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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2023

Witzig, philosophisch, gruselig!

Der Bojenmann
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Mitten in der Elbe wird von einem arglosen Paddler eine Leiche entdeckt. Anstelle der hölzerne Kunstfigur „Bojenmann“, die offenbar über Nacht abgesägt wurde, wurde eine Leiche gruselig in Szene gesetzt. ...


Mitten in der Elbe wird von einem arglosen Paddler eine Leiche entdeckt. Anstelle der hölzerne Kunstfigur „Bojenmann“, die offenbar über Nacht abgesägt wurde, wurde eine Leiche gruselig in Szene gesetzt. Besonders makaber: die Leiche ist plastiniert. Nur so konnte sie in dieser Position platziert werden.
Kommissar Thies Knudsen, leitender Ermittler des LKA in Hamburg Altona, hat so etwas noch nie gesehen. Auch seine Kolleginnen, Dörte Eichhorn, genannt das Eichhörnchen, und die Forensikerin Susi „Spusi“ Diercks, sind zunächst ratlos, was das bedeuten soll. Doch bald schon tauchen weitere, ähnlich schockierend in Szene gesetzte Leichen auf. Ein Serienmörder geht um in Hamburg, und er will seine plastinierten Opfer zur Schau stellen.
Glücklicherweise hat Kommissar Knudsen seinen guten alten Freund Oke Andersen, der direkt an der Elbe in Övelgönne lebt. Andersen ist sehr belesen und philosophisch bewandert, weshalb er, als ehemaliger Lotse, den Spitznamen La Lotse trägt. Ihn kann Kommissar Knudsen bei einem guten Essen und einer Flasche Bier immer um Rat fragen. La Lotse Andersen lässt der Fall der plastinierten Leichen nicht mehr los. Er recherchiert auf eigene Tour und findet schließlich eine Spur, die zum ,,Duckdalben“, einer internationalen Seemannsmission führt. Offensichtlich hat der Mörder sich dort seine Opfer ausgesucht.
,,Der Bojenmann“ ist ein spannender Krimi, mit einigen gruseligen Details (Gunther von Hagens lässt grüßen), aber auch vielen witzigen Dialogen und philosophischen Gedanken.
Toller Start einer neuen Serie – gerne mehr von Kommissar Knudsen und seinem Kumpel Oke La Lotse!

Veröffentlicht am 07.04.2023

Hamburg 1907

Tödlicher Schlaf
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Carl-Jakob Melcher arbeitet als Bakteriologe am Hamburger Tropeninstitut. Man schreibt das Jahr 1907.
Im Hafenkrankhaus begegnet Melcher einem alten Schulfreund, Ludolf Harberg. Dieser ist schwer krank ...

Carl-Jakob Melcher arbeitet als Bakteriologe am Hamburger Tropeninstitut. Man schreibt das Jahr 1907.
Im Hafenkrankhaus begegnet Melcher einem alten Schulfreund, Ludolf Harberg. Dieser ist schwer krank aus den ostafrikanischen Kolonien zurückgekehrt und leidet an der Schlafkrankheit.
In einem wachen Moment erzählt er Carl-Jakob Melcher von Experimenten, die er zusammen mit dem Mediziner Robert Koch an Einheimischen unternommen habe, bei denen es zu auffällig vielen Todesfällen kam. Darüber habe er auch Aufzeichnungen geführt, die er versteckt habe. Doch bevor er noch Genaueres erzählen kann, stirbt Ludolf Harberg. Während die Ärzte seinen Tod als eine natürliche Folge seiner Krankheit ansehen, glaubt Carl-Jacob Melcher, dass Harberg wegen seiner Informationen und wegen der versteckten Aufzeichnungen ermordet wurde. Zusammen mit seinem Schulfreund Kriminalsekretär Martin Bucher beginnt er zu ermitteln. Doch bald schon gibt es einen weiteren Todesfall, und dieses Mal gerät Melcher selbst unter Mordverdacht.
In diesem Kriminalroman werden fiktive und historische Elemente geschickt miteinander verknüpft. So erhält man neben der Krimihandlung viele Informationen über die koloniale Ausbeutung und die Einstellung der Deutschen zu Afrika, auch über die soziale Situation der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Hafenstadt oder z.B. über den beginnenden Kampf der Frauenrechtlerinnen. Die Figuren wirken authentisch und in ihrer historischen Befangenheit etwas angestaubt, aber unbedingt sympathisch.
,,Tödlicher Schlaf“ ist der 2. Band mit Carl-Jacob Melcher. Auf eine Fortsetzung darf man wohl hoffen.

Veröffentlicht am 06.04.2023

Eindringlich

Northern Spy – Die Jagd
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Tessa arbeitet im Büro der BBC in Belfast, als sie plötzlich ihre Schwester Marian in den Fernsehnachrichten sieht. Sie soll einem Raubüberfall begangen haben und außerdem Mitglied der IRA sein. Tessa ...

Tessa arbeitet im Büro der BBC in Belfast, als sie plötzlich ihre Schwester Marian in den Fernsehnachrichten sieht. Sie soll einem Raubüberfall begangen haben und außerdem Mitglied der IRA sein. Tessa fällt aus allen Wolken, da sie und ihre Schwester sich immer gegen Gewalt und Terror eingesetzt haben und auch so erzogen wurden.
Während nach Marian gefahndet wird, beginnen sich bei Tessa die Zweifel zu mehren. Wie genau kannte sie ihre Schwester Marian wirklich? Und man erlebt hautnah mit, wie sich das Leben für sie, als Schwester einer Terrorverdächtigen, plötzlich von Grund auf verändert hat.
Als Tessa die Wahrheit erfährt, muss sie sich entscheiden, zwischen ihren Idealen und der Realität. Eine sehr große Rolle spielt dabei auch ihr kleiner Sohn Finn, den sie um alles in der Welt schützen will.
,,Northern Spy“ ist nicht unbedingt ein Thriller, eher ein Roman mit subtiler Spannung und auch überraschenden Wendungen. Einen Großteil der Handlung nehmen Tessas Gedanken, ihr innerer Konflikt und ihr Ringen um eine Entscheidung ein. Bedrückend sind auch die fast schon nebenbei erwähnten Einschränkungen des alltäglichen Lebens in Nordirland, wo jeder Gang vor die Haustür mit tödlicher Gefahr verbunden sein kann.
Das macht ,,Northern Spy“ in meinen Augen zu einer wirklich empfehlenswerten Lektüre.

Veröffentlicht am 04.04.2023

Genial!

30 Tage Dunkelheit
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Die dänische Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix ,,schreibt die Art von Büchern, in denen ein alter Mann einen Schluck Kaffee nimmt und über vierzig Seiten hinweg nachdenkt, bevor er einen weiteren Schluck ...

Die dänische Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix ,,schreibt die Art von Büchern, in denen ein alter Mann einen Schluck Kaffee nimmt und über vierzig Seiten hinweg nachdenkt, bevor er einen weiteren Schluck nimmt. Und dann ist nicht nur der Kaffee kalt geworden. Die meisten Leser sind es auch.“ (S. 11). Deshalb ist ihr Erfolg auch recht überschaubar, während andere ihrer Schriftstellerkollegen mit ihren kommerziellen Büchern sehr gut beim Publikum ankommen. Wenigstens hält ihr langjähriger Lektor Bastian noch zu ihr, trotz des geringen Erfolgs ihrer immerhin als literarisch anspruchsvoll gelobten Bücher.. Bei einer Buchmesse soll Hannah ihre Bücher signieren, was aber praktisch niemanden interessiert, während ihr Erzfeind Jørn, den Hannah hasst wie die Pest, auf der Buchmessen-Bühne interviewt wird. Hannah rastet vor laufenden Kameras aus und schimpft, dass jeder Idiot in einem Monat einen Krimi schreiben könne. Um ihren Ruf zu retten, muss sie sich nun dieser Herausforderung stellen. Von ihrem Lektor Bastian wird sie nach Island geschickt, mitten im Winter in eine völlig abgelegene Ecke. Dort darf sie bei Ella, einer alten Bekannten Bastians, wohnen, schreiben und mit möglichst wenig Alkohol auch wieder zu sich selbst finden. Vielleicht wollte Bastian sie aber auch einfach möglichst weit wegschicken? Hannahs ertränkt ihre Schreibblockade erst einmal im Alkohol.
Doch als Ellas Neffe unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden wird, wird plötzlich die Realität eine Idealvorlage für Hannahs Krimi. Handelt es sich beim Tod des Neffen um Mord? Je mehr Hannah nachforscht, desto seltsamere Dinge Geschehen. Auch ihre Gastgeberin Ella verhält sich äußerst merkwürdig. Und dann taucht auch noch ausgerechnet Hannahs Erzfeind Nummer 1, der Schriftstellerkollege Jørn auf und klaut ihr womöglich ihre Ideen.
Das ist der erster Krimi, der mich nicht hauptsächlich wegen der spannenden Handlung oder wegen des originellen Schauplatzes, sondern wegen des genialen Humors überzeugen konnte. Das liegt vor allem an der Hauptfigur Hannah, die neben selbstkritischen auch sehr böse Gedanken über ihre Mitmenschen äußert und sich immer wieder völlig daneben benimmt, was zu gefährlichen, aber teilweise auch urkomischen Situationen führt.

Veröffentlicht am 27.02.2023

Spannender und unterhaltsamer 11. Fall

Kuckuckskinder (Ein Falck-Hedström-Krimi 11)
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Das idyllische Fjällbacka wird innerhalb kurzer Zeit von mehreren Verbrechen erschüttert. Während der berühmte Schriftsteller Henning Bauer, der sich berechtigte Hoffnungen auf den Literaturnobelpreis ...

Das idyllische Fjällbacka wird innerhalb kurzer Zeit von mehreren Verbrechen erschüttert. Während der berühmte Schriftsteller Henning Bauer, der sich berechtigte Hoffnungen auf den Literaturnobelpreis macht, mit seiner Ehefrau seine Goldene Hochzeit feiert, wird der bekannte Fotograf Rolf Stenklo brutal in seiner Galerie ermordet. Eigentlich sollte Stenklo auch zur Feier kommen, immerhin ist er seit Jahrzehnten mit dem Ehepaar Bauer befreundet. Doch der Fotograf hatte es abgelehnt, zu der Feier zu erscheinen. In seiner neuen Ausstellung wollte er offenbar etwas Wichtiges aus der Vergangenheit offenlegen. Auch innerhalb der Familie Bauer scheint nicht alles zum Besten zu stehen. Zwischen den beiden Söhnen des Jubelpaares, Peter und Rickard, gibt es heftigen Streit und Rickards betrunkene Rede auf der Feier offenbart tiefe Verwerfungen auch mit dem Vater. Und bald schon kommt es zu einem weiteren blutigen Verbrechen im Schärengarten.
Während Kommissar Patrik Hedström und seine Kollegen ermitteln, packt seine Frau Erica Falck mal wieder die Neugier. Durch einen Hinweis stößt sie auf die Geschichte einer Trans-Frau in den 80er Jahren in Stockholm, die als Lola in einer Bar den Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter verdiente. Bei einem Brand kamen beide ums Leben, oder handelte es sich womöglich um Mord?
Wie immer bei der Hedström-Falck-Reihe stellen sich bald Verbindungen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und zwischen den beiden Fällen her, die so manches in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen.
Wer die Reihe kennt, wird sich freuen, dass man auch weiterhin so einiges aus dem Privat- und Familienleben von Patrik und Erica erfährt, was auch immer mal wieder zum Schmunzeln anregt. Die verschiedenen Zeitebenen werden geschickt miteinander verwoben und tragen zur Spannungssteigerung bis zum actionreichen und überraschenden Finale bei. Unterhaltsam wie immer!