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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2017

Zuviel

Palast der Finsternis
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Ein junger Autor, der über eine schier unerschöpfliche innere Bilderwelt verfügt und mit einer großartigen Wörterkraft diese Bilderwelt nachvollziehbar schildert: Segen und Fluch gleichermaßen in meinen ...

Ein junger Autor, der über eine schier unerschöpfliche innere Bilderwelt verfügt und mit einer großartigen Wörterkraft diese Bilderwelt nachvollziehbar schildert: Segen und Fluch gleichermaßen in meinen Augen…
Fünf ganz unterschiedlich talentierte Jugendliche aus den Staaten wurden ausgewählt, in Paris an einer sehr besonderen Expedition teilzunehmen, nämlich an der Erforschung eines unlängst entdeckten unterirdischen Palastes, der im 18. Jahrhundert von einem Adligen zur Zeit der Französischen Revolution zum Schutz für seine Familie erbaut worden war. Was als interessante Herausforderung beginnt, entpuppt sich sehr schnell als ein Labyrinth in den Abgrund, ein sich immer schneller drehendes Karussell der Gefahren und Bedrohungen. Der zweite Handlungsstrang schildert das Leben der adligen Familie Bessancourt in Paris um 1790. Während Mutter und Töchter im überirdischen Palast ausharren, vor der näherrückenden Gefahr der Aufrührer die Augen verschließend, wird unter dem Palast hektisch an einem „zweiten Versailles“ gebaut.
Das Buch wirkte auf mich wie ein langwährender Alptraum, surreal, mit immer wieder neu auftauchenden Wendungen, schier überbordend an überraschenden schönen wie grausamen Bildern. Durchaus spannend erzählt, aber im Gesamten hat mich das Buch dann doch ermüdet, weil die Flut der intensiven Bilder mich irgendwann überrollte und mich nicht mehr erreichte. Dieses Zuviel lässt leider die eigentliche Botschaft des Buches, nämlich dass wir gemeinsam so viel mehr schaffen können als allein, untergehen.

Veröffentlicht am 22.08.2017

Von Walgesang und der Überwindung von Angst

Der Wal und das Mädchen
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Tanja Kinkel kannte ich bisher nur als Autorin guter historischer Romane. Deshalb waren meine Erwartungen an ein Bilderbuch, von ihr geschrieben, zugegebenermaßen sehr hoch.
Eine hübsche Geschichte wird ...


Tanja Kinkel kannte ich bisher nur als Autorin guter historischer Romane. Deshalb waren meine Erwartungen an ein Bilderbuch, von ihr geschrieben, zugegebenermaßen sehr hoch.
Eine hübsche Geschichte wird erzählt, keine Frage. Eine Geschichte von Neugier, Angst, von Freundschaft und der Überwindung von Angst, wenn Hilfe nötig ist.
Der kleine Wal will nicht das machen, was die anderen Walkinder machen. Er will Neues entdecken! Und so schwimmt er ins Helle, Glitzernde, statt in der sicheren Tiefe zu bleiben. Maria fährt mit ihrer Familie in ein Ferienhaus am Strand. Sie hat Angst vor dem unberechenbaren Meer und vor den unsichtbaren Meeresbewohnern. Dennoch läuft sie allein zum Strand. (Eine Textstelle, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann…) Maria findet den kleinen Wal, der von der Ebbe überrascht im Sand steckengeblieben ist und Hilfe braucht. Sie und ihre gesamte Familie halten den Wal mit Tüchern feucht und ziehen ihn schließlich, als die Flut wieder kommt, zurück ins Wasser.
Was aber, bitte, ist eine Fluke? Dieser Begriff muss vermutlich auch von den Erwachsenen erst einmal nachgeschlagen werden müssen. Warum steht in diesem Bilderbuch (!) nicht einfach stattdessen das Wort „Schwanzflosse“ wie auch später im Text?
Auf den Bildern gefällt mir der Wal bzw. das Unterwasser-Leben sehr gut, aber die Menschen sind allesamt leider hölzern, steif und geradezu unnatürlich gezeichnet. Doch das wird nur aus Erwachsenensicht stören, nehme ich an. Den Kinder-Lese-Test konnte ich zum Zeitpunkt des Erstellens der Rezension leider noch nicht machen.

Veröffentlicht am 22.08.2017

Fit und sicher

Fit bis ins hohe Alter
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Für Menschen Ü70 gibt es kaum Anleitungsbücher für mehr Fitness. In den meisten Fällen gehen die Autoren von Menschen aus, die sich (noch) uneingeschränkt bewegen können. Insofern stellen sie mit ihren ...

Für Menschen Ü70 gibt es kaum Anleitungsbücher für mehr Fitness. In den meisten Fällen gehen die Autoren von Menschen aus, die sich (noch) uneingeschränkt bewegen können. Insofern stellen sie mit ihren vorgestellten Übungen Anforderungen, die Menschen Ü70 nicht unbedingt mehr erfüllen können.
Das Buch, verfasst von 4 Sportwissenschaftlern, will genau hier ansetzen und gibt einen 12-wöchigen Kursus für ältere Menschen vor, für Menschen, die sich bislang wenig bewegt haben. Der Kursus soll zu mehr Beweglichkeit und Mobilität führen, Stärke aufbauen und damit Sicherheit vermitteln. Das Buch ist in einen theoretischen und in einen praktischen Teil gegliedert und gibt neben viel Hintergrundinformationen gute und klare Übungsinstruktionen. mit vielen Fotos, die allerdings für den Laien nicht aussagekräftig genug sind.
Das Manual richtet sich an Kursleiter, die über entsprechende Qualifikationen verfügen. Das könnte erklären, weshalb bei Vorstellung der einzelnen Übungen für mich als Laien mitunter einzelne Hinweise fehlen, wie z. B. ob der Fuß gestreckt sein soll oder nicht. Auch die beigefügten Fotos sind für Laien nicht ausreichend geeignet, um Übungen fehlerfrei durchführen zu können.
Wieso ist bei Vorstellung der elastischen Übungsbänder im Text die Rede von gelben, roten und grünen Bändern, auf dem Foto sieht man jedoch nur je ein blaues, ein rotes und ein grünes Band?
Das Manual ist in Händen eines Fachmannes gut geeignet, sich in die Bedürfnisse des älteren Menschen hineinzufühlen, ihn genau dort abzuholen, wo er steht und ihn zur Bewegung zu motivieren, zur Erhöhung seiner Lebensqualität. Der Laie kann sich zwar ausreichend Informationen holen, aber von einem direkten Nachüben ohne fachliche Kontrolle würde ich abraten.

Veröffentlicht am 08.08.2017

Felsen, Höhlen, Hugenotten

In tiefen Schluchten
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Tori Godon, frisch verwitwete ehemalige Patentanwältin aus Deutschland, lebt am Fuße der Ceyennen im Süden Frankreichs in einem uralten Haus, dessen Geschichte sich mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen ...

Tori Godon, frisch verwitwete ehemalige Patentanwältin aus Deutschland, lebt am Fuße der Ceyennen im Süden Frankreichs in einem uralten Haus, dessen Geschichte sich mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. Sie lebt zurückgezogen und traurig mit ihren Erinnerungen, unternimmt viele Wanderungen, Marktbesuche, ist freundlich zu Mensch und Tier. Ein holländischer Tourist verschwindet. Ein alter Mann aus dem Dorf wird tot aufgefunden. Tori befasst sich mit dem Verschwinden des Holländers, gerät dabei selbst in große Gefahr…
Einerseits haben Regionalkrimis einen besonderen Reiz, insbesondere wenn man die entsprechende Gegend mag. Andererseits - was macht man mit einem Krimi, wenn man die Gegend so gar nicht leiden kann? Ich mag keine steilen Straßen, ich mag keine Höhlen, keinen kalten Regen, keine undichten Steinhäuser, auch wenn sie sich noch so malerisch an den Felsen schmiegen. Google zeigt viele wunderschöne Bilder zum Stichwort Ceyennen, und das Buch schildert entsprechend ausführlich und durchaus gekonnt und farbig die Besonderheiten der Gegend. Auch geschichtliches Wissen fließt reichlich in das Buch ein: so z. B. der Widerstandskampf der Hugenotten oder der Widerstand gegen die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg, die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit. Viel Wissen wird also hineingepresst in das Buch ebenso wie viele Landschaftsschilderungen, zwar jeweils geschickt verpackt und in die Handlung integriert, aber dennoch das Lesen streckenweise mühsam machend. Etwas mehr Spannung kommt erst im letzten Drittel des Buches auf.
Fazit: Das Buch ist kein Krimi im herkömmlichen Sinne. Es benötigt geduldige Leser mit der Liebe zur Bergwelt im Süden Frankreichs, Leser, für die die Kriminalgeschichte an zweiter Stelle stehen darf zugunsten der ausschweifenden Schilderungen einer pittoresken Landschaft und einer Bevölkerung, deren geschichtlicher Hintergrund das Schweigen und Vertuschen verständlich macht.

Veröffentlicht am 23.07.2017

Gewalt und Verwirrung

Shutter Man
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Über Generationen hinweg ist die Familie Farren allen Variationen des Verbrechens und der schlimmsten Grausamkeiten verpflichtet. Detective Kevin Byrnes hatte früher selbst Kontakt mit Mitgliedern dieser ...

Über Generationen hinweg ist die Familie Farren allen Variationen des Verbrechens und der schlimmsten Grausamkeiten verpflichtet. Detective Kevin Byrnes hatte früher selbst Kontakt mit Mitgliedern dieser Familie Farren. Zwar ermittelt er aktuell in einem anderen Fall, aber es scheint dennoch auch in der Gegenwart noch Verbindungen zu dem Farren-Clan zu geben…
Ein seltsames Buch, und für mich ganz und gar kein Thriller. Gut geschrieben ist das Buch zweifelsohne. Gut geschrieben im Sinne von: gut lesbar, Personen und Geschehnisse plastisch dargestellt, Szenen für sich genommen jeweils spannend beschrieben. Aber dennoch hat mich das Buch eigentlich nur genervt. Die vielen Familienmitglieder Farren über mehrere Generationen hinweg, die vielen Zeitsprünge, die vielen Einzelgeschichten haben in mir nur noch Verwirrung ausgelöst. Wer hat wann was mit wem in welcher Grausamkeit abgerechnet? Das Thema „fehlende Gesichtserinnerung“ passte insofern recht gut in meinen eigenen Lese-Verwirrtheitszustand. Lediglich das fulminante Ende mit einer sehr umfassenden Aufklärung packte mich wieder voll und ganz.
Fazit: Gekonnt geschrieben, aber zu viele Detailgeschichten, zu viele Handlungsstränge, zu viele Zeitsprünge. Insofern kein wirkliches Lesevergnügen.

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