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Veröffentlicht am 29.05.2023

Ohne Zahlen, aber auch mit wenig echter Mathematik

Mathe ohne Zahlen
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Dieses Buch beschreibt, womit „richtige“ Mathematik sich befasst, die tatsächlich wenig mit dem zu tun hat, was man in dem entsprechenden Schulfach lernt. Der Autor erklärt, worum es bei Topologie, Analysis ...

Dieses Buch beschreibt, womit „richtige“ Mathematik sich befasst, die tatsächlich wenig mit dem zu tun hat, was man in dem entsprechenden Schulfach lernt. Der Autor erklärt, worum es bei Topologie, Analysis und Algebra geht, beleuchtet die Grundlagen (wie die Frage, was überhaupt ein Beweis ist) und überlegt zuletzt, warum abstrakte mathematische Konzepte sich so gut zur Modellierung der Wirklichkeit eignen.
Dabei wird deutlich, wie vielfältig dieses Fachgebiet ist und wie erstaunlich weit man von ein paar einfachen Überlegungen ausgehend kommen kann. Außerdem sorgen zahlreiche Illustrationen für Anschaulichkeit und zur Auflockerung streut er beispielsweise ein paar Rätsel und Spiele ein.
Großteils werden aber eben tatsächlich nur die Themen vorgestellt und ein paar Begriffe erläutert. Was das Wesen der Mathematik ausmacht, wie sie wirklich funktioniert, wie sozusagen die tägliche Arbeit des Mathematikers aussieht etc, wird nur angedeutet. Zugegeben, ohne Zahlen ist das Alles nicht einfach, und die paar Beweise, die vorkommen, sind ganz gut dargestellt, aber es wäre mehr drinnen gewesen.

Für komplette Neu-Einsteiger in die Materie, vor allem jüngere Leser, und für Personen, welche die Schulmathematik in schlechter Erinnerung haben, kann die Lektüre dennoch lohnend sein. Schon allein deshalb, weil sie wegen des Verzichts auf Zahlen weniger „abschreckend“ wirkt und vielleicht doch Lust auf mehr machen kann.

Veröffentlicht am 29.05.2023

Interessanter Krimi mit unpassendem Titel

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Im zweiten Teil dieser Krimi-Reihe aus dem Wien der 1890er Jahre muss Inspektor Leopold von Herzfeldt sich gleich mit mehreren mysteriösen Straftaten auseinandersetzen. Im Kunsthistorischen Museum taucht ...

Im zweiten Teil dieser Krimi-Reihe aus dem Wien der 1890er Jahre muss Inspektor Leopold von Herzfeldt sich gleich mit mehreren mysteriösen Straftaten auseinandersetzen. Im Kunsthistorischen Museum taucht ein nach allen Regeln der altägyptischen Kunst mumifizierter Professor auf. Hat hier gar ein Fluch zugeschlagen, dem schon andere Mitglieder einer zwei Jahre zurückliegenden Expedition nach Ägypten zum Opfer gefallen sind? Auch ein möglicher Serientäter, der es auf junge Männer abgesehen hat, und ein Tierpfleger, der von einem Löwen zerfleischt wurde, geben Rätsel auf.

Seinem Titel „Das Mädchen und der Totengräber“ wird dieser Roman nicht gerecht. Der Totengräber hat nur einige wenige Auftritte (wenngleich diese entscheidend zu Lösung der Fälle beitragen), das Mädchen kommt fast gar nicht vor. Was schade ist, handelt es sich doch bei beiden um interessante Charaktere, über die ich gern noch mehr erfahren hätte. Augustin Rothmayer vereint ein kauziges Wesen mit einem umfangreichen Wissen- und Erfahrungsschatz. Diesmal schreibt er gerade ein Buch zum Thema „Totenkulte der Völker“.
Auch Leos Freundin, die Polizei-Fotografin Julia Wolf, ist eine sympathische Persönlichkeit, die sich trotz privater Probleme und drohender beruflicher Konsequenzen nicht davon abhalten lässt, ihre eigenen Nachforschungen anzustellen. Mit Leo konnte ich dagegen wie schon im ersten Band nicht wirklich warm werden. Immerhin macht er eine gewisse persönliche Entwicklung durch und wirkt weniger arrogant. Dafür, dass er sich als Vorkämpfer für moderne Methoden in der Kriminalistik sieht, ist seine Vorgehensweise jedoch eher traditionell und bisweilen nicht durchdacht.

Dennoch sorgt der Krimi für einige Spannung, wozu auch der häufige Wechsel der Erzählperspektive beiträgt. Einen Teil der Auflösung konnte ich zwar schon ziemlich bald erahnen und manches ist nicht wirklich logisch nachvollziehbar. Es gibt aber doch auch einige dramatische Szenen.
Vor allem aber hat mir der Hintergrund gefallen, vor dem die Geschichte angesiedelt ist. Das Leben und Denken zur Jahrhundertwende wird gut portraitiert und es werden interessante Schauplätze besucht.
Aus diesem Grund hat mir der Roman insgesamt doch ganz gut gefallen. Ich würde mich über eine Fortsetzung freuen, bei der dann hoffentlich der Totengräber eine größere Rolle spielt.

Veröffentlicht am 29.05.2023

(Bisweilen spekulative) Weltreise vor 1000 Jahren

Das Jahr 1000
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Zur Frage, wann die Globalisierung begann, gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten. Valerie Hansen setzt den Beginn dieses Phänomens hier deutlich früher an als die Mehrheit der Historiker. Denn um ...

Zur Frage, wann die Globalisierung begann, gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten. Valerie Hansen setzt den Beginn dieses Phänomens hier deutlich früher an als die Mehrheit der Historiker. Denn um das Jahr 1000 herum landeten die Wikinger erstmals an der Nordostküste Kanadas, wodurch bereits bestehende Handelsrouten quer durch Amerika mit Wegen, die durch Europa, Asien und Afrika führten, verbunden wurden. Zum ersten Mal hätte damit ein Gegenstand oder eine Nachricht um den ganzen Erdball reisen können.
Auch wenn (wie die Autorin betont: noch) kein Objekt bekannt ist, dass damals tatsächlich eine Weltreise unternommen hätte, und die Aktivitäten der Wikinger in Amerika auch keinen besonders nachhaltigen Einfluss ausübten, fand ich diese Argumentationslinie und vor allem die daraus folgenden Betrachtungen doch sehr interessant.
Hansen unternimmt gewissermaßen eine Reise um die Welt und berichtet unter anderem über mögliche Kontakte zwischen Wikingern und amerikanischen Hochkulturen, das von skandinavischen Auswanderern geprägte Osteuropa, einen afrikanischen König, der als reichster Mann der Welt galt, oder den am meisten globalisierten Ort in China.
Dabei ist immer wieder erstaunlich, welch weite Strecken Menschen (oft unfreiwillig) und Waren schon um das Jahr 1000 herum zurücklegten und wie sehr auch die Daheimgebliebenen von überregionalen Kontakten beeinflusst wurden.
Bisweilen wirken die Ausführungen jedoch etwas spekulativ und die Auswahl der Quellen voreingenommen. Wenn beispielsweise in einem Maya-Tempel abgebildete hellhäutige Personen gleich als Wikinger interpretiert oder Texte zitiert werden, deren Inhalt bisher nicht durch archäologische Funde bestätigt werden konnte.
Dennoch bietet dieses Buch einige spannende Einsichten und zeigt auch, dass die Europäer bei ihren Entdeckungen und Eroberungen ab 1492 auf bereits länger bestehende Netzwerke zurückgreifen konnten.

Veröffentlicht am 25.10.2022

Waringham zur Zeit von Henry III und Simon de Montfort

Drachenbanner
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Für den bereits siebten Teil der Waringham-Reihe (der zeitlich 22 Jahre nach dem Ende von „Teufelskrone“ einsetzt) hat Rebecca Gable zwei Hauptfiguren gewählt, die aus sehr unterschiedlichen Gesellschaftsschichten ...

Für den bereits siebten Teil der Waringham-Reihe (der zeitlich 22 Jahre nach dem Ende von „Teufelskrone“ einsetzt) hat Rebecca Gable zwei Hauptfiguren gewählt, die aus sehr unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen:
England, 1238: Die vierzehnjährige Adela of Waringham muss ihren beschaulichen Heimatort verlassen, um Hofdame vom Eleanor Plantagenet zu werden, der unkonventionellen Schwester des als schwach geltenden König Henry III. Adela gewöhnt sich gut bei Hofe ein und erlebt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einige Auseinandersetzungen zwischen Eleanors charismatischen Ehemann Simon de Montfort und dem König mit. Diese münden letztlich in Reformen, welche der Verfassungsgeschichte des Landes eine neue Richtung geben.
Adelas Milchbruder Bedric Archer, mit dem sie immer noch eine enge Freundschaft verbindet, lebt unterdessen als leibeigener Bauer in Waringham. Er träumt von Freiheit, doch bis es dazu kommt, sind einige Hindernisse zu überwinden.

Wie man es von der Autorin gewöhnt ist, ist dieser Roman in einem packenden und lebendigen Stil geschrieben, sodass ich mich gut in die Protagonisten hineinversetzen konnte. Adela und Bedric sind sympathische Charaktere, keine strahlenden Helden, sondern durchaus Menschen mit Fehlern und Schwächen, gerade deshalb fand ich es schön, mit ihnen mitzufiebern und sie bei ihren unterschiedlichen Abenteuern zu begleiten. Auch bei den übrigen auftretenden Personen wird auf Schwarz-Weiß-Malerei weitgehend verzichtet.
Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass durch Bedric auch das Los der Leibeigenen thematisiert wird, die in historischen Romanen sonst bestenfalls eine Nebenrolle spielen. Dabei machten sie damals den Großteil der Bevölkerung aus und wären die vielgerühmten Adeligen ohne sie gar nicht lebensfähig gewesen.
Der fiktive Teil der Handlung hat jedoch auch Schwächen. So wirkt die Entwicklung der Beziehung zwischen Adela und Bedric öfters unrealistisch und generell spielt der Zufall eine zu große Rolle. Für meinen Geschmack ist auch das Ende zu offen. Dies bietet aber immerhin vielversprechende Ansatzpunkte für eine Fortsetzung.

Außerdem sind zu Beginn des Buches die realen historischen Ereignisse (im Vergleich zu den anderen Teilen der Reihe) wenig präsent. Erst ab ca der Hälfte tritt dieses Thema verstärkt in den Vordergrund.
Die historischen Hintergründe sind dann jedenfalls sehr interessant. Ich wusste zuvor kaum etwas über Simon der Montfort und die von ihm initiierten Provisions of Oxford und konnte somit einiges Neue dazulernen.

Fazit: Dies ist nicht das beste Buch von Rebecca Gable, aber nichtsdestotrotz ein spannender Ausflug in die englische Geschichte. Es ist schön, die Familie Waringham wieder zu treffen und durch eine turbulente Zeit zu begleiten, während der die Front zwischen Königstreuen und Reformern auch mitten durch die Familie verläuft.

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Veröffentlicht am 21.08.2022

Unternehmungslustige Senioren im Luxushotel

Miss Sharp macht Urlaub
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Die bereits aus “Mord in Sunset Hall“ bekannte Senioren-WG macht diesmal Urlaub in einem Öko-Luxushotel in Cornwall. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft beginnen die Turbulenzen: Agnes glaubt, von der Terrasse ...

Die bereits aus “Mord in Sunset Hall“ bekannte Senioren-WG macht diesmal Urlaub in einem Öko-Luxushotel in Cornwall. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft beginnen die Turbulenzen: Agnes glaubt, von der Terrasse der Bar aus einen Mord beobachtet zu haben, Edwina ist fest davon überzeugt, hier einen geheimen Auftrag ausführen zu müssen und findet tatsächlich bald jemanden, der ihrer Hilfe bedarf, und Bernadette begegnet unvermutet einer Person aus ihrer bewegten Vergangenheit.

Obwohl es mehrere Todesfälle gibt, ist das Buch in einem lockeren, heiteren Ton geschrieben, sodass kein wirkliches „Krimi-Feeling“ aufkommt. Außerdem wirken manche Handlungselemente überzeichnet, und einige Geschehnisse sind unlogisch oder unrealistisch.
Das macht aber nicht viel, überzeugt die Geschichte doch ohnehin in erster Linie mit ihren liebenswürdigen und interessanten Charakteren. Es ist amüsant, Agnes und ihre Freunde bei ihren Ermittlungen und sonstigen Abenteuern zu begleiten. Schön auch, dass sie sich von ihren diversen altersbedingten Einschränkungen nicht unterkriegen lassen.
Auch das Drumherum ist gut gezeichnet, etwa die Atmosphäre in einem Luxushotel, wo zu Beginn noch alles idyllisch und geordnet ist, mit der Zeit aber immer mehr das Chaos um sich greift.
Wie in den meisten anderen Romanen von Leonie Swann spielt wieder ein Tier eine bedeutsame Rolle. Diesmal handelt es sich um eine junge Boa Constrictor, deren Leben eine für sie unerfreuliche Wendung nimmt.

Fazit: Es handelt sich hier um einen eher seichten, aber jedenfalls unterhaltsamen Roman, der sich auch gut als Urlaubslektüre eignet (obwohl die Geschichte im Winter angesiedelt ist). Ich würde jedoch empfehlen, zuerst „Mord in Sunset Hall“ zu lesen, da man über die Hintergründe der WG und ihrer Bewohner diesmal leider wenig erfährt.

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