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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2017

Auf jeden Fall findet der Besitzer oder potentielle Käufer hier alle wichtigen Informationen über die Marke und die Geschichte der wichtigsten Modelle.

Rolex, The Watch Book
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Gisbert L. Brunner, The Watch Book Rolex, Te Neues 2017, ISBN 978-3-96171-035-5

Es ist der Traum jedes Uhrenfreundes, einmal in seinem Leben eine Rolex zu besitzen und zu tragen. Leider bleibt dieser ...

Gisbert L. Brunner, The Watch Book Rolex, Te Neues 2017, ISBN 978-3-96171-035-5

Es ist der Traum jedes Uhrenfreundes, einmal in seinem Leben eine Rolex zu besitzen und zu tragen. Leider bleibt dieser teure Wunsch den meisten Normalverdienern ihr Leben lang verwehrt. Dennoch: dieses wunderbare Buch des Starautors Gisbert L. Brunner kann sie für diese Entbehrung entschädigen. Dreisprachig (deutsch, englisch, französisch) präsentiert der Band mit informativen Texten und in einer Vielzahl von Bildern der weltbekannten Marke Rolex ein Denkmal. Der renommierte Armbanduhrexperte und -historiker Gisbert L. Brunner lässt die Leser an seinem umfangreichen Fachwissen teilhaben.

Neben vielen historischen Uhren des 1905 von Hans Wilsdorf gegründeten Unternehmens werden in diesen repräsentativen Band auch etliche aktuelle Modelle vorgestellt. Die Preise dieser Uhren findet man allerdings nicht erwähnt.

Auf jeden Fall findet der Besitzer oder potentielle Käufer hier alle wichtigen Informationen über die Marke und die Geschichte der wichtigsten Modelle. Und er wird dann auch verstehen, wie aus dem Bestreben, wirklich gute Uhren zu bauen, nicht nur eine Weltmarke sondern auch ein Stück Kultur und Lebensart entstanden ist.



Veröffentlicht am 28.08.2017

Ein wichtiges Buch, das unaufgeregt viele Missstände beschreibt und dennoch die Hoffnung nicht aufgibt, dass viele Einzelne dazu beitragen können und werden, sie zu beheben.

Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen
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Axel Hacke, Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen, Kunstmann 2017, ISBN 978-3-95614-200-0

Das neue Buch des SZ-Kolumnisten und Bestsellerautors Axel Hacke ist ...

Axel Hacke, Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen, Kunstmann 2017, ISBN 978-3-95614-200-0

Das neue Buch des SZ-Kolumnisten und Bestsellerautors Axel Hacke ist ein nachdenkliches Plädoyer für "Anstand in schwierigen Zeiten“. Natürlich ist Anstand ein schwammiger Begriff, atmet viel 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Wurde damals unter diesem Begriff meist noch auf Manieren etc. geachtet, geht es Axel Hacke in seinem lesenswerten und so gar nicht besserwisserischem Buch hauptsächlich darum, dass wir in unserer gegenwärtigen Gesellschaft weitflächig den Respekt voreinander verloren haben.

Die angeblich „sozialen“ Netzwerke sind der Ort, wo sich der Verlust des Anstands so häuft, dass insbesondere ihre Anonymität Menschen ermutigt und verführt, in regelrecht steinzeitliche Verhaltensformen zurückzufallen und die das Übelste hervorbringen, was in ihnen steckt. Das Individuum ist alles, der Gemeinsinn, die Solidarität nichts mehr.

Es ist keine Frage, dass das, was unsere und im Übrigen auch andere Gesellschaften zusammenhält und ihr Stabilität gibt, dadurch extrem gefährdet ist. Axel Hacke führt viele Beispiele auf, z.B. die Frage, wie jemand zum Präsident der USA werden kann, der die Respektlosigkeit und den Narzissmus zum Rezept seiner Politik macht. Oder das, was mittlerweile insbesondere nach Unfällen auf unseren Autobahnen alltägliche Praxis ist an Gaffen und Rücksichtslosigkeit.

Vieles, was er beschreibt, hat er in Dialoge mit einem Freund gekleidet, was das Buch gut lesbar macht. Er nennt den Anstand eine „Sache jedes Einzelnen und damit eine Sache von uns allen.“

Ein wichtiges Buch, das unaufgeregt viele Missstände beschreibt und dennoch die Hoffnung nicht aufgibt, dass viele Einzelne dazu beitragen können und werden, sie zu beheben.






Veröffentlicht am 28.08.2017

Ich war von der ersten Seite an in der Handlung drin, und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, bis ich zu einem sehr überraschenden Ende gelangt war.

In tiefen Schluchten
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Anne Chaplet, In tiefen Schluchten. Ein Kriminalroman aus dem Süden Frankreichs, Kiepenheuer & Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05042-4

Anne Chaplet hat eine neue Krimireihe gestartet, die sie in der wilden ...

Anne Chaplet, In tiefen Schluchten. Ein Kriminalroman aus dem Süden Frankreichs, Kiepenheuer & Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05042-4

Anne Chaplet hat eine neue Krimireihe gestartet, die sie in der wilden Landschaft des Vivarais am Fuße der Cevennen spielen lässt, wo sie selbst seit vielen Jahrzehnten einen Teil ihres Lebens verbringt. Man spürt ihren Beschreibungen von Natur und Menschen ab, wie sehr sie dieses Land liebt und wie sie sich immer wieder mit ihm und seinen Bewohnern auseinandersetzt. Die sind nämlich in einer langen auf die Hugenotten zurückgehenden Tradition in ihrer Mehrheit rebellisch. Viele Aussteiger und Propheten leben dort und halten die alten Traditionen hoch. Nicht immer gleich verständlich und nachvollziehbar für Fremde, die sich dort niedergelassen haben. So wie die 42 – jährige, frisch verwitwete Tori Gordon, eine ehemalige Anwältin aus Deutschland, die sich dort niedergelassen hat und nach einer neuen Lebensaufgabe sucht.

Ihre Freundin Eva betreibt eine kleine Pension. Dort ist ein niederländischer Höhlenforscher abgestiegen. Nach wenigen Tagen schon ist er spurlos verschwunden und Eva ist nicht geneigt, viel zu einer Suche nach ihm beizutragen. Tori allerdings ist von der ersten Minute an beunruhigt, erst recht, nachdem der alte Didier Thibon, der ihr schon seit langem immer wieder von sagenhaften Schätzen und Schmugglerverstecken in den zahlreichen Höhlen der Umgebung erzählte, tot aufgefunden wird. Tori wird misstrauisch und macht sich in der Schluchten der wilden Landschaft auf die Suche und bringt sich dabei selber in Lebensgefahr.

Wie hängen die Aktivitäten des Holländers mit den Hugenotten zusammen, die in dieser Region einst Zuflucht fanden? Und was hat das alles mit der Geschichte des Dorfes zu tun? Das fragt sie sich, während sie selbst auf Rettung wartet.

Anne Chaplet verbindet, ähnlich wie das Martin Walker und Jean-Luc Bannalec mit ihren Krimireihen seit etlichen Jahren tun, spannende Kriminalfälle mit französischer Geschichte, hauptsächlich der dort noch weitgehend unbearbeiteten Zeit des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung. Bei Chaplet kommt in der neuen Reihe noch dazu, dass die spezielle, durch die rebellischen Hugenotten geprägte Eigenart der Menschen und Traditionen in den Cevennen beschrieben wird.

Ich war von der ersten Seite an in der Handlung drin, und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, bis ich zu einem sehr überraschenden Ende gelangt war.

Ich freue mich auf den hoffentlich zweiten Band der Reihe.



Veröffentlicht am 28.08.2017

Thomas Ebelt nimmt seine Leser mit auf eine Reise zu den architektonisch schönsten Leuchttürmen Europas.

Lichter über dem Meer
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Thomas Ebelt, Lichter über dem Meer. Leuchttürme an Europas Küsten, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10934-7

Leuchttürme sind von jeher ein Blickfang. Für viele Menschen sind sie auch Traumgebäude, ...

Thomas Ebelt, Lichter über dem Meer. Leuchttürme an Europas Küsten, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10934-7

Leuchttürme sind von jeher ein Blickfang. Für viele Menschen sind sie auch Traumgebäude, Orte von Kindheitsphantasien. Sie trotzen den Gewalten des Meeres, weisen Schiffen den Weg und bewahren Seefahrer vor Schiffbruch. Ob aus Stahl, Ziegeln oder Beton, oft unter abenteuerlichen Bedingungen im Wettlauf mit den Gezeiten erbaut, sind Leuchttürme die letzten maritimen Zeugen schönster Industriearchitektur einer vergangenen Epoche. Sie prägen Landschaften und sind an den Orten, an denen sie in den Himmel ragen, oft ein unübersehbarer Touristenmagnet.

Thomas Ebelt nimmt seine Leser mit auf eine Reise zu den architektonisch schönsten Leuchttürmen Europas. In seinem nach Ländern und angrenzenden Meeren gegliederten Band stellt er jedes Bauwerk auf einer Doppelseite vor, liefert interessante Informationen zu Bauart, technischen Details und der zuweilen wechselvollen Historie.

Spannend und bildlich inszeniert bekommen so Leuchttürme von Ostsee über Nordsee (Polen, Estland, Schweden, Dänemark, Deutschland), vom Nordatlantik (Island, Schottland) bis ins Mittelmeer (Portugal, Spanien, Frankreich) einen Platz. Und auch die eine oder andere kurzweilige Anekdote fehlt nicht, was sein Buch “Lichter über dem Meer” zu einem schönen Mitbringsel für Leuchtturm-Liebhaber macht.

Veröffentlicht am 28.08.2017

„Wir werden erwartet“ ist ein großer autobiographisch geprägter Roman und ein gelungener Abschluss einer Tetralogie, die sich über die ersten drei Jahrzehnte Nachkriegsdeutschlands erstreckt. Eine wahre Liebeserklärung an die Sprache, ihren Reichtum und i

Wir werden erwartet
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Ulla Hahn, Wir werden erwartet, DVA 2017, ISBN 978-3-421-04782-3

Nachdem die große deutsche Lyrikerin Ulla Hahn im Jahr 2001 mit „Das verborgene Wort“ den ersten Teil der Lebensgeschichten ihres Alters ...

Ulla Hahn, Wir werden erwartet, DVA 2017, ISBN 978-3-421-04782-3

Nachdem die große deutsche Lyrikerin Ulla Hahn im Jahr 2001 mit „Das verborgene Wort“ den ersten Teil der Lebensgeschichten ihres Alters Egos Hilla Palm erzählte und dafür den Deutschen Bücherpreis erhielt, ließ sie im Jahr 2009 auf ebenfalls über 600 Seiten den zweiten Teil folgen unter dem Titel „Aufbruch“. In beiden Romanen zeigte sie sich nicht nur als eine wahre Künstlerin und Akrobatin des Wortes und seiner ihm innewohnenden Kraft, sondern auch als eine große Meisterin epischer Darstellung.

Nachdem Hilla im zweiten Band gegen Ende zum Opfer einer Vergewaltigung wird, für die sich selbst die Schuld gibt – sie nennt sich Hilla Selberschuld – verlässt sie, zumindest unter der Woche, ihren Heimatort Dondorf am Rhein und zieht als Studentin nach Köln, wo sie in einem katholischen Wohnheim nicht nur eine Bleibe, sondern auch Freundinnen findet.

Auch im drit5en Teil der Tetralogie „Spiel der Zeit“ erzählte 2014 Ulla Hahn mit großer Sprachmacht in einem Gewebe aus Erfahrung, Erfindung und Dokumentation. Dabei ist sie selbst hin- und hergerissen: „So sehr ich weiß, dass es weitergehen muss, so dringend mein erzählerisches Pflichtgefühl gebietet, Hilla endlich vorwärtszuschicken ins neue Leben, so mächtig treiben mich meine Gefühle zurück zu den Orten und Menschen meiner Kindheit. Erst jetzt beim Schreiben merke ich das. All das Neue, das Hilla erlebt, wird erst neu, wird erst zur Gewissheit, zum Eigen, wenn es sich widerspiegelt im Alten, wenn es zum Vergangene in Beziehung gesetzt wird.“

Das ist quasi das Credo, das sich auch durch das neue, das grandiose Gesamtwerk abschließende Buch „Wir werden erwartet“ zieht, das ich gelesen habe, indem ich mir jede freie Minute gestohlen habe, um nicht unterbrochen zu werden. Nicht nur in einem spannenden und bewegenden Handlungsablauf in einer studentenbewegten Epoche Mitte der siebziger Jahre, die ich als junger Student in Frankfurt und Mainz selbst in Erinnerung habe, sondern auch in einem sprachlichen und poetischen Reichtum, den ich so schon lange nicht mehr bei irgendeinem Buch genießen konnte.

Zu Beginn ist Hilla Palm noch mit ihrem Hugo zusammen. Wie selten bei einem Paar sind sie auch spirituell eine Einheit, bei aller Kritik an „Demdaoben“ lassen sie die Verbindung zu ihm nicht abreißen, und sind sich sicher, dass es stimmt, was ein junger Pater zu ihnen sagte: „Wir werden erwartet“.

Doch Hugo stirbt bei einem Unfall und Hilla stürzt in die größte Krise ihres bisherigen Lebens. Es ist der alte Pfarrer aus dem Heimatort Dondorf, dem es gelingt, ihr durch Zeichen und Verständnis so etwas wie Halt und Orientierung zu geben.
Schon in „Spiel der Zeit“ wurde deutlich, dass die radikalen Auswüchse der Studentenbewegung Hilla abgestoßen haben. Und so landet sie, nachdem sie ihre fast fertige Dissertation in Köln verwirft und nach Hamburg geht, bei der DKP. Dort glaubt sie zunächst, den richtigen politischen Ort gefunden zu haben. Und ihr politisches Engagement bringt sie in einen neuen Kontakt mit ihrer Herkunft, mit ihrem Vater und ihrem geliebten Bruder. Schon bald tauchen erste Zweifel auf an der Ideologie der Partei, doch es wird einige Jahre dauern, bis sie sich davon befreien kann. Doch die neue Verbindung mit dem Vater bleibt.

Wieder verwebt Ulla Hahn starke Elemente eines Entwicklungsromans, obwohl er nur einige Jahre umfasst, aber immer wieder die Gegenwart mit der Vergangenheit in Verbindung bringt, mit den Konturen eines imposanten Epochengemäldes der 70-er Jahre. Da geht es um Sehnsucht und Leidenschaft, da geht es um Wahrheit und Glauben, um den Kampf für Gerechtigkeit und den selbstverantworteten Glauben an Dendaoben in einer sich verändernden Welt voller Gewalt und Ungerechtigkeit. Und es geht darum, wie Liebe alte Verletzungen heilen kann. Um Versöhnung.

„Wir werden erwartet“ ist ein großer autobiographisch geprägter Roman und ein gelungener Abschluss einer Tetralogie, die sich über die ersten drei Jahrzehnte Nachkriegsdeutschlands erstreckt. Eine wahre Liebeserklärung an die Sprache, ihren Reichtum und ihre Schönheit und ein Loblied des Lebens und dessen, der es schenkt und bewahrt.

Am Ende sieht sie in einem Tagtraum eine alte Frau, die ihr eine Botschaft von Hugo übermittelt: „Mein Hilla, meine geliebte Frau. Du wirst erwartet. Und was dich hier erwartet ist: die Liebe. In unbeschreiblicher, unvorstellbarer Fülle… Lass dir Zeit. Ich kann warten. Hier hat keine keine Zeit. Weil es keine Zeit mehr gibt. Wir alle hier können warten. Es gibt kein Warten, wo der Augenblick in Ewigkeit verweilt. Und in Schönheit“!

Ich habe nie zuvor so poetische Worte über die Transzendenz unseres Lebens und unserer Existenz gelesen. Ja, wir werden erwartet.