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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2023

Berührend

Kein guter Mann
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Walter ist ein alter weißer Mann und entspricht mit seiner Granteligkeit jedem Klischee. Als Postbote hat er mit vielen Menschen zu tun und manchmal flippt er aus, z.B. als er sich mit dem ebenso granteligen ...

Walter ist ein alter weißer Mann und entspricht mit seiner Granteligkeit jedem Klischee. Als Postbote hat er mit vielen Menschen zu tun und manchmal flippt er aus, z.B. als er sich mit dem ebenso granteligen Herrn Leyendecker anlegt. Daraufhin wird er zur Strafe in die Christkindfiliale der Post in Engelskirchen versetzt. Er soll Kinderbriefe beantworten und lernt dabei den kleinen Ben kennen, der in echten Problemen steckt. Nach und nach stellt sich heraus, dass Ben sehr einsam ist und seine Mutter an schweren Depressionen leidet. Walter will helfen, aber das gelingt nicht wirklich. Denn auch Walter schleppt eine schwere Bürde mit sich, seit mit seiner Familie alles schief ging.

Das Buch hat mich total überrascht. Ich hatte eine etwas kitschige Weihnachtsschmonzette erwartet, aber ich bekam ein berührendes und tiefgründiges Buch über Aufstieg und Fall, Erfolg und Scheitern, das mich nicht losgelassen hat. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und habe es fast in einem Rutsch durchgelesen. Dazu trug der sehr flüssige Schreibstil von Andreas Izquierdo bei, aber auch die abwechslungsreiche Handlung mit den eingestreuten Mails und Briefen. Immer wieder gab es neue Wendungen und Walter wurde nach und nach zu einem Menschen, dem man sich sehr nahe fühlen konnte und dem man viel Glück gewünscht hätte. Er war doch "ein guter Mann", wie sein Schwiegervater anfangs schon bemerkte, aber das Leben war ihm nicht wohlgesonnen.

Eine berührende weihnachtliche Geschichte ohne Kitsch und sehr nah am richtigen Leben!

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Veröffentlicht am 24.08.2023

Bewegend

Sekunden der Gnade
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Wie weit geht man, wenn einem alles genommen wird? Die Frage stellt sich für Mary Pat Fennessy, die nach ihren Mann und ihrem Sohn nun auch ihre geliebte Tochter Jules verloren hat. Sie ist eines nachts ...

Wie weit geht man, wenn einem alles genommen wird? Die Frage stellt sich für Mary Pat Fennessy, die nach ihren Mann und ihrem Sohn nun auch ihre geliebte Tochter Jules verloren hat. Sie ist eines nachts einfach verschwunden und niemand kann sagen, wo sie ist. In ihrer Verzweiflung geht Mary Pat über alle Grenzen und legt sich mit dem mächtigen Bandenboss des Stadtviertels von Boston an.
Das alles erzählt Lehane vor dem Hintergrund des "Bussing" im Jahr 1974. Dabei sollten schwarze und weiße Schulkinder in Schulen der jeweils anderen Hautfarbe transportiert werden, um eine bessere Mischung zu erreichen und im besten Fall das Verständnis füreinander zu fördern. Die Proteste waren ungeheuer, im ganzen Land kam es zu Demos und Gewalt.
Das Buch ist außerordentlich gut geschrieben und sehr bewegend. Es zeigt, was Rassismus damals anrichtete und was er auch heute anrichtet. Ich konnte nicht aufhören zu lesen und war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Das Problem ist heute so aktuell wie vor fünfzig Jahren und ich lege es allen Leserinnen und Lesern sehr ans Herz.

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Veröffentlicht am 27.07.2023

Großartig

Die letzte Nacht
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Fünfzehn Jahre nach ihrer Vergewaltigung wird Sara Linton wieder heftig an das Geschehen damals erinnert, als eine junge Frau ins Hospital eingeliefert wird, die ebenfalls vergewaltigt wurde. Alles weist ...

Fünfzehn Jahre nach ihrer Vergewaltigung wird Sara Linton wieder heftig an das Geschehen damals erinnert, als eine junge Frau ins Hospital eingeliefert wird, die ebenfalls vergewaltigt wurde. Alles weist darauf hin, dass sie nicht das einzige Opfer des Vergewaltigers war und Sara sucht nach Spuren. Sie steht kurz vor ihrer Hochzeit mit Will Trent und Will und seine Partnerin Faith ermitteln heimlich in den Kreisen, in denen auch Sara früher verkehrte. Alle ehemaligen Studenten und Assistenzärzte sind erfolgreiche Ärzte geworden, aber schon bald ergeben sich Spuren zu einem "Vergewaltigerclub". Sara hat schwer zu kämpfen, um mit all dem fertig zu werden.
Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend und hat mich nicht losgelassen. Ich mag die Bücher von Karen Slaughter schon lange, aber dieses Buch ist eines ihrer besten. Es geht unter die Haut und ist sicher keine leichte Feierabendlektüre.
Gut geschrieben, sehr fesselnd und keine Minute langweilig - besser geht es nicht!

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Veröffentlicht am 24.07.2023

Tiefe Beziehung

Vom Ende der Nacht
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Claire Daverley ist mit diesem Buch ein wunderbarer, nicht kitschiger Liebesroman gelungen, der mich begeistert hat.
Will und Rosie sind unterschiedlich, wie man unterschiedlicher nicht sein kann. Rosie ...

Claire Daverley ist mit diesem Buch ein wunderbarer, nicht kitschiger Liebesroman gelungen, der mich begeistert hat.
Will und Rosie sind unterschiedlich, wie man unterschiedlicher nicht sein kann. Rosie ist brav und angepasst, Will ein Draufgänger, der alles ausprobiert, was man machen kann. Und doch fühlen sie sich über Jahre zueinander hingezogen. Rosies Bruder ist bei Wills Geburtstagsparty gestorben und beide werden von den Schuldgefühlen fast erdrückt, obwohl sie nicht im juristischen Sinne schuldig geworden sind. Für beide ist es schwierig damit umzugehen und es belastet ihre Beziehung.
Daverley beschreibt die beiden jungen Menschen sensibel und berührend. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hoffte immer, dass sie endlich zueinander finden. Aber die Probleme nehmen kein Ende.
Das Buch ist auf jeden Fall sehr lesenswert und kann es allen empfehlen, die gern ungewöhnliche Liebesgeschichten lesen.

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Veröffentlicht am 18.07.2023

Köstlich!

Nincshof
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Das ist wirklich ein seltsamer Ort, in den die Dokumentarfilmerin Isa und ihr Mann Silvano gezogen sind: Nincshof an der österreichisch-ungarischen Grenze.
Ungewöhnliche Geschichten ranken sich um den ...

Das ist wirklich ein seltsamer Ort, in den die Dokumentarfilmerin Isa und ihr Mann Silvano gezogen sind: Nincshof an der österreichisch-ungarischen Grenze.
Ungewöhnliche Geschichten ranken sich um den Ort und Isa ist neugierig. Sie befragt immer wieder die alte Erna Rohdiebl, die im Geheimen mit drei Männern in Kontakt steht, die sich "Oblivisten" nennen. Deren Ziel ist es dem Ort wieder Frieden zu geben, indem sie ihn von der übrigen Welt abschotten. Da werden Seiten aus Geschichtsbüchern entfernt, Ortsschilder im Kanal versenkt und Radfahrer mit Jaucheduschen überrascht. Aber Isa und der Ziegenzüchter Silvano stören bei diesem Vorhaben...
Es gab lange kein Buch mehr, das mich so zum Lachen brachte wie dieses. Johanna Sebauer hat so obskure Situationen erdacht, dass ich mir das Lachen einfach nicht verbeißen konnte. Dabei hat die Geschichte einen ernsten Hintergrund, nämlich die Überforderung der Menschen von dem täglichen Getöse, den Medien (sozialen und asozialen), den Anforderungen der Verwaltungen und den gesellschaftlichen Verpflichtungen. Einfach in Ruhe leben - mehr wünschen sich die Nincshofer nicht. Eigentlich ein bescheidener und nachvollziehbarer Wunsch!
Das Buch ist ein sehr gelungener Debütroman, wie ich ihn nicht erwartet hatte. Johanna Sebauer findet eine ganz eigene, sehr präzise und oft ungewöhnliche Sprache. "In der Waschküche troff die Revolution von den feuchten Wänden." - einfach köstlich! Und dann diese Irrziegen! Sie sind das Symbol für das ganze Achtsamkeitsgedöns der Städter, die glauben auf dem Land das irdische Paradies zu finden.
Ich kann das Buch ohne Einschränkung empfehlen und bin gespannt auf das nächste Buch der jungen Autorin.

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