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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2023

Wollig verpackte Gefühle

Das wunderbare Wollparadies
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Ach, wenn das wahre Leben doch so wäre wie in der Valerie Lane, einer idyllischen Straße in Oxford, in der alle Ladenbesitzer und –besitzerinnen miteinander gut befreundet sind und Leid und Freud miteinander ...


Ach, wenn das wahre Leben doch so wäre wie in der Valerie Lane, einer idyllischen Straße in Oxford, in der alle Ladenbesitzer und –besitzerinnen miteinander gut befreundet sind und Leid und Freud miteinander teilen. Ja, und genau, weil das wahre eben Leben nicht so harmonisch und durchweg positiv ist wie im Buch, liest man Bücher dieser Art so gerne. Sie streicheln die Seele – wie so manches zarte Wollgarn.

Die alleinstehende Susan ist die Inhaberin des Wollgeschäfts in der Valerie Lane. Sie ist die gute Seele für alle und jeden, bestrickt Obdachlose und kümmert sich liebevoll um ihren Hund Terry. Niemand von ihren Freunden ahnt etwas von ihrem traurigen Geheimnis. Es ist Vorweihnachtszeit, und Susan ahnt noch nicht, was geschehen wird…

Die Autorin schreibt wie in all ihren Büchern sehr gefühlvoll. Ihre Protagonisten sind gütige und freundliche Menschen, die Atmosphäre ist bis auf ganz geringe Ausnahmen immer idyllisch und positiv. Wer selbst Freude an Wolle und am Stricken hat, wird diesen Wohlfühl-Roman besonders gerne lesen. Auch wenn man sich gelegentlich wundert, wie schnell Susan Mützen, Handschuhe und Pullover strickt (die sie übrigens nie zusammennähen muss).
Natürlich hat der Roman nichts mit der Wirklichkeit zu tun, aber es tut einfach gut, von diesen gütigen, freundlichen Menschen zu lesen. Man könnte es als kitschig abtun, aber ich verstehe Bücher dieser Art eher als einen Schubser an sich selbst, manchmal auch ein wenig wohlwollender und verständnisvoller anderen gegenüber zu sein.

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Veröffentlicht am 20.05.2023

Gemächliche Erzählweise einer geschickt verschachtelten Handlung

Wenn Worte töten
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Große Lesefreude hatte ich mit dem Kriminalroman „Der Tote aus Zimmer 12“ von Anthony Horowitz, in dem der Autor auf raffinierte und exzellente Weise den modernen englischen Kriminalroman ins Extreme ...


Große Lesefreude hatte ich mit dem Kriminalroman „Der Tote aus Zimmer 12“ von Anthony Horowitz, in dem der Autor auf raffinierte und exzellente Weise den modernen englischen Kriminalroman ins Extreme führte. Ich zumindest hatte Spaß an den raffinierten Wegen langsam-schleichender Aufklärung. An dem vorliegenden Kriminalroman hatte ich allerdings völlig unerwartet nicht so viel Freude.
Auf der Kanalinsel Alderney findet ein Literaturfestival statt, zu dem der Ex-Polizist Daniel Hawthorne zusammen mit Anthony Horowitz, seinem „Assistenten“, eingeladen sind. Horowitz möchte seinen neuesten Roman vorstellen, einen weiteren Kriminalfall mit Hawthorne. Doch der Mäzen des Festivals wird brutal ermordet, und so bleibt Hawthorne und Horowitz nichts anderes übrig, als eigene Nachforschungen zu betreiben, umso mehr, als ein weiterer Mord die beschauliche Insel erschüttert.
Langsam, sehr langsam wird erzählt. Zwar lässt sich der Roman flüssig und abwechslungsreich lesen, aber es braucht schon eine große Portion innerer Gelassenheit, um dem Kriminalroman in alle Winkel hin zu folgen. Die Fülle detailreicher, atmosphärisch gut nachspürbarer Schilderungen und allerlei sich öffnender Nebenschauplätze lassen nach einer Weile die Neugier auf das Buch kleiner und kleiner werden. Zumindest ging es mir so, weil ich nicht genug entspannte Lesezeit hatte, um mich auf den Facettenreichtum und die gemächliche Erzählweise wirklich einzulassen. Eine interessante Idee ist es ja durchaus, dass sich der Autor selbst in die Geschichte einbaut. Aber wie die beiden Hauptakteure miteinander umgehen, störte mich, fand ich stellenweise sogar recht unschön. Falls das englischer Humor sein sollte, habe ich ihn leider nicht verstanden. Für den Leser ist es fast unmöglich, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Viel zu raffiniert mit vielen Irrwegen wird erzählt. Das ist schon besondere Schreibekunst. Dennoch hat mich das Buch nicht wirklich überzeugt, was jedoch an mir liegen mag.

Fazit: Ein sehr langsam erzählter und dadurch nur mäßig spannender Kriminalroman mit geschickt verschachtelter Handlung.






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Veröffentlicht am 13.05.2023

Band 2 einer aufregenden Drachen-Geschichte

Reiz niemals einen Drachen (Band 2)
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Leider fehlt mir die Kenntnis von Band 1. Das bedauere ich sehr, denn ohne Wissen um die Vorgeschichte kam ich nur mühsam hinein in die Handlung von Band 2. Insbesondere mit den Namen, die teilweise ja ...


Leider fehlt mir die Kenntnis von Band 1. Das bedauere ich sehr, denn ohne Wissen um die Vorgeschichte kam ich nur mühsam hinein in die Handlung von Band 2. Insbesondere mit den Namen, die teilweise ja doch sehr seltsam sind (Defnes z. B.), hatte ich zunächst einige Schwierigkeiten. Vielleicht wäre ein Personen- und Tierverzeichnis mit ein paar zusätzlichen Stichwörtern zu Beginn der Geschichte hilfreich gewesen.
Museumsdirektor Wahnschaffe und die Postbotin Sina Sinnreich sind auf der Jagd nach Papalote, dem Drachen, um ihn zu töten und das Drachenblut zu Kosmetika zu verarbeiten. Es gibt einen Brief von Anne, der Malerin, mit Hinweisen darauf, dass es einen zweiten Drachen geben soll, der aber noch in seinem sicheren Versteck schläft. Clemens und Bahira, die mit Ehepaar Maus nach Mallorca gefahren sind, setzen alles daran, Papalote zu beschützen und den beiden Drachenfängern, die nachgereist gereist sind, eine Falle zu stellen. Und natürlich wollen sie Papalotes Artgenossin finden. Doch Doktor Wahnschaffe und Sina Sinnreich lassen sich nicht abschütteln und bleiben Clemens und Bahira gefährlich nah auf den Fersen…
Das Buch ist aufwändig und reizvoll aufgemacht. Papalote blickt durch ein Fenster im Buchdeckel den Leser mit gewitztem Blick an, und der pinkfarbene Buchtitel lädt zusätzlich unübersehbar zum Lesen ein. Die Illustrationen im Buch selbst sind sehr fein und detailgenau gezeichnet, allerdings wiederholen sie sich leider. Warum für die Zielgruppe der 9-Jährigen noch eine große Schrift nötig ist, erschließt sich mir nicht, macht aber auf jeden Fall das Vorlesen angenehmer und lockt vielleicht auch jüngere Leser an. Die Geschichte ist abwechslungsreich und mitunter humorvoll. Die Kinder lösen die Probleme sehr ideenreich. Durch viele Wendungen im Geschehen bleibt die Geschichte durchweg spannend. Doch was mir persönlich gar nicht gefällt, sind diese dumpfen Redewendungen wie „Mein lieber Scholli“ oder „Bullshit“ oder „Logo“ usw. Wenig lustig finde ich auch, wenn die Kinder eine Eistüte in den Flummi-Automaten drücken oder wenn mit Essen geworfen wird. Das hätte nicht sein müssen.
Fazit: Ein gut zu lesendes, unterhaltsames Buch für Drachenfans. Bitte jedoch unbedingt vorher Band 1 lesen!

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Veröffentlicht am 12.05.2023

Unterhaltsame, humorvolle Lektüre

Richter jagen besser
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Der Erstlingsroman dieses Autors hatte mich restlos begeistert. Denn gerade die ausgewogene Mischung von kritischer Intelligenz und unterhaltsamem Humor fand ich ganz wunderbar. Beim nun erschienenen Nachfolgeband ...

Der Erstlingsroman dieses Autors hatte mich restlos begeistert. Denn gerade die ausgewogene Mischung von kritischer Intelligenz und unterhaltsamem Humor fand ich ganz wunderbar. Beim nun erschienenen Nachfolgeband waren meine Erwartungen dementsprechend hoch. Zu hoch vermutlich.

Amtsrichter Siggi Buckmann hat sich der bedingungslosen Gerechtigkeit verschworen, obwohl er doch selbst einen dunklen Fleck auf der ansonsten reinen Weste hat.
Als sein früherer Mentor tot im Wald tot aufgefunden wird, macht sich Siggi zusammen mit der äußerst anziehenden und klugen Journalistin Robin Bukowsky auf die Suche nach dem Schuldigen. Und sticht dabei in ein Wespennest von Korruption, Mafia-Morden und miesen Immobilien-Geschäften. Schlimmer noch – einige Vorkommnisse lassen in Siggi wachsendes Misstrauen gegenüber Robin entstehen.

Ja, auch in diesem zweiten Band gab es Stellen zum Schmunzeln und ab und zu einen kleinen Seitenhieb in Richtung Justiz-Schelte. Gut erzählt ist die Geschichte auch. Wenn ich nicht Band 1 gekannt hätte, wäre ich mit dem Leseerlebnis durchaus zufrieden gewesen. So aber komme ich nicht umhin, die Brillanz von Band 1 zu vermissen. Mit fehlte die sarkastische Scharfzüngigkeit und der manchmal bissige, manchmal urkomische Witz von Band 1. Allzu klischeehaft wurden der Ministerpräsident und sein dümmlich-reicher Sohn gezeichnet. Schade auch, dass die vielen Leerseiten einen Buchumfang vortäuschen, den das Buch gar nicht hat. Glücklicherweise durfte Kater Grisu, mein absoluter Liebling, gegen Ende des Buches mehrmals deutlich seine Meinung vertreten.

Fazit: Sehr unterhaltsamer, humorvoller Krimi, der leider an die Brillanz von Band 1 nicht ganz heranreicht.

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Veröffentlicht am 09.05.2023

Das teuflisch Böse im Menschen

Diabolisch
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Bei diesem Thriller stand für mich an erster Stelle der Plot, dessen Ausgangssituation von Beginn an für Entsetzen sorgte. Das Buch ist leicht und schnell lesbar und alles in allem sehr spannend. Und doch ...

Bei diesem Thriller stand für mich an erster Stelle der Plot, dessen Ausgangssituation von Beginn an für Entsetzen sorgte. Das Buch ist leicht und schnell lesbar und alles in allem sehr spannend. Und doch gibt es negative Anmerkungen, die mir jedoch das packende Leseerlebnis nicht wirklich schmälerten.
Zwei Kinder, Alex 6-jährig und seine wenig ältere Schwester Lotte, werden von ihrem Vater nach dem Turnen nicht abgeholt. Es ist Winter, es beginnt zu schneien, die Kinder frieren. Etliche Erwachsene sehen die Kinder in der Kälte stehen, kümmern sich jedoch nicht. So machen sich die Beiden schließlich im Finstern zu Fuß auf den langen Heimweg. Lotte kommt zuhause an, Alex nicht. 27 Jahre später geschieht ein brutales Verbrechen nach dem anderen im ehemaligen Heimatdorf von Lotte und Alex. Oberkommissarin Larissa Flaucher stößt bei ihren Ermittlungen im Laufe der Zeit mehr und mehr auf unerwartete und entsetzliche Zusammenhänge.
Das Cover ist genial gestaltet, auch wenn ich erst auf den zweiten Blick erkannte, dass es sich um die im Thriller so wichtige Straße mit Bushaltestelle handelt. Die Handlung switcht in kurzen Kapiteln zwischen den Jahren 1995 und 2022 hin und her. Dazwischen eingefügt sind die kindlich-naiven und ans Herz gehenden Tagebuchnotizen von Lotte. Auch wenn ich recht schnell vermutete, welche Zusammenhänge hinter den gehäuften Morden stehen, las ich das Buch in einem Rutsch durch, weil mir Aufbau und Erzählstil spannende Lesekost servierten. Erst nach Beendigung der Lektüre wurde mir bewusst, dass uns der Autor hier einen Thriller serviert, der böse ist, teuflisch böse. Insofern hat das Buch den perfekten Titel. Es gibt keine einzige Person, die als Sympathieträger taugt oder gar dem Bösen versucht Einhalt zu gebieten. Abstoßende, widerwärtige, egoistische, ekelerregende, grausame Protagonisten und brutal-teuflische Rache bestimmen die Handlung. Es hätte dem Thriller sicher gut getan, wenn er die Welt nicht nur Schwarz gemalt hätte, sondern auch Platz gelassen hätte für Grau und Weiß. Erst im Kontrast wäre das eigentlich Diabolische, das abgrundtiefe Schlechte im Menschen, glaubwürdig geworden.

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