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Veröffentlicht am 28.09.2017

Wenn Dialoge die Spannung ruinieren

Extraterrestrial - Die Ankunft
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In ferner Zukunft: Auch wenn die Menschen mittlerweile unterschiedliche Sternensysteme bewohnen, sind die Probleme immernoch die alten. Kriege, Handelsprobleme und Imperiale Versuche, das Menschenvolk ...

In ferner Zukunft: Auch wenn die Menschen mittlerweile unterschiedliche Sternensysteme bewohnen, sind die Probleme immernoch die alten. Kriege, Handelsprobleme und Imperiale Versuche, das Menschenvolk auf solch großer Fläche zu einen - notfalls mittels Gewalt. Militär und Adel haben sich einen hohen Stand gesichert. Da gelangt ein Raumschiff einer fernen Galaxie zu den Menschen, an Bord ein ihnen unbekanntes Wesen - tot. Werden weitere Aliens folgen? Droht der Menschheit Gefahr aus der Ferne? Captain Roderick Blaine wird mit seinem Schiff und militärischer Begleitung zu den Aliens geschickt...
Gleich vorweg sei gesagt, dass der Roman bereits 1974 von den Autoren veröffentlicht wurde. Dies macht sich entsprechend an mehreren Stellen deutlich bemerkbar, welche ich zwar nicht bewerten, jedoch erwähnen möchte: Sämtliche Raumschiffe besitzen keinerlei Trägheitskompensation! Jede Art von Beschleunigung, Rotation oder Stillstand im All macht sich somit mehr oder minder stark bemerkbar. Ein Umstand, welcher in heutiger SF-Literatur undenkbar wäre. Desweiteren ist die Rolle der Frau leider während der über 1000 Jahre auf dem Stand der 1970er hängen geblieben: Die Frau hat gut auszusehen, wird hoffentlich bald heiraten und beruflich, sofern sie denn arbeitet, kaum ernst genommen. Ein Umstand, welcher leider stellenweise etwas nervt.
Die Aliens selbst sind sehr gut erdacht und entsprechen keinerlei 08/15-Aliens. Sie sind komplett anders als die Menschen, so dass sich schnell Fragen der Annäherung, des Vertrauens und eines eventuellen Handels stellen. Dieser Fragen und Probleme haben sich die Autoren ausgiebig angenommen und die Protagonisten hierüber diskutieren lassen. Und hierin liegt meine Kritik an dem Roman: Selbst die beste SF-Idee wird langweilig, wenn die Protagonisten seitenweise nur diskutieren und grübeln statt etwas zu erleben. Die Kapitel mit den Aliens oder in deren Galaxie, in etwa in der Mitte des Romans, sind spannend zu lesen, da viel geschieht und man darauf brennt, Neues über die "Splitterer" genannten Aliens zu erfahren. Doch drumherum verliert sich der Roman leider viel zu sehr in Dialogen. Zudem blieb die Rolle des Captains weit hinter der üblicher Raumschiff-Captains anderer SF-Stories zurück: An der Action nahm er gar nicht teil, dafür an den unendlich scheinenden Diskussionen über Politik und Wirtschaft.
Eine wunderbare Idee mit sehr viel Potential, welche die Herren Niven und Pournelle leider deutlich zu dialoglastig umgesetzt haben.

Veröffentlicht am 07.09.2017

Ein eher unglaubwürdiger Thriller, der nur langsam Fahrt aufnimmt

Spectrum
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Was verbindet ein Massaker in einem südafrikanischen Slum mit einer Geiselnahme in einer US-amerikanischen Tresorbank? Mit dieser Frage wird der Leser gleich zu Beginn des Romans konfrontiert. Unterstützende ...

Was verbindet ein Massaker in einem südafrikanischen Slum mit einer Geiselnahme in einer US-amerikanischen Tresorbank? Mit dieser Frage wird der Leser gleich zu Beginn des Romans konfrontiert. Unterstützende Hilfe im Fall der Geiselnahme in einer "GoBox"-Filiale erhofft sich Agent Carter, stellvertretender Leiter des FBI Las Vegas, durch August Burke, den Sohn eines Freundes. Burke ist jung, analytisch, hochintelligent - und anders.
Ohne allzuviel zu verraten kann ich hier sagen, dass es das Asperger Syndrom ist, welches Burke zu einem ungewohnten Menschen macht. Seine Scheu vor anderen Menschen, kombiniert mit seiner aussergewöhnlichen Intelligenz, verleihen dem Charakter ein hohes Potential, welches der Autor gewinnbringend in seinen Roman einbringen könnte. Die Aspekte des Asperger Syndroms, um Burkes Handeln nachvollziehen zu können, sind für meinen Geschmack ausreichend und gut verständlich im Roman eingebaut. Leider erlag der Autor der Versuchung, Burke immer mehr zu einem Superhelden mutieren zu lassen, der selbst aus kleinsten Spuren eindeutige Wege aufzeigen konnte. Neben Burke fallen zudem auch einige weitere Charaktere und Momente zu superlativ aus, was dem Roman die Glaubwürdigkeit nimmt. Besonders das Ende, welches letztlich den Titel des Romans begründet, fällt mir schon zu gewollt fantastisch aus und macht die Glaubwürdigkeit des Romans vollends zunichte. Weitere Kritikpunkte wären eine störende Unübersichtlichkeit zu Beginn des Romans, da einfach zuviele Personen auftauchen, ohne dass ersichtlich ist, wer davon später wichtig sein könnte. Viele Personen im Buch bleiben zweidimensional, oberflächlich und dadurch langweilig. Positiv kann ich hingegen auf jeden Fall werten, dass die angenehm kurzen Kapitel wechselnd aus der Sicht unterschiedlicher Personen geschildert sind und dadurch zu einer angenehmen Abwechslung führen.

"Das Geheimnis ist, den Feind zu verwirren" (Zitat S. 392)

Im Gegensatz zum Bösewicht im Roman verwirrt Ethan Cross leider vielmehr den Leser mit zu vielen flachen Charakteren, einem immer wieder fast in Vergessenheit geratenden Handlungsstrang um Polizistin Isabel Price und einen inoffiziellen FBI-Berater, der in einem Superhelden-Graphic Novel besser aufgehoben gewesen wäre. Mir war das alles zu superlativ und unrealistisch, insbesondere das Ende.

Veröffentlicht am 14.08.2017

Evolution trifft auf Revolution

Und Marx stand still in Darwins Garten
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Was wäre, wenn sich der berühmte Naturforscher Charles Darwin sowie Karl Marx, seines Zeichens Revolutionär, zu ihrer Zeit begegnet wären? Zwei große Köpfe, welche nicht weit voneinander entfernt im London ...

Was wäre, wenn sich der berühmte Naturforscher Charles Darwin sowie Karl Marx, seines Zeichens Revolutionär, zu ihrer Zeit begegnet wären? Zwei große Köpfe, welche nicht weit voneinander entfernt im London des Jahres 1881 wohnten. Welche, jeweils auf ihre Art, großen Einfluss auf die damalige Gesellschaft hatten. Was wäre geschehen, hätten die beiden sich zu einem Gespräch zusammengefunden? Autorin Ilona Jerger ging diesem Gedankenspiel nach...
Charles Darwin und Karl Marx waren Charaktere, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten. Und ebendiese beiden Männer lässt die Autorin in ihrem Roman fiktiv bei einem Dinner aufeinander treffen. Beide bereits im fortgeschrittenen Alter und nicht mehr bester Gesundheit, sind sie jedoch in der Lage, einen leidenschaftlichen Disput über Gott und die Welt zu führen, dem es sich zu folgen lohnt.
Dem Buch ist eine ausführliche Recherche der Autorin um die beiden Protagonisten anzumerken. Der Roman kommt sprachlich in einem einwandfreien Stil daher. Leider ist alles stellenweise inhaltlich sehr in die Länge gezogen und schwerpunktmäßig zugunsten Darwin ausgelegt. Auch wenn versucht wurde, die beiden Persönlichkeiten auf ihre alten Tage hinreichend authentisch zu präsentieren, wurde für meinen Geschmack das Potential, Geschichte und Fiktion spannend miteinander zu verweben, nicht ausgereizt. Dies nimmt dem Roman ein wenig den Unterhaltungswert und lässt die notwendige emotionale Tiefe vermissen.
Der Sprecher des Hörbuchs, Peter Kaempfe, macht seinen Job gut und hat versucht, dem Roman ein wenig mehr Tiefgang zu verleihen, als dies im Roman selbst der Fall ist.

Veröffentlicht am 09.07.2017

Fantasyhorror mit einigen Längen

Maleficus
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Wien 1365 A.D.: Nach dem brutalen Überfall auf Elyssas Familie ist diese mit dem Dominikaner Stephanus auf der Suche nach dem Verantwortlichen dieses Verbrechens. Nachdem sich ihnen der einzige Überlebende ...

Wien 1365 A.D.: Nach dem brutalen Überfall auf Elyssas Familie ist diese mit dem Dominikaner Stephanus auf der Suche nach dem Verantwortlichen dieses Verbrechens. Nachdem sich ihnen der einzige Überlebende eines tödlichen Angriffs auf den Nachbarort anschließt beobachten die drei zu ihrem Schrecken, wie sich die Toten aus ihren Gräbern erheben, gierig nach dem Blut der Menschen, angeführt von einem Strigoi, einem unsterblichen Vampir. Mutig nehmen die drei den Kampf gegen die Untoten auf - doch da wird Elyssa selbst von einer Kreatur der Finsternis gebissen und verwandelt sich in eine Unsterbliche. Der Kampf gegen die erstarkende Bestie im eigenen Körper bestimmt fortan ihr Handeln...
Bereits das Cover verdeutlicht, dass es in diesem Roman um eine Kämpferin vor der Kulisse Wiens geht. So ist Elyssa auch keine typische junge Frau ihrer Epoche, sondern war bereits als Kind rebellisch und brachte sich über die Jahre heimlich den Umgang mit dem Schwert bei. Beeindruckt hat mich das Bestreben der Autorin, die vorkommenden Wesen der Nacht so nah wie möglich alten Legenden entsprechen zu lassen. Zudem besitzt Melanie Vogltanz die Gabe, sich sehr poetisch ausdrücken zu können. In Passagen, in denen Gefühle und Stimmungen transportiert werden, ist dies sehr von Vorteil. Doch kann ein Zuviel an Poetik auch zum Nachteil geraten: Grad, wenn die Handlung spannend wird, sorgte ein zuviel der Poetik leider dafür, die Spannung unnötig in die Länge zu ziehen, was den Spannungsbogen arg strapazierte und die Handlung bisweilen ausbremste. Zudem fielen mir einige Dialoge etwas zu lang aus, was der Spannung ebenfalls Steine in den Weg legte.
Die Protagonistin wirkte auf mich leider stellenweise sehr unreif und jähzornig und wurde wie eine kleine Superwoman dargestellt, was mir immer wieder mal den Lesespaß raubte. Jedoch ist zum Ende des Romans hin erkennbar, wie sie an den Geschehnissen gewachsen und reifer geworden ist. Sehr gelungen war der mysteriöse Touch des Geistlichen sowie der Twist zum Ende des Romans mitsamt Cliffhanger, welcher neugierig auf den Folgeroman macht. Ein unheimlicher Fantasyhorror mit einigen Längen, welche jedoch zum Ende hin wieder die Kurve kriegt.

Veröffentlicht am 17.06.2017

Gute Idee, nicht komplex genug umgesetzt

Der Brief
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Maries beste Freundin aus Schulzeiten schreibt ihr nach rund 15 Jahren einen Brief. Stutzig macht die Journalistin, dass sowohl ihre Adresse auf dem Umschlag falsch ist (Paris statt Hamburg), als auch ...

Maries beste Freundin aus Schulzeiten schreibt ihr nach rund 15 Jahren einen Brief. Stutzig macht die Journalistin, dass sowohl ihre Adresse auf dem Umschlag falsch ist (Paris statt Hamburg), als auch eine falsche Absenderadresse angegeben ist. Doch vielmehr hat es noch der Inhalt des Briefes in sich: stimmen die Erinnerungen an frühere Zeiten noch mit der Wahrheit überein, werden Maries Leben sowie das ihrer Freundin Christine in dem Brief völlig falsch dargestellt. Wer ist dieser Victor, mit dem die Hamburgerin angeblich glücklich in Paris zusammenlebt? Und hat Christine wirklich noch ein zweites Kind bekommen? Marie glaubt erst an einen schlechten Scherz, doch als Christine plötzlich einen Brief von einer Marie aus Paris erhält, fasst Marie den Entschluss, in Paris der Sache auf den Grund zu gehen...

"Die Realität ist eine Frage der Wahrnehmung, nicht der Wahrheit." (Zitat S. 51)

Mit "Der Brief", einem Verwirrspiel der Realitäten, legt Autorin Carolin Hagebölling ihren Debütroman vor. Das schön gestaltete Cover passt sehr gut zum Roman und lässt eine spannende Geschichte erhoffen. So machten die mysteriösen Briefe und Fotos mich auch recht schnell neugierig, was es wohl damit auf sich haben könnte. Leider wurde diese wunderbare Idee für meinen Geschmack nicht komplex genug umgesetzt, vermisste ich einen gewissen Tiefgang sowohl in der Handlung als auch bei den Charakteren: so blieben vor allem die Personen neben Marie zumeist recht blass und dimensionslos. Zudem fiel mir negativ auf, wie sich Marie manchmal schlicht unlogisch verhielt. War das Erzähltempo im ersten Abschnitt noch angenehm, raste der Roman ab dem zweiten Abschnitt in Paris leider nur so durch die Handlungen, wodurch das Buch zu oberflächlich, vieles auf der Strecke blieb. Zum Ende des Romans hatte mir eine gute Erklärung des Verwirrspiels erhofft, welche ich durch das offene Ende leider nicht erhielt. Positiv ist auf jeden Fall der Schreibstil der Autorin, welcher sich recht gut lesen lässt.
Meine Erwartungen hat der Roman leider nicht so recht erfüllt, daher vergebe ich wohlverdiente drei von fünf Sternen.