Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2023

Alegra und Donatello in Florenz

Alegra - Das Mündel der Medici
0

Endlich ist es so weit. Donatello kehrt nach Florenz zurück. Traurig ist er. Seine Mutter starb und er konnte keinen Abschied von ihr nehmen. Zum Glück war Alegra in den letzten Stunden an ihrer Seite. ...

Endlich ist es so weit. Donatello kehrt nach Florenz zurück. Traurig ist er. Seine Mutter starb und er konnte keinen Abschied von ihr nehmen. Zum Glück war Alegra in den letzten Stunden an ihrer Seite. Die junge Frau ist unzufrieden. Sie fühlt sich wie eine Gefangene und Donatello sieht ein, dass er ihr etwas mehr Freiheiten geben muss. Ob das aber gut für sie ist?

Florenz um 1434 herum war durch außergewöhnliche Kunst und zudem auch Reichtum geprägt. Besonders die Familie der Medici glänzten mit ihren Wohnsitzen und als Unterstützer der Künstler. Da bleibt es nicht aus, dass sie die Neider auf den Plan riefen. In dem Buch „Alegra Das Mündel der Medici“ wird das sehr bildhaft beschrieben. Wie brutal das Leben dort war. Kinder, die vor Hunger starben standen den begüterten Familien gegenüber. Brutale Hinrichtungen in der Öffentlichkeit wurden gefeiert.

Nach dem Lesen eines anderen Buches und dem Anschauen eines Films, interessiert mich das Leben der Medici. Froh war ich also, dass ich auch dieses Werk lesen konnte. Die Autorin kennt die Stätten von denen sie berichtet und hat genau recherchiert. Es gibt Hintergrundinformationen zu Donatello und den Fanciulli. Zudem gefielen mir die bildhaften Schilderungen über einige der berühmten Bauwerke. Die Sprache ist locker und ich konnte dem Geschehen gut folgen. Spannung gab es ebenfalls und einige Episoden wurden erst am Schluss aufgeklärt. Auch wenn es mir hin und wieder lang und zu ausführlich geschrieben war, gebe ich die volle Anzahl an Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.05.2023

Von Herz- und Bauchmamas

Herzenskinder
0

Gabriele Stangl ist Pastorin in einer Klinik. Es brach ihr immer wieder das Herz, wenn sie Frauen in Not wegschicken musste. Das waren werdende Mütter, die ihr Baby nicht behalten konnten und Hilfe brauchten. ...

Gabriele Stangl ist Pastorin in einer Klinik. Es brach ihr immer wieder das Herz, wenn sie Frauen in Not wegschicken musste. Das waren werdende Mütter, die ihr Baby nicht behalten konnten und Hilfe brauchten. Das Budget der Klinik sah es aber nicht vor, hierfür Gelder bereitzustellen. Wie groß mag die Not der Frauen sein, wenn sie ihr Kind irgendwo ablegen oder gar töten? Nein, sie haben kein Urteil von Unwissenden, sondern Hilfe von empathischen Menschen verdient. Aus dem Grund arbeitet Frau Stangl hart und schaffte es dann mit etlichen Gleichgesinnten, dass im Jahr 2000 die erste Babyklappe ins Leben gerufen wurde.

Mit viel Einfühlungsvermögen berichtet Frau Stangl im Buch „Herzenskinder“ über ihre Arbeit in der Klinik. Sie schreibt, welches aufwühlende Erleben es war, als der erste Säugling in der Babyklappe abgelegt wurde. Ein Frühchen, das einen harten Kampf vor sich hatte. Die Verletzungen zeigten, wie schwer die Geburt gewesen sein musste. Dass dieses Mädchen überlebte und auch nach etlichen Jahren immer mal wieder bei Frau Stangl hereinschaut, welch ein Erfolg.

Es rührte mich zu Tränen, wie warmherzig Frau Stangl über die Bauchmamas schreibt. Keine Verurteilung kommt von ihr. Sie freut sich jedes Mal, wenn ein Baby die Klinik verlässt und eine Herzmama gefunden hat. Also bei Adoptiveltern leben kann. Es ist so wichtig, dass den Müttern in ihrer Not geholfen wird und die Kleinen in gut behütete Verhältnisse geführt werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.05.2023

Leider werden die Traumata der Nachkommen von Schoah und Verfolgung unterschätzt

Mameleben
0

Michel Bergmann eilt ins Krankenhaus. Zu seiner Mutter. Die nahm 20 Schlaftabletten und wurde sprichwörtlich im letzten Augenblick von der Nachbarin gefunden. Mutter und Sohn wohnen weit auseinander. Nein, ...

Michel Bergmann eilt ins Krankenhaus. Zu seiner Mutter. Die nahm 20 Schlaftabletten und wurde sprichwörtlich im letzten Augenblick von der Nachbarin gefunden. Mutter und Sohn wohnen weit auseinander. Nein, nicht weil Michael die Mutter nicht in der Nähe haben wollte. Sie mochte nicht aus ihrem Zuhause ziehen. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, das war ihr Motto. Vielleicht lag es ja daran, dass sie vor den Nationalsozialisten fliehen musste und ihre Eltern im KZ ermordet wurden. Früh musste sie alleine klar kommen und ihrem Sohn ein Fundament für seine Zukunft bereiten.

Welch ein Buch. Mame, wie der Autor seine Mutter liebevoll nennt, war auf dem besten Weg, eine gute Ärztin zu werden. Dann raunten die Nachbarn über schlimme Dinge, die den Juden angetan wurden. Die Eltern glaubten es nicht. Der Vater war doch schon im 1. Weltkrieg dabei und kämpfte für die Deutschen. Aber dann wurde ihr der Schulbesuch verboten. Sie musste alles abbrechen und mitansehen, wie ihre Familie deportiert wurden. Sie konnte in die Schweiz flüchten, allerdings wurden die Flüchtlinge nicht gut behandelt.

Herr Bergmanns Ausführungen über seine Mutter haben mich tief berührt. Ja, sie w a r schwierig, aber zugleich liebenswert. Was das Schicksal für sie bereit hielt, kann niemand nachempfinden. Und das sich ihre Erlebnisse auch in ihrem Sohn weitertrugen, ist wohl ganz natürlich. Wie geduldig müssen Frauen und Kinder von Männern sein, deren Familien so viel Leid erfuhren.

„Mameleben“ wurde in eine so angenehmen und berührenden Sprache geschrieben, dass ich kaum das Lesen unterbrach. Besonders gut gefiel mir auch dieses jüdische Lied über die Mame. Ganz wunderbar. Ich danke dem Autor für dieses wertvolle Werk, das ich mit Sicherheit noch häufiger lesen werden. Einen Sternenregen sowie eine Empfehlung gibt es von mir ebenfalls.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2023

Das Grauen des Krieges bildhaft erzählt

Das Gedächtnis des Winters
0

Hauptmann Paul Bauer ist 46 Jahre alt und als Chirurg an der Ostfront eingesetzt. Vier Monate nach dem Beginn des „Unternehmen Barbarossa“ schlingert er mit weiteren Soldaten durch einen Kiefernwald in ...

Hauptmann Paul Bauer ist 46 Jahre alt und als Chirurg an der Ostfront eingesetzt. Vier Monate nach dem Beginn des „Unternehmen Barbarossa“ schlingert er mit weiteren Soldaten durch einen Kiefernwald in Russland. Der „Gröfaz“, („Größter Feldherr aller Zeiten“) kommandiert noch immer seine Untergebenen herum und will nicht wahrhaben, dass der Krieg längst verloren ist. An Russland wird er sich die Zähne ausbeißen. Fatal, dass für ihn ein Menschenleben weniger als nichts an Wert hat.

Im Winter 1941 bekommen Bauer und seine Leute den Befehl, ein Feldlazarett aufzubauen. Nicht in einem Zelt, sondern im Landsitz des berühmten L. Tolstoi. In Jasjana Poljana, mitten in der Einöde. Menschen, die hier leben, heißen die Soldaten nicht willkommen. Warum sollten sie auch. Was die Deutschen damals anrichteten, das schürte nur Hass und Verachtung von den Einheimischen.

Der Autor Steven Conte ist bestens vertraut mit dem Leben des berühmten russischen Schriftsteller. Er beschreibt nicht nur sein Anwesen sehr detailliert. Auch auf das Buch „Krieg und Frieden“ weist er immer wieder hin. Und das gefiel mir sehr gut. Der heftige Winter, die Kälte und der Frust der Soldaten, all das ist so bildhaft dargestellt, dass ich gefesselt war mich fast an diesen Ort wähnte. Die zarte Liebe zwischen Bauer und einer selbstbewussten Russin nimmt keinen übermäßigen Raum ein und das schätzte ich ebenfalls.

Ein ansprechendes Cover ist bei neuen Büchern selten vorhanden, hier wurde es perfekt gewählt. Der Leser sieht sofort, dass ihn der Roman in die Einöde einer kargen Winterlandschaft entführt. Nicht nur, aber überwiegend für Kenner der russischen Literatur, wird
„Das Gedächtnis des Winters“ ein Lesegenuss sein. Die Übersetzung von Joannis Stefanidis ist sehr gut gelungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2023

Historische Fakten kombiniert mit Spannung, sehr gut

Tatort Rheinbrücke
0

Hauptkommissarin Franca Mazzari genießt ihren lang ersehnten Urlaub in Italien, der Heimat ihres Vaters. Und zuhause müssen ihre Kollegen sich an einen kniffeligen Fall herantasten. Auf einem Plateau vor ...

Hauptkommissarin Franca Mazzari genießt ihren lang ersehnten Urlaub in Italien, der Heimat ihres Vaters. Und zuhause müssen ihre Kollegen sich an einen kniffeligen Fall herantasten. Auf einem Plateau vor den Brückenpfeilern in Remagen, lag ein Mann. Per Kopfschuss getötet. Das Schlimme daran ist, dass die Waffe Eigentum einer Polizistin war. Sie wurde bei einer Demo in Remagen schwer verletzt. Dabei verlor sie auch ihre Waffe. Aber stimmt das wirklich so, wie sie es schildert?

Das Cover sprach mich sofort an. Ich kenne die Brückentürme noch als Abenteuerspielplatz für uns „Pänz“. Wie oft lag ich oben und sonnte mich. Oder wir starteten wilde Verfolgungsjagden in den Türmen. Und nein, ich wurde nicht enttäuscht. Die Autorin führte mich durch mein Remagen der Vergangenheit. Die Seherin Buchela und ihr Neffe kommen genauso zu Wort, wie der alte Bürgermeister Kürten. Aber das ist es nicht alleine, was mich an diesem Buch so beeindruckte.

Niemals zuvor las ich, was im Zusammenhang mit Antiziganismus vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg geschah. Ist es, weil Roma und Sinti bis heute als Minderheit gelten? Oder gibt es tatsächlich nur wenige Menschen, die sich damit beschäftigen? In dem Buch „Tatort Rheinbrücke“ geht es nicht nur um den Aufmarsch der Rechten in Remagen. Der fand übrigens im Jahr 2022 nicht mehr statt und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt.

Aber zurück zum Thema Antiziganismus. Eine junge Polizistin, ja, genau die, die während einer Demo niedergeschlagen wurde, ist eine Romina, der die Tatwache gehörte. Sie liest ein Tagebuch ihres Großvaters und exakt d a s war es, was mich so sehr erschütterte. Dazu gibt Gabriele Keiser auch noch Empfehlungen zu weiterführender Literatur von Autoren, die sich für das Leid der Sinti und Roma einsetzten.

Nein, hier geht es nicht nur um die unsägliche Geschichte Deutschland. Es ist ebenfalls ein spannender Krimi, der fesselt und gefangen nimmt. Ich danke der Autorin für spannende, aber auch zum Nachdenken anregende Unterhaltung. Ganz klare Empfehlung gibt es von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere