtigen Personen für „Neuleser“ so darzustellen, dass man sich ein inneres Bild hätte machen können. Es gibt ja mehrere schreibtechnische Kniffe, dies zu tun, ohne den Erzählfluss zu stören.
Der Inhalt hier kurz angerissen: Hauptkommissarin Fredrica Moll kommt aus „vornehmem“ Haus. Sie ist Privilegien gewohnt und handelt stets eigenwillig ohne Rücksicht auf andere. Ihr Kollege Christian Lauterbach war wohl schon einmal Opfer dieser Rücksichtslosigkeit geworden, was die Zusammenarbeit durchaus belastet. Die beiden sollen eine Cold Case Unit aufbauen, eine langweilige Akten-Tätigkeit. Überraschend beauftragt sie der Chef, sich ganz konkret um den Fall einer nicht identifizierten Leiche kümmern, die vor sieben Jahren in einer Baugrube in der Hamburger HafenCity gefunden worden war. Es lassen sich keine Ansatzpunkte finden, um weiterzukommen. Doch Frederica mit ihren unkonventionellen Ideen bringt Überraschendes zu Tage.
Was mir gut gefällt, sind die Ortsbeschreibungen, auch wenn sie oftmals so klingen, als seien sie aus einem Reiseführer abgeschrieben worden. Auf jeden Fall machen die Beschreibungen Lust, einige der beschriebenen Stadtteile und Winkel selbst einmal zu entdecken. Was mir einerseits gefällt, ist aber auch gleichzeitig ein Negativum, denn diese Ortsinformationen werden oftmals handelnden Personen in den Mund gelegt, die dann monologartig im Gespräch mit Kollegen langatmig referieren. Überhaupt sind die Dialoge oftmals weit, weit weg von dem, wie sich Menschen im Berufsleben miteinander unterhalten. Dieses Redenhalten statt echter Dialoge lässt das Miteinander oftmals hölzern und langatmig wirken. Der Spannungsbogen ist mäßig, leider ahnt man sehr schnell die Lösung. Unnötige vielfache Wiederholungen wie der Griff in den Shopper, der Griff nach Gummibärchen usw. nervt. Was jedoch jemanden „vom Fach“ wirklich aufregt, ist die Neigung der Autorin, mit psychiatrischen Diagnosen und fragwürdigen psychologischen Deutungen um sich zu werfen. Unnötig und vor allen Dingen oftmals nicht richtig.
Fazit: Der zweite Band einer Kriminalromanreihe, der mit guten Ortsbeschreibungen und mäßiger Spannung aufwartet. Für unkritische Leser sicher durchaus unterhaltsam zu lesen.

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Veröffentlicht am 02.03.2023

Sehr gemischtes Urteil

Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen
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Eigentlich schien mir der Inhalt dieses Buches sehr interessant und lesenswert. Der Konflikt zwischen selbstverständlichem jüdischen Leben und antisemitischem Gedankengut hielt ich für ein wichtiges Thema ...


Eigentlich schien mir der Inhalt dieses Buches sehr interessant und lesenswert. Der Konflikt zwischen selbstverständlichem jüdischen Leben und antisemitischem Gedankengut hielt ich für ein wichtiges Thema für jugendliche Leser. Doch nach Lektüre des Buches bin ich mir (allerdings als sehr viel älteres Semester) sehr unsicher, ob dieses Buch die Jugendlichen wirklich erreicht.

Hoodie Rosen hat einen recht langweilig-normalen Alltag. Chips essen, Lehrer ärgern, den Attacken der Schwestern entfliehen. Normal halt. Dann lernt er Anna-Maria kennen, verliebt sich von jetzt auf gleich in sie. Als er mit ihr zusammen Hakenkreuze von einem jüdischen Grabstein entfernt, was er für gut und richtig hält, gerät er mitten hinein in einen großen Konflikt. Hoodie’s Familie sieht das anders, denn Anna-Maria ist die Tochter der Bürgermeisterin, die der jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft den Kampf angesagt hat. In den Augen von Hoodie’s Familie begeht er durch die Verbindung zu Anna-Maria Verrat. Jetzt sitzt Hoodie zwischen den Stühlen und muss sich entscheiden…

Der Schreibstil ist recht angenehm, insbesondere die eingestreuten humorvollen Stellen lockern das eigentlich sehr ernste Thema auf. Auch sind einige Situationen sicher ganz bewusst recht überspitzt dargestellt. Nicht immer konnte ich alle Handlungen der Hauptperson wirklich nachvollziehen, obwohl ich eine gewisse Sympathie für Hoodie hegte. Die gebotenen Einblicke in das orthodoxe jüdische Leben waren eigentlich auch recht interessant, da ich mich damit bislang noch nie befasst hatte und keine Kenntnisse hatte. Gleichzeitig jedoch bin ich streckenweise völlig ausgestiegen und habe Teile des Textes nur noch überflogen, weil mir die vielen fremden hebräischen Begriffe und Namen die Lust am Weiterlesen nahmen, da mir diese unbekannten Wörter für Feiertage oder Lebensmittel oder Gebräuche kein Begriff waren und im Verlauf auch unverständlich blieben, weil sie nirgends erklärt werden. Auch hatte ich Schwierigkeiten mit dem vom Autor gewählten Spagat zwischen heiter-lockerer Erzählweise und dem Darstellen einzelner brutaler Schilderungen.

Kurzum: Mein Urteil über dieses Buch bleibt sehr gemischt. Interessant wäre zu erfahren, ob Jugendliche einen besseren Zugang zum Inhalt haben als ich, die ich zwei Generationen älter bin als die Zielgruppe.

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Veröffentlicht am 21.02.2023

Starker Beginn, der sich ins Unlogische verliert

Das Sanatorium
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Hat Reese Witherspoon tatsächlich den Thriller von Sarah Pearse gelesen, dem sie „Gänsehaut pur!“ attestiert? Ich glaube nicht.
„Le Sommet“ war einstens ein Sanatorium für Tuberkulosekranke, bis es schließlich ...


Hat Reese Witherspoon tatsächlich den Thriller von Sarah Pearse gelesen, dem sie „Gänsehaut pur!“ attestiert? Ich glaube nicht.
„Le Sommet“ war einstens ein Sanatorium für Tuberkulosekranke, bis es schließlich mehr und mehr verfiel und zu einem typischen Lost Place wurde. Nach Jahren des Leerstands fanden jedoch zwei befreundete Architekten Gefallen an dem riesengroßen Gebäude, das mit seiner Lage, teils tief versteckt im Wald und überragt von drohenden Berggipfeln, ideal zu sein schien für ein Luxushotel der Extraklasse. Nach vielen Jahren der Planung und des Baus, oftmals angefeindet von Naturschützern und überschattet vom rätselhaften Verschwinden des Daniel Lemaitre, dem Architekten mit Visionen, ist das Fünf-Sterne-Hotel nun fertiggestellt. Elin Warner, ein Detective Inspector, derzeit beruflich freigestellt, reist zur Verlobungsfeier ihres Bruders Isaac an. Für Elin ist die Beziehung zu ihrem Bruder durch ein früheres, unausgesprochenes Drama belastet. Sie hat Angst vor der Begegnung. Da verschwindet Isaacs Verlobte, dann geschieht ein Mord. Und ein gewaltiger Schneesturm mit Lawinenabgang schneidet das Hotel von der Außenwelt ab. Die Gäste sind in dem riesigen Gebäude mit einem Killer gefangen.
Ein Plot also, der alles bietet, was ein atemberaubender Thriller braucht. Und so startet das Buch auch: Mit viel atmosphärisch geschilderter wachsender Spannung. Der Autorin gelingt es, ihre Schilderungen, insbesondere die der Umgebung und Natur, mit allen Sinnen zu schildern. Ebenso detailfreudig werden die Gestimmtheiten der handelnden Personen in allen Feinheiten beschrieben. Insbesondere die Gefühle von Elin werden geradezu seismographisch erspürt und in Worte gefasst. Diese Feinfühligkeit der Autorin ist ihre Stärke, aber auch ihre Schwäche. Denn je weiter der Thriller voranschreitet, desto mehr verlieren sich die Schilderungen in sich selbst, werden unlogisch, dienen nicht mehr dazu, die Handlung voranzubringen. Und damit verlieren die Protagonisten, allen voran Elin, an Glaubwürdigkeit. Aber auch die Sprache wird zunehmend nüchterner und emotionsärmer. Dadurch gelingt es dem Leser immer schwerer, sich lesend in die Handlung hineinzufinden. Die Spannung verliert sich.
Fazit: Ein starker Plot, ein starker Beginn, aber im Verlauf stetig schwächer, unlogischer und spannungsärmer werdend.

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Veröffentlicht am 15.11.2022

Habe ich mit großer Abneigung gelesen

EAST. Welt ohne Seele
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Nun, ich gebe zu, ich habe das Buch von Anfang an mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Und diese uneinheitlichen Gefühle haben sich im Laufe der Lektüre zu einer distanzierten, emotionsarmen, rein beobachtenden ...


Nun, ich gebe zu, ich habe das Buch von Anfang an mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Und diese uneinheitlichen Gefühle haben sich im Laufe der Lektüre zu einer distanzierten, emotionsarmen, rein beobachtenden Haltung verändert. Daran änderte auch die zugegebenermaßen streckenweise spannungsreiche Erzählweise nichts. Erst später las ich, dass es sich bei diesem Buch und die nachfolgenden zwei Bände, die 2023 erscheinen werden, um frühere Manuskripte des Autors handelt. Das erklärt vielleicht noch am ehesten meine Enttäuschung über dieses Buch und den so hochgelobten Autor.

Hauptperson CIA-Agent Jan Jordi Kazanski kann ohne Alkohol keine Stunde überstehen, seit seine Frau und seine Tochter eines gewaltsamen Todes gestorben sind. Ein rundum kaputter Typ, natürlich dienstunfähig. Da seine Fähigkeiten jedoch unbestritten sind, wird er undercover nach Krakau entsandt, um dort jemanden ausfindig zu machen, von dem er nur den Decknamen kennt, der die größte Verbrecherorganisation Krakaus anführt und dessen wahre Identität niemand kennt. Doch kaum ist Kazanski in Krakau angekommen, entgeht er nur knapp einem Mordanschlag. Krakau Ende der Neunziger Jahre bietet den idealen Schauplatz für alles, was in einem Agententhriller Platz hat, allem voran einen Sumpf an Korruption.

Begonnen hat meine Abneigung gegen das Buch mit der grausam-abstrusen Idee, einen gutmütigen, gehorsamen Golden Retriever als lebende Bombe zu benutzen. Diese Art von perverser Grausamkeit ist in der Geschichte immer wieder zu finden. Mag ich nicht. Aber ich bin es auch langsam überdrüssig, von Protagonisten zu lesen, die seelisch und/oder körperlich kaputt sind, weil sie von früheren Traumata verfolgt werden und deren einzige Lebensbewältigung übermäßiger Alkoholkonsum ist wie bei Kazanski. Zwar ist der Thriller durchaus spannend aufgebaut, aber dennoch blieb ich innerlich völlig distanziert, was vermutlich an dem kühlen, distanzierten Schreibstil liegt. Auch gab es so einige Handlungsfäden, die sich im Verlauf der Geschichte ins Nichts auflösten.

Kurzum: Ein Thriller, an dem es für mich nichts gab, was ich mochte.

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Veröffentlicht am 16.09.2022

Zu detailreich und spannungsarm

Die Vergessene
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Nach einer bereits enttäuschenden Lektüre eines Buches von Karin Slaughter startete ich mit dem vorliegenden Thriller einen neuen Versuch in der Hoffnung, die frühere Faszination der Bücher von Karin ...


Nach einer bereits enttäuschenden Lektüre eines Buches von Karin Slaughter startete ich mit dem vorliegenden Thriller einen neuen Versuch in der Hoffnung, die frühere Faszination der Bücher von Karin Slaughter doch noch einmal zu erleben. Doch leider blieb auch diesmal die Lust am Lesen auf der Strecke. Wie schade!

1982: Emily Vaughn, die ein Geheimnis in sich trägt, kehrt nach einem Highschool-Abschlussball nicht mehr nach Hause zurück. Sie wurde brutal ermordet. 40 Jahre später soll Andrea Oliver, neu ernannte US-Marshal, eine Richterin beschützen, die Morddrohungen erhält. Gleichzeitig versucht Andrea, Licht in den bis heute unaufgeklärten Mord Emily’s von 1982 zu bringen. Denn die Vermutung, dass ihr Vater, der wegen mehrerer Verbrechen im Gefängnis sitzt, etwas mit dem Mord an Emily zu tun haben könnte, lässt ihr keine Ruhe mehr.

Zwei Handlungsstränge, die wechselweise in kleinen Häppchen und in zahllosen detailreich erzählten Nebengeschichtchen mehr Einblick sowohl in das damalige Leben von Emily als auch in das gegenwärtige Leben von Andrea bringen wollen. Da beide Stränge erst einmal lange Zeit ohne Verbindung zueinander vor sich hin plätschern, ist das Lesen langatmig und mühsam. Die Handlung tritt auf der Stelle und hält sich an unbedeutenden Details fest. Die ständigen Perspektivwechsel nehmen auch noch die letzte Ahnung von Spannung. Zwar ist der Schreibstil der Autorin wie eh und je gut zu lesen, aber wirklich fesselnd wird es erst ganz zögerlich nach den ersten 300 Seiten. Zu spät für mich, denn da hatte ich bereits innerlich abgeschlossen mit diesem Thriller und auch mit der Autorin. Wobei daran nicht nur der langatmige Handlungsaufbau schuld war, sondern auch die oberflächlich-lebensferne und psychologisch nicht schlüssige Darstellung der Hauptperson Andrea, die auf mich irgendwie künstlich erdacht wirkte und zu der keinerlei emotionale Berührung entstand. Zwar gab es zum Ende noch ein paar wenige Wendungen im Geschehen, aber dennoch blieb auch der Schluss letztlich enttäuschend.

Ganz sicher war dies mein letzter Versuch, anzuknüpfen an die früher als äußerst spannend erlebten Thriller von Karin Slaughter.

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