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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.06.2023

Wenn Florida unter Wasser steht und in Kalifornien die Wälder brennen

Blue Skies
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In dem Roman geht es um eine Familie, bestehend aus den Eltern Frank und Ottilie und den beiden erwachsenen Kindern Cat und Cooper. Cat lebt mit ihrem Mann in einem Strandhaus in Florida, träumt von einer ...

In dem Roman geht es um eine Familie, bestehend aus den Eltern Frank und Ottilie und den beiden erwachsenen Kindern Cat und Cooper. Cat lebt mit ihrem Mann in einem Strandhaus in Florida, träumt von einer Karriere als Social-Media-Berühmtheit und schafft sich eigens dafür einen Tigerpython an. Cooper ist Wissenschaftler und befasst sich beruflich mit Insekten und den Auswirkungen des Klimawandels auf die Tiere und ihren Lebensraum. Unabhängig von der Klimakatastrophe gerät die Welt der Familie auch durch Schicksalsschläge durcheinander.

In den Kapiteln wechseln sich die Sichtweisen und Erlebnisse von Cooper, Cat und Ottilie ab und es wird deutlich, wie unterschiedlich sie mit der Bedrohung durch die Klimakatastrophe umgehen. Während Cats Strandhaus und die Wege zu ihrem Haus regelmäßig überflutet sind und es dauerregnet, ist die Hitze in Kalifornien für Ottilie kaum auszuhalten. Auch die Waldbrände mehren sich in Kalifornien und rücken immer näher an Ottilies und Franks Haus.

Bei diesem Roman handelt es sich um eine Mischung aus Familiengeschichte und Dystopie. Wie auch in anderen Romanen von T.C. Boyle habe ich als Leserin wieder viel Wissenschaftliches erfahren, insbesondere über Insekten, Schlangen und den Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Lebensraum für Mensch und Tier.

T.C. Boyles Schreibstil lässt sich wie gewohnt gut lesen, auch wenn ich etwas Zeit brauchte, um richtig in die Geschichte reinzukommen. Zwischenzeitlich wusste ich nicht so genau, wo der Roman hinmöchte. Dieses Gefühl hat sich aber schnell gegeben, sodass ich nach den ersten 80 Seiten einen toll geschriebenen Roman genießen durfte, der allerdings kein Gute-Laune-Roman ist.

Der neue Roman von T.C. Boyle hat mich mit einem unguten Gefühl zurückgelassen, zu deutlich und eindrücklich sind die Folgen der Klimakatastrophe geschildert worden. Das sich etwas ändern muss, hat mir dieses Buch erneut deutlich vor Augen geführt.

Veröffentlicht am 01.05.2023

Eine große Sache

Der treue Spion
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Als Gryszinski im Jahr 1896 darum gebeten wird, den Aufenthaltsort eines verschwundenen französischen Diplomaten zu ermitteln, gehen alle davon aus, dass es sich um keine große Sache handeln würde. Doch ...

Als Gryszinski im Jahr 1896 darum gebeten wird, den Aufenthaltsort eines verschwundenen französischen Diplomaten zu ermitteln, gehen alle davon aus, dass es sich um keine große Sache handeln würde. Doch natürlich kommt es ganz anders. Die nicht „große Sache“ entwickelt sich zu einer Riesensache, für die sich Gryszinski mit seiner Frau Sophie auf eine ereignisreiche Reise durch Europa begibt, auf der Gryszinskis Grenzen mehr als einmal getestet werden. 20 Jahre später wird Gryszinskis Sohn Fritz im ersten Weltkrieg mit einer Geheimoperation betraut, die ihn auf dieselben Pfade verschlägt, die seine Eltern zwei Jahrzehnte zuvor bereist sind.

Ich habe die ersten beiden Bände um Gryszinski und seine moderne Ermittlungsarbeit in München sehr gerne gelesen. Auch der neueste Krimi um den Preußen in München hat mir gut gefallen. Ich mag die Schreibweise von Uta Seeburg, insbesondere die detailreichen Beschreibungen. Selten gibt es historische Literatur, bei der ich eine so detaillierte Vorstellung der Zeit und Örtlichkeiten habe. Auch in diesem Krimi gelingt es ihr gut, die zum Teil sehr bedrückende und von Misstrauen bestimmte Zeit des Ersten Weltkriegs zu schildern. Was mir allerdings ein bisschen gefehlt hat – weil ich die Beschreibungen in den Büchern zuvor so genossen habe – ist die gemeinsame Ermittlungsarbeit von Gryszinski und seinen Kollegen Eberle und Voglmaier. Dafür hat Gryszinskis Frau Sophie deutlich mehr Raum bekommen. Insbesondere ihre Entwicklung über die drei Krimis habe ich als sehr interessant empfunden.
Der Spannungsverlauf ist eher etwas gemächlicher, trotzdem bin ich gerne dabeigeblieben.

Ich würde mich freuen, wenn die Reihe fortgesetzt wird und es im nächsten Band wieder mehr um Gryszinskis Team in München gehen würde.
Insgesamt hat mir „Der treue Spion“ gut gefallen und ich kann ihn allen historisch- und krimiinteressierten Leser*innen empfehlen.

Veröffentlicht am 26.04.2023

Starker Roman, der zum Mitleiden anregt

Liebewesen
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Als Lio den erfolgreichen Radiomoderator Max kennenlernt, lässt sie sich nur langsam und zunächst fast widerwillig auf ihn ein. Zu viel hat sie erlebt, das sie nicht aufgearbeitet hat. Ihr Schutzschild ...

Als Lio den erfolgreichen Radiomoderator Max kennenlernt, lässt sie sich nur langsam und zunächst fast widerwillig auf ihn ein. Zu viel hat sie erlebt, das sie nicht aufgearbeitet hat. Ihr Schutzschild bröckelt und so werden aus ihr und Max ein Paar. Sie ziehen zusammen, durchleben gemeinsam Max‘ depressive Phasen und sprechen doch nicht aus, um was es eigentlich geht. Die Beziehung kriselt und Lio zweifelt an sich, an ihrem Partner und vor allem an der gemeinsamen Beziehung. Spätestens als sie schwanger wird, brechen ihre nur notdürftig verheilten Wunden wieder auf.

Mir hat „Liebewesen“ ausgezeichnet gefallen. Der Autorin gelingt es, eine mir sehr sympathische Protagonistin so authentisch zu zeichnen, dass ich das Gefühl habe, sie zu kennen. Auch wenn ich gänzlich anders aufgewachsen bin als sie, konnte ich ihre Empfindungen und Handlungen in Bezug auf ihre Eltern nachvollziehen. Als Leserin konnte ich Lio in ihrer Entwicklung begleiten, ihre Wünsche und Hoffnungen und die darauf bezogenen Diskrepanzen zur Realität körperlich fast spüren. Manchmal hätte ich sie gerne in den Arm genommen (wenn sie es zugelassen hätte). Das habe ich sehr selten.

Der Roman ist sehr gut zu lesen, ohne dass er irgendwie platt wirken würde. Gleichzeitig ist da auch immer wieder sehr trockener Humor und Ironie, die die zum Teil schwere Kost auflockern. Das Romanende fand ich persönlich sehr eindrücklich, allerdings auch ziemlich heftig. Ich habe danach ein bisschen gebraucht, um wieder zur Tagesordnung übergehen zu können.

Mir hat das Debüt von Caroline Schmitt sehr gut gefallen, es ist allerdings kein Roman, der gute Laune heraufbeschwört. Ich hoffe, die Autorin veröffentlicht noch mehr so tolle Romane!

Veröffentlicht am 26.03.2023

Echte Zuneigung und was wirklich wichtig ist

Leonard und Paul
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Leonard und Paul – der Titel hält, was er verspricht. In dem Roman von Rónán Hession geht es um die beiden Protagonisten Leonard und Paul, die einfach und unaufgeregt ihr Leben leben. Leonard ist Ghostwriter ...

Leonard und Paul – der Titel hält, was er verspricht. In dem Roman von Rónán Hession geht es um die beiden Protagonisten Leonard und Paul, die einfach und unaufgeregt ihr Leben leben. Leonard ist Ghostwriter für Kinderlexika, schreibt also die Texte, ohne dass sein Name auf dem Buchcover auftaucht. Bis zum Tod seiner Mutter hat er mit ihr zusammengewohnt und lebt nun in dem Haus allein. Sein Freund Paul ist Aushilfsbriefträger und lebt bei seinen Eltern, während seine ältere Schwester mitten in ihren stressigen Hochzeitsvorbereitungen steckt.

In dem Roman geht es ums Kindbleiben und gleichzeitig Erwachsenwerden, bei auf dem Papier bereits längst erwachsenen Personen. Aber auch um die vielleicht falsch verstandene Verantwortung von Erwachsenen, die sich Erwachsene meinen, aufbürden zu müssen. Der Roman ist philosophisch und regt zum Nachdenken an. Etwa über die Frage, was erwachsen ist und wie erwachsen ein Erwachsener sein MUSS.

Rónán Hession schreibt ruhig und sehr berührend. Er nimmt seine Charaktere ernst und gibt ihnen Raum, sodass es in dem Roman einfach nur um einzigartige Menschen geht, die in ihrem auf den ersten Blick gewöhnlichen Leben kleine Heldentaten vollbringen und anderen Menschen zum Glück verhelfen. Die beiden Protagonisten zeigen im Laufe des Romans, was wahre Zuneigung und Liebe wirklich sein kann und dass es dafür nicht die steile Karriere und stereotype Lebensentwürfe braucht.

Mir hat es Spaß gebracht, mich in Paul und Leonards Welt einzudenken und ihren Gedanken und Ideen zu folgen. Ihre Unsicherheit, aber auch ihre Überzeugung, das Richtige zu tun, haben mich sehr berührt. Ich mochte die beiden Protagonisten sehr gerne und konnte mich an vielen Stellen gut in sie hineinversetzen. Auch andere Charaktere wie Pauls Schwester und Eltern sind wunderbar gezeichnet.

Ein toller erster Roman von Rónán Hession und des Verlags Woywod & Meurer.

Veröffentlicht am 31.10.2022

Unheimlich

SCHNEE
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Ich bin ein großer Fan von Yrsa Sigurðardóttir und konnte mir deswegen auch auf keinen Fall „Schnee“ entgehen lassen.

Der Thriller besteht aus drei sich abwechselnden Perspektiven, die mit der Zeit ein ...

Ich bin ein großer Fan von Yrsa Sigurðardóttir und konnte mir deswegen auch auf keinen Fall „Schnee“ entgehen lassen.

Der Thriller besteht aus drei sich abwechselnden Perspektiven, die mit der Zeit ein Gesamtbild ergeben. Es geht um eine Gruppe Wandernde, die sich trotz der Jahreszeit und des Wetters in die isländische Hochebene begeben. Vier der fünf Wandernden tun dies ohne Erfahrung und aus purer Abenteuerlust. Wie fast schon zu erwarten, geht etwas schief und die Personen werden vermisst. Die zweite Erzählperspektive ist die eines Paares, das mit der Suche nach den Vermissten betraut ist. Er arbeitet als Polizist und sie als Helferin bei der Suche. Die dritte Perspektive ist die des Mitarbeiters der Radarstation. Er erfährt durch Zufall von einem Familiengeheimnis…

Zunächst wirken die Stränge zum Teil noch relativ wenig zusammenhängend. Die Protagonist*innen werden so beschrieben, dass ich mir die Personen sehr gut vorstellen konnte. Die Spannung ist von Beginn an gegeben und ich habe gerne weitergelesen. Auch weil es der Autorin gelingt, die Düsternis und raue Landschaft als Kulisse ihres Thrillers lebendig werden zu lassen. „Schnee“ ist zum Teil sehr spooky und geheimnisvoll. Die Auflösung hat mich dann am Schluss doch noch überrascht und mich über die Handlung erneut nachdenken lassen.

Mir persönlich gefällt die Reihe um Hulda und Freyja noch ein bisschen besser als „Schnee“, trotzdem würde ich „Schnee“ weiterempfehlen.