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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2023

Die Suche nach dem Funkelstein und der Wahrheit

Ziemlich beste Mäuse – Es heißt Freundschaft, weil man mit Freunden alles schafft
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Bei „Ziemlich beste Mäuse“ handelt es sich um den ersten, in sich abgeschlossenen Teil einer neuen Reihe. Die an sich süße Tiergeschichte eignet sich als Vorlesegeschichte ab fünf Jahren oder für fortgeschrittene ...

Bei „Ziemlich beste Mäuse“ handelt es sich um den ersten, in sich abgeschlossenen Teil einer neuen Reihe. Die an sich süße Tiergeschichte eignet sich als Vorlesegeschichte ab fünf Jahren oder für fortgeschrittene Erstleser. Die Geschichte hätte mir durchaus auch sehr gut gefallen können, doch leider stört mich die charakterliche Darstellung einiger Tiere.

Henry ist ein Möchtegern-Halunke, der so versessen auf Anerkennung ist, dass ihn jede Lüge recht ist. Er ist zudem ein Angeber und hält sich, zumindest am Anfang der Geschichte, für den Größten. Nachdem seine Meisterprüfung jedoch mit großem Karacho gescheitert ist, versucht er sich auf Burg Funkelstein einen Namen zu machen, indem er den verschollenen Diamanten findet.

Ich muss sagen, dass mir sein Selbstbewusstsein und die Lügerei schon ein wenig unsympathisch waren. Insofern hatte ich auch ein wenig Probleme, mich mit ihm und der Geschichte anzufreunden. Im Laufe des Buches entwickelt er sich und man kann außer seiner Großspurigkeit noch andere durchaus liebenswerte Seiten an ihm entdecken. Er setzt sich für seine Freunde ein und ist bereit, sich selbst in Gefahr zu bringen, um anderen zu helfen. Niedlich ist auch, wie furchtbar peinlich ihm seine rot anlaufenden Ohren sind.

Insgesamt finde ich trotzdem, dass er und auch ein weiteres Tier mit ihren Lügengeschichten am Ende sehr leicht davongekommen sind. Zumal ich nicht verstehe, warum er sich überhaupt als Maus bzw. Mausmän ausgeben musste. Die anderen Tiere hätten ihn auch als Gleithörnchen von Anfang an akzeptiert und eigentlich hätte auch die unerfahrenste Maus erkennen sollen, dass es sich um keinen ihrer Art handelt. Amüsant fand ich allerdings die Tatsache, dass Gleithörnchen tatsächlich unter UV-Licht rosa leuchten, wie es hier im Buch geschildert wird. Das wusste ich zuvor noch nicht.

Des Weiteren stört mich die Darstellung der Frettchen. Schon bevor sie wirklich auftreten, werden sie als böse und gefräßig abgetan. Henry bemerkt sie und fühlt sich sofort im Recht, sie verfolgen und beobachten zu müssen. Und natürlich war sein Misstrauen und seine Vorurteile völlig berechtigt. Was soll ein Kind daraus lernen? Dass es bestimmte Gruppen/Tierarten gibt, die tatsächlich immer heimtückisch sind und auch entsprechend behandelt werden müssen?

Im Buch tauchen außerdem immer wieder die Kirchenmäuse auf. Diese beten, fürchten sich vor der Sintflut und überlegen, ob Mausmän der Tod ist oder vom Himmel bzw. vom Bösen gesandt wurde. Diese Mäuse werden auch mit Kreuz und betend in den Bildern gezeigt. Ich persönlich mag keine Darstellungen von Religion in einem Kinderbuch über Tiere, aber das ist wahrscheinlich eine Geschmacks- und Glaubensfrage.

Die bunten Illustrationen von Dorothee Mahnkopf sind dagegen wirklich bezaubernd und geben die einzelnen Tiere und die beschriebenen Szenen sehr gut wieder. Auf fast jeder Doppelseite befindet sich wenigstens ein kleines Bild. Manche erstrecken sich auch über beide Seiten.

Insgesamt konnte mich das Buch nicht vollends überzeugen. Ich finde es toll, dass der kleine Henry tatsächlich eine charakterliche Entwicklung vollzieht. Dennoch war es für mich anfangs schwer, in die Geschichte hineinzufinden und ich mag die Charakterisierung einiger Tiere nicht.

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Veröffentlicht am 22.09.2023

Schade, leider nicht ganz gelungen

Der geheime Garten
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Der Kinderbuchklassiker „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett ist zurecht eines der beliebtesten Kinderbücher der Welt. Ich finde es toll, dass mit diesem Bilderbuch auch 4-Jährige bereits an ...

Der Kinderbuchklassiker „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett ist zurecht eines der beliebtesten Kinderbücher der Welt. Ich finde es toll, dass mit diesem Bilderbuch auch 4-Jährige bereits an diese bezaubernde Geschichte herangeführt werden sollen, doch leider bleibt von dieser letztlich nur noch wenig übrig.

Das kleine, überaus verzogene Mädchen Mary findet als Waise Unterschlupf im Haus ihres Onkels. Dort muss sie sich aus Mangel an Alternativen in und mit der Natur beschäftigen. Auf ihren Streifzügen entdeckt sie einen überwucherten Garten. Bei ihrem Vorhaben, diesen wieder zum Erblühen zu bringen, bildet sie eine tiefe Freundschaft zu Dickon und ihrem Cousin Colin. Und auch die Kinder selbst erstrahlen und verändern sich charakterlich zum Positiven.

Bei der vorliegenden Version handelt es sich allenfalls um eine sehr grobe Zusammenfassung der ursprünglichen Geschichte. Die Charaktere bleiben blass und distanziert. Man kann aufgrund der nüchternen Sprache nur schwer eine wirkliche Beziehung zu ihnen aufbauen oder ihre Motivation und Entwicklung nachvollziehen. Dafür fehlen ganz einfach zu viele wichtige Details, sodass das Ganze doch sehr abgehackt und wenig zusammenhängend wirkt. Sehr schade!

Auch wenn der Text mich nicht überzeugen konnte, die Bilder selbst sind jedoch bezaubernd und versuchen, all das wiedergutzumachen, was der stark gekürzten Übersetzung nicht gelingt. Die großformatigen Illustrationen bringen die einzelnen Charaktere toll zur Geltung und zeigen das Erblühen des Gartens in eindrucksvoller Intensität.

An sich handelt es sich bei dem Buch „Der geheime Garten“ um einen tollen Klassiker. Um aber die Geschichte auch für 4-Jährige wirklich lebendig werden zu lassen, reicht meines Erachtens der hier angebotene Text nicht aus. Wenn man aber keine Probleme damit hat, die Lücken im Erzählfluss selbst zu schließen, findet man in den sehr schönen Illustrationen eine ansprechende Unterstützung.

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Veröffentlicht am 09.09.2023

Verschenktes Potenzial

Der kleine Wal und der schönste Ort der Welt
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Das Buch „Der kleine Wal und der schönste Ort der Welt“ konnte mich und meine fast drei Jahre alte Tochter leider nicht überzeugen. Die Illustrationen sind wirklich wunderschön und haben mich überhaupt ...

Das Buch „Der kleine Wal und der schönste Ort der Welt“ konnte mich und meine fast drei Jahre alte Tochter leider nicht überzeugen. Die Illustrationen sind wirklich wunderschön und haben mich überhaupt erst zum Kauf verleitet, jedoch war der Inhalt ziemlich enttäuschend.

Im Grunde gibt der Klappentext bereits den kompletten Inhalt der Geschichte wieder, wobei es sich nur im entfernten Sinne tatsächlich um eine Geschichte handelt. Tatsächlich besteht das Buch mehr aus einer Aneinanderreihung von verschiedenen Situationen und Orten. Eine wirkliche Spannung baut sich nie auf bzw. wird gleich im nächsten Moment wieder negiert und aufgelöst, sodass letztlich lediglich bezaubernde Meereslandschaften bestaunt werden.

Die Botschaft des Buches, dass es dort am schönsten ist, wo die Menschen bzw. Lebewesen sind, die man liebt, ist sicher keine schlechte, aber kommt viel zu banal daher. Die ganze Welt wird in Rosarot wahrgenommen. Natürlich sieht es überall wunderschön aus, alles ist toll. Es gibt keine Ecken und Kanten. Es wird Schönheit wirklich nur in optisch Schönem gefunden, nicht in Handlungen oder was hinter der Oberfläche durchblitzt.

Zumal auch ein hässlicher Ort schön werden kann, wenn man mit denjenigen zusammen ist, die einen glücklich machen. Man muss nicht alles verklären, damit man Glück und Zufriedenheit finden kann. Aus diesem Grund ist es sehr schade, dass die aktuellen Probleme wie etwa Umweltverschmutzung, Überfischung oder Klimawandel völlig ignoriert wurden und nicht als Chance für eine tiefsinnigere Botschaft genutzt wurden.

Die Illustrationen gefallen mir persönlich sehr. Sie sind allesamt in eher dunklen Tönen gehalten. Es dominieren die Farben Blau, Rot und Orange. Das Problem daran ist, dass meiner Tochter die Bilder zu dunkel und letztlich zu langweilig waren. So richtig interessiert war sie an dem Buch nicht, obwohl sie sich sonst immer begeistert auf neues Lesefutter stürzt. Natürlich ist das aber eine reine Geschmacksfrage.

Das Buch ist grafisch durchaus ansprechend gestaltet. Der Inhalt war mir persönlich jedoch zu banal und die „Geschichte“ zu spannungsarm. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Bitte zieh dir etwas an

Rabid
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Die Romantasy Rabid bringt einige Zutaten mit, die grundsätzlich vielversprechend sind: Werwölfe, eine starke weibliche Hauptfigur und eine düstere, von Machtstrukturen geprägte Welt. Aber letztlich verkommt ...

Die Romantasy Rabid bringt einige Zutaten mit, die grundsätzlich vielversprechend sind: Werwölfe, eine starke weibliche Hauptfigur und eine düstere, von Machtstrukturen geprägte Welt. Aber letztlich verkommt die Geschichte hinter klischeehaften Figuren, einer voraussichtlichen Storyline, teilweise lächerlich anmutenden Plots und einem eindimensionalen Bösewicht.

Seneca hat gerade ihre Mutter unter dubiosen Bedingungen verloren und damit ihren Schutzwall gegen den grausamen und sexistischen Alpha. Sie ist eine selbstbewusste und kämpferische Frau, deren Werwolfhälfte sich ebenso wenig unterkriegen lassen will wie sie selbst. Dennoch wird sie letztlich einem fremden, wilden Wolfsrudel vor die Füße geworfen. Die Chemie zu dem dort ansässigen Alpha ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Allerdings mutet es schon etwas seltsam an, dass die Protagonistin während der Geschichte fast durchgehend nackt herumspringt. Das geht sogar soweit, dass die Versuche des Love-Interests sie einzukleiden, zu einem Running Gag verkommen.

Sicherlich werden reine Romantasy-Liebhaber mit dieser Geschichte vollkommen auf ihre Kosten gekommen. Die Handlung ist relativ kurzweilig, wenn auch wenig glaubwürdig – und damit meine ich nicht die fantastischen Elemente. Die Protagonisten und das neue Wolfsrudel sind auch durchaus sympathisch und interessant. Die Bösewichte hingegen empfinde ich als völlig überzeichnet. Man sollte sich zudem bewusst sein, dass hier Themen wie sexueller Missbrauch angesprochen, wenn auch nicht direkt gezeigt werden. Etwas seltsam sind auch die Spice-Szenen, da hierbei der Mann Knoten entwickelt, sodass er vorerst nicht von der Frau getrennt werden kann. Das widerspricht meiner Meinung nach dem Prinzip der Emanzipation.

Rabid bietet bekannte Romantasy-Zutaten in einem düsteren Setting mit feministischer Grundidee, bleibt in der Umsetzung aber zu klischeehaft und oberflächlich, um wirklich überzeugen zu können. Wer nicht allzu viel Tiefe erwartet, findet hier dennoch kurzweilige Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Zu düster

Girls of Dark Divine − Eine Tänzerin. Ein Fluch. Eine verzweifelte Liebe.
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„Girls of Dark Divine“ hat mich von der Idee sehr angesprochen: Tänzerinnen, die durch einen Fluch zu Marionetten wurden. Allerdings ist mir die Umsetzung für meinen Geschmack zu düster und deprimierend ...

„Girls of Dark Divine“ hat mich von der Idee sehr angesprochen: Tänzerinnen, die durch einen Fluch zu Marionetten wurden. Allerdings ist mir die Umsetzung für meinen Geschmack zu düster und deprimierend geworden.

Das Buch ist von einer melancholischen, finsteren Stimmung durchzogen. Die Protagonistin Emberlyn kann sich kaum noch an ihr Leben erinnern, bevor sie von Malcolm Manrow zu einer bloßen Puppe reduziert wurde. Es gibt kein Entkommen, keine Möglichkeit, sich seinen Befehlen zu widersetzen. Doch da stirbt plötzlich eine zweite Marionette an einer seltsamen Krankheit und es wird klar, dass weitere folgen könnten.

Die Tänzerinnen hassen und verabscheuen ihr Leben als lebende Marionetten. Sie halten jedoch zusammen und versuchen, sich gegenseitig eine emotionale Stütze zu sein. Inzwischen sind sie aber alle so demoralisiert, dass jeder Gedanke von Freiheit und Hoffnung eher für Missstimmung sorgt. Emberlyn lässt die Idee jedoch nicht los. Die zarte Romanze zwischen ihr und dem Schatten, mit dem sie auf der Bühne tanzt, ist ebenfalls so durchtränkt von Hoffnungslosigkeit, dass zumindest für mich keine romantische Stimmung aufkommt. Auch die Auflösung am Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen.

„Girls of Dark Divine“ ist atmosphärisch dicht und hat einige originelle Ideen, doch die konsequent düstere Grundstimmung, der Mangel an Hoffnung und die bedrückende Perspektivlosigkeit machen es zu einer Lektüre, die vielleicht nicht jeder genießen kann. Wer sich aber von melancholischen Stoffen nicht abschrecken lässt, findet hier durchaus ein ungewöhnliches Buch. Für mich jedoch war es einfach zu deprimierend und ich war froh, als ich mich anderen Themen widmen konnte.

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